Das Schulbuch – gedruckter Anachronismus?!

Die Gestaltung von Schulbüchern spielt eine zentrale Rolle im Bildungsprozess. Sie prägt, wie Lerninhalte präsentiert und wahrgenommen werden, und beeinflusst maßgeblich die Motivation und den Lernerfolg. Betrachtet man den deutschen Schulbuchmarkt, fällt jedoch auf, dass trotz der zentralen Bedeutung dieser Medien die visuelle Gestaltung von Schulbüchern sich sehr langsam weiterentwickelt und wenig mit dem zu tun hat, wie aktuelles Grafikdesign unsere Medienlandschaft prägt. Die Masterthesis untersucht die Entstehung, Funktion und Gestaltung deutscher Schulbücher und entwickelt darauf aufbauend ein Gestaltungskonzept für ein modernes Schulbuch. Der praktische Teil setzt dieses Gestaltungskonzept exemplarisch in der Neugestaltung des Schulbuches Terra Geografie 8 vom Ernst Klett Verlag um. Ziel der Arbeit ist es, zu zeigen, welchen Anteil die visuelle Gestaltung zur Schulbuchentwicklung beitragen kann und welchen Unterschied ein gut gestaltetes, zeitgenössisches Bildungsmaterial macht.

AURA_1989: GEGENWART WIRD VERGANGENHEIT

Ausgehend von der Frage, was von einer vermeintlichen Ost-Identität nach 35 Jahren Wiedervereinigung geblieben ist, untersucht das Projekt erinnerungskulturelle Narrative jenseits der Verkürzung auf die SED-Diktatur. Die Arbeit zielt auf eine multiperspektivische Auseinandersetzung mit gelebten Realitäten in der DDR und fragt nach ihrer Relevanz im heutigen Stadtraum. Oral-History-Interviews bilden die Grundlage für eine gestalterische Intervention am Marx-Engels-Forum in Berlin: ein Prototyp für eine augmentierte Erinnerungslandschaft, die sich über die ehemalige sozialistische Zentrumsfläche Berlins erstreckt. Die Artefakte der Ost-Moderne werden dabei als Träger subjektiver Erinnerungen neu kontextualisiert. Mit Blick auf neue Medienformate und Zielgruppen entsteht eine interaktive Form der Geschichtsvermittlung zwischen Stadt, Gedächtnis und digitaler Erweiterung – ein Raum für Erinnerung jenseits des binären Erzählens.

Trash-to-Cash: Der intelligente Mülleimer –

Was wäre, wenn es eine Art Pfandsystem für Verpackungsmüll gäbe? Trotz des Trennsystems und der vermeintlich guten Recyclingquoten in Deutschland gehen im Verpackungsmüll viele wertvolle Materialien verloren. Die zentrale Frage dieser Arbeit zielt daher darauf ab, ob eine frühe, materialbasierte Trennung von Verpackungsmüll – auf Haushaltsebene – das Recycling steigern kann und über ein nutzerfreundliches Rückgabesystem zu einem doppelten Wert führt: Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft.

Trotzdem machen

Bayern und Hessen führen im Mai 2024 das Genderverbot ein. Genderneutrale Sprache mittels Sonderzeichen wird in öffentlichen Institutionen untersagt. Damit wird ein Thema politisiert, das von vielen Entscheidungsträger*innen selbst als vermeintlich unbedeutend angesehen wird. „Trotzdem machen“ zeigt, wie und warum genderneutrale Sprache in Wort und Schrift weiterhin Bestandteil unserer Gesellschaft bleiben muss.

In Form eines Hardcovers ist eine Erörterung entstanden, die die Kontraseite als das vermeintliche Problem und das „Was jetzt“ aufgreift. Ergänzend dazu wurden ein Softcover, eine beiliegende Postkarte mit den Hard Facts sowie eine Animation entwickelt, um dem Thema auch in anderen Medien Kontext zu geben.

For Real Music Lovers

Mitten in der Aschaffenburger Fußgängerzone steht ein unscheinbares Gebäude aus den 1930er Jahren – doch hinter diesen Mauern verbirgt sich ein Ort, der über Jahrzehnte hinweg zum kulturellen Mittelpunkt einer ganzen Stadt geworden ist: der Colos-Saal.
Dieser Ort prägt die Musik- und Kulturszene der Stadt, zieht Künstler aus aller Welt an und wird von ihnen als zweites Wohnzimmer beschrieben.

Dieser Bildband gibt exklusive Einblicke hinter die Kulissen – in den Alltag der Menschen, die mit Leidenschaft hier arbeiten, und in die besonderen Momente der Künstler, die auf ihrer Tournee im Colos-Saal ankommen.
Ergänzt wird dies durch persönliche Texte von Claus Berninger, dem Gründer des Colos-Saals, seiner Frau Jutta Schaadt-Berninger sowie unter anderem von Mitgliedern der Bands Boppin’B und Café del Mundo.

Real Music Lovers ist in Kooperation mit dem Colos-Saal Aschaffenburg entstanden. Eine Hommage an einen einzigartigen Ort, der weit über Aschaffenburg hinausstrahlt.

353

Die Videoinstallation 353 führt durch eine visuelle Dokumentation persönlicher Dinge zur Sensibilisierung und Reflexion des individuellen Konsumverhaltens. Die aus dem alltäglichen Gebrauch der Dinge abgeleiteten Inszenierungen offenbaren den skurrilen und ausufernden Konsum, der im Alltag oft ungesehen bleibt. Der Umgang mit den Dingen in ihrer Gesamtheit erlaubt eine humorvolle und zugleich ernsthafte Darstellung dieses Konsumverhaltens und dient als visuelle Zählung. Die Inszenierungen sind unerwartet und nicht belehrend, um die Auseinandersetzung mit dem Thema so zugänglich wie möglich zu machen. Die Kritik an unserem Konsum soll durch die Zurschaustellung der Dinge und der massenhaften Inszenierung deutlich werden und zu einer selbstständigen Einordnung durch die Betrachter:innen führen. Die Auswahl der dargestellten Dinge erfolgt mit der Intention, dass sich jede:r damit identifizieren, sich angesprochen fühlen, direkte Vergleiche ziehen und sich eine Meinung bilden kann.

modi funis

I AM THE PRINTER
I PRINT
I PRINT LIKE A PRINTER
BUT NOT LIKE A PRINTER

I AM THE TEXTILE PRINTER

Die Kollektion „modi funis – I AM THE PRINTER“ revitalisiert textile Handwerkskunst durch digitale Ästhetik und Fertigungstechniken. Digitale Medien prägen unseren Alltag, treiben uns zur Perfektion und entfremden uns zugleich. Die Verschmelzung analoger und digitaler Welten birgt die Gefahr kulturellen Verlusts. modi funis erforscht, wie digitale Faszination das Kunsthandwerk bereichern kann. Inspiriert vom 3D-Druck entstehen neuartige textile Flächen, die Form und Schnitt neu definieren. Kordeln formen sich entlang traditioneller Nähte und überschreiten diese zu zusammenhängenden Flächen. Couture-Elemente inszenieren das Textil skulptural am Körper. Die Kollektion zeigt, wie Mode Handwerk ehrt und digitale Technologie integriert.

Effektivität von Entsorgungshinweisen auf Lebensmittelverpackungen

Da ein erheblicher Teil des Recyclingpotenzials durch fehlerhafte Entsorgungen in privaten Haushalten verloren geht, tragen zunehmend mehr Lebensmittelverpackungen Entsorgungshinweise. Diese Arbeit untersucht quantitativ, ob solche Hinweise tatsächlich das Potenzial besitzen, das Trennverhalten zu verbessern. Dafür wurden vier Hinweise für die Verpackung einer Schokoladenpraline entworfen und in einer Studie mit 120 Teilnehmenden getestet. Die Varianten unterscheiden sich hinsichtlich der Informationsdarstellung (Piktogramme und/oder Text) sowie farblicher oder keiner Hervorhebung. Zwei der Varianten führten deutlich häufiger zu einer korrekten Entsorgung als die Basisvariante ohne Hinweis. Die Ergebnisse liefern erste evidenzbasierte Erkenntnisse zur Wirksamkeit und Gestaltung von Entsorgungshinweisen. Zudem lassen sich erste Empfehlungen zu Gestaltungselementen ableiten, die jedoch in Folgeuntersuchungen genauer betrachtet werden sollten.

Getting Closer

Getting Closer ist eine multidisziplinäre Auseinandersetzung mit kollektiver Intelligenz als einem Konzept, das Speziesgrenzen überschreitet.
Die Welt ist ein Netzwerk miteinander verbundener Akteure, die ein intelligentes System zur Erhaltung des Lebens auf der Erde bilden. Während der Intelligenzbegriff traditionell mit der menschlichen Identität verknüpft ist, hat dieses Verständnis zu einer Abgrenzung von diesen Systemen geführt. Angesichts des Aufstiegs von KI, die diese Sichtweise infrage stellt, stellt Getting Closer die Frage, wie Technologien zu einer Schnittstelle in eine mehr-als-menschliche Welt werden können, uns Einblicke in die komplexen Netzwerke des Lebens bieten, unsere Wahrnehmung erweitern und Möglichkeiten für interspezifische Zusammenarbeit schaffen.
Um diese Praxis der Fürsorge zu kultivieren, wird das Projekt in einem Objekt verkörpert, das KI integriert, kontextualisiert durch Umweltsensoren, die einen Dialog zwischen mehr-als-menschlichen Akteuren ermöglichen. Bestehend aus erodierendem Ton, im Kontrast zum Aluminiumgehäuse der Elektronik, wird die Materialität selbst Teil einer fortlaufenden Interaktion mit der Umwelt.

TasteForce

TasteForce ist eine alkoholfreie Shot-Marke, die im Sinne des SDG 3.5 zur Prävention von Alkoholmissbrauch beiträgt. Der Ansatz fokussiert den sozialen Aspekt von Alkoholkonsum: Durch den intensiven Geschmack als Alleinstellungsmerkmal entsteht ein Mutprobencharakter, der den Konsum zum Erlebnis macht. Ergänzt wird dies durch ein Character Design, welches das Produkt emotional auflädt. Die Marke verzichtet bewusst auf das Narrativ der Alternative und verfolgt stattdessen einen humorvollen, selbstbewussten Auftritt. Neben den Getränken umfasst die Gestaltung auch Zubehör, Werbemittel und digitale Medien. Der Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung wird dabei ganzheitlich berücksichtigt, u. a. durch die Ermöglichung eines Pfandsystems.

Die bewusste Förderung alkoholfreier Getränke verfolgt einen selbstregulierenden Lösungsansatz, der durch einen nachhaltigen Wandel in Denk- und Verhaltensmustern zur langfristigen Verringerung der Suchtanfälligkeit im Jugendalter beiträgt.