RADIA beschäftigt sich mit dem Einfluss des natürlichen Lichtverhaltens auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen und überträgt diese Prinzipien auf eine dynamische Innenraumbeleuchtung. Ziel war die Entwicklung eines analogen Lichtobjekts, das sich gestalterisch und in seiner Lichtwirkung am natürlichen Tagesverlauf orientiert. Statt statischem Licht ermöglicht die Wandleuchte eine dynamische Lichtatmosphäre, die den zirkadianen Rhythmus unterstützt.
Licht sollte dynamisch statt statisch sein!
Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und inspiriert vom Sonnenverlauf sowie von Merkmalen des Fensters entstand ein Objekt, das Licht als lebendiges Element erlebbar macht. Durch drehbare Bedienelemente lässt sich interaktiv Einfluss auf Lichtfarbe, Helligkeit und Lichtschwerpunkt nehmen.
RADIA ist eine interaktive Wandleuchte, die als Bindeglied zwischen den Emotionen des Nutzers und der Lichtsituation dient.
Author: Jean Claude Granval
CLAYO
Clayo ist ein Verdunstungskühler, der für die Lagerung von temperaturempfindlichen Obst- und Gemüsesorten entwickelt wurde, die sich nicht für die herkömmliche Kühlung eignen. Das System besteht aus einem äußeren Gefäß aus porösem Ton, in dessen Boden eine begrenzte Menge Wasser eingefüllt wird. Ein glasierter Innenbehälter wird eingesetzt und am Rand gehalten. Während das Wasser durch die Tonoberfläche verdunstet, wird Wärme aus dem Inneren abgeleitet – so entsteht ein kühleres Klima, das die Frische und Haltbarkeit der gelagerten Lebensmittel deutlich verlängert. Die abgerundete Form wurde gewählt, um die Oberfläche zu vergrößern, was wiederum die Verdunstungsrate erhöht. Der Korkdeckel dient als zusätzliche Ablagefläche und hilft dank seiner natürlichen Gerbstoffe, Fruchtfliegen fernzuhalten. Clayo bietet eine stromfreie, nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Kühlsystemen und fördert einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und Ressourcen.
Carrie, Liv + co.
Viele junge Menschen führen unfreiwillig ein nomadisches Leben – bedingt durch Mieterhöhungen, Wohnungsknappheit oder persönliche Gründe. Häufige Umzüge erschweren ein richtiges Ankommen. Möbel sind oft unpraktisch: sperrig, schwer, aufwendig im Auf- und Abbau.
Ich wollte ein Möbelsystem gestalten, das leicht transportierbar ist, Platz spart, dem neuen Raum eine bekannte Struktur gibt und schnelles Einleben ermöglicht. So entstand „Carrie, Liv + Co.“, ein Möbelsystem aus vier Bausteinen.
„Carrie“ ist ein modulares Regal aus stapelbaren Würfeln. Sie dienen gleichzeitig als Transportboxen.
„Liv“ ist ein Tisch mit integriertem Griff und zerlegbaren Beinen, fixierbar per Spanngurt.
„Sid“ sind vier Stühle mit Stofflehne – zerlegbar und tragbar im Paket.
„Abed“ ist ein Bettgestell, aus zwei Hälften, das „Liv“ und „Sid“ in sich verstauen kann.
Alle Objekte sind ineinander verschachtelbar, die Gesamthöhe des Pakets beträgt 11 cm und passt inklusive 6 „Carrie“-Boxen in einen Kombi-Pkw.
Doch nochmal was mit Holz
„Doch nochmal was mit Holz“ ist eine Installation aus zu Holzsteinen umgeformten Bäumen aus dem Karlsruher Stadtgebiet.
Zielsetzung des Projektes war es, eine Möglichkeit zu schaffen, den abgestorbenen oder kranken Bäumen eine Verwendung zu geben.
Äste werden nun zu ziegelartigen Holzsteinen, andere Teile des Baumes zu Natursteinen oder Geröll.
Ausgestellt als exemplarische Installation einer kleinen Wohnung, zeigt es neue Formen des Wohnens auf.
Der Eingriff in die Ressource sollte dabei möglichst gering bleiben, um die Weiterverwendung der Holzstücke in der Zukunft möglichst offen zu halten.
Das Material ist im Prinzip in seiner Verwendung nur geliehen und knüpft mit dieser Frage an die Texte von Karl Marx zum Holzdiebstahl und damit auch an die Fragen von Besitz und Zugänglichkeit zu vorhandenen Materialien an.
Queering Bathrooms
Gemeinschaftstoiletten gelten oft als neutrale Infrastrukturen, sind jedoch umkämpfte Räume und Sinnbild aktueller Debatten um queere Inklusion. Standardisierte, binäre Gestaltungsnormen erscheinen unveränderlich und privilegieren bestimmte Geschlechterrollen, während andere Identitäten ausgeschlossen werden. Sowohl Gegner*innen als auch Befürworter*innen genderneutraler Toiletten argumentieren mit dem Wunsch nach mehr Sicherheit – was Umgestaltungen erschwert und häufig zu emotionalen Auseinandersetzungen führt.
Das Projekt Queering Bathrooms thematisiert die marginalisierte Position queeren Lebens, besonders angesichts wachsender Anfeindungen von rechts, und beleuchtet die Toilettenfrage gestalterisch und theoretisch. Die pinke Toilette mit ausgestreckter Zunge reagiert mit Selbstironie und ästhetischem Bruch auf den erhitzten Diskurs und signalisiert einen Perspektivwechsel zugunsten queerer Individuen.
Anthroporosities
Das Projekt „Anthroporosities“ beschäftigt sich mit der Rückkehr zu archaischen Materialien und Herstellungsprozessen, mit Nachhaltigkeit und der Verbindung zur Natur. Die Fliesen für dieses Projekt werden aus wild gewonnenem Ton gefertigt, in einem holzbefeuerten Ofen gebrannt und ausschließlich mit lokalen und natürlichen Ressourcen hergestellt.
Die porösen Fliesen tragen nicht nur durch die Ästhetik der lokalen Böden zur optischen Aufwertung des Raumes bei, sondern wirken sich auch aktiv auf das Raumklima aus. Dank ihrer Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben, helfen sie, die Luftfeuchtigkeit im Innenraum zu regulieren. Zusätzlich erhöhen integrierte Pflanztöpfe den Sauerstoffgehalt der Luft und schaffen Lebensräume für nützliche Mikroorganismen.
„Anthroporosities“ hat zum Ziel, den Kontakt mit der Natur und natürlichen Materialien wieder in unsere modernen, oft sterilen Wohnräume zurückzubringen. Der Einsatz von Fliesen aus poröser Keramik ermöglicht es, die Vorteile natürlicher Materialien einfach und modular in den urbanen Alltag zu integrieren.
Product Development of a Biodegradable Slope Tile
Das Forschungsprojekt bei Omlab entwickelt ein nachhaltiges, erosionverhinderndes Produkt aus einem innovativen, 3D-druckbaren Material. Es kombiniert ökologische Verantwortung mit gestalterischer Freiheit und erforscht wirtschaftlich tragfähige Produktionsmethoden. Parametrisches Design optimiert Materialeinsatz und Anpassungsfähigkeit. Die Biomerge Tiles verbessern Bodenqualität und Biodiversität, sind ästhetisch anspruchsvoll und marktfähig in Nischenbereichen wie der Landschaftsarchitektur.
høj
Mein Projektentwurf für einen höhenvariablen Kinder- und Jugendschreibtisch hat die Intention, für Kinder und Jugendliche einen gefassten Rückzugs- und Konzentrationsort im Gefüge familiärer Wohnverhältnisse, sozusagen einen Freiraum im Raum, zu gestalten. Zunächst ermöglicht das Möbelstück sowohl ein problemloses „Mitwachsen“ des Schreibtischs als auch dem Wunsch nach wechselnden Nutzerpositionen, wie man es spontan für kreatives Arbeiten, Lernen, Lesen und Mediengebrauch benötigt – ein konträr zu den gängigen technischen Prinzipien der Höhenverstellung entwickelter Lösungsansatz ohne Strom und Pneumatik.
Der hier vorgestellte Entwurf „høj“ (hoch) hebt und senkt sich mittels eines zur Tischplatte ausgewogenen Gegengewichtes in den Zahnrädern. Die konzentrisch und linear geführten Hebeachsen können somit leicht den Tisch stufenlos in der Höhe anpassen und arretiert werden. Die Konstruktionsästhetik und das inszenierte mechanische Hebeprinzip wurden bewusst eingesetzt.
A slight glitch.
Irgendwann tauchen sie in jedem System auf: kleine Bruchstellen, Einschnitte, Lücken. Der Zwischenraum, der das Fortlaufende aussetzen lässt. Durchweg sind wir damit beschäftigt, diese Risse zu flicken, damit kein Chaos ausbricht. Doch warum vernichten wir eine Kraft, die so groß ist, dass sie uns (zer)stört? Was passiert, wenn wir anfangen, Risse aufzureißen? Wenn wir aufbrechen, Muster durchbrechen, ent-decken und erkennen, dass der Moment des Nichts der aktivste ist, die Stille am lautesten schreit und Weiß am buntesten knallt?
Ein Widerstand gegen die Kontinuität. Ein Moment der Reflexion. Eine Chance für Veränderung. Eine Unterbrechung.
Standard, Non-Standard
Beim Spazierengehen in Berlin sieht man häufig weggeworfene Möbel, meist billige Massenware. Kein Wunder also, dass in der EU jedes Jahr 10 Millionen Tonnen Möbel auf Deponien landen. Mein Projekt untersucht Kreislaufwirtschaft, indem Holzabfälle in Möbelstücke verwandelt werden. Dabei werden ausrangierte Materialien wiederverwendet, anstatt auf neue Ressourcen zurückzugreifen. Jeder Hocker spiegelt die Vielfalt des in Containern gefundenen Holzes wider und folgt dennoch vorab entworfenen Schablonen. So entsteht Möbel, das sich zwischen Massenproduktion und Einzelstück bewegt und ein standardisiertes System nutzt, das sich an unregelmäßige Materialien anpasst. Ich habe Keilstifte verwendet, die durch Druck funktionieren, sodass sich die Möbel ohne Schrauben oder Klebstoff leicht zerlegen und reparieren lassen. Bricht ein Teil, kann es anhand digital gespeicherter Vorlagen ersetzt werden. Mit dem Shaper Tool (tragbare CNC) und einem von mir entwickelten Grasshopper-Skript wurden die Verbindungen in die unregelmäßigen Holzstücke gefräst. Dieses Werkzeug reduzierte außerdem den Bedarf an zusätzlicher Werkstattausrüstung und vereinfachte den Prozess.