Gestaltung als Weltbeziehung – Über Intuition als Erkenntnisform

Gestaltung beeinflusst, wie Menschen Welt wahrnehmen, deuten und erleben. Viele ihrer Wirkungen – etwa Atmosphäre, Zugehörigkeit oder Stimmigkeit – gelten jedoch als subjektiv oder schwer greifbar. Die Arbeit untersucht Intuition als jene Erkenntnisform, über die solche komplexen Bedeutungen erfahrbar werden.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass ästhetische und atmosphärische Qualitäten nicht objektiv messbar sind. Wahrnehmung entsteht vielmehr im Zusammenspiel situativer Bedingungen, individueller Zustände und der Weise, in der Bedeutung erscheint. Ziel der Arbeit ist es, diese impliziten Dynamiken sichtbar und beschreibbar zu machen.

Auf Grundlage des SCOP-Modells wurde dafür ein theoretisch fundiertes Modell entwickelt, das intuitive Wahrnehmung strukturiert und gestalterisch nutzbar macht. Das Ergebnis ist ein neuer Zugang zu Intuition als strukturierbarer Erkenntnisform und ein Verständnis von Gestaltung, das über reine Problemlösung hinausgeht: Gestaltung als Weltbeziehung.

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Das Schweinehochhaus Maasdorf ist ein verlassenes Monument industrieller Tierhaltung und steht im Zentrum dieses Kooperationsprojekts. Visuelle Inszenierung verschleiert systematisch, was hinter Produkten liegt: Orte der Produktion, die in keiner Außendarstellung vorkommen. Das Projekt macht diese opaken Räume sichtbar. Durch visuelle Ethnografie, typologische Fotografie und Objektinventarisierung werden die Mechanismen der Unsichtbarkeit offengelegt.

Inszenierte Fotografie dreht die Verhältnisse um. Mensch statt Tier in beengten Räumen macht Kontrolle und Entfremdung körperlich erfahrbar. Gemeinsam konfrontieren beide Ansätze Betrachtende mit einem System, das im Alltag verborgen bleibt.

Nothing to see here

„Nothing to see here“ widmet sich einem Element, das uns formt und zugleich im Zentrum der Dinge steht, die uns täglich umgeben: Wasser.

Hierbei werden als Fragmente des menschlichen Alltags Substanzen der Menstruationsindustrie vom Rohstoff bis zur Entsorgung begleitet und dabei untersucht, wann, wie und wo sie natürliche Gewässer berühren. An diesen Prozessen wird die Beziehung zwischen materieller Kultur und ökologischen Systemen exemplarisch sichtbar.

Design tritt in einen interdisziplinären Dialog zwischen Geschichte, Naturwissenschaft, Politik und Technologie. In Form eines Films, eines Buchs sowie von Objekten wird daran erinnert, dass Wasser und Land nie voneinander getrennte Zustände sein können.

Paradoxon – Entwicklung von Markenstrategien im Spannungsfeld von Widersprüchen am Beispiel veganer Ersatzprodukte

Tiere mögen und dennoch essen? Paradoxien prägen das Konsumverhalten rund um pflanzenbasierte Ernährung und eröffnen einen Blick auf widersprüchliche Wünsche und Werte, die Konsumierende bei ihren Entscheidungen leiten. „Paradoxon“ untersucht diese Spannungen mithilfe von Interviews und Markenanalysen und versteht Konsumverhalten als Zusammenspiel dessen, was Menschen denken, sagen und tatsächlich tun.

Werden diese Ebenen miteinander verglichen, entstehen sogenannte „Gaps“ – Lücken zwischen Anspruch und Realität im Verhalten. Durch das Clustern der Gaps wurde deutlich, dass sie nicht nur als Problem zu verstehen sind, sondern als Grundlage für strategische Handlungsempfehlungen genutzt werden können.

Daraus entstand das Modell „Dealing with Gaps“, das fünf Wege aufzeigt, wie Marken veganer Ersatzprodukte Konsumierende im Spannungsfeld erreichen können.

Vitrearii – Untersuchung und Transformation einer historischen Handwerkstechnik

Wie kann die Auseinandersetzung mit historischer Glasmalerei innovative Impulse für die zeitgenössische Designpraxis geben? Dieser Leitfrage folgend wurden historische Literatur, digitale Sammlungen und Gespräche mit Expert:innen ausgewertet sowie Gestaltungsprinzipien der Glasmalerei herausgearbeitet. Ein lebendiges Arbeitsarchiv und eine theoretische Arbeit halten diese Prozesse fest.

Zudem agiert eine Leuchte als Demonstrator. Ausgeschnittene Aluminiumprofile bilden den Korpus und spannen Glasplatten ein. Diese sind beidseitig mit industriellen Emailfarben bedruckt, Muster handwerklich in die Farbschicht geritzt. Bei natürlichem Licht ist nur die vordere Farbschicht sichtbar. Wird die interne LED eingeschaltet, überlagern sich Vorder- und Rückseite, und die Muster fügen sich zu einem Gesamtbild zusammen.

In der Kombination aus handwerklichen und industriellen Techniken eröffnen sich neue gestalterische Möglichkeiten, die keines der beiden Felder allein hervorbringen könnte.

Grade der Annäherung

Wissenschaft gedeiht im Fragen, Forschen und Infragestellen des eigenen Wissens. Diese Masterarbeit untersucht, wie Informationsdesign reflektiert wissenschaftliche Unsicherheit kommunizieren kann. Angenähert habe ich mich ihr über das ästhetische Phänomen der Unschärfe – das in der Kunst als Reflexionsmedium und in der Fotografie als Ausdruck von Authentizität gilt, da sie Ausnahmezustände der Realität abzubilden vermag. Parallelen ergeben sich zum wissenschaftlichen Erkenntnisprozess, denn Daten tragen stets die perspektivischen Spuren ihrer Produktion und Forschungssituation in sich.

Als unschärfebewusste Visualisierung in der Installation »Grade der Annäherung« umgesetzt, wird hier die Betrachtungs-Perspektive zum Interface – Positionswechsel erschließen verschiedene Wissensebenen und die Distanz zu den Daten moduliert ihren Detailgrad. Dies ermöglicht sinnliche Zugänge zu autographischen Klimaarchiven und der graduellen Rekonstruktion des Klimawandels.

Hitze

Wenn man heute von Hitze spricht, ist das selten ein gutes Zeichen. Hitze verändert alles, was sie berührt. Sie zerstört, doch sie erschafft auch. Genau dort, wo Hitze nicht mehr auszuhalten ist, beginnt etwas Neues. Im Handwerk schafft sie neue Formen, Nützliches und Schönes.

Dieses Buch richtet den Blick auf eine Praxis mit langer Geschichte und ungewisser Zukunft. Ein Blick auf das, was unsere Zivilisation entstehen ließ: Hitze und Handwerk.

Im Mittelpunkt stehen die Materialien Ton, Metall und Glas sowie die Menschen, die mit ihnen arbeiten. Kulturgeschichtliche Recherche und fotografische Einblicke in Werkstätten der Region München und Ammersee zeigen: Ohne die Menschen, die täglich mit Hitze arbeiten, kein Handwerk. Ohne Hitze keine neuen Formen.

In einer ruhigen, reduzierten Form verschränken sich Inhalt und Materialität zu einem Buch über Verwandlung und das Arbeiten mit dem Unkontrollierbaren.

Astro – Modularer Begleiter für bewussten Medienkonsum

Wir nutzen Smartphones täglich, doch oft verlieren wir dabei den Überblick, warum wir sie überhaupt nutzen. Algorithmen und Oberflächen sind bewusst so gestaltet, dass wir länger bleiben und immer wieder zurückkehren. Die Technologie dient nicht mehr uns, sondern wir ihr.

ASTRO stellt diese Abhängigkeit in Frage. Das Gerät wurde entwickelt, indem es die echten Bedürfnisse der Nutzer untersucht. Interviews mit Schülern, Studierenden, Eltern und Lehrkräften zeigten: Menschen wollen Kontrolle über ihre Technologienutzung.

Das Ergebnis ist ein modulares System. Nutzende wählen bewusst, welche Funktionen sie benötigen: Telefon, Kamera, Navigation. Haptische Bedienung durch Knöpfe und Regler macht jede Nutzung absichtlich und spürbar. Ohne Benachrichtigungen und Touchscreen werden die Nutzenden nicht mehr abgelenkt.

Design mit Sinn zeigt sich in klaren Lösungen. Der Ursprungszweck bleibt sichtbar. Nutzende können damit bewusster entscheiden, ob und wie sie Technologie einsetzen.

Topologien des Blicks

„Topologien des Blicks“ untersucht, wie KI-gestützte Videoüberwachung die Sichtbarkeit im Stadtraum neu organisiert. Am Beispiel des Kottbusser Tors werden Kameras im öffentlichen Raum und deren Blickfelder kartiert. Die Installation geht aus einer Recherche zu Videoüberwachung an den sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten in Berlin hervor. Welche Folgen hat dies für die Menschen, die diesen Ort nutzen? Wie verändert sich Überwachung, wenn Bilder nicht nur aufgezeichnet, sondern algorithmisch bewertet werden?

Die Arbeit versteht sich als eine räumliche Untersuchung und im Sinne der Sousveillance als Gegenaufzeichnung jener Perspektiven, die Kameras vom Ort erfassen.

Design by KI and Me

„Design by KI and Me“ untersucht, wie künstliche Intelligenz den Gestaltungsprozess im Produktdesign verändert. Im Fokus stehen die ästhetischen, kreativen und strukturellen Auswirkungen von KI auf die Designpraxis sowie die Frage, wie sich Rollen von Designerinnen, Ideenfindung und Autorschaft verschieben. Die Arbeit verbindet theoretische Analysen, Expertinneninterviews und eigene Entwürfe.

Das Ergebnis sind KI-generierte Pfeffermühlen – ein Verweis auf die digitale Kolonialität von KI – aus handgefertigtem Porzellan als Verbindung von digitaler und handwerklicher Welt.

Durch modulare Ober- und Unterteile sowie unterschiedliche farbliche Ausführungen entstehen zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten, aus denen Nutzer*innen ihre eigene Pfeffermühle kuratieren. Genau darin spiegelt sich die Arbeit mit KI wider: Gestaltung wird zum Prozess des Auswählens, Entscheidens und Kuratierens.