Im Rahmen des Klimawandels gewinnen öffentliche Verkehrsmittel zunehmend an Bedeutung. „Mind the gap“ denkt das Sitzen in Bus und Bahn neu und erkundet textile Flächenstrukturen, die selbst zum Sitzträger werden. So entsteht eine ressourcen- und umweltschonende Alternative zu herkömmlichen Sitzen, die erstmals Recyclingkreisläufe der Textilien im Transportsektor ermöglicht. Gleichzeitig wurden im Gestaltungsprozess wichtige funktionale Aspekte wie Brandschutz und Schmutzresistenz integriert. Der Fokus liegt allerdings nicht nur auf einer neuen Form der Anwendung, sondern ebenso auf der Entwicklung einer innovativen Ästhetik, die zu einer angenehmen und wertschätzenden Atmosphäre und somit zu einer positiven Nutzer:inneninteraktion beiträgt.
Author: Jean Claude Granval
meet me halfway
In vielen Städten prägen Anonymität, Effizienz und Konsum den öffentlichen Raum. Spontane zwischenmenschliche Begegnungen werden seltener, obwohl das Bedürfnis nach sozialer Resonanz bleibt. “meet me halfway” ist eine Einladung zur Begegnung – mitten im urbanen Trubel. Mit dem Blick für geteilte Momente und dem Potenzial für nonverbale Interaktionen laden die Objekte dazu ein, sich gegenseitig wahrzunehmen und stärken das Gemeinschaftsgefühl im Alltag. Die erhöhten Ausguck-Trichter fordern eine bewusste Veränderung der Perspektive. Sie rahmen den Blick und ermöglichen unerwarteten Blickkontakt zwischen Fremden. Die Vierer-Wippe lädt zur spielerischen Interaktion ein und eröffnet Situationen, in denen geteilte Momente inmitten städtischer Distanziertheit möglich werden. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie Gestaltung als Impulsgeber für zwischenmenschliche Resonanz wirken kann.
Gaia in Wonderland
Mehr wie die Natur sein – uns anpassen, das ist die große Herausforderung unserer Zeit, um uns eine aussichtsreiche Zukunft auf der Erde zu schaffen. Eine Utopie, unsere Kulturen so zu transformieren, dass sie durchweg vereinbar – vielleicht sogar symbiotisch – mit der Natur sind.
Bewährte Designlösungen der Natur geben uns Inspiration und Anleitung zur Gestaltung einer natürlicheren Umwelt. Sie zu erforschen und zu imitieren, ist zentrale Aufgabe der Produktgestaltung nach meinem Re-Evolutions-Prozess.
Die Geschirrserie „Gaia in Wonderland“ ist ein Beispiel eines natur-imitierten Gestaltungsergebnisses. Aus der Recherche nach natürlichen Formen, Materialien und Prozessen – die sich für eine Tasse eignen würden – entstand die Aufgabe, Geschirr aus einem kalkbasierten Biomaterial im 3D-Druck-Verfahren zu fertigen. Es geht darum, natürliche Ressourcen (der lebendigen Erde „Gaia“) für menschliche Bedürfnisse lediglich in unsere Kultur (das Wunderland) auszuleihen.
The Algorithm Times
„The Algorithm Times“ ist eine experimentelle Zeitungsausgabe, deren Inhalte vollständig von Künstlicher Intelligenz erstellt wurden. Ziel des Projekts ist es, das Potenzial, aber auch die Risiken KI-gestützter Medienproduktion sichtbar zu machen. Das Projekt lädt dazu ein, über Authentizität, Manipulation und Verantwortung in der digitalen Informationsgesellschaft zu reflektieren. Leser*innen werden ermutigt, Medieninhalte kritisch zu hinterfragen und ein besseres Verständnis für die zugrundeliegenden Technologien zu entwickeln. Im Zentrum steht die Frage, wie KI in der Medienproduktion so integriert werden kann, dass sie demokratische Werte stärkt – statt sie zu gefährden.
OMALAMPEN
In Omalampen verbinden sich Licht und Stimme zu einem vielschichtigen Erinnerungsarchiv. Ausrangierte Lampen von Kleinanzeigen und Sperrmüll werden zu Trägern persönlicher Geschichten.
Ausgestattet mit Lautsprechern und einer eigens entwickelten Programmierung, leuchten sie nicht nur physisch, sondern auch narrativ auf: Immer eine Lampe wird aktiv und erzählt eine Geschichte, bevor die nächste übernimmt – ein fließender Dialog aus Licht und Klang, zwischen Intimität und Öffentlichkeit.
Dabei liegt der Fokus auf der Würdigung der oft übersehenen Lebensgeschichten von Großmüttern, deren Erfahrungen und Erlebnisse in der Geschichtsschreibung häufig weniger Beachtung fanden als die von Männern.
Die Stimmen der älteren Frauen füllen den Raum, während das sanfte Pulsieren der Lampen ihre Erzählungen visuell begleitet. So entsteht eine intime, doch zugleich übergreifende Reflexion über Vergänglichkeit, familiäre Erinnerung, emotionale Verbindungen und kollektives Gedächtnis.
Living With The Wave
Traditionelle Wellenbrecher stehen oft im Widerspruch zur Küstenästhetik. Dieses Design vereint Wellenschutz, stärkt die Identität des Strandes und schafft Räume für Menschen und Wildtiere, wodurch ein nachhaltiges Zusammenleben mit der Natur gefördert wird. Das entworfene Wellenbrechersystem ist formal von der natürlichen Struktur der Mangroven inspiriert und wird durch die modularen und porösen Bauweisen indigener Völker ergänzt. Mangroven sind die besten natürlichen Wellenbrecher, können jedoch leider in kälteren Klimazonen nicht eingesetzt werden. Die Idee war, diese perfekte, naturbasierte Lösung als Modell zu nehmen, sie für weitere Anwendungsfälle zu skalieren, für verschiedene Küstenumgebungen anzupassen und eine flexible, nachhaltige Alternative für modernen Küstenschutz zu bieten. So konnten neue Räume geschaffen werden, die sowohl Lebensräume für Wildtiere als auch die Interaktion des Menschen mit der Natur unterstützen.
SimConnect
Im High-End-Sim-Racing sind Lenkräder nicht mehr untrennbar mit den Basiseinheiten verbunden, die die in einem echten Auto auftretenden Kräfte simulieren. Mit der zunehmenden Komplexität moderner Lenkräder durch immer mehr Tasten und Bildschirme ist eine stabile Verbindung zwischen beiden Komponenten erforderlich – sowohl physisch als auch digital.
Der aktuelle Sim-Racing-Markt ist von herstellerspezifischen Kommunikationssystemen geprägt. Mit einem eigenen Empfänger überwindet SimConnect diese Barrieren und macht störende Kabel und geschlossene Ökosysteme überflüssig. Bestehende Lenkräder können mit dem SimConnect-Adapter integriert werden, kundenspezifische DIY-Lösungen entstehen mit dem SimConnect-DIY-Board. Das SimConnect-Lenkrad vervollständigt das System.
Im Gegensatz zum aktuellen Markt, der oft von überladenen, flachen Designs dominiert wird, bietet das SimConnect-Lenkrad ein klares, dynamisches und reduziertes Design bei gleichzeitig stabiler Konstruktion. Der Fokus liegt auf dem Wesentlichen: perfekte Kontrolle für jeden Simulator.
Zum Einkaufsladen und wieder zurück…
Mit meinem Produktentwurf möchte ich dem Trolley, auch „Hackenkporsche“ genannt, ein neues Image und eine neue Funktionalität verleihen. Im Mittelpunkt der Neugestaltung stehen die Aufteilung der Einkäufe in verschiedene Behälter und Fächer sowie die einfache Zugänglichkeit.
Der Trolley lässt sich wie ein Einkaufswagen aufklappen, sodass der Einkauf unkompliziert verstaut und entladen werden kann. Anschließend wird er zu einem kompakten Trolley zusammengeklappt und kann bequem nach Hause gezogen werden.
Sitzordnung
„Sitzordnung“ ist ein experimenteller Kurzfilm, der sich mit Macht und ihren Wirkungen im visuellen Kontext beschäftigt. Er zeigt, wie sich Hierarchien zwischen Menschen langsam aufbauen, festigen und schließlich in Isolation und Stillstand enden können. Durch den gezielten Einsatz von Farben, Bildausschnitten und Körperpositionen wird Macht nicht nur dargestellt, sondern direkt spürbar gemacht. Der Film fragt, wie Dominanz entsteht – nicht durch offensichtliche Gewalt, sondern durch kleine Verschiebungen im Raum, in der Aufmerksamkeit und im Verhalten. Dabei geht es auch darum, wie Menschen sich anpassen, unterordnen oder versuchen, dagegen anzukämpfen. Statt einer klassischen Geschichte zeigt der Film eine dichte Bildsprache, die als Sinnbild für gesellschaftliche Strukturen steht. Das Projekt lädt dazu ein, gewohnte Perspektiven zu hinterfragen und schärft das Bewusstsein für die Mechanismen sozialer Hierarchien.
Zartbeseitet
Das Projekt „Zartbeseitet“ untersucht, wie Illustration und Informationsdesign genutzt werden können, um Hochsensibilität für Außenstehende verständlich zu machen. Ziel ist es, Betrachtende für das Thema zu sensibilisieren und zur Reflexion ihres eigenen Verhaltens in der Gesellschaft anzuregen.
Das Ergebnis ist ein Bilderbuch, das in drei Kapiteln die sensorische, kognitive und emotionale Hochsensibilität behandelt. Alltagssituationen zeigen dabei, wie hochsensible Menschen fühlen und wahrnehmen. Transparente Seiten über den Illustrationen schaffen eine interaktive Ebene und machen sichtbar, was oft verborgen bleibt.
So entsteht eine visuelle Erfahrung, die die komplexe Wahrnehmung Hochsensibler greifbar und anschaulich vermittelt.