Woher kommst du wirklich? Diese Frage begleitete mich als Adoptivkind mein ganzes Leben und führte mich dazu, das traditionelle Familienbild infrage zu stellen. In meinem Buch „Emotion trifft Tradition“ setze ich mich mit der Vielfalt von Familienformen auseinander und zeige, dass Bindung nichts mit Genetik zu tun hat. Adoption ist ein zentraler Teil des Projekts und verdeutlicht, dass Familie nicht durch Blutsbande, sondern durch Liebe, Vertrauen und Verlässlichkeit definiert wird. Der begleitende Film mit Interviews von Menschen, die in anderen Familienstrukturen leben, hinterfragt gesellschaftliche Normen und sensibilisiert für die Vielfalt von Familie. Das Projekt räumt mit Vorurteilen auf und zeigt, dass wahre Familie dort entsteht, wo Geborgenheit und Vertrauen wachsen – unabhängig von Herkunft und traditionellen Erwartungen.
Author: Jean Claude Granval
Effektivität von Entsorgungshinweisen auf Lebensmittelverpackungen
Da ein erheblicher Teil des Recyclingpotenzials durch fehlerhafte Entsorgungen in privaten Haushalten verloren geht, tragen zunehmend mehr Lebensmittelverpackungen Entsorgungshinweise. Diese Arbeit untersucht quantitativ, ob solche Hinweise tatsächlich das Potenzial besitzen, das Trennverhalten zu verbessern. Dafür wurden vier Hinweise für die Verpackung einer Schokoladenpraline entworfen und in einer Studie mit 120 Teilnehmenden getestet. Die Varianten unterscheiden sich hinsichtlich der Informationsdarstellung (Piktogramme und/oder Text) sowie farblicher oder keiner Hervorhebung. Zwei der Varianten führten deutlich häufiger zu einer korrekten Entsorgung als die Basisvariante ohne Hinweis. Die Ergebnisse liefern erste evidenzbasierte Erkenntnisse zur Wirksamkeit und Gestaltung von Entsorgungshinweisen. Zudem lassen sich erste Empfehlungen zu Gestaltungselementen ableiten, die jedoch in Folgeuntersuchungen genauer betrachtet werden sollten.
Olympia der Zukunft–Deutschland 2040
Mein Bachelorprojekt beleuchtet ein Zukunftsmodell möglicher Olympischer Spiele in Deutschland 2040 zum Thema „50 Jahre Wiedervereinigung“.
Wie sollte eine Olympiade in 15 Jahren aussehen? Wie kann ein solches Großevent den Aspekt der Nachhaltigkeit erfüllen?
Aufkommende Probleme oder Fragen bzw. Diskussionsthemen habe ich anhand von Forschungen bzw. Eigenentwicklungen vertieft und spekulativ eine Olympiade für die Zukunft entstehen lassen, die zum einen nachhaltig, aber auch vereinend sein soll.
Experimentell entwickelte ich darüber hinaus Logogestaltungen, die die gemeinschaftliche Zukunftsidee symbolisieren sollen, und stelle eine Corporate Identity auf, die sich von der Gestaltung bis hin zur letztendlichen Veranstaltung durchzieht und auf diese Weise eine spekulative Vision für eine Olympiade schafft, die nicht nur nachhaltig, sondern auch zukunftsweisend ist.
TimeEgg
TimeEgg ist eine innovative Hilfe für das Eierkochen mit einem Topf und vereint Funktionalität mit modernem Design. Die integrierte Funktion zur Messung von Temperatur und Gewicht der Eier ist entscheidend für das Gelingen eines perfekt gekochten Eies. Durch die präzise Bestimmung der Kochdauer kann ein wiederholbares Garergebnis erzeugt werden. Der integrierte Timer bietet ein akustisches Signal, welches zusätzlich dazu beiträgt, dass die Eier zum optimalen Zeitpunkt aus dem Topf genommen werden können. Die beiden kapazitiven Tasten und das Grafikdisplay mit Klartextanzeige sorgen für eine einfache Bedienbarkeit. Durch die interne Stromversorgung ist eine sofortige Inbetriebnahme möglich. Das Gerät ist einfach reparabel, da alle Bauteile durch lösbare Verschraubungen ersetzbar sind.
Zeitgefühl
Kann Schmuck therapeutisch sein? Im Austausch mit einer an Rheuma erkrankten Person wurde diese Frage zum Ausgangspunkt eines gestalterischen Prozesses.
Entwickelt wurde eine ergonomische Uhr, die durch einen speziell konstruierten Verschluss und ein Band aus gewebtem Pferdehaar auf die individuellen Bedürfnisse der erkrankten Person eingeht.
Die Gestaltung berücksichtigt sowohl funktionale als auch emotionale Aspekte. Ziel ist nicht die Heilung, sondern die persönliche Unterstützung im Alltag. Das Objekt soll den Umgang mit Einschränkungen erleichtern und gleichzeitig als Zeichen der Wertschätzung verstanden werden. Es zeigt, wie Gestaltung zur alltäglichen Entlastung beitragen und dabei soziale Sichtbarkeit für Betroffene schaffen kann.
ALUMINIUM FO(A/R)M
ALUMINIUM FO(A/R)M inszeniert Aluminiumschaumplatten (ASP) im Kontext Möbel, um dort die positiven kreislaufwirtschaftlichen Eigenschaften des Materials geltend zu machen. Diese beziehen sich auf die Verwendung hoher Anteile Recycling-Aluminium im Herstellungsprozess sowie den materialsparenden Charakter des Werkstoffs.
Der entworfene Beistelltisch zeigt eine konstruktive Lösung, die es ermöglicht, ASP mit anderen Bauteilen zu verbinden. Eine Struktur wird dazu mittels Aluminiumguss stoffschlüssig mit der ASP verbunden. Nach Bearbeitung der Struktur kann der Verbund – hier als Tischplatte – in ein Konstruktionssystem integriert werden.
Der Entwurf verbindet dabei klassisches Gießereihandwerk mit digitaler Fabrikation. Hierzu wird zuerst die Porenstruktur der ASP analysiert und basierend darauf der Zuschnitt des Plattenmaterials optimiert. Resultat ist dann ein Objekt mit variabler Form, das einer Logik der nicht standardisierten Serialität folgt.
Packaging Futures
Plastikverpackungen tragen erheblich zur Umweltverschmutzung und zu Treibhausgasemissionen bei, und ihre erheblichen Auswirkungen werden voraussichtlich in Zukunft weiter zunehmen. Derzeit sind die Abfallströme und Recyclingprozesse der EU unzureichend, um die von ihren Bürger*innen produzierten großen Mengen zu recyceln, was zu Abfallexporten in Länder mit niedrigeren Nachhaltigkeitsstandards führt.
Ich habe eine Lebensmittelverpackungslösung entwickelt, die nachhaltiger ist und dennoch Transporteffizienz, Langlebigkeit, Funktionalität und Verbraucherfreundlichkeit bietet. Der Prozess umfasste Literaturrecherche, Expert*inneninterviews, Marktanalysen und zahlreiche Experimente.
Das Design folgte einem experimentellen Ansatz, der zu einer Serie von Edelstahlbehältern führte, die sich für die Massenproduktion und Integration in bestehende Rückgabesysteme in Deutschland eignen.
Die vorgeschlagenen Verpackungslösungen balancieren die wichtigsten Nachhaltigkeitskriterien der Untersuchung, darunter Wiederverwendbarkeit, Effizienz, Stabilität und Inertheit.
Pippo der Pollerpilot
Der Entwurf fördert Laufgemeinschaften und kommuniziert, dass es sich bei bestimmten Straßen um Schulwege handelt. Hierfür werden an bestehenden Pollern und Straßenschildern Objekte montiert, die eine kurze Interaktion ermöglichen und sich als Treffpunkte für Laufgemeinschaften eignen. Zudem erhöhen sie die Wahrnehmbarkeit der Schüler:innen, indem sie mit einem akustischen Signal Aufmerksamkeit auf sich lenken oder eine erhöhte Position einnehmen können, in der sie nicht nur mehr sehen, sondern auch besser gesehen werden können.
Der Zielgruppe Kinder wird dies spielerisch durch die Geschichte von Pippo, dem Pollerpiloten, nähergebracht. Pippo ist ein Pirol, ein heimischer gelber Vogel, der mit Unterrichtsmaterial kindgerechte Verkehrserziehung leistet. Erwachsene Verkehrsteilnehmer:innen werden zusätzlich durch gelb reflektierende Vogelsilhouetten an Laternen oder Schildermasten auf Kinder im Straßenverkehr aufmerksam gemacht. Diese haben dieselbe Symbolik wie Reflektortiere an Schulranzen.
Getting Closer
Getting Closer ist eine multidisziplinäre Auseinandersetzung mit kollektiver Intelligenz als einem Konzept, das Speziesgrenzen überschreitet.
Die Welt ist ein Netzwerk miteinander verbundener Akteure, die ein intelligentes System zur Erhaltung des Lebens auf der Erde bilden. Während der Intelligenzbegriff traditionell mit der menschlichen Identität verknüpft ist, hat dieses Verständnis zu einer Abgrenzung von diesen Systemen geführt. Angesichts des Aufstiegs von KI, die diese Sichtweise infrage stellt, stellt Getting Closer die Frage, wie Technologien zu einer Schnittstelle in eine mehr-als-menschliche Welt werden können, uns Einblicke in die komplexen Netzwerke des Lebens bieten, unsere Wahrnehmung erweitern und Möglichkeiten für interspezifische Zusammenarbeit schaffen.
Um diese Praxis der Fürsorge zu kultivieren, wird das Projekt in einem Objekt verkörpert, das KI integriert, kontextualisiert durch Umweltsensoren, die einen Dialog zwischen mehr-als-menschlichen Akteuren ermöglichen. Bestehend aus erodierendem Ton, im Kontrast zum Aluminiumgehäuse der Elektronik, wird die Materialität selbst Teil einer fortlaufenden Interaktion mit der Umwelt.
Designed by Mycelium
Wir befinden uns in einem neuen Material-Zeitalter, in dem die Erforschung biobasierter Werkstoffe zunehmend an Bedeutung gewinnt – und zugleich vor großen Herausforderungen steht. Besonders Materialien wie Pilzmyzel stoßen trotz ihres ökologischen Potenzials häufig noch auf gesellschaftliche Skepsis, fehlende industrielle Standards und technische Unsicherheiten.
Dieses Buch lädt dazu ein, Myzel als Material der Zukunft zu entdecken – eines, das uns ermöglicht, nachhaltiger zu denken, zu bauen und zu leben. „Designed by Mycelium“ vermittelt erste Einblicke über Pilzmyzel, bricht bestehende Vorurteile auf und zeigt die Vielfalt bereits realisierter Projekte aus dem Bereich des Produktdesigns und der Architektur.
Es ist ein Einstieg in ein noch junges, aber vielversprechendes Feld – und ein Plädoyer für Neugier, Mut und Materialwandel.