Am 6. Juni 1942 sprang Adeline Gray aus 762m Höhe, um den ersten Fallschirm aus Nylon zu testen. Zuvor
waren nur Fallschirme aus Seide und Baumwolle verwendet worden. Gray wurde durch ihren Mut und
Enthusiasmus als Fallschirmspringerin bekannt. Die Ästethik des Fallschirms von den Schnüren bis hin zu den
voluminösen, veränderbaren Formen dienen als Inspirationsgrundlage meiner Arbeit.
Ein Schnürsystem wird eingesetzt, um den textilen Objekten eine bewegliche Eigenschaft zu verleihen.
Kantige, kastige Formen bekommen einen organischen Charakter. Raffungen bilden strukturierte Oberflächen.
Ein langer Rock kann zu einem kurzen verstellt werden. Die einzelnen Teile haben einen modularen Charakter.
Sie lassen sich miteinander verknüpfen.
Author: Jean Claude Granval
MedExplain – Barrierefreie Anwendung für die Aufklärung bei medizinischen Eingriffen
Das Projekt entwickelt eine barrierefreie, digitale Anwendung zur Aufklärung vor medizinischen Eingriffen in den Fachbereichen der Anästhesie und Orthopädie. Im Fokus stehen dabei geplante, stationäre Eingriffe. Die App bietet Patient:innen eine verständliche, mehrsprachige und inklusive Vorbereitung auf das Aufklärungsgespräch und den Eingriff sowie auch Unterstützung nach dem Eingriff in der Nachsorge.
Dabei werden komplexe medizinische Inhalte visuell, sprachlich und auditiv aufbereitet. Funktionen wie Leichte Sprache, Mehrsprachigkeit und personalisierte Informationsmodule fördern Verständnis und Sicherheit im gesamten Behandlungsprozess.
Die Hauptnutzungsgruppe der Anwendung sind Patient:innen, weswegen die Nutzung auf Smartphones optimiert ist und mit Tablet- und Desktop-Zugängen ergänzt wird. Grundlage des Projekts bilden Expert:inneninterviews und User Testings mit Fachärzt:innen aus der Anästhesie, Unfallchirurgie, Orthopädie und Inneren Medizin.
From Scraps to Sculpture
Ich suche oft nach Materialien in Kisten in alten Garagen oder Hinterhöfen, alten Tischplatten, Schrottplätzen oder nach Gegenständen, die auf der Straße entsorgt wurden, und verwandle das Zerbrochene wieder in etwas Ganzes. Indem ich diese Überbleibsel mit einem von mir entwickelten Silikon verbinde, möchte ich alten Objekten neues Leben schenken. Die Steine, die ich von Steinmetzbetrieben sammle, wurden möglicherweise aufgrund von Farb-, Qualitäts- oder Strukturfehlern aussortiert. Ein einzelner weggeworfener Stein kann leicht übersehen werden, doch wenn sie kombiniert und als Bausteine verwendet werden, spielt jeder Stein eine wichtige Rolle beim Entstehen der bleibenden Skulpturen. Die Belastung für die Umwelt durch den Transport von Steinen oder Materialien aus mineralreichen Regionen in Übersee ist enorm. Der Bergbau hinterlässt kahle und verschmutzte Landschaften, und wenn diese Steine dann nach Deutschland gebracht und anschließend entsorgt oder als ungeeignet für den kommerziellen Gebrauch eingestuft werden, hinterlässt das einen hohen ökologischen Fußabdruck. Die von mir entwickelte Technik ermöglicht es, diese Materialien in einem zeitgenössischen Kontext zur Geltung zu bringen.
MASK; THE CONTEXTUAL CRY
Dieses Projekt hinterfragt konventionelle Definitionen von Schmuck und positioniert sowohl Masken als auch Schmuckstücke als Werkzeuge zur Vermittlung von Identitätsveränderung und Selbstausdruck. Indem Schmuck als tragbare Maske betrachtet wird, untersucht die Arbeit, wie Schmuck als Brücke zwischen dem Physischen und dem Immateriellen dienen kann und es der Trägerin bzw. dem Träger ermöglicht, sich in einem kontinuierlichen Zustand der Metamorphose zu befinden.
In einer heutigen Welt, die durch Zeit, Raum und starre soziale Strukturen eingeschränkt ist, erlaubt Schmuck — wie auch die Maske — seinem Träger, diese Grenzen zu überwinden und einzigartige Identitäten besser auszudrücken. Verwendete Materialien sind Edelsteine, Holz und Gold.
A Sonic Graphic Experience
Was wäre, wenn Objekte in einer eigenen verbalen Sprache anfingen zu sprechen? Die Arbeit lässt eine Auswahl an allgegenwärtigen Grafikdesigns buchstäblich zu Wort kommen. Sie schlägt ein System vor, das zweidimensionale Formen in menschliche Laute übersetzt. Der Bouba/Kiki-Effekt diente als Startpunkt, um zwanzig Wörter zwischen Kiki und Bobo zu finden, die den Parametern geradlinig und gebogen sowie spitzwinklig und stumpfwinklig zugeordnet wurden. Betonungen der Wörter wurden anhand von bildlicher Komposition mithilfe der Drittelregel und des goldenen Schnitts hinsichtlich Pathos ermittelt. Die Stimmen liehen zwanzig prominente Persönlichkeiten, die je eins der gefundenen Wörter vor laufendem Mikrofon gesagt haben.
Für die Ausstellung wurde die jeweilige Rede eines Objekts basierend auf den festgelegten Regeln ermittelt. Per Augmented Reality konnte sie gehört werden. Die Rückseiten wurden mit designgeschichtlichen Informationen im Siebdruckverfahren versehen.
testnest
testnest ist ein haptisches Baukastensystem zur Gestaltung von physischen Userinterfaces. Der kompakte Koffer enthält verschiedene Bedienelemente in Modulform, CAD-kompatible Verbindungselemente sowie ein Kartenset mit visuellen Anleitungen und Maßvorgaben für die Detailgestaltung. Designer*innen können die Module direkt am z. B. 3D-gedruckten Prototyp durch einen LEGO-ähnlichen Steckmechanismus ausprobieren, Varianten vergleichen und Nutzerfeedback einholen. Durch integriertes haptisches Feedback vermitteln die Module ein realistisches Bediengefühl. Dank modularem Aufbau ist das testnest in Designstudios, Hochschulen oder durch spezialisierte Toolkits für die jeweilige Branche einsetzbar. Das verspielte Branding mit Vogelmotiv und der Name verbinden Testen mit Kreativität, Spaß und Technik. testnest macht haptische Interfaces anschaulich erlebbar, verkürzt den Zugriff auf Fachwissen und gibt dem physischen Gestalten im digitalen Zeitalter neuen Raum.
Auf der Suche nach Glück
Hinter jeder Migration steckt eine individuelle Geschichte: In Deutschland sind es mehr als 20 Millionen. Doch oft werden nur jene Stimmen gehört, die Probleme bereiten – die laut sind, die aus der Reihe tanzen, die Schlagzeilen machen.
Mein Buch stellt die leisen Stimmen in den Vordergrund. In persönlichen Interviews, eindrucksvollen Fotografien und ehrlichen Zitaten teilen Menschen mit Migrationshintergrund ihre Erlebnisse, Herausforderungen und Hoffnungen. Es geht um Heimat, Ausgrenzung, Neuanfang – aber auch um Stärke, Zusammenhalt und Menschlichkeit. Die Gestaltung vereint präzise Diagramme, visuell ansprechende Karten und ausdrucksstarke Bilder, um die Vielfalt der Lebensrealitäten anschaulich und ergreifend darzustellen.
Dieses Buch lädt dazu ein, Vorurteile zu hinterfragen, Empathie zu entwickeln und die kulturelle Vielfalt als Bereicherung wahrzunehmen. Es ist ein Plädoyer dafür, Brücken zu bauen und die Geschichten hinter der Migration sichtbar zu machen.
BROKEN=GOOD
In der Produktion von Gebrauchsporzellan entstehen keramische Abfälle als Bruchware (engl. broken goods), die meist unzureichend wiederverwendet werden. Häufig führt ein zu hoher Standard zu bis zu 20 % Bruchware, die rein aus ästhetischen Gründen aussortiert wird. Die Arbeit untersucht gestalterische Eingriffe in den Fertigungsprozess, die Sortierung und die Entsorgung, um Ressourcen zu sparen.
Das Ergebnis ist ein in Kleinserie gefertigtes Porzellan-Teeservice, das ästhetische Anforderungen hinterfragt und den Energieaufwand sowie das Material wertschätzt. Es soll für die Merkmale sensibilisieren, die durch Material und Fertigung entstehen können und sonst als Fehler deklariert werden. Anstatt sie zu verleugnen, werden die Merkmale in einem Café-Nutzungsszenario vermittelt. Die Grenzen zwischen den Güteklassen verschwimmen. Das Design hat hierbei keinesfalls den Anspruch einer allgemeingültigen Lösung, sondern soll eher einen Teil zu einem größeren Umdenken beitragen.
Ideologien visualisieren
In meiner Bachelorarbeit stellte ich mir die Frage, ob und wie Ideologien unvoreingenommen visualisiert werden können. Ausgehend von sechs politischen Makroideologien – von Kommunismus bis Faschismus – entwickelte ich eine eigene visuelle Analysemethode basierend auf Michael Freedens Ideologiemorphologie und Clifford Geertz’ These zu Symbolen. Mit einer ChatGPT-API-Schnittstelle entstand ein Tool, das ideologische Konzepte strukturiert analysiert. Aus den Ergebnissen wuchsen gigantische Bildwelten mit fast 3000 Symbolbildern. Die Kernidee war, ideologische Perspektiven sichtbar zu machen: Erst durch die Veränderung des Standpunktes und Wechsel der Blickrichtung werden andere Perspektiven erfahrbar. Der Prototyp, ein immersiver Raum, erlaubt genau das. Das Ergebnis ist der Grundstein zu einem bildungspolitischen Werkzeug, das ideologische Komplexität visuell erfahrbar macht.
MycoPouf – Frida
MycoPouf: Frida – Möbelfüllung neu gedacht
Der MycoPouf Frida steht als charakteristischer Demonstrator für eine ressourcenschonende, niederkomplexe und skalierbare Nutzung von Pilzmaterial als Füllmaterial. Sitzsackfüllungen bestehen oft aus synthetischen Stoffen wie Polystyrol oder Polyester – ölbasiert, schwer recycelbar und Mikroplastik freisetzend. MycoPouf setzt dagegen auf Myzel, das als Reststoff in der Speisepilzproduktion anfällt. Dieses Material ist isolierend, schwer entflammbar und vollständig biologisch abbaubar.
Frida besteht aus einem waschbaren Bezug und einer Innenfüllung aus Baumwolle, die mit Alginat beschichtet ist. Diese Beschichtung verhindert das Austreten von Feinstaub durch Reibung und sorgt für eine antiallergene Gestaltung.
Der modulare Sitzsack zeigt spielerisch, wie Pilzmaterial als vielseitige Alternative erfahrbar wird und stellt Pilz als biologische Option für nachhaltige Füllungen vor.