Trotz ihrer ökologischen und technischen Qualitäten wird regionale Schurwolle heute nur noch begrenzt genutzt – vielerorts wurde sie durch synthetische Materialien ersetzt oder findet in zu kleinen Märkten Anwendung, um das vorhandene Potenzial auszuschöpfen. Shear Imagination untersucht dieses Potenzial im Kontext des Lichtdesigns. Ein eigens entwickelter Prozess ermöglicht das freie Formen von Filz zu skulpturalen Leuchtkörpern. Dabei werden die natürlichen Eigenschaften des Materials – Wärme, Textur, Lichtdurchlässigkeit – gestalterisch neu interpretiert. Die entstandenen Objekte zeigen Wolle als funktionales Material mit ästhetischer und ökologischer Relevanz. Durch die lokale Verarbeitung können neue Wertschöpfungsketten erschlossen und bestehende Strukturen revitalisiert werden. Das Projekt versteht Gestaltung als Impulsgeber für Wandel und positioniert regionale Wolle als nachhaltige Alternative zu synthetischen Materialien.
Author: Jean Claude Granval
Aurelies Goldener Weg
Ich habe immer gedacht, dass ich weiß, was mir gefällt und was nicht.
Auf mich allein gestellt in Stuttgart wusste ich nicht mehr, was mich fesselt, anspornt und motiviert. Ich fühlte mich leer und ideenlos. Diese Herausforderung, die das Designen an mich stellt, machte mich wütend und überforderte mich. Ich fühlte mich nackt und entblößt, mit all meinen Schwächen.
In meiner Masterarbeit mache ich mich selbst zum Thema. Ich starte den Versuch, mich von außen zu betrachten und mein Innerstes hervorzuholen. Nicht ohne Selbstzweifel und Ängste, aber mit dem Ziel, eine selbstbewusste Designerin zu werden.
Die Arbeit am Designen zwingt mich, wahrhaftig und ehrlich zu arbeiten; Designen ist ein Versuch, meine Emotionen zum Ausdruck zu bringen. Ich arbeite mit meinen Ängsten und meinen Verletzlichkeiten, ohne dass sie mich überwältigen. Ich arbeite mit ihnen, um sie zu überwinden. Diese Emotionen setze ich sowohl in Zeichnungen als auch in Kleidung kreativ um.
NESSIE
Heutzutage werden Algen meist unter Wasser auf langen Kunststoffleinen gezüchtet – ein Verfahren, das Plastikmüll in den Ozeanen hinterlässt und für kleinere Akteure kaum nutzbar ist, da es eine große Infrastruktur für die Verankerung verlangt. Dabei haben Algen als Ressource enormes Potenzial für biologisch abbaubare Kunststoffe, Textilien und Biokraftstoffe. Warum also den Zugang zum Anbau nicht erleichtern und gleichzeitig unsere Meere entlasten?
NESSIE ist eine ökologische, no-tech-Alternative: ein Edelstahlsystem aus einem einzigen Blech, das das Algenwachstum maximiert. Die glatte Oberfläche ermöglicht die natürliche Anhaftung der Algen; die Kegelform optimiert die Sonneneinstrahlung.
Statt geschweißtem Stahl ist es flach aus einem Monomaterial gefertigt, mit 16 Nieten direkt vor Ort biegbar – und spart Kosten, Lager- und Transportaufwand. NESSIE benötigt nur eine Schwimmkugel zur Befestigung, fügt sich harmonisch in die Küstenlandschaft ein und ist vollständig recycelbar.
Ease
Heutzutage stehen Eltern zunehmenden Herausforderungen gegenüber, die sich auf die Familienbande sowie auf die Entwicklung des Kindes auswirken können. Das abendliche Ritual des Vorlesens hat einen besonders hohen Stellenwert bei Familien. Es schafft Vertrauen, Sicherheit und gestaltet sich für Eltern oft als einzige bewusste Zeit, die sie nach der Arbeit mit ihrem Kind verbringen können. Daraus entstand ein Möbelstück, das sowohl die Kommunikation als auch die Interaktion innerhalb der Familie fördert.
„Ease“ ist ein modularer Schwinger, der nicht nur als Ort der Ruhe dient, sondern mithilfe des Stecksystems vielfältig und langjährig nutzbar sein kann und den kindlichen Bedürfnissen nach Bewegung, Spiel, Nähe, Fantasie und Interaktion entgegenkommt.
Offen—bach
Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Offenlegung des Hainbachs, eines Bachs, der vertunnelt unter Offenbach verläuft. Es zeigt dabei beispielhaft, wie vertunnelte Bäche in Städten wieder erlebbar gemacht werden können. Im Rahmen dieses Projekts wurde außerdem ein allgemeingültiger Gestaltungskatalog für urbane Bachoffenlegungen erarbeitet. Das Konzept steigert die Lebensqualität, fördert die Ökologie und reduziert die Hochwassergefahr.
Emotional berührt der Entwurf, weil er etwas Unsichtbares wieder sichtbar macht. Er erzählt von der Geschichte des Ortes und verbindet Menschen über das Wasser miteinander. Er schafft Freiräume, in denen Menschen sich begegnen, Natur erleben und sich mit ihrer Stadt identifizieren können.
Der Hainbach steht dabei exemplarisch für zahlreiche unsichtbare Stadtbäche, die noch heute unter unseren Füßen verlaufen — ein verborgenes Potenzial für lebenswertere Städte.
Second Hang
Second Hang ist ein Modul für halböffentliche Räume in urbanen Mietshäusern, das Nachbarschaften verbindet und alten Gegenständen eine zweite Chance gibt. Durch vielseitige Aufbewahrungsmöglichkeiten bietet Second Hang Raum für zu verschenkende Objekte. Der Akt des Verschenkens fördert zwischenmenschliche Beziehungen und das Gemeinschaftsgefühl. Mit seiner einfachen und vielseitigen Zusammensetzung ermöglicht Second Hang viele Modulvarianten und erleichtert den nachbarschaftlichen Dialog und die gegenseitige Unterstützung.
Second Hang besteht aus einer Gitterstruktur aus quadratischen Aluminiumrohren, die durch standardisierte Verbindungselemente zu verschiedenen Modulen arrangiert werden können. Um größere Gegenstände zu verstauen, gibt es Körbe, die an verstellbaren Haken befestigt werden. Textilien werden mithilfe von Kleiderbügeln an die Gitterstruktur gehängt. Durch den Einsatz von Schichtholzplatten werden Sitzmöglichkeiten oder zusätzlicher Stauraum kreiert.
MINI Project U
Mobilität bedeutet Freiheit – doch viele Menschen sind vom Zugang zu persönlichem Transport ausgeschlossen. Schon der ursprüngliche MINI stellte sich dieser Herausforderung: Sein effizientes Design ermöglichte breite gesellschaftliche Teilhabe.
Durch demographische Veränderungen wird in Zukunft besonders eine Gruppe unter Mobilitätsverlust leiden – ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen. Meine Thesis untersucht, wie Gestaltung sowohl physische als auch gesellschaftliche Barrieren abbauen und mehr Lebensqualität unabhängig von Alter oder Gesundheit ermöglichen kann.
In Zusammenarbeit mit der BMW AG wurde ein Konzept entwickelt und als physisches Modell umgesetzt. Die Arbeit macht bestehende Hürden sichtbar und zeigt mit der markentypisch freundlichen Gestaltung einen eigenen, positiv besetzten Lösungsansatz auf. Die Thesis stellt dar, wie wir in Zukunft durch einen empathischen und inklusiven Designansatz persönliche Mobilität für alle Wirklichkeit werden lassen können.
Leuchtfliese
Seit Jahrhunderten prägen Fliesen als schützende und schmückende Elemente unsere Wohnräume.
In meinem Projekt wird dieses traditionsreiche Objekt in einen zeitgenössischen Kontext überführt und um eine neue Funktion erweitert. Die Leuchtfliese vereint Oberfläche und Licht in einem interaktiven, raumbezogenen Gestaltungselement aus Porzellan. Ein Ultraschallsensor erfasst die Distanz von Personen und steuert die Reaktion der Fliese. Sie dimmt sich sanft auf, fährt leicht aus ihrer Fassung, dimmt sich bei Entfernung ab und fährt zurück. So entsteht eine physisch erfahrbare Beziehung zwischen Mensch und Raum.
Die Leuchtwirkung bricht mit dem statischen Strahlen herkömmlicher Lichtquellen und formt eine lebendige Atmosphäre.
Im Zusammenspiel von Handwerk und Technologie entstand eine spezielle Porzellanmasse, die Transluzenz und Robustheit vereint. Die Fliese wird so zu einem Ausdruck gelebter Materialkultur und verbindet technologische Innovation mit gestalterischer Kontinuität.
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Textile Überproduktion und daraus resultierende Umweltschäden rücken zunehmend in den Fokus. Pre-consumer Waste ist in der industriellen Weberei alltäglich. Zu kurze Lauflängen oder Farbabweichungen führen zu Restgarnen, die weggeworfen werden. Selbst in kleineren Betrieben werden monatlich bis zu 400 kg Material entsorgt.
Design kann Anreize schaffen, die Situation zu verbessern. Das Projekt You may also like stellt Restgarn in den Mittelpunkt der Gestaltung und ermöglicht dessen Wiederverwertung. Durch Verknoten bzw. Verzwirnen der Reste können Lauflängen beliebig verlängert werden, um sie wieder industriell relevant zu machen.
Es entsteht ein funktionierendes Garn, das das Potenzial der begrenzten Reste zeigt: Die Länge der Farbreste beeinflusst das Stoffmuster, das Garn wird zur eigentlichen Gestalterin. Farbverläufe verleihen dem Stoff seine eigene Ästhetik. Die entwickelte Methode ermöglicht nicht nur die Wiederverwertung, sondern verleiht den Abfällen ihr Alleinstellungsmerkmal.
Mehrwert durch Produktgestaltung für den Menschen im medizinischen Umfeld
Mit ausführlichen Recherchen und Interviews wurden die Herausforderungen in der Gesundheitsbranche beleuchtet und ein Fokus auf die demographische Alterung und den Fachkräftemangel gelegt. Das Problem des unangenehmen Geruchs in der Pflege und die Verknüpfung mit dem Thema Fäkalien wurde dabei herausgegriffen.
Das entwickelte Produkt AYO ist ein transportabler Luftreiniger, welcher von ambulanten Pflegekräften mit in die Wohnungen der Patienten genommen wird. Die leichte und handliche Gestaltung sowie die einfache Benutzung sind perfekt an die Situation der Pflegekräfte angepasst. Zusätzlich zur Luftreinigung gibt AYO die Möglichkeit, ein ätherisches Öl im Raum zu verteilen.
AYO sorgt für eine Verbesserung der Luftqualität und des Geruchs in den Wohnungen der Patienten, was zu einem höheren Wohlbefinden von Pflegekraft und Pflegebedürftigem gleichermaßen beiträgt. Dadurch werden das Image und die Attraktivität des Berufs und der Dienstleistung der ambulanten Pflege gesteigert.