TraumweltRealität

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich mich intensiv mit dem Thema Utopie und Dystopie, Erinnerungskultur sowie dem Erhalt von Hoffnung und Kreativität in autoritären Gesellschaftsstrukturen auseinander gesetzt. Im Fokus stand die Frage, welche Rolle Design und Designer: innen in Krisenzeiten und möglichen Zukunftsszenarien einnehmen könnten.

Auf Grundlage aktueller globaler Herausforderungen entwickelte ich ein spekulatives Zukunftsszenario, in dem das Leben auf der Erdoberfläche unmöglich geworden ist und die Menschheit in unterirdischen Bunkerstädten lebt. Als räumliche Basis dient das Düsseldorfer U-Bahn Netz, das zu einem urbanen System weiterentwickelt wurde.

Darin konzipierte Erinnerungsräume, die kollektive Erinnerungen bewahren und Kreativität, Identität und Hoffnung innerhalb eines kontrollierten Systems fördern soll. Ergänzend entwickelte ich ein immersives Sounddesign, das durch liminale Räume gezielt eine dystopische Atmosphäre erzeugt.

Textur_Struktur

Texturen begegnen uns überall. Sie sind fester Bestandteil der Natur und bestimmen die physische Oberflächenbeschaffenheit von Gegenständen und Materialien.

Die Struktur, die entwickelt wurde, gehört zu den auxetischen Strukturen. Diese zeichnen sich vor allem durch ihrem Aufbau aus und sind Materialunabhängig. Die spezielle Struktur kann sich bei Zugbelastung quer ausdehnen (expandieren) und bei Druck kontrahieren, im Gegensatz zu normalen Materialien, die schwinden; dies wird durch ihre innere, gitterartige Struktur erreicht. Daraus ergibt sich eine Beweglichkeit, die für den weiteren Aufbau der Textur genutzt wird.

Die Ebenenhierachie zwischen Textur und Struktur hängt unmittelbar zusammen und kann immer weiter gedacht werden. Jede Ebene beeinflusst die darüber liegenden Ebenen. Dadurch ergibt sich ein Wechselspiel zwischen Struktur und Textur sowie Textur und Struktur.

Curating Bias

Künstliche Intelligenz wird zunehmend in Kunst- und Kulturräume integriert und verspricht Effizienz, Personalisierung und einen erweiterten Zugang. Dennoch operieren diese Systeme innerhalb von Strukturen, die durch politische Sparmaßnahmen, Privatisierung und globale Ungleichheiten geprägt sind.

„Curating Bias“ untersucht, wie generative KI die kuratorische Praxis umgestaltet, Ausstellungsnarrative verändert und bestehende Machtverhältnisse durch undurchsichtige Entscheidungsfindung, verborgene Arbeit und algorithmische Rückkopplungsschleifen verstärkt. Indem das Buch die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Bedingungen nachzeichnet, die der KI zugrunde liegen, argumentiert es, dass technologische Innovationen im Kultursektor nicht unabhängig von den strukturellen Vorurteilen verstanden werden können, die sie reproduzieren.

„Curating Bias“ fordert kritische Transparenz und eine neue öffentliche Verantwortung bei der Gestaltung und Governance von Kulturräumen. Dabei wird generative KI als eine Form spekulativer Praxis positioniert, die das Design für kritische Vorstellungskraft und gemeinsame Reflexion darüber öffnet, wie Wissen visualisiert wird.

ALONG THE MARGIN TERRITORIES OF NATURE

Fernando de Noronha, eine abgelegene brasilianische Insel und UNESCO-Welterbestätte, steht aufgrund von Tourismus, begrenztem Raum und der Abhängigkeit von der Infrastruktur des Festlands vor großen Herausforderungen im Abfallmanagement. Dieses Projekt untersucht, wie Produktdesign die Beziehungen zwischen Konsum, Abfall, Gemeinschaftspraktiken und ökologischer Verantwortung auf Tourismusinseln sichtbar machen kann.

Unter Verwendung eines planeten-zentrierten und spekulativen Designansatzes kombiniert die Forschungsarbeit Workshops, Umfragen und die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, um Recyclingpraktiken zu kartieren, Barrieren zu identifizieren und Chancen für Veränderungen aufzudecken. Design erleichtert dabei den Dialog zwischen Bewohnern, Besuchern und Akteuren der Abfallwirtschaft.

Das Ergebnis ist ein modulares Recyclingsystem, das aus lokalem Plastikmüll entwickelt wurde, unterstützt durch einen partizipativen Designprozess, der Stoffströme und lokale Probleme greifbarer macht. Das System kann von der Nutzung im Haushalt bis hin zur Sammlung auf Gemeindeebene angepasst werden, was zirkuläre und lokal angepasste Zukünfte fördert.

PLAYNING – The Type Edition

Design steht vor Herausfor. KI als Vermeidungs-Tool für mögliche Lernoptionen sowie ein Überangebot an Inspiration und Biting-Vorlagen füren zu Blockaden. Gerade junge Designer:innen müssen ihre Resilienz, Formsprache und den „Machen-Muskel“ stärken. Es mangelt an der Fähigkeit, Reibung und Wettbewerb standzuhalten, kuratorisches Wissen aktiv anzuwenden und eine hohe Vielseitigkeit im eigenen Schaffen zu entwickeln.

Idee
Basierend auf persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen aus der Spieltheorie, werden zwei Dinge miteinander verknüpft: 1 Spielerische Aufgabenstellungen im Design mit didaktischem Hintergrund verbunden mit Strategien und Ideen aus der Kulturtechnik des Battles im Bereich des Hip-Hops.

PLAYNING – The Type Edition ist ein modulares, transportables System für den Einsatz im Lehrsaal, Konferenzraum, Studio, Küche oder Atelier als Trainingskit für notwendige Design-Skills.

SHELTER KIT

SHELTER KIT – Schlafkabine als Rückzugsort für Bewohner:innen von Notunterkünften

Mangelnde Privatsphäre, dauerhafte Lärmbelastung und fehlende Rückzugsmöglichkeiten prägen den Alltag vieler Menschen in Flüchtlings- und Notunterkünften. Besonders in großen Sammelunterkünften erschweren enge Wohnverhältnisse und offene Raumstrukturen Erholung, Schlaf und persönliche Rückzugsmomente.

Die Bachelorarbeit untersucht die Möglichkeiten des Ready-made-Designs im sozialen Kontext. Entstanden ist das „Shelter Kit“ – ein modulares Schlaf- und Rückzugssystem aus standardisierten, kostengünstigen Materialien.

Holzplatten, HT-Rohre und flammenhemmende textile Elemente werden zu einer Schlafkabine kombiniert, die Privatsphäre schafft und Licht- sowie Lärmeinflüsse reduziert. Das Projekt zeigt, wie durch die Neukombination vorhandener Komponenten mit einfachen Mitteln konkrete Verbesserungen innerhalb bestehender Notunterkünfte möglich sind.

(No) Hard Feelings

(No) Hard Feelings blickt aus einer kritischen Fan-Perspektive auf die Metal-Szene und fokussiert sich auf Aspekte, die oft nicht die ersten Assoziationen Außenstehender mit Metal sind und die auch Fans über die eigene Subkultur reflektieren lassen können: Ausdrucksformen und Ausleben von Queerness durch metaltypische Ästhetiken, der szeneinterne Umgang mit vermeintlich „apolitischen“ Haltungen, sowie die Rolle, die Metal als emotionales Outlet für Fans spielt.

Auf fünf Kutten, die als Publikations- und Präsentationsfläche von Bildern und Texten dienen, sammeln sich auf diese Themenbereiche bezogene Patches. Die wichtige Rolle von Handarbeit und DIY-Techniken wird in der Fertigung sichtbar.

Sexismus gibt es erst seit 23 Stunden

Aktuelle anthropologische Erkenntnisse räumen auf mit Fehlannahmen über den Menschen, unsere evolutionäre Grundausstattung und das natürliche Verhältnis der Geschlechter. Mein Projekt macht diese Informationen sichtbar und greifbar: Systematische Ungerechtigkeiten sind erst seit rund 5.000 Jahren verbreitet. Unsere Spezies aber existiert seit 2 Millionen Jahren. Mein Informationsdesign überträgt diese Dimension auf ein Kalenderjahr mit 365 Tagen. Damit existiert soziale Ungleichheit erst seit knapp einem Tag.

In meinem Tageskalender erzählen Infotexte und Illustrationen auf 364 Tagen vom egalitären Leben früher Menschen. Der Kalender ist eine rund 55 Meter lange, bedruckte Stoffbahn in einer mechanischen Installation. Alle 15 cm vergeht ein Tag im Kalenderjahr und rund 5.500 Jahre Menschheitsgeschichte. Mit einer Kurbel scrollt man durch diese analoge Zeitmaschine.

Ein begleitendes Leporello über den letzten Tag erklärt, was das Zusammenleben in den vergangenen 5.000 Jahren veränderte.

(un)sichtbar – Muttersein in der Kreativbranche

Eine räumliche Installation, die die Rolle von Müttern in der Designbranche und ihrer (Un-)Sichtbarkeit in einem selbsternannt progressiven Arbeitsumfeld kritisch reflektiert. Die Arbeit hinterfragt Strukturen, die Gleichberechtigung beanspruchen, sie jedoch nicht konsequent leben. In fünf Soundcollagen teilen vier Mütter persönliche Erfahrungen, Herausforderungen und Perspektiven. Im Fokus stehen Care-Arbeit, Choice-Feminismus und Chancengleichheit.

Von der Decke abgehängte Kopfhörer laden dazu ein, in die akustischen Beiträge einzutauchen. Quadratisch angeordnete Fragestellungen strukturieren den Raum. Ein typografisch gestaltetes Stoffbanner sowie ein Overheadprojektor eröffnen die Möglichkeit, eigene Gedanken einzubringen und die Installation partizipativ zu erweitern.

networked

Das Festival „Jenseits von Millionen“ findet einmal jährlich in Friedland, Brandenburg, statt. Es fördert Solidarität und setzt sich gegen Rassismus und andere Formen der Diskriminierung ein. Jedes Jahr zieht es zahlreiche junge Menschen aus Berlin und Leipzig aufs Land, um Musik zu genießen, eine Auszeit vom Stadtleben zu nehmen und Kontakte zu knüpfen. Die meisten Begegnungen finden jedoch unter den Besucher:innen selbst statt, während es kaum Austausch zwischen ihnen und den Menschen vor Ort gibt.

Um soziale Interaktion anzuregen, wurde das modulare System „networked“ entwickelt. Die einzelnen Komponenten lassen sich einfach auf- und abbauen und werden mit Bauzaunfüßen stabilisiert. Verschiedene Module laden je nach Bedarf auf unterschiedliche Weise zum Verweilen ein, beispielsweise im Stehen, Sitzen oder Liegen. Ein Dach spendet Schatten und erhöht den Komfort.

Dank seiner flexiblen Struktur kann sich das System an unterschiedliche Orte und Veranstaltungsformate anpassen und dazu beitragen, einen Raum zu schaffen, in dem Gemeinschaft gefeiert und Dialog gefördert wird.