AKTE BAB620

Meine Masterarbeit, die 2025 unter der Betreuung von Professor Stefan Hauser entstand, beschäftigt sich mit der Stadtautobahn in Saarbrücken und den Konflikten, die sie auslöst. Ausgangspunkt ist eine Spurensuche in der Vergangenheit, die bis zu möglichen Zukunftsszenarien weitergeführt wird. Im Rahmen des Projekts entstand ein 240-seitiges Buch mit Fotografien, Texten, Interviews und Grafiken, gegliedert in die Kapitel „1963“, „Phänomen Stadtautobahn“ und „Veränderung“.

Zunächst werden die Zukunftsvisionen der 1960er-Jahre im Saarland beleuchtet. Anschließend analysiert das Kapitel „Phänomen Stadtautobahn“ mithilfe von Archivmaterial, Daten und Informationen die Geschichte und Wirkung des Bauwerks. Im Kapitel „Veränderung“ kommen Menschen aus Politik, Wissenschaft und Gesellschaft zu Wort, die neue Perspektiven für die Stadtautobahn entwickeln. Ziel des Buches ist es, Denkanstöße für die zukünftige Auseinandersetzung mit dem Thema zu geben.

Format und Katastrophe

In der Logik digitaler Medien unterbricht die Katastrophe nicht den Fluss der Inhalte – sie wird selbst zum Inhalt (Content). Bilder von Zerstörung erscheinen als Teil eines fortlaufenden Updates. Was aber passiert, wenn dieser Fluss kippt?

Dieses Projekt untersucht digitale Bildkultur durch die Metapher der Baustelle – als Ort des Provisorischen und der permanenten Umstrukturierung. For-You-Feeds verweisen im Gegensatz dazu nicht auf etwas Fertiges, sondern auf ein Archiv in Bewegung, in dem Inhalte kontinuierlich reformatiert und neu gerahmt werden, während Struktur zunehmend Inhalt ersetzt und Formate selbst sichtbar werden.

Die Katastrophe des Formats verweist nicht allein auf den Bruch bestehender Strukturen, sondern stellt grundlegend infrage, ob sich in seiner entkörperlichten, standardisierten Logik bereits jene Störung andeutet, durch die Formatierung, Filterung und Wahrnehmung selbst zum Gegenstand gestalterischer Auseinandersetzung werden.

Lebenswelten, künstlerisch reflektiert: Kinder aus herausfordernden Lebenssituationen an den Hope Schools in Südafrika

Meine Bachelorarbeit entstand während eines dreimonatigen Aufenthalts an den Hope Schools in East London, Südafrika, einer Schule, die sich ausschließlich durch Spenden finanziert und ursprünglich für Kinder gegründet wurde, die von HIV und AIDS betroffen sind. Gemeinsam mit den Kindern entwickelte ich Kunst- und Fotoprojekte, die ihnen Raum für Ausdruck und Selbstrepräsentation gaben.

Daraus entstanden zwei Bücher: „Personal Insights“, ein dokumentarisches Buch über meine persönlichen Erfahrungen vor Ort, sowie „Unseen Stories“, das den Alltag der Kinder durch ihre eigenen Fotografien zeigt.

Ziel der Arbeit ist es, durch Gestaltung emotionale Nähe, Verständnis und Aufmerksamkeit für die Hope Schools zu schaffen.

Das Abenteuer-ABC: Mitmachen, Basteln, Entdecken. Gestalterisches Konzept und illustrative Umsetzung eines multifunktionalen Buchprojekts für Kinder

Das Abschlussprojekt “Das Abenteuer-ABC” zeigt das gestalterische und illustrative Konzept eines multifunktionalen Aktivitätenbuchs für Grundschulkinder. Für die Präsentation und als Dummy der Masterarbeit wurde der Ordner „Frühling“ in einem Schuber ausgearbeitet. Gleichzeitig wird ein Konzept für alle vier Jahreszeiten vorgestellt.

Das Buchkonzept verbindet Naturerleben, Kreativität und spielerisches Lernen. Jeder Buchstabe erscheint als entnehmbares Leporello mit zwei Aktivitäten, die durch illustrierte Doppelseiten und kurze Geschichten mit drei Protagonisten eingeführt werden. Ergänzt wird das Konzept durch ein Skizzenbuch für Beobachtungen und eigene Ideen.

Die flexible Gestaltung ermöglicht mobiles und nicht lineares Lesen für drinnen und draußen. Die barrierefreie Schrift Lexend Regular unterstützt einen einfachen Zugang. Der analoge Illustrationsstil mit Polychromos-Farbstiften wirkt ruhig, detailreich und offen für eigene Interpretationen.

Data-driven creativity – Data in dynamic visual identities

In einem zunehmend komplexen und digital vernetzten Umfeld müssen visuelle Identitäten anpassungsfähig sein, um in eine Vielzahl von Formaten, Touchpoints und Umgebungen zu passen. Dynamische visuelle Identitäten haben sich als vielversprechende Weiterentwicklung konventioneller statischer Lösungen herauskristallisiert, die es Marken ermöglichen, auf sich verändernde Kontexte zu reagieren. Datenbasierte dynamische visuelle Identitäten, die Daten als Quelle für visuelle Transformationen integrieren, stellen ein wachsendes Interessenfeld dar.

Diese Abschlussarbeit bietet Gestaltern einen praktischen Leitfaden, der auf einem Modell zur Integration von Daten in das Design dynamischer visueller Identitäten basiert. Anhand von Fallstudien und bestehenden Frameworks beleuchtet sie das kreative Potenzial eines flexiblen, datengestützten Ansatzes.

Das Modell ist in einem Design-Workflow verankert und betont, dass datenbasierte visuelle Identitäten eher aus narrativen und kommunikativen Zielen als aus rein technologischen Möglichkeiten abgeleitet werden sollten.

City of Lichens. Approaching nonhuman neighbors in everyday territory.

Auf explorativen Spaziergängen durch die Nachbarschaft richtet sich der Fokus auf eine Gruppe oft übersehener städtischer Bewohner: Flechten. Diese einfachen Organismen entziehen sich der menschlichen Kontrolle und widersetzen sich der extraktivistischen Logik des Kapitalismus – und doch verwandeln sie lebensfeindliche Umgebungen in lebenswerte Räume, indem sie die Kraft der zwischenartlichen Zusammenarbeit nutzen.

Künstlerische Forschung, Feldforschungen und philosophische Untersuchungen münden in eine Publikation, die das Persönliche und das Theoretische, das Mikroskopische und das Planetarische verbindet. Sie lädt uns ein, die Kunst des Wahrnehmens zu kultivieren – und der stillen Weisheit der uralten Lebensformen zu begegnen, mit denen wir die Stadt teilen.

Perspektiven auf Windräder

Die Bachelorarbeit „Perspektiven auf Windräder“ untersucht fotografisch, wie Menschen Windkraftanlagen wahrnehmen. Technische Daten wie Höhe, Leistung und Standort werden mit persönlichen Meinungen von Bürger:innen verbunden, unabhängig davon, ob sie Windkraft befürworten oder ablehnen.

Im Zentrum steht eine Reise durch Nordrhein-Westfalen zu ausgewählten Windrädern mit besonderen technischen Merkmalen. Das daraus entstandene Buch kombiniert eigens erstellte Karten, Fotografien, Interviews und recherchierte Daten. Ergänzend zeigen Reisefotografien die Wege zwischen den Standorten und setzen einen bewussten Kontrast zu den sachlich aufgebauten, datenbasierten Seiten.

So verbindet die Arbeit objektive Informationen mit subjektiven Erfahrungen und macht die Vielfalt der Perspektiven auf Windkraftanlagen visuell und inhaltlich nachvollziehbar.

Was zum Geier

Es sind die Momente des Dialogs zwischen Designer und Modell im Gestaltungsprozess, die im iterativen Aufeinander-Reagieren zu der Entstehung eines Produkts führen. Sie sind improvisatorischer Natur. Mit einer designth./philos. Perspektive habe ich mich der improvisatorischen Identität genähert. Dies geschah durch einen theor. Einstieg, Interviews mit Impro-Experten und einem Essay, wobei ich Improvisation als Tugend des Designers bezeichne.

Mit meinen praktischen Entwürfen haben wir es zum einen mit dem Freien Spiel: Fragments of Aka zu tun. Ziel ist es, Improvis.-Methoden aus den Künsten ins Produktdesign zu übertragen. Ich lasse mich von gefundenen Fragmenten, Reststücken oder Objekten auf dem Gelände der Kunstakademie ansprechen. Diese dienen als Ausgangspunkt für ein offenes, formales Spiel.

Im zweiten Teil meiner praktischen Entwürfe, einer Stromschienensystemerweiterung, untersuche ich, wie improvis. Momente im Gestaltungsprozess stattfinden und im fertigen Modell nachhallen.

Leitfaden Reisendeninformation

Reisendeninformation hält das Verkehrssystem zusammen, doch dort, wo Menschen umsteigen, scheitert sie oft. Wer heute europäische Bahnhöfe durchquert, trifft auf einen Flickenteppich aus Farben, Schriften, Symbolen und Systemen. Diese Vielfalt verdeckt ein zentrales Problem, die fehlende Kohärenz in der Informationsvermittlung.

Der Leitfaden Reisendeninformation versteht sich als gestalterisches Werkzeug, das Ordnung in die visuelle Kommunikation öffentlicher Verkehrssysteme bringt. Nicht als Einheitslösung, sondern als systematische Herangehensweise für konsistente, verständliche und intermodal anschlussfähige Leitsysteme. Im Zentrum steht das Konzept des Sign Flow, ein medienübergreifender Informationsfluss, der Übergänge zwischen Systemen gestaltet und zugänglich macht.

So entsteht ein Werkzeug für Städte, Verkehrsunternehmen, Planer:innen und Gestalter:innen, ein Plädoyer für einen öffentlichen Raum, in dem Orientierung selbstverständlich ist, kein Privileg.

Erzähl mir von Zuhause

Das Buch “Erzähl mir von Zuhause” ist eine fotografische Erzählung über Migration, Heimat und Identität. Im Mittelpunkt stehen fünf Frauen, die als Erwachsene aus dem Uralgebiet ausgewandert sind, um sich in Deutschland ein neues Leben aufzubauen. Das Projekt bringt Porträts und Aufnahmen von Lebensräumen und mitgebrachten Erinnerungsobjekten mit persönlichen Geschichten der Frauen in zwei Sprachen zusammen.

“Erzähl mir von Zuhause” schafft Raum für individuelle Migrationserfahrungen und macht verschiedene Perspektiven auf Identität und Zugehörigkeit sichtbar. Die persönlichen Geschichten laden dazu ein, über Herkunft, Selbstbestimmtheit und Integration nachzudenken. Der dokumentarische und biografische Ansatz wird durch handwerkliche Buchgestaltung von der Fadenheftung bis zur Heißfolienprägung auf dem Veloursumschlag unterstrichen.