SICH VERÄNDERNDE FARBEN

Wie sieht die Zukunft der Farbenherstellung aus, d. h. wie können wir Farben herstellen, die unserer Umwelt nicht schaden, sondern sie bereichern?
Flügel der Morpho-Schmetterlinge sind eines der bekanntesten Beispiele von Strukturfarben. Die Nanostrukturierung der Flügel ermöglicht es, durch das Zusammenspiel von Bewegung und Licht die Farbtöne der Flügel zu verändern.

Doch könnten auch Mikroorganismen Strukturfarben produzieren? Flavobakterien sind eine Klasse von Meeresbakterien, die dichte und hoch organisierte Kolonien in Größenordnungen bilden, die den Wellenlängen des Lichts entsprechen. Dadurch entstehen optische Strukturen, die als photonische 2D-Kristalle bekannt sind, und daraus resultierende Strukturfarben.

Als Habitat für die Flavobakterien habe ich mit 3D-Druck von Biotubes gearbeitet, einem aktuellen BurgLabs-Forschungsprojekt. Es entsteht ein Konzept für Bausteine, die in eine Art lebendige (und farbverändernde) Installation integriert werden können.

NOWO

NOWO ist ein smarter Medikamentenspender, der die Einnahme von Arzneimitteln und Supplements neu organisiert. Statt Tabletten wöchentlich in einem fehleranfälligen Prozess in eine Pillenbox zu sortieren, wird hier der gesamte Vorrat eines Präparats jeweils in einen dedizierten Container gefüllt. Zum Einnahmezeitpunkt entriegelt das System automatisch nur das benötigte Fach – gesteuert durch einen zweistufigen, elektromagnetischen Klappenmechanismus. So wird sichergestellt, dass ausschließlich das richtige Präparat zur vorgesehenen Zeit zugänglich ist.

Das Zusammenspiel aus Geräteinterface, Companion-App und cloudbasiertem Dashboard unterstützt die Nutzerinnen und Nutzer gezielt bei der Einnahme – etwa durch kontextsensitive Erinnerungen, die Auswertung des Einnahmeverhaltens und eine AI-Risikoerkennung bei Wechselwirkungen oder Engpässen. NOWO passt sich flexibel an Tagesrhythmen, Rollen und Gesundheitsdaten an – vom selbstbestimmten Alltag bis zum professionellen Pflegeeinsatz.

Aurelies Goldener Weg

Ich habe immer gedacht, dass ich weiß, was mir gefällt und was nicht.

Auf mich allein gestellt in Stuttgart wusste ich nicht mehr, was mich fesselt, anspornt und motiviert. Ich fühlte mich leer und ideenlos. Diese Herausforderung, die das Designen an mich stellt, machte mich wütend und überforderte mich. Ich fühlte mich nackt und entblößt, mit all meinen Schwächen.

In meiner Masterarbeit mache ich mich selbst zum Thema. Ich starte den Versuch, mich von außen zu betrachten und mein Innerstes hervorzuholen. Nicht ohne Selbstzweifel und Ängste, aber mit dem Ziel, eine selbstbewusste Designerin zu werden.

Die Arbeit am Designen zwingt mich, wahrhaftig und ehrlich zu arbeiten; Designen ist ein Versuch, meine Emotionen zum Ausdruck zu bringen. Ich arbeite mit meinen Ängsten und meinen Verletzlichkeiten, ohne dass sie mich überwältigen. Ich arbeite mit ihnen, um sie zu überwinden. Diese Emotionen setze ich sowohl in Zeichnungen als auch in Kleidung kreativ um.

NESSIE

Heutzutage werden Algen meist unter Wasser auf langen Kunststoffleinen gezüchtet – ein Verfahren, das Plastikmüll in den Ozeanen hinterlässt und für kleinere Akteure kaum nutzbar ist, da es eine große Infrastruktur für die Verankerung verlangt. Dabei haben Algen als Ressource enormes Potenzial für biologisch abbaubare Kunststoffe, Textilien und Biokraftstoffe. Warum also den Zugang zum Anbau nicht erleichtern und gleichzeitig unsere Meere entlasten?

NESSIE ist eine ökologische, no-tech-Alternative: ein Edelstahlsystem aus einem einzigen Blech, das das Algenwachstum maximiert. Die glatte Oberfläche ermöglicht die natürliche Anhaftung der Algen; die Kegelform optimiert die Sonneneinstrahlung.
Statt geschweißtem Stahl ist es flach aus einem Monomaterial gefertigt, mit 16 Nieten direkt vor Ort biegbar – und spart Kosten, Lager- und Transportaufwand. NESSIE benötigt nur eine Schwimmkugel zur Befestigung, fügt sich harmonisch in die Küstenlandschaft ein und ist vollständig recycelbar.

Shear Imagination

Trotz ihrer ökologischen und technischen Qualitäten wird regionale Schurwolle heute nur noch begrenzt genutzt – vielerorts wurde sie durch synthetische Materialien ersetzt oder findet in zu kleinen Märkten Anwendung, um das vorhandene Potenzial auszuschöpfen. Shear Imagination untersucht dieses Potenzial im Kontext des Lichtdesigns. Ein eigens entwickelter Prozess ermöglicht das freie Formen von Filz zu skulpturalen Leuchtkörpern. Dabei werden die natürlichen Eigenschaften des Materials – Wärme, Textur, Lichtdurchlässigkeit – gestalterisch neu interpretiert. Die entstandenen Objekte zeigen Wolle als funktionales Material mit ästhetischer und ökologischer Relevanz. Durch die lokale Verarbeitung können neue Wertschöpfungsketten erschlossen und bestehende Strukturen revitalisiert werden. Das Projekt versteht Gestaltung als Impulsgeber für Wandel und positioniert regionale Wolle als nachhaltige Alternative zu synthetischen Materialien.

Ease

Heutzutage stehen Eltern zunehmenden Herausforderungen gegenüber, die sich auf die Familienbande sowie auf die Entwicklung des Kindes auswirken können. Das abendliche Ritual des Vorlesens hat einen besonders hohen Stellenwert bei Familien. Es schafft Vertrauen, Sicherheit und gestaltet sich für Eltern oft als einzige bewusste Zeit, die sie nach der Arbeit mit ihrem Kind verbringen können. Daraus entstand ein Möbelstück, das sowohl die Kommunikation als auch die Interaktion innerhalb der Familie fördert.

„Ease“ ist ein modularer Schwinger, der nicht nur als Ort der Ruhe dient, sondern mithilfe des Stecksystems vielfältig und langjährig nutzbar sein kann und den kindlichen Bedürfnissen nach Bewegung, Spiel, Nähe, Fantasie und Interaktion entgegenkommt.

Offen—bach

Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Offenlegung des Hainbachs, eines Bachs, der vertunnelt unter Offenbach verläuft. Es zeigt dabei beispielhaft, wie vertunnelte Bäche in Städten wieder erlebbar gemacht werden können. Im Rahmen dieses Projekts wurde außerdem ein allgemeingültiger Gestaltungskatalog für urbane Bachoffenlegungen erarbeitet. Das Konzept steigert die Lebensqualität, fördert die Ökologie und reduziert die Hochwassergefahr.
Emotional berührt der Entwurf, weil er etwas Unsichtbares wieder sichtbar macht. Er erzählt von der Geschichte des Ortes und verbindet Menschen über das Wasser miteinander. Er schafft Freiräume, in denen Menschen sich begegnen, Natur erleben und sich mit ihrer Stadt identifizieren können.
Der Hainbach steht dabei exemplarisch für zahlreiche unsichtbare Stadtbäche, die noch heute unter unseren Füßen verlaufen — ein verborgenes Potenzial für lebenswertere Städte.

»Undurchsichtige Architektur«

Die Arbeit ist ein fotografischer Blick auf Industrieanlagen und wurde vollständig mit einer analogen Großformatkamera im Negativformat 4×5 Inch umgesetzt. Die entstandenen Architekturaufnahmen erfolgten auf Schwarzweiß-Filmmaterial zur stringenten Reduktion auf Formgebung, Textur und Oberfläche.
Für die Erzeugnisse wurde Farbfilm-Material gewählt, um die fein nuancierten Details der jeweiligen Produkte hervorheben zu können. Damit soll ein visueller Gegensatz zum archivierend en Blick auf die industriellen Fassaden hergestellt werden.
Eine klare Zuordnung zwischen Produkt und den fotografierten Industrieanlagen soll nicht geschehen. Die Arbeit verfolgt nicht den Zweck einer Produktionsdokumentation und konzentriert sich vollumfänglich auf die ästhetische Seite von industriellen Anlagen. Durch diesen fehlenden ›Fingerzeig‹ soll dem Betrachter das Spiel der Zuordnung freigestellt sein.

unheimlich schön

In der digitalen Welt verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen dem Realen und dem Künstlichen. Mit der fortschreitenden Entwicklung von Deepfakes und KI-generierten Inhalten wird es immer schwieriger, zwischen authentischen und manipulierten Medien zu unterscheiden. Dies wirft tiefgreifende Fragen auf: In welchem Maße beeinflusst diese neue visuelle Kultur unser Verständnis von Wahrheit und Authentizität? Wie verändern Social Media und KI unseren Blick auf Mode, politischen Aktivismus und soziale Bewegungen?

Im Rahmen meiner Kollektion habe ich untersucht, wie sich politische-symbolische Kleidung im digitalen Zeitalter neu denken lässt. Wenn Mode ein Medium ist, das den kulturell-politischen Zeitgeist einfängt und Menschen in sozialen Bewegungen verbindet, stellt sich die Frage, wie sie politisch sein kann, ohne plakativ zu wirken. Im Zentrum meiner Auseinandersetzung steht, wie der digitale Konsum sozialer Medien die Modewahrnehmung verändert.

Fungiture

Fungiture setzt sich kritisch mit den Verarbeitungseigenschaften myzelbasierter Materialien auseinander und stellt das innovative Verfahren des thermischen Pressens in den Fokus. Aus den gepressten Materialien entstehen drei Hocker, die die Vorteile nachhaltiger Materialien und Fertigungsprozesse aufzeigen.

Aus vorgelagerten Forschungsprozessen resultierende Material-Kompositionen werden in einem thermischen Druckprozess weiterverarbeitet. Während des Pressvorgangs verschmilzt das Material durch die zugeführte Hitze und transformiert zu homogenen und stabilen Platten.

Diversität erlangen die gepressten Platten durch Farbgebung und Aufbau. Es entstehen drei verschiedene Varianten: eine bunte Pilzplatte, gefärbt durch natürliche Pigmente, eine Schichtplatte, hergestellt aus verschiedenen Substraten, und eine Furnierplatte, bei der Pilze als Furnier eingesetzt werden.

Die Fungiture-Hocker zeigen, wie innovative Verfahren nachhaltige Materialien ästhetisch und funktional nutzbar machen.