Sicherheitshalber

Wie sieht ein produktives Verhältnis im Umgang mit den eigenen Unsicherheiten aus, und mit welchen Techniken und Strategien versucht der Mensch den Sorgen und Zweifeln entgegenzutreten, um der Sicherheit halber ins Handeln zu kommen?
Dieser Frage nachspürend, wirft das Projekt einen Blick auf die Subkultur des Preppens als eine spezifische Form der Krisenvorsorge und Perspektive zur Selbstermächtigung.
Die Konfrontation mit den im Prepping propagierten Bildern, Selbstverständnissen, Werten und Normen führt in ein Spannungsfeld von Sicherheit und Verletzlichkeit und regt zur Frage an, was Sicherheit in ihrer materiellen wie zeitlichen Dimension ausmacht, inwiefern dabei Erzählungen von Zukunft Realitäten schaffen und welche Ästhetik diese mit sich bringen.

In gestalterischer Auseinandersetzung diese Momente reflektierend, sind eine wärmende Powerstation, die Licht ins Dunkel bringt, ein tragendes Seil und ein portabler Wassersammler entstanden.

Personal Fit Socket

Personal Fit Socket ist ein neuartiges Schaftsystem für Oberarmprothesen, das erstmals Komfort, Funktion und Eigenständigkeit in einem anpassbaren Design vereint. Ein integriertes BOA-Drehverschlusssystem ermöglicht es Anwender:innen, den Schaft flexibel und in Echtzeit an Volumenschwankungen des Stumpfes anzupassen – einfach, selbstständig und ohne fremde Hilfe. Strategisch platzierte Auflageflächen und gezielte Freiräume verbessern die Luftzirkulation, reduzieren Schwitzen und fördern Hygiene. Durch generativ gestaltete Strukturen und modulare Bauweise entsteht ein funktionales, leichtes und ästhetisches Produkt. Additive Fertigungsverfahren ermöglichen eine präzise, individuell angepasste Herstellung für jede:n Nutzer:in. Das Projekt setzt neue Maßstäbe in der Prothetik – für mehr Lebensqualität, Selbstbestimmung und Akzeptanz im Alltag.

Eden OS

In einer Welt, die von Informationen überflutet und von sich ständig verändernden digitalen Landschaften geprägt ist, bleibt unsere Interaktion mit Computern überraschend fragmentiert. Die Werkzeuge, die wir nutzen, stehen oft nicht im Einklang mit der Art und Weise, wie wir denken, gestalten und die Welt verstehen. Wir stecken fest in Systemen aus einer anderen Ära — jonglierend mit Apps, Tabs und Dateistrukturen, die sich seit Jahrzehnten kaum grundlegend verändert haben.

EdenOS ist eine Antwort darauf — eine Neugestaltung der persönlichen Computerumgebung als Raum, der das Denken verstärkt und kreative Verbindungen fördert. Anstelle starrer Hierarchien und voneinander getrennter Apps ermöglicht es, dass Informationen fließende, kontextbezogene Formen annehmen — geprägt von der Art, wie wir tatsächlich arbeiten und denken. Es ist dafür gemacht, sich entwickelnde Ideen zu unterstützen, nicht nur fertige zu speichern — ein System, das mit dir wächst, wie ein Garten.

Das Projekt verbindet Designforschung, hochauflösendes Interface-Prototyping und ein Konzeptvideo, um diesen neuen Ansatz für digitale Arbeitsumgebungen zu vermitteln.

Bau(m)stamm

Baumstamm ist ein Verbindungselementesystem für Kinder, das das kreative Bauen mit natürlichen Materialien wie Stöcken und Ästen ermöglicht. Es besteht aus sechs Hauptmodulen und passenden Schrauben, die sich flexibel kombinieren lassen. Die unterschiedlichen Formen der Hauptmodule erlauben das Konstruieren vielfältiger Formen mit Ästen bis zu 3 cm Durchmesser. So können Äste beispielsweise aneinandergereiht, in einer Kreuzform oder im 90-Grad-Winkel angeordnet werden oder eine Art Tipi-Form bilden. Besonders prägend war für die Entwicklung der Besuch im Waldkindergarten. Der pädagogische Ansatz zielt darauf, mit möglichst wenig Vorgegebenem die Kreativität der Kinder anzuregen und fast ausschließlich natürliches Spielmaterial wie Stöcke, Steine, Äste, Blätter und Erde zu verwenden. Baumstamm soll Kinder ermutigen, wieder mehr mit natürlichen Materialien zu spielen, ihre Umwelt aktiv zu erkunden und dabei Kreativität, Feinmotorik und ein Bewusstsein für die Natur zu entwickeln.

Edna’s Call – Triptychon

„Wann immer wir denken, dass wir Erinnerungen produzieren, sind wir in Wirklichkeit mit Formen des Werdens beschäftigt.“ — Deleuze & Guattari

Das experimentelle Filmprojekt Edna’s Call erforscht transgenerationale Verbundenheit und die Vater-Tochter-Beziehung zu Lebzeiten. Die deutsch-amerikanische Kathrin und ihr US-amerikanischer Vater Daniel (seit 1974 als Schreiner/Tänzer in Deutschland) erkunden das unheimliche Haus der verstorbenen (Groß-)Eltern in den USA. Die Reise ermöglicht durch Erinnerungsstücke und gemeinsame Erlebnisse eine tiefere Verbindung zum Ort, zueinander und zu (Groß-)Mutter Edna (*1919), die 1944 in New York Schauspielerin werden wollte.

Drei Videos zeigen verwebte Ebenen: Narrationen ergänzen sich, laufen an anderer Stelle auseinander, finden wieder zusammen. Verknüpft wird Archivierungsarbeit mit künstlerischer Inszenierung, um Familiengeschichte, Identität und die reintegrierende Kraft der Versöhnung zu erleben.

Believing in Together

In Zeiten globaler Krisen wird es immer wichtiger, nach alternativen Arbeitsmodellen zu suchen, die nicht auf einem Gegen-, Unter- oder Übereinander basieren. Obwohl es Kollektive schon sehr lange und in allen Arbeits- und Lebensbereichen gibt, werden sie noch immer stark unterschätzt.

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich eine Reise nach Mexiko, Chile, Australien und Indonesien unternommen, um dort sechzehn Kollektive in unterschiedlichen Kontexten kennenzulernen und von ihnen zu lernen. Das Ergebnis dieses partizipativen Forschungsprojekts zielt nicht darauf ab, Theorien kreativer Zusammenarbeit zu erklären, sondern zeigt aus verschiedenen Perspektiven, was geschieht, wenn Menschen an das Miteinander glauben.

Es ist ein spielerisches Manifest dafür, mutig Türen ins Unbekannte zu öffnen – und die eigenen weit offen zu lassen, damit auch andere Menschen (und Katzen!) eintreten können.

Nachhaltiges Industriedesign

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit führte ich Interviews mit regionalen Industrieunternehmen, darunter Reiling Glasrecycling. Das Unternehmen gewährte mir Einblicke in die Herausforderungen der Glasverarbeitung, insbesondere in Bezug auf den Reststoff, der im Recyclingprozess anfällt und mit seiner Korngröße von 1–2 mm wie Sand wirkt. Glas kann nicht von der Natur abgebaut werden, daher muss es neu gedacht werden, um eine nachhaltige Nutzung zu ermöglichen und die Entsorgung auf Deponien zu vermeiden.

Ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit sind Experimente zur Umwandlung von Glasabfällen in wertvolle Ressourcen. Mein Ziel ist es, eine neue Ressource zu schaffen, die einen weiteren Lebenszyklus erhält und einen nachhaltigen Kreislauf etabliert. Das Konzept des Cradle-to-Cradle-Systems begleitete mich dabei.

Innerhalb der zehn Wochen meiner Bachelorarbeit konnte ich erste Platten aus recyceltem Glas herstellen. Daher wird die Forschung an diesem Material gezielt fortgesetzt.

Muted By Nature

“Muted by Nature” erforscht das Potenzial von Wolle als nachhaltigen, porösen Schallabsorber und untersucht, ob sie als wirksame und biologisch abbaubare Alternative zu herkömmlichen, nicht biologisch abbaubaren Materialien dienen kann.

Das Konzept konzentriert sich auf Pre-Consumer-Wolle, insbesondere auf grobe Wolle, die oft als Abfall betrachtet wird. Das Material wird so eingesetzt, dass sein inhärenter Wert hervorgehoben und seine Entsorgung vermieden wird. Die monomateriale Gestaltung erlaubt einfaches Recycling und fördert nachhaltige Produktionsprozesse.

Zudem untersucht das Projekt die akustischen Eigenschaften von Wolle, um sie in schallabsorbierende Anwendungen zu integrieren und der Lärmbelastung in Innenräumen entgegenzuwirken. Das entwickelte Zwei-Elemente-Absorberdesign ermöglicht flexible Anpassung in Größe, Ästhetik und erforderlicher Lärmreduzierung, abgestimmt auf unterschiedliche räumliche Anforderungen und Gestaltungskonzepte.

Klassik?

Ausgangspunkt meiner Thesis war meine Liebe zur Klassik und der Wunsch, diese Musik in einem gestalterischen Rahmen zu erkunden und zu reflektieren. In einem zunächst ergebnisoffenen Prozess analysierte ich bestehende Bild- und Sprachwelten sowie institutionelle Strukturen der klassischen Musik. Im Spannungsfeld zwischen Gestaltung und Musik sowie zwischen Humor und Ernsthaftigkeit erkundete ich unterschiedliche Wege der Musikvisualisierung. Es entstand eine Sammlung assoziativer Bilder und Geschichten, die Klassik sowohl analytisch als auch spielerisch verarbeitet. Aus diesem Material entwickelte sich schließlich ein Kampagnenentwurf für das Anhaltische Theater Dessau (ohne konkrete Beauftragung), der klassische Musik für ein jüngeres Publikum visuell neu kontextualisiert und aktiv zum Diskurs im Konzerthaus einlädt. Mit dieser Arbeit versuche ich, eine Brücke zwischen Gestaltung und kultureller Vermittlung zu schlagen und neue Menschen für klassische Musik zu begeistern.

Wave Talk

„Wave Talk“ ist eine interaktive Installation aus drei Objekten, die sich mit Selbsterkenntnis und der Beziehung zwischen Individuum und Umwelt beschäftigt. Sie hinterfragt, wie Identität entsteht und durch äußere Einflüsse verändert wird.
Mithilfe von Kymatik – der Sichtbarmachung von Klang – werden Schwingungen im Material erlebbar. Inspiriert vom Kymatik-Begründer Hans Jenny und seinem Zitat „Everything owes its existence solely and completely to sound“ zeigt die Arbeit, wie Klang als formgebende Kraft Materie strukturiert.
Durch Vibration werden innere und äußere Resonanzen sichtbar, die das Selbstbild beeinflussen. Die Installation lädt zum Staunen und Reflektieren ein und vermittelt, dass das Selbst kein fester Zustand ist, sondern ein dynamischer Prozess – geformt durch eine stille, nicht-verbale Kommunikation mit der Umwelt.