Take a Seat ist ein modulares Möbelsystem für die Gastronomie, das Kreislaufwirtschaft konsequent umsetzt. Die Möbel verbinden langlebige, sortenreine Materialien mit einem durchdachten Design, das Reparatur, Wiederverwendung und Rückführung erleichtert. Ein langlebiger Aluminiumverbinder ermöglicht die flexible Kombination verschiedener Gestelle und Oberflächen. Durch recyclingfähige Materialien wie Polypropylen-Rezyklat, Pulpe, PET-Vlies und FSC-zertifiziertes Holz sowie den Verzicht auf Verbundstoffe und Schadstoffe wird der gesamte Lebenszyklus ökologisch optimiert. Die Möbel lassen sich zerlegt transportieren, sind wartungsfreundlich und vollständig rückführbar. Ergänzt durch ein Rücknahme- und Mietmodell wird eine ressourcenschonende Nutzung gefördert. So entsteht ein ganzheitliches System, das Gestaltung als Werkzeug nutzt, um zirkuläre Produktkreisläufe im Gastgewerbe zu etablieren.
Author: Jean Claude Granval
Aevum
Zeitnot belastet unser individuelles Wohlbefinden, beeinträchtigt unsere Beziehungen und bringt die Rhythmen des Planeten aus dem Takt. Gleichzeitig sind die Ursachen für Zeitmangel scheinbar unumkehrbar in die Strukturen unserer Gesellschaft eingeschrieben.
»Aevum – Artefakte einer Zeitkultur« entwirft anhand dreier spekulativer archäologischer Funde eine Zukunft, in der Zeitwohlstand zum kulturellen Wert geworden ist. Drei Hefte versammeln die Korrespondenzen fiktiver Wissenschaftler*innen, die diese Artefakte analysieren. Wie prägt unser gegenwärtiges Zeitverständnis die Krisen unserer Zeit – und lässt sich von hier aus ein erster Schritt hinaus denken?
FLOCK
Schafwolle wird in Deutschland tonnenweise entsorgt, da sie für Kleidung zu grob ist. FLOCK erforscht das funktionale und ästhetische Potenzial verschiedener europäischer Schafwollen, um neue Wertschöpfungen zu erschließen. Durch robotische Fertigung entstehen gezielt weiche bis feste Zonen innerhalb eines Filzes – beliebig programmierbar in Mustern. Die entwickelte Filzmaschine und der Prozess erzeugen stabile dreidimensionale Filze, wodurch monomaterielle Objekte mit heterogenen Eigenschaften entstehen. Der direkte Faser-zu-Textil-Prozess überspringt Spinnen, Weben und Nähen und verkürzt so die Herstellung maximal. Er geht über die industrielle Fertigung synthetischer Filzbahnen hinaus, indem digitale Präzision auf die Flexibilität traditioneller Filztechniken trifft. Die gezielte Steuerung der Eigenschaften minimiert die Materialkomplexität, sodass Produkte im Einklang mit ökologischen Imperativen stehen. Der monomaterielle Hocker zeigt exemplarisch das Potenzial von Material und Technik.
DIN 18400-4
Die meisten Objekte und Bilder, mit denen wir täglich interagieren, werden mit und durch Computer hergestellt. Die Integration von Computern beeinflusst nicht nur die Entstehung dieser Objekte und Bilder, sondern auch die Konstruktion von Realitäten.
Diese räumliche Installation zeigt gemischte Darstellungen (3D und 2D) der Türgriffe des Medienhauses. Obwohl für diese Griffe industrielle Standards gelten, machen Installationsabweichungen und Abnutzung jedes Exemplar einzigartig. Nicht einheitliche, aus Harz 3D-gedruckte Artefakte, die an der Struktur und den Griffen platziert sind, heben oft übersehene Alltagsgegenstände hervor. Die Installationsstruktur, gefertigt aus standardisierten Aluminiumprofilen und an die Architektur des Ausstellungsraums angedockt, umfasst Elemente, die mit CAD, 3D-Drucksoftware, prozeduralen 3D-Tools und Modellierungssoftware erstellt wurden.
Fusion
Glas und Metall sind zwei sehr unterschiedliche Materialien, doch wie kann man diese gestalterisch miteinander verbinden?
Mit dieser Frage habe ich mich beschäftigt und den Fokus auf ihre Verformbarkeit durch Hitze gelegt, insbesondere auf das Verfahren des Gießens.
Dieses ermöglicht es, Glas und Metall in eine Vielzahl von Formen zu bringen. Auch scharfe Kanten sowie lebendige und transluzente Oberflächen lassen sich dadurch realisieren.
Diese Eigenschaften wurden gezielt in den Gestaltungsprozess einbezogen, um zu zeigen, wie sich die Materialien auf unüblich Weise formen lassen.
Aus diesen Überlegungen ist ein künstlerisches Objekt entstanden, das bewusst schlicht gestaltet ist. Es zeichnet sich durch klare Konturen und präzise Kanten aus. Diese verdeutlichen die gestalterischen Möglichkeiten der Materialien, bringen Ruhe und Klarheit in die strukturierte Oberfläche und bleiben dennoch spannend, da sie beide Werkstoffe ausgewogen miteinander verbinden.
Navigating Nature
Navigating Nature beschäftigt sich mit der Entfremdung des Menschen von der Natur, die uns daran hindert, unsere Existenz als Teil eines Beziehungsgeflechts mit anderen Lebewesen und der Umwelt zu erkennen.
Auf einem vernetzten Planeten sind Designer*innen dazu aufgerufen, die Grenzen ihres Fachgebiets zu erweitern. Das Projekt untersucht, wie ökologisches Bewusstsein durch Achtsamkeitsprinzipien in das Wayfinding Design (Orientierungs- und Leitsysteme) integriert werden kann. Der Ansatz ist, dass Leitsysteme sich über die reine effiziente Wegführung von A nach B hinaus entwickeln können, um das Bewusstsein für den Weg selbst zu schärfen. Die Reise soll nicht nur dem Erreichen eines Ortes dienen, sondern dem Erleben der Phänomene, die unterwegs stattfinden.
Mithilfe von Literaturrecherche, Research through Design und phänomenologischen Methoden wurde ein konzeptioneller Rahmen für achtsames Wayfinding entwickelt, der in der Gestaltung von Schildern Anwendung findet, welche sensorische Erlebnisse als Orientierungspunkte einbeziehen.
Diese Arbeit versteht Design als Schaffung von Bedeutung statt von Objekten — ein Design, das unsere grundlegende Verbundenheit mit der natürlichen Welt fördert.
Konzeption neuartiger Greifsysteme auf Basis von Gelenkstrukturen aus Multi-Matrix-Faser-Kunststoff-Verbundmaterial
Das Ziel dieser Arbeit ist die explorative Untersuchung der Einsatzmöglichkeiten von Multi-Matrix-Faser-Kunststoff-Verbunden im Bereich softrobotischer Greifersysteme sowie die Umsetzung eines geeigneten Konzepts.
Nach einer umfassenden Recherche und der Analyse von bestehenden Softrobotiksystemen wurde entschieden, dass der Greifer die Funktion haben soll, Menschen mit körperlichen Einschränkungen im Alltag zu unterstützen. Dazu wurden acht verschiedene Konzepte herausgearbeitet. Die umzusetzende Idee war ein Greifer, der sich mit einer Drehbewegung wie eine Blume schließen und öffnen kann. In mehreren Herstellungsversuchen wurden verschiedene Glasfaserformen getestet. Anschließend konnten damit Greiffinger hergestellt werden, die lokal biegeweiche Bereiche innerhalb einer sonst biegesteifen Struktur besitzen. Durch die Verbindung mit einem Motor und einer einfachen Ansteuerung ist ein Demonstrator entstanden, der unterschiedliche Objektgrößen sowie -formen greifen kann.
Farbe im Designstudium
Ausgangspunkt ist die Hypothese der Farbscheu in gestalterischen Feldern: Ein Vorbehalt gegen Farbe und eine Unsicherheit hinsichtlich der Verwendung von Farbe bewirken häufig eine Beschränkung auf das achromatische Spektrum. Ungeschickte Farbigkeit kann schnell alles verderben.
Die Arbeit untersucht im ersten Teil „Überblick“ die Situation der Farblehre in gestalterischen Studiengängen in Deutschland. 156 Design-Studiengänge im engeren Sinne wurden nach Schlagworten zu Farbe durchkämmt und ausgewertet.
Der zweite Teil „Rückblick“ wirft schlaglichtartig einen Blick auf historische Ursachen heutiger Farbscheu und der angeblichen Nachrangigkeit der Farbe hinter der Form.
Der dritte Teil „Farbgespräche“ umfasst Interviews mit Farblehrenden aus verschiedenen Disziplinen: Produktdesign, Mediendesign, Kommunikationsdesign, Innenarchitektur, Architektur, Restaurierung.
Im vierten und letzten Teil „Ausblick“ werden Ansätze zur Aktualisierung heutigen Farbunterrichts aufgezeigt.
SOLINA
SOLINA besteht aus flexiblen Solarmodulen für Balkonsolaranlagen auf Basis der organischen Photovoltaik (OPV). Durch die innovative Technologie und die skulpturale Ästhetik wird ein neuer Zugang zur Energiegewinnung durch Photovoltaik geschaffen. Die „wachsende“ und bifaziale, d. h. beidseitig aktive, Solarstruktur erzeugt auf einer relativ kleinen Grundfläche eine große Oberfläche für die Stromerzeugung. Doch nicht Effizienz und Ertrag stehen im Vordergrund, sondern Schönheit, Emotion und die positive Erzählung der Energiewende!
block to blob
Plastikobjekte umgeben uns täglich; ihre glänzenden Oberflächen verdecken dabei ihre natürlichen Ursprünge. In seinem Diplomprojekt an der HfG Karlsruhe untersucht Lukas Klein kritisch Plastik als allgegenwärtiges, doch anonymes Material. Mittels Text und Video verfolgt „block to blob“ die verborgenen Wege der Kunststoffe und macht die zur Produktion benötigten Industrielandschaften sichtbar. Karlsruhe, Endpunkt der Transalpinen Pipeline – einer der wichtigsten Ölpipelines Deutschlands – wird zum zentralen Ort des petro-industriellen Komplexes. Die Reise endet in einem elsässischen Wald, wo eine natürlich auftretende Erdölquelle die organische Ausgangssubstanz des Plastiks offenbart.