SAARBRÜCKEN MITTE IN FÜNF FACETTEN / SAARBRÜCKEN MITTE IN FIVE FACETS

Eine promenadologische und gestalterische Auseinandersetzung mit den Stadtteilen Saarbrückens Mitte, die Architektur, soziale Bewegungen, vergessenes Handwerk und kulturelle Vielfalt durch Porzellandesign und Souvenirgestaltung in den Fokus rückt.

Mit der erlernten Methodik kann ich den Forschungsprozess im Bereich Research Design auch auf andere Städte, Regionen oder Länder anwenden.

Zudem entwickelte ich eine Praktik zur Verbesserung der Souvenirgestaltung im Porzellandesign. Dabei analysierte und überarbeitete ich die klassische und wenig nachhaltige Herstellungsmethode der Gipssprengform, um eine kontrolliertere Herstellung von hinterschnittenen Objekten zu ermöglichen. Ein weiteres Merkmal der Gipsformen ist die einfache Austauschbarkeit der Gipssegmente, was zu einer nachhaltigeren Verwendung führt.

Im Bereich der Dienstleistung können verschiedene Gestaltungselemente kombiniert werden, um im Bausatzverfahren individuelle Unikate zu schaffen.

Kremple Light – aus Krempel werde Licht

Ich wollte eine langfristige Produkt-Nutzer-Beziehung mit Storytelling erzeugen. Dabei sollte das Produkt die Geschichte seines Nutzers erzählen. Viele Menschen besitzen Dinge, die sie nicht mehr benutzen, aber auch nicht wegschmeißen, weil sie emotional an diesen Gegenständen hängen.
Das können zum Beispiel alte CDs sein, ein kaputter Rucksack oder Erinnerungen an die Kindheit. Ich wollte diese Dinge so umwandeln, dass sie einen neuen Nutzen bekommen, aber ihren emotionalen Wert behalten und weiterhin ihre Geschichte erzählen.
So schaute ich, wie ich aus der CD-Hülle etwas Neues schaffe. Durch einen speziellen Mechanismus entstanden geschlossene, in sich bewegbare Formen. Diese Formen lassen sich gut als Lampenschirm verwenden. So entstand Kremple Light. Denn aus Krempel wurde Licht.
Der Gegenstand CD-Hülle wurde zu neuem Leben erweckt und auch die Erinnerung hat nun eine Präsenz bekommen und strahlt wortwörtlich in neuem Licht.

be patient – Diagnostisches System

be patient ist ein visionäres tragbares Diagnosesystem zur frühzeitigen Erkennung schwerer Krankheiten wie Brustkrebs. Es kombiniert biometrische Messungen (z. B. Hauttemperatur, Schweiß, SpO₂, EKG) mit Thermografie- und Ultraschalltechnologien, um kleinste Anomalien früh zu erkennen. Eine begleitende AR-App visualisiert die Ergebnisse in Echtzeit und macht komplexe Daten verständlich. Ein integriertes KI-System analysiert die Messungen, erkennt Muster und gibt personalisierte Empfehlungen.

Das Projekt vereint Industriedesign, digitale Innovation und medizinische Expertise, um Prävention zugänglicher zu machen und das Gesundheitssystem nachhaltig zu entlasten. be patient steht für eine Zukunft, in der Früherkennung intuitiv, mobil und Teil des Alltags wird.

Vom Leben und Sterben

Die Arbeit „Vom Leben und Sterben“ widmet sich der Entwicklung eines interaktiven Informationsdesigns, das Menschen dabei unterstützen soll, sich frühzeitig mit dem Thema Sterben und Vorsorge auseinanderzusetzen. Ziel ist es, das gesellschaftliche Tabu um dieses Thema zu durchbrechen und einen niederschwelligen Zugang zu ermöglichen.
Die Arbeit kombiniert verschiedene gestalterische Elemente wie Karten, Plakate und eine interaktive Website, um komplexe Inhalte verständlich und zugänglich aufzubereiten. Im Zentrum stehen die fünf W-Fragen der Vorsorge, die als inhaltliche Struktur dienen. Ziel ist es, sowohl Wissen zu vermitteln als auch gesellschaftliche Akzeptanz zu fördern.
Somit leistet die Arbeit einen Beitrag dazu, das Thema Sterben als Teil des Lebens zu begreifen und eigenverantwortliche Vorsorge zu erleichtern.

KiRa

Die Ansätze von L. Burckhardt, nicht nur ein Produkt und die äußere Hülle zu designen, sondern sich mit der Gesellschaft und ihrem Umfeld auseinanderzusetzen, sie zu beleuchten und in den Gestaltungsprozess zu berücksichtigen, finde ich fundamental. In unserer Gesellschaft fühlen sich viele einsam. Die Menschen suchen Stabilität. Ein Kinderladen ermöglicht Familien einen engen Austausch und einen spürbaren Zusammenhalt. Alle bringen ihre Talente und Fähigkeiten im KiLa mit ein und kennen sich menschlich und räumlich aus. Der Fokus meiner Diplomarbeit liegt auf dem Lese-Ruheraum im KiLa. Der Frage, wie der Raum den Kindern und dem pädagogischen Team helfen und die kindliche Selbstwirksamkeit fördern kann, bin ich nachgegangen und habe alle Bereiche, die der Raum mit sich bringt, berücksichtigt. Die unsichtbaren Gesamtsysteme habe ich in meinem Prozess sowie zwischenmenschliche Beziehungen bewusst berücksichtigt. Die Interaktion der Kinder, Pädagog*innen und Eltern wurde wahrgenommen und aufgegriffen.

Gestaltung eines erweiterbaren Möbels für den individuellen Wohnraum

So unterschiedlich Wohnsituationen sind, so verschieden sind auch die individuellen Geschmäcker. Manche Menschen bevorzugen ein lebhaftes und farbenfrohes Wohnambiente, während andere zu Schlichtheit und Reduktion tendieren. Wohnräume können klein und kompakt sein, wobei jeder Raum effizient genutzt wird, während andere auf großer Fläche viel Raum zur Entfaltung haben. Und dann gibt es diejenigen, die sich irgendwo zwischen diesen Extremen wiederfinden. Letztendlich ist es die persönliche Präferenz und Individualität jedes Einzelnen, die eigene Wohnsituation exklusiv zu gestalten und die Vielfalt in den Wohnräumen zu prägen.
Die Arbeit, insbesondere das daraus resultierende modulare Möbelsystem, soll inspirieren und Raum schaffen, die eigenen Möbel ein Leben lang mitzugestalten und an die unterschiedlichsten Lebenssituationen anzupassen, denn Modularität bedeutet Individualität. Ein modulares Möbelsystem hat nicht nur einen Look, sondern viele, die darauf warten, entdeckt zu werden.

Ich gegen mich

Autoaggression, auch bekannt als Selbstverletzung oder selbstverletzendes Verhalten, beschreibt die absichtliche Schädigung des eigenen Körpers und ist ein komplexes und in der heutigen Gesellschaft häufig missverstandenes Phänomen. Diese Bachelorthesis verfolgt das Ziel, Selbstverletzung aus dem Schatten der Gesellschaft zu holen und zu entstigmatisieren. Hauptmedium des Projektes ist ein Film mit dem Namen “un;spoken”, der sich an Nicht-Betroffene richtet und einen tiefen Einblick in die emotionale Ebene der Thematik gewährt, indem er die Gefühle und Gedanken betroffener Menschen sichtbar macht. Das Printmedium “un;written” besteht aus vier Leporellos und einer zugehörigen Aufbewahrungsbox und richtet sich direkt an Betroffene. Für sie wird ein Schutzraum geschaffen, in dem sie lernen können, ihr Handeln zu akzeptieren und aus einer schambefreiten Perspektive zu betrachten. Als zentrale gestalterische Elemente dienen abstrakte Materialität und die Handschriften echter Betroffener.

S.H.I.T

Ein mobiles Toilettensystem, das sowohl im urbanen Raum als auch auf Veranstaltungen flexibel eingesetzt werden kann. Damit soll der Mangel an öffentlichen Toiletten gelöst und die Benutzer*innenfreundlichkeit verbessert werden.
Das technische Herzstück des Systems ist ein innovativer Elektrolyse-Kreislauf, der das Abwasser effizient zu Frischwasser filtert. Die Module basieren auf der Euro-Paletten-Norm, was den Transport erleichtert und eine hohe Flexibilität bei der Nutzung ermöglicht.
Durch die modularen Abmessungen der Kabinen bestehen vielfältige Möglichkeiten, diese nach Bedarf zu kombinieren und auszustatten. Die größte Kabine bietet ausreichend Platz, um barrierefrei zu sein, und fungiert als universelle Toilette.
S.H.I.T kann durch ein effizientes Sharing-Konzept alle bestehenden Toiletten im öffentlichen Raum ersetzen und bietet dabei flexible, nachhaltige und leicht zugängliche Sanitärlösungen, die einen Raum schaffen, der den Bedürfnissen aller Nutzer*innen gerecht wird.

The Majlis

Ein modulares Sitzsystem, inspiriert vom traditionellen arabischen Majlis, das flexibel an verschiedene Veranstaltungsarten und Teilnehmerzahlen angepasst werden kann – sei es im öffentlichen Raum oder bei temporären Events. Das System besteht aus einfachen Elementen wie Sitzflächen, Kissen, Beistelltischen und Rückenlehnen, die leicht montier- und variierbar sind. Seine modulare Struktur ermöglicht zahlreiche Szenarien und schafft eine offene, einladende Atmosphäre. Verwendet wurden wetterbeständiges Kiefernholz und feuchtigkeitsabweisende Stoffe, wodurch der Einsatz sowohl im Innen- als auch im Außenbereich möglich ist. Die einfache Handhabung sowie der unkomplizierte Auf- und Abbau machen es besonders nutzerfreundlich. Zusätzlich ist die gesamte Struktur platzsparend und leicht zu lagern. Dieses Konzept vereint traditionelle Werte mit zeitgenössischem Design und fördert soziale Interaktion durch Flexibilität und Mobilität.

Rebranding der Organspende

Die Wichtigkeit über die Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist in weiten Teilen der Bevölkerung noch nicht klar genug angekommen. Faktoren wie Unwissenheit oder auch das Sich-Beschäftigen mit dem (eigenen) Tod spielen hierbei eine Rolle. Um die gesellschaftliche Wahrnehmung im Hinblick auf das Thema Organspende zu fördern und Unwissenheit sowie Unsicherheiten abzubauen, habe ich die visuelle Identität der Organspende erneuert.
Das Rebranding reicht vom Logo über Flyer, Website, Instagram-Account und Plakatkampagne bis hin zu einem neuen Organspendeausweis – inklusive eines ersten Entwurfs für eine digitale Version.

Ziel ist es, die Menschen zu motivieren, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und ihre Entscheidung aktiv zu dokumentieren. Die Challenge hierbei war es, aufzuzeigen, dass es nicht darum geht, ein „Ja“ zu erzwingen, sondern vielmehr um die Bekundung und Dokumentation des eigenen Willens – egal, wie die Entscheidung ausfällt.