Format und Katastrophe

In der Logik digitaler Medien unterbricht die Katastrophe nicht den Fluss der Inhalte – sie wird selbst zum Inhalt (Content). Bilder von Zerstörung erscheinen als Teil eines fortlaufenden Updates. Was aber passiert, wenn dieser Fluss kippt?

Dieses Projekt untersucht digitale Bildkultur durch die Metapher der Baustelle – als Ort des Provisorischen und der permanenten Umstrukturierung. For-You-Feeds verweisen im Gegensatz dazu nicht auf etwas Fertiges, sondern auf ein Archiv in Bewegung, in dem Inhalte kontinuierlich reformatiert und neu gerahmt werden, während Struktur zunehmend Inhalt ersetzt und Formate selbst sichtbar werden.

Die Katastrophe des Formats verweist nicht allein auf den Bruch bestehender Strukturen, sondern stellt grundlegend infrage, ob sich in seiner entkörperlichten, standardisierten Logik bereits jene Störung andeutet, durch die Formatierung, Filterung und Wahrnehmung selbst zum Gegenstand gestalterischer Auseinandersetzung werden.

Urban Komorebi

Mystery bietet eine neue Perspektive auf die Förderung von Kreativität und kann ein wertvolles Instrument bei der Gestaltung kreativer Arbeitsräume sein. Forschungsergebnisse zeigen, dass auf Mystery basierende Designstrategien Neugier wecken, zum Erkunden anregen und neue Denkweisen fördern können.

Urban Komorebi zeigt, wie Mystery in die Gestaltung von Arbeitsräumen integriert werden kann. Das Konzept basiert auf der „Verheißung neuer Informationen“: Ein visueller Hinweis suggeriert das Vorhandensein eines nahe gelegenen Fensters, obwohl tatsächlich kein Fenster existiert.

Das Produkt kombiniert eine Lichtinstallation mit Wanddekoration und besteht aus mehreren geschichteten Komponenten, darunter Faserplatten, ein LED-Streifen, opales Acrylglas, eine visuelle Ebene mit Schattenausschnitten, die während der Produktionsphase individuell angepasst werden können, sowie eine äußere Hülle aus Leinwand. Das dimmbare Licht bietet drei Farbtemperatureinstellungen, sodass Nutzer:innen die Atmosphäre an unterschiedliche Bedürfnisse und Vorlieben anpassen können. Mögliche Einsatzszenarien sind Übergangsräume, Bereiche in der Nähe individueller Arbeitsplätze sowie gemeinsam genutzte Gemeinschaftsbereiche.

Tag des menschlichen Geistes. Ein spekulativer Ritualentwurf im Zeitalter der KI.

Künstliche Intelligenz ist längst Teil unseres Alltags. Trotzdem gibt es kaum Momente, in denen wir gemeinsam innehalten und darüber nachdenken, wie sie unser Verständnis vom Menschsein verändert.

„Tag des menschlichen Geistes“ ist ein spekulativer Feiertag, der genau dort ansetzt. Das Projekt entwirft eine neue rituelle Praxis für den Umgang mit KI. Während künstliche Intelligenz zunehmend Arbeit, Kreativität und Entscheidungen beeinflusst, erleben viele Menschen Verunsicherung, Kontrollverlust oder die Angst, ersetzbar zu werden.

Im Mittelpunkt steht das Gehirn als Symbol für Denken, Fühlen, Kreativität, Zweifel und Widersprüchlichkeit. Eine rosa-pinke Farbwelt setzt einen Gegenpol zu den kühlen Bildern technologischer Zukunft.

Zentrales Element ist das Ritual „Kaffee und KI“: Ein KI-Kuchen wird gemeinschaftlich mit den Händen gegessen. Der absurde Regelbruch macht Ängste und Spannungen sichtbar und lädt dazu ein, neu über das Verhältnis von Mensch und Technologie nachzudenken.

Licht – kunst. projektion. immersion.

Das Ausstellungskonzept „Licht – kunst. projektion. immersion.“ untersucht Licht als gestalterisches, erzählerisches und machtvolles Medium im musealen Raum. Es wird kritisch betrachtet, wie Licht Wahrnehmung lenkt, Räume inszeniert und Bedeutungen erzeugt. Historische Lichtarchitekturen sakraler Räume und politische Masseninszenierungen werden dabei mit zeitgenössischen „Immersive Experiences“ in Beziehung gesetzt, deren spektakuläre Ästhetik ähnliche Wirkungsmechanismen reproduziert.

Die Arbeit verbindet phänomenologische, kunstwissenschaftliche und kulturkritische Perspektiven und hinterfragt immersive Lichtinstallationen zwischen Kommerzialisierung, Machtstrukturen und sensorischer Überwältigung. Durch eine interaktive, gestalterische Intervention entsteht ein Reflexionsraum, der das Verhältnis zwischen Betrachter:in, Ausstellung und immersiver Inszenierung unmittelbar kritisch aufbricht.

Dabei werden neue Formen der Wissensvermittlung als körperlich erfahrbare Praxis erprobt.

Data-driven creativity – Data in dynamic visual identities

In einem zunehmend komplexen und digital vernetzten Umfeld müssen visuelle Identitäten anpassungsfähig sein, um in eine Vielzahl von Formaten, Touchpoints und Umgebungen zu passen. Dynamische visuelle Identitäten haben sich als vielversprechende Weiterentwicklung konventioneller statischer Lösungen herauskristallisiert, die es Marken ermöglichen, auf sich verändernde Kontexte zu reagieren. Datenbasierte dynamische visuelle Identitäten, die Daten als Quelle für visuelle Transformationen integrieren, stellen ein wachsendes Interessenfeld dar.

Diese Abschlussarbeit bietet Gestaltern einen praktischen Leitfaden, der auf einem Modell zur Integration von Daten in das Design dynamischer visueller Identitäten basiert. Anhand von Fallstudien und bestehenden Frameworks beleuchtet sie das kreative Potenzial eines flexiblen, datengestützten Ansatzes.

Das Modell ist in einem Design-Workflow verankert und betont, dass datenbasierte visuelle Identitäten eher aus narrativen und kommunikativen Zielen als aus rein technologischen Möglichkeiten abgeleitet werden sollten.

Sprich Wort! Das ist ein Befehl!

Sprich Wort! Das ist ein Befehl! Sprichwort. Sprich Wort! Das ist ein Befehl! Das Wort soll sprechen. Etwas bilden aus sich selbst. Ein Befehl und man weiß, wie der Hase läuft.

Inspiriert an der französischen Gruppe Oulipo, der Werkstatt für potentielle Literatur, entstehen aus Formzwängen neue Bedeutungsräume und gestalterische Ausdrucksformen in Form von Ougrapo, der Werkstatt für potentielles Design. Zehn deutsche Sprichwörter werden sprachlich und typografisch durch zweiundzwanzig Formzwänge transformiert. Daraus entsteht dieses Buch, welches eine offene Einladung an die Rezipierenden zum aktiven Spiel ist. Dieses Buch ist für alle; sprach-, typografie- und humoraffinen Menschen.

tbd – to be decided

Im Designprozess müssen zahlreiche Entscheidungen getroffen werden – oft unter Zeitdruck. Es gilt, Ideen zu bewerten, Optionen zu verwerfen und so die beste Lösung zu finden. Genau das macht Designer:innen anfällig für Choice Overload. Je mehr Möglichkeiten es gibt, desto höher ist der kognitive Aufwand, eine Entscheidung zu treffen – bis man schließlich erschöpft ist und sich gar nicht mehr entscheiden kann.

Das Toolkit »tbd« bietet mit 15 interdisziplinären Entscheidungsmethoden aus unterschiedlichen Bereichen wie Betriebswirtschaft, Philosophie und Psychologie einen Rettungsanker. Das humoristisch gestaltete Kartenset erleichtert Designer:innen dabei den Zugang zu diesem oft belastenden Thema. Ein ergänzendes Workbook schafft Raum für eine vertiefte Auseinandersetzung und Reflexion des eigenen Entscheidungsverhaltens. So verbindet »tbd« wissenschaftliche Methodik mit gestalterischer Leichtigkeit und hilft Designer:innen, in komplexen Situationen handlungsfähig zu bleiben.

Hasardspiele

Meine Arbeit mit dem Titel „Hasardspiele“ setzt sich mit der visuellen Manipulation durch Glücksspielautomaten auseinander. Diese Automaten sind im Grunde meisterhaft gestaltete Oberflächen, die nur ein einziges Ziel verfolgen: Menschen so lange wie möglich an den Bildschirm zu fesseln und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Im Vergleich zu anderen Formen des Glücksspiels ist die psychologische Falle hier besonders tückisch und bösartig konstruiert.

Das Schlimmste daran ist, dass hier ganz gezielt die Schwächsten unserer Gesellschaft ausgebeutet werden. Spielautomaten stehen nicht ohne Grund vor allem dort, wo die Armut hoch und die Perspektiven schlecht sind. Es ist ein System, das von der Perspektivlosigkeit lebt und gezielt Existenzen bedroht. Besonders oft trifft es dabei Menschen mit Migrationshintergrund. Wer die Sprache nicht perfekt beherrscht oder schlicht nicht über die perfiden Mechanismen der Automatenindustrie aufgeklärt wurde, tappt fast wehrlos in diese Falle.

Ich h

connectED

Schulen haben kein Softwareproblem. Sie haben ein Systemproblem. Ein Konzept, um fragmentierte Infrastrukturen zusammenzuführen.

Ich habe untersucht, wie administrative, organisatorische und kommunikative Prozesse in Schulen durch eine zentrale digitale Plattform effizienter gestaltet werden können. Ziel war es nicht, ein neues Tool von Grund auf zu entwickeln, sondern das bestehende System so tiefgehend zu verstehen, dass sichtbar wird, an welchen Stellen es nicht funktioniert. Dafür wurden Prozesse, Abhängigkeiten und Datenflüsse zwischen allen Beteiligten abgebildet, um ein Konzept für ein kohärentes Schulsystem als Ganzes zu entwickeln, mit connectED als zentralem Element: einer Plattform, die Bestehendes nicht ersetzt, sondern als verbindender Knotenpunkt fungiert und alles zusammenführt.

keine Antworten – Perspektiven visueller Gestalter*innen als kritische, kollaborative, zweifelnde und inklusive Akteur*innen mit gesellschaftlicher Verantwortung

Auch das Berufsfeld von Gestalter*innen befindet sich im ständigen Wandel. Immer wieder stellen sich Fragen nach dem Ende vertrauter Modelle und dem Aufkommen neuer Wege. Prozesse verändern unsere Praxis und fordern uns heraus, die eigene Rolle kontinuierlich zu hinterfragen und neu zu definieren.

Dieses Buch hat keine Antworten, sondern versammelt vielseitige Perspektiven und Haltungen. Ausgangspunkt hierfür war ein interaktiver Workshop, aus dem ein Fragenkatalog hervorging. Dieser bildete das Fundament für zehn Gespräche mit Akteur*innen der Designbranche. Zentrale Fragen standen im Fokus: Was bedeutet zukunftsfähiges Gestalten? Welches Potenzial birgt kollektives Arbeiten und wie kann Gestaltung Zugänge ermöglichen oder verwehren? Das Ziel ist es nicht, fertige Antworten zu diktieren, sondern durch diese Diskurse individuelle Zugänge zu den neuen Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Anforderungen der Gestaltung zu eröffnen und Räume für Haltung zu schaffen.