XOXO– über Gossip, Geschichten und Textile Handarbeit

Das Wort Gossip bezeichnete ursprünglich enge Freundinnen. Später wurde der Begriff genutzt, um weiblichen Wissensaustausch abzuwerten und kritische Stimmen zu ignorieren.

Inspiriert von einem Essay Silvia Federicis untersuche ich Gossip und seine Verbindung mit textiler Handarbeit in Text und sechs Textilien: Gossip als kollektive Praxis des Geschichtenerzählens, als Beziehungsgeflecht und als widerständige Strategie gegen Machtmissbrauch. Die Stoffe gehen in einer begehbaren Installation eine wechselseitige Interaktion miteinander ein und machen so verschiedene Facetten von Gossip erfahrbar.

Die Arbeit lädt dazu ein, über eine Form alltäglicher menschlicher Kommunikation nachzudenken und sich den Begriff aus feministischer Perspektive wiederanzueignen.

OIKOPHORIA

OIKOPHORIA ist eine experimentelle Forschungsarbeit zur Bedeutung des Zuhauses in einer zunehmend mobilen Gesellschaft. Im Zentrum steht der Kontrast zwischen stationären und transienten Lebensweisen sowie die Frage, wie Heimat, Schutz und Zugehörigkeit entstehen, wenn der feste Wohnort an Bedeutung verliert.

Ausgehend von Möbeln und skulpturalen Objekten untersucht die Arbeit die Beziehung zwischen Körper, Raum und Identität. Durch Dekonstruktion und Rekonstruktion, mittels experimenteller Schnittentwicklung, traditioneller Handwerkstechniken und KI-gestützter Bildgenerierung, werden Fragmente des Zuhauses auf den Körper übertragen.

Die entstandenen Arbeiten machen die Spannungsfelder zwischen Beständigkeit und Mobilität, Tradition und Technologie sowie physischem und emotionalem Zuhause sichtbar. Gestaltung wird dabei zum Werkzeug, um die Vielschichtigkeit moderner Lebensentwürfe zu reflektieren und erfahrbar zu machen.

CURO

CURO ist ein modulares Wearable zur Unterstützung der Handgesundheit im digitalen Zeitalter. Durch die Digitalisierung von Arbeit und Alltag sind unsere Hände hohen Belastungen ausgesetzt. Gleichzeitig können viele Menschen ihre Hände trotz Schmerzen oder Beschwerden wie Sehnenscheidenentzündungen nicht einfach entlasten, da digitale Geräte fester Bestandteil ihres Alltags sind.

Klassische Bandagen bieten Stabilität, schränken jedoch häufig die Beweglichkeit der Hand ein und lassen sich deshalb nur begrenzt in den Arbeitsalltag integrieren. CURO reagiert auf dieses Spannungsfeld mit einem modularen Handschuhsystem, das gezielte Unterstützung ermöglicht, ohne die gesamte Hand zu immobilisieren.

Das System besteht aus Modulen, die je nach betroffenen Fingern individuell angebracht werden können. Durch die Anpassung der Spannung lässt sich zudem der Grad der Unterstützung regulieren. So kann das System an unterschiedliche Beschwerden und individuelle Bedürfnisse angepasst werden.

Coded Threads

In Zusammenarbeit mit der Weberei Shimogawa Orimono widmet sich Coded Threads dem Material Kukuri Ito, einem robusten Baumwollgarn, das bei der Herstellung von Kurume Kasuri, einem traditionellen japanischen Ikat-Textil, eine zentrale Rolle spielt. Die Technik basiert auf einem Reservierungsfärbeverfahren, bei dem Garnabschnitte vor dem Färben abgebunden werden, um charakteristische verschwommene Muster zu erzeugen.

Kukuri Ito spielt hier als Werkzeug eine zentrale Rolle: Der Faden wird abschnittsweise um das Garn gewickelt, wodurch bestimmte Bereiche beim Färben ausgespart bleiben. Nach dem Entfernen tritt das codierte Muster im Gewebe hervor. Im Kukuri Ito Garn wird der Herstellungsprozess in abstrahierter Form sichtbar. Das Projekt nutzt dies als Ausgangspunkt, um das gestalterische Potenzial des Materials für Anwendungen im Interiorbereich zu erforschen. Coded Threads rückt ein oft übersehenes Nebenprodukt ins Zentrum und interpretiert handwerkliches Wissen zeitgenössisch neu.

On the Future of Grief: An Exploration on Mourning in the Digital Age.

Trauer ist universell, aber die Orte, an denen wir trauern, verschwinden. Menschen ziehen weg, Familienstrukturen lösen sich auf, Friedhöfe werden seltener besucht. Soziologe Thorsten Benkel nennt dieses Phänomen die „Delokalisierung der Trauer”. Vor diesem Hintergrund fragt die Arbeit, wie digitale Räume neue Formen des Erinnerns, Trauerns und der Verbindung ermöglichen können.

Psychologisch wird Trauer als dynamischer Prozess zwischen Verlust- und Wiederherstellungsorientierung verstanden (Dual-Prozess-Modell, Stroebe & Schut, 1999).

Die Arbeit folgt methodisch einem theoriegeleiteten HCI-Designansatz an der Schnittstelle von Psychologie, Anthropologie und Human-Computer Interaction und resultiert in einem konzeptionellen Prototyp mit drei Funktionen: ein nichtlineares Erinnerungsarchiv, ein weiches haptisches Kissen das Atemübungen körperlich erfahrbar macht, und regenerative Impulse für Offline-Rituale – ein Entwurf dafür, wie Trauer im digitalen Zeitalter aussehen könnte.

mute. – the calm in the chaos

mute. ist eine textile Intervention, die sich mit Reizüberflutung im urbanen Raum durch Lärm und visuelle Reize auseinandersetzt. Das Projekt untersucht, wie Gestaltung einen „Safe Space“ schaffen kann, ohne Rückzug aus dem öffentlichen Raum zu erfordern.

Durch schallabsorbierenden Molton und eine Form, die das periphere Sichtfeld reduziert, schafft mute. ein Gefühl von Fokus und Geborgenheit im Alltag. Das Objekt versteht sich weniger als klassisches Kleidungsstück, sondern als gestalterischer Ansatz, der neue Perspektiven auf Selbstschutz und mentale Gesundheit im öffentlichen Raum eröffnet.

VENTO Plus – Atmen ohne Kompromiss

Schweißer sind bei der Arbeit gesundheitlichen Risiken durch giftige Schweißdämpfe und schlechte Luftqualität ausgesetzt. Bestehende Schutzsysteme schränken oft die Bewegungsfreiheit ein und sind unbequem. Aus diesem Grund wurde die Schutzausrüstung VENTO Plus entwickelt, die effektiven Atemschutz mit Komfort, Bewegungsfreiheit und hoher Arbeitsqualität verbindet.

Eine Filtereinheit reinigt die Umgebungsluft von Partikeln und Gasen. Über Schläuche gelangt die gefilterte Luft zu Düsen, die Frischluft in den Helm leiten und Schweißrauch wegführen. Der Helm besitzt ein hochklappbares Visier für den schnellen Wechsel zwischen Schweiß- und Schleifarbeiten. Eine Weste trägt die technischen Komponenten und sorgt für ausgewogene Gewichtsteilung und Tragekomfort.

VENTO Plus verbindet so wirksamen Atemschutz mit einfacher Handhabung und hohem Komfort – als intuitive Unterstützung statt zusätzliche Last im Arbeitsalltag.

AshaBag

AshaBag (asha = Hoffnung) ist ein hybrides Designprodukt für Kinder zwischen 5 und 14 Jahren, das einen (Schul-)Rucksack und eine Rettungsweste kombiniert. Es ist für den Einsatz in überschwemmungsgefährdeten, ärmeren Weltregionen konzipiert, in denen plötzliche, extreme Wetterereignisse durch den Klimawandel zunehmen und zugleich viele Kinder nicht schwimmen lernen.

Im Ernstfall wird eine integrierte Rettungsweste ausgefaltet und Luft in dem Rucksack eingeschlossen. Indem sich das Kind auf den Rucksack setzt, strömt die Luft über ein Ein-Weg-Ventil in die Weste. Der Rucksack wird dann wieder aufgesetzt und die Weste vor dem Körper verschlossen. Die Handhabung ist auf eine einfache, schnelle und intuitive Aktivierung des Systems ausgelegt.

Das Schnittmuster aus TPU-beschichtetem Gewebe, macht eine nahezu verschnittfreie Fertigung und eine lokale, kostengünstige Produktion möglich. Ziel ist es durch eine selbstständige Handlungsmöglichkeit von Kindern deren Überlebenschancen zu erhöhen.

KOR

KOR ist eine Inkontinenzeinlage für Männer, die sich gestalterisch an schützender Sportausrüstung wie einem Tiefschutz orientiert. Statt Schwäche zu verbergen, bietet sie funktionale Unterstützung bei realen Alterserscheinungen – mit dem Ziel, Akzeptanz zu fördern und eine würdige, nachhaltige Lösung für Harninkontinenz zu schaffen.

Die Einlage besteht aus atmungsaktiven Naturmaterialien mit schneller Flüssigkeitsaufnahme, die Inkontinenz-assoziierter Dermatitis vorbeugen und ein ausgeglichenes Hautklima fördern. Die Formgebung orientiert sich an der männlichen Anatomie und sitzt eng am Körper. Leichte Kompression stabilisiert den Intimbereich, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken.

Ein auswechselbarer, absorbierender Kern ermöglicht diskreten Wechsel im Alltag und verlängert die Nutzungsdauer. Das modulare Prinzip reduziert den Materialverbrauch gegenüber Einwegprodukten.

KOR versteht Schutz als Teil des Alterns und stellt Würde und Körpernähe in den Vordergrund.

Unravel

Die Thesis untersucht textile Handarbeit als ambivalentes kulturelles Phänomen zwischen Unterdrückung, Fürsorge, Widerstand und feministischer Selbstermächtigung. Ausgehend von der historischen Rolle textiler Praktiken bei der Konstruktion bürgerlicher Weiblichkeit analysiert die Arbeit, wie Stricken, Sticken und Nähen über Jahrhunderte hinweg zur Vermittlung gesellschaftlicher Normen und Geschlechterbilder eingesetzt wurden. Gleichzeitig zeigt sie, dass textile Handarbeit immer ein Medium des Protests, der Solidarität und des politischen Ausdrucks war.

Im praktischen Teil werden diese Erkenntnisse über eine gehackte Strickmaschine in großformatiger gestrickter Poster übersetzt. Die Arbeiten greifen die Ästhetik historischer Spruchtücher auf und übertragen sie in eine zeitgenössische Bildsprache. Die Werke hinterfragen historische Zuschreibungen, machen weibliche Arbeit sichtbar und eröffnen neue Perspektiven auf die politische Dimension textiler Praktiken.