wool venture

wool venture – Molding of Nonwovens erforscht ein neuartiges Formungsverfahren für Wollfilz, bei dem Kleidungsstücke direkt im Nassfilzprozess geformt werden. Die einzelnen Formteile können anschließend durch ergänzende Filztechniken – ganz ohne Garn und Nähte – verbunden werden. Durch das Wegfallen klassischer Verarbeitungsschritte wie Spinnen, Weben oder Nähen werden Transportwege, Maschinenaufwand und CO₂-Emissionen deutlich reduziert. Ein eigens entwickelter, variabler Leisten ermöglicht das gezielte Formen von Kleidung in unterschiedlichen Größen. In einer Case Study entstand eine motorradinspirierte Jacke aus 100 % Wollfilz mit geformten Protektoren an Schultern und Ellenbogen. Die Kombination aus technischer Ästhetik, Monomaterialität und nahtloser Reparierbarkeit macht den Prototyp zu einem Beispiel für nachhaltige, zukunftsweisende Textilproduktion.

Werte und Kitsch

Kitsch wird oft als geschmacklos, sentimental oder oberflächlich abgewertet – obwohl er Emotionen, Teilhabe und Zugänglichkeit ermöglichen kann. Die Bachelorarbeit „Werte und Kitsch“ untersucht diese Diskrepanz und legt offen, inwiefern gesellschaftliche Normen und Machtverhältnisse zu dieser Abwertung beitragen. Dazu werden die tatsächliche Wirkung sowie die Inhalte und Qualitäten von Kitsch analysiert. Auf dieser Grundlage entsteht eine Sammlung aus fünf kommunikativen Objekten und ein Manifest, das Kitsch als politischen Ausdruck neu verhandelt. Die Arbeit versteht Design als gesellschaftliches Werkzeug: nicht nur zur Problemlösung, sondern als Mittel zur Reflexion, zum Infragestellen und Sichtbarmachen. Sie zeigt, dass Gestaltung dann wirksam ist, wenn sie Emotionalität zulässt, Vielfalt fördert – und veraltete Denkstrukturen aktiv hinterfragt, statt sie weiterzutragen.

KippCart

Das KippCart ist eine modulare Transporthilfe, die den intermodalen Transport im urbanen Raum ermöglicht. Es ist für die Bedürfnisse von urbanen Kleingärtnern konzipiert und erleichtert stadtweite Transporte, unabhängig vom Auto, indem es im ÖPNV mitgeführt werden kann. Die universelle Handhabung und intuitive Bedienung in Kombination mit einer kompakten, robusten und krafteffizienten Bauweise sorgen für die nötige Akzeptanz und Sicherheit im ÖPNV. Die Anpassung an verschiedene Transportbedürfnisse wird durch austauschbare Module ermöglicht. Eine gemeinschaftliche Nutzung bietet zudem einen günstigen Zugang für umweltschonende Transporte.

Der queere* Blick

Der queere* Blick spielt mit der Art, wie wir aus visuellen Impulsen Wahrheiten generieren. Er setzt sich kritisch mit Sichtbarmachung im Mainstream auseinander. Denn diese verfehlt oft zu reflektieren, inwiefern Machtstrukturen und Stereotypen durch die Repräsentation wiederholt werden können.

Das Projekt besteht aus einem mit Illustrationen bestickten Stoff- und Holzobjekt sowie einem Objektkatalog. Die handbestickte Installation charakterisiert mit persönlichen Gegenständen mehrerer queerer* Personen die Realität einer Person auf der Grenze zwischen Wahrheit und Fiktion. Die Arbeit ist ein Aufruf zum genauen Hinschauen, zwischen den Zeilen lesen und dem Reflektieren des eigenen visuellen Repertoires. Denn Queerness bewegt sich immer auf einem Spektrum von Un/Sichtbarkeiten.

Zoo: Upgrade oder Aus?

Mein Buch hinterfragt die idealisierte Sicht auf Zoos, die oft als Bildungsstätten gelten, aber ethische Probleme und Einschränkungen für Tiere verbergen. Es ermutigt besonders Kinder und Jugendliche, die „zoologische Idylle“ zu reflektieren. Ziel ist ein interaktives Erlebnis, das Wissen über Funktionen und Probleme moderner Zoos vermittelt und individuelles Denken fördert. Neben Geschichten und Informationen gibt es Mitmachseiten, Selbsttests und eine QR-Code-Schnitzeljagd, die reales Lernen ermöglicht. Das Konzept integriert multimediale Elemente und verschiedene Lehrmethoden, um unterschiedliche Lerntypen anzusprechen. Illustrierte Inhalte und Zitate machen komplexe Themen verständlich und regen zur kritischen Auseinandersetzung an. Die QR-Codes sorgen für Praxisbezug und fördern Empathie und Engagement für Tierwohl.

Der Wurm in unserem Herzen

Im Laufe der letzten Jahrhunderte rückte der Tod zunehmend aus dem gesellschaftlichen Blickfeld, und der bewusste Umgang mit der eigenen Sterblichkeit verschwand. Neue Entwicklungen wie der Rückgang religiöser Rituale und neue Lebensstile machen deutlich, wie wichtig es ist, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. Künftige Generationen werden ihn neu gestalten müssen. Im Rahmen einer Thesis entstand die Box „Der Wurm in unserem Herzen“, die Impulse bietet, die eigene Sterblichkeit zu erkunden. Mit verschiedenen Tools und Anleitungen regt sie einen bewussten Umgang sowie Austausch an. Kernstück ist ein Kartenset mit 60 Karten zu den Themen „Wissenswert“, „Innehalten“, „Vorsorge“ und „Kommunikation“. Ergänzt wird die Box durch ein Notizbuch, ein Würfelset mit eingravierten Begriffen und ein Begleitheft. Webseite und Social-Media-Kanal bringen das Thema zusätzlich in den Alltag.

Nächster Halt: Heterotopie

Thema:
Michel Foucault prägte 1967 das Konzept der „Heterotopie“ – Räume, die sich in Funktion und Struktur vom Alltäglichen unterscheiden. Sie können bspw. durch eine andere Zeitwahrnehmung geprägt sein: Friedhöfe stehen für die Ewigkeit, Nachtclubs für das Flüchtige. Ziel war es, diese besonderen Raumeigenschaften gestalterisch zu erfassen und künstlerisch zu präsentieren.

Idee:
U-Bahn-Stationen in Hamburg, Hannover, Berlin und Wien können als Heterotopien betrachtet werden. Mittels analoger Fotografie und Buchgestaltung wird die Ästhetik & Dynamik dieser Gegenräume des Alltags dokumentiert. Die Kernfrage war: „Was braucht es, um abstrakte Konzepte designästhetisch festhalten zu können?“

Produkt:
Die analogen Fotografien wurden in vier Fotobüchern zusammengefasst, die jeweils eine der genannten Städte abbilden. Pro Buch wurde eine Person porträtiert, um den persönlichen Bezug zu stärken. Ein speziell angefertigter Schuber aus Stahl bündelt die Bücher als eine Einheit.

Edition Düsentrieb

Edition Düsentrieb ist ein Buchverlag, über den Kommunikationsdesignstudierende ihre Studienprojekte verlegen lassen können. Er fungiert gleichzeitig als interaktive Ausstellungsplattform und als Designarchiv für den Studiengang, in dem die herausragenden Arbeiten aller Generationen von Studierenden eingesehen werden können. Das Leitmotiv der Historie ist daher sehr relevant, weswegen eine Zeitleiste häufig als grafisches Gestaltungselement genutzt wird. Die Brand hinter dem Verlag will den Unterschied zwischen studentischen und „professionellen“ Arbeiten unterstreichen und einen ungezwungenen, rebellischen und experimentierfreudigen Charakter an den Tag legen – jedoch ohne von den präsentierten Arbeiten abzulenken.

contactile

Wären unsere Städte grüner, wenn wir öfter barfuß laufen würden? Es ist gefährlich, ohne Schuhe zu laufen, aber nur durch eine tiefere Verbindung zur Natur erkennen wir unsere Verantwortung für die Umwelt und ihre Ressourcen. Unsere Verbindung zum Untergrund spiegelt sich aufgrund der Schwerkraft in unseren Füßen wider. Eine 3D-gedruckte Schuhsohle aus kreislauffähigem Austernfilament mit einer gangunterstützenden Struktur könnte die Bodenwahrnehmung verbessern und das Umweltbewusstsein stärken. Das Konzept ist eine nachhaltige und visuell ansprechende Sohle, die den Fuß schützt und gleichzeitig ein natürliches taktiles Erlebnis bietet.

Lyuma

Die Abschlussarbeit beleuchtet das Spiel Lyuma als interaktives Medium zur Erforschung von Kommunikation, subjektiver Wahrnehmung und fragmentierter Wahrheit. Im Zentrum stehen die Figuren Lyuma, Nikolai und Victor, die unterschiedliche Perspektiven auf Wahrheit verkörpern und soziale wie kulturelle Themen widerspiegeln.
Durch das Sammeln von Tarot-Karten beeinflussen SpielerInnen aktiv die Deutung von Ereignissen und gestalten ihre individuelle Wahrheitskonstruktion. Lyuma verwebt narrative Spielmechaniken mit slawischer Mythologie und schafft so eine ästhetisch und thematisch dichte Erfahrung.
Die Arbeit untersucht, wie das Spiel gesellschaftliche Normen reflektiert und kulturelles Erbe zugänglich macht, indem es Interaktivität als künstlerisches Ausdrucksmittel nutzt. Es zeigt auf, wie Spiele wie Lyuma nicht nur Unterhaltung bieten, sondern komplexe philosophische Fragen zu Identität, Wahrheit und Kommunikation erfahrbar machen.