Grade der Annäherung

Wissenschaft gedeiht im Fragen, Forschen und Infragestellen des eigenen Wissens. Diese Masterarbeit untersucht, wie Informationsdesign reflektiert wissenschaftliche Unsicherheit kommunizieren kann. Angenähert habe ich mich ihr über das ästhetische Phänomen der Unschärfe – das in der Kunst als Reflexionsmedium und in der Fotografie als Ausdruck von Authentizität gilt, da sie Ausnahmezustände der Realität abzubilden vermag. Parallelen ergeben sich zum wissenschaftlichen Erkenntnisprozess, denn Daten tragen stets die perspektivischen Spuren ihrer Produktion und Forschungssituation in sich.

Als unschärfebewusste Visualisierung in der Installation »Grade der Annäherung« umgesetzt, wird hier die Betrachtungs-Perspektive zum Interface – Positionswechsel erschließen verschiedene Wissensebenen und die Distanz zu den Daten moduliert ihren Detailgrad. Dies ermöglicht sinnliche Zugänge zu autographischen Klimaarchiven und der graduellen Rekonstruktion des Klimawandels.

Lustobjekt

Das Buch zeigt einen Querschnitt surrealistisch-erotischer Literatur und Kunst. Objektifizierende Strategien der surrealistischen Bildsprache werden in sechs Typologien kategorisiert: Leblos, Dekonstruiert, Von hinten, Gesichtsverhüllt, Kopflos und Hybrid. Zu jeder Bild-Typologie gibt es ein typografisches System, das auf zufällig zugeordnete surrealistische Texte angewendet wird.

So wie in den Bildern die Identität der Frau unkenntlich gemacht wird, mache ich die surrealistischen Texte im „Lustobjekt“ unleserlich. Gleichzeitig werden objektifizierende Begriffe hervorgehoben, was eine Analogie zu den betonten Körpern der dargestellten Frauen ist. Das Buch ist ein ktitischer Kommentar zur selten hinterfragten Darstellung von Frauen im Surrealismus.

Lumpensammler

Diese Arbeit befasst sich mit der Verwertung von Textilabfall in Deutschland. In der Recherche wurde das Problem einer falschen Entsorgung von recyclebarem Textil im Restmüll gefunden. Durch Experimente und das Nutzen von Analogien wurde ein Objekt zur Sammlung von recyclebarem Textilmüll entworfen – neben der Sammelfunktion soll der Entwurf auch Diskurs über den Umgang mit Textilmüll schaffen.

Formal ähnelt der Entwurf einem Kleiderbügel, um das Verständnis zur Aufbewahrung von Textil nahezulegen. Ein Aufhängen zwischen sauberer Kleidung im Kleiderschrank verhindert die Sammlung von kontaminiertem Textil.

Das Aufspießen von Textil mit der Nadel ist eine Übersetzung des ehemaligen Berufs der Lumpensammler in den heutigen Kontext. Lumpensammler nutzten oft Werkzeuge mit Spitzen, um Lumpen von der Straße für die Papierproduktion aufzusammeln.

Das Objekt ist mit einer knappen Anleitung in Form von reliefartigen Piktogrammen ergänzt – analog zu Wasch und Pflegehinweisen in Bekleidung.

Wesen des Lichts

Ausgangspunkt des Designs ist das Licht selbst, das durch abstrakte Fotografien unterschiedlichster Lichtquellen sowie durch grafische und typografische Mittel wie Schwarz-Weiß-Kontraste, Negativräume, invertierte Schrift und den bewussten Einsatz von Flächen und Leere sichtbar gemacht wird. Inspiriert vom japanischen Konzept „Ma” wird Leere als aktives Gestaltungselement eingesetzt, als Pause, Struktur und Rhythmus zwischen Licht und Dunkelheit, Bild und Text.

Entstanden ist ein experimentelles Buchobjekt an der Schnittstelle von Forschung und Gestaltung. Es untersucht, vermittelt und macht Licht als physisches, gestalterisches und kulturelles Phänomen durch Transparenz und Materialität unmittelbar erfahrbar. Die von japanischen Papierwänden inspirierte, transparente, geschliffene und gravierte Hülle spielt mit Licht und Durchlässigkeit. Sichtbare Verbindungselemente machen die Konstruktion nachvollziehbar. So verschmelzen Inhalt, Gestaltung und Material zu einer Einheit.

Dark Oxygen

„Dark Oxygen“ ist eine experimentelle Strickkollektion, die ich während meines Masterstudiums in Modedesign an der Universität der Künste Berlin entwickelt habe. Das Projekt ist inspiriert von der bahnbrechenden wissenschaftlichen Entdeckung von „Dark Oxygen“ – Sauerstoff, der ohne Photosynthese produziert wird.

Meine Kollektion ist in einem Videospiel angesiedelt, in dem Wissenschaftler und Taucher in die Tiefsee geschickt werden, um diesen Sauerstoff zu gewinnen und das Überleben der Menschheit zu sichern. Meine gestrickten Outfits rüsten die Spieler aus, indem sie Schutz, Tarnung und Anpassung an die rauen Bedingungen der Tiefsee bieten. Diese Handlung bildet den Rahmen für eine immersive Welt meiner Masterkollektion – ein sicherer Raum, in dem die Regeln der konventionellen Modeindustrie nicht gelten.

Mit meiner skulpturalen Strickmode hinterfrage ich Schönheitsstandards und Körperideale und verbinde gleichzeitig digitale Technologie mit traditioneller Handwerkskunst. Stricken wird zum Weltengenerator: Hier ist Mode mehr als nur Kleidung.

Zwischen Echo und Resonanz

„Zwischen Echo und Resonanz“ ist eine interaktive Multi-Screen-Installation, die die Transformation von Sprache in digitalen Echokammern typografisch sichtbar macht. Diese geschlossenen Meinungsräume tragen maßgeblich zur Polarisierung unserer Gesellschaft bei, bleiben dabei aber unsichtbar – genau hier setzt die Installation an.

Ein selbst entwickeltes typografisches Tool verwandelt Buchstaben in Ellipsen-Punktraster, deren Parameter wie Farbe, Form und Lesbarkeit an einen Echokammer-Score gekoppelt sind, berechnet aus über 37 Millionen Reddit-Beiträgen. Mit steigendem Score löst sich die Schrift zunehmend von bunt und lesbar hin zu abstrakt und schwarz-weiß auf.

Nur die Interaktion der Besuchenden kann diese Spiral unterbrechen und kurze Resonanzmomente erzeugen.

Pneumatische Morphologien – Interaktion als Formgebung

Diese Masterarbeit untersucht die Formgenerierung pneumatischer Luftkissen unter externen Einschränkungen sowie deren Potenzial für interaktive Anwendungen. Das Zusammenspiel von Materialeigenschaften, innerem Luftdruck und einfachen Steuerstrukturen ermöglicht kontrollierbare, reversible und offene Formveränderungen.

Anhand systematischer Form- und Interaktionsexperimente wird untersucht, wie passive externe Einschränkungen aus Steuerleinen und Röhrchen das Formverhalten pneumatischer Strukturen beeinflussen und neue gestalterische Möglichkeiten eröffnen.

Die Forschung zeigt grundlegende Prinzipien der Formbildung sowie neue Aspekte der Material Agency, darunter Plastizität, Formstabilität und gelenkartige Bewegungen. Pneumatische Luftkissen werden dabei als generative und interaktive Struktursysteme verstanden, deren Potenzial für Produkt- und Interaktionsdesign erweitert wird.

One must imagine Sisyphus happy

Die Arbeit untersucht das Zyklische als formale und existenzielle Struktur. Jeder Schritt nach vorn ist zugleich ein Rückschritt; Fortschritt und Wiederholung sind untrennbar verschränkt.

Durch Dekonstruktion und Rekontextualisierung konventioneller Schuhe wird der Schuh zur Metapher des Sisyphos-Mythos in der Lesart von Albert Camus. Zwischen der Auflehnung gegen das Absurde und der Stunde des Bewusstseins materialisiert der Schuh jenen Moment der Konfrontation, dessen permanente Wiederkehr das zentrale Motiv der Arbeit bildet.

unfolded – a self supporting textile

„Unfolded – a self supporting textile“ experimentiert mit textilen Konstruktionen und erforscht das Potenzial mehrlagiger Gewebe zur Bildung selbsttragender Strukturen, die ohne externe Trägermaterialien oder zusätzlicher Nähte auskommen.

Aus einem zweidimensionalen, mehrlagigen Jacquardgewebe entsteht durch gezieltes Aufschneiden, Wenden und Auffalten ein dreidimensionaler Körper. Die textile Form entfaltet sich allein durch die in das Gewebe integrierte Spannung in Kombination mit spezifischen Materialeigenschaften.

Verwebt werden Econyl, ein regeneriertes Polyamidgarn, und Nylon. Diese Kombination verbindet hohe Stabilität mit Flexibilität. Mithilfe dieser Technik entstehen textile Formen, die als architektonische Strukturen verstanden werden können – weich, organisch und gleichzeitig raumbildend.

OIKOPHORIA

OIKOPHORIA ist eine experimentelle Forschungsarbeit zur Bedeutung des Zuhauses in einer zunehmend mobilen Gesellschaft. Im Zentrum steht der Kontrast zwischen stationären und transienten Lebensweisen sowie die Frage, wie Heimat, Schutz und Zugehörigkeit entstehen, wenn der feste Wohnort an Bedeutung verliert.

Ausgehend von Möbeln und skulpturalen Objekten untersucht die Arbeit die Beziehung zwischen Körper, Raum und Identität. Durch Dekonstruktion und Rekonstruktion, mittels experimenteller Schnittentwicklung, traditioneller Handwerkstechniken und KI-gestützter Bildgenerierung, werden Fragmente des Zuhauses auf den Körper übertragen.

Die entstandenen Arbeiten machen die Spannungsfelder zwischen Beständigkeit und Mobilität, Tradition und Technologie sowie physischem und emotionalem Zuhause sichtbar. Gestaltung wird dabei zum Werkzeug, um die Vielschichtigkeit moderner Lebensentwürfe zu reflektieren und erfahrbar zu machen.