Sei doch mal ein echter Mann!

In meiner Bachelorarbeit auf dem Bauhauscampus Dessau als Integrierte Designerin entwickelte ich die Ausstellung „Sei doch mal ein echter Mann!“, die gesellschaftlich geprägte Männlichkeitsbilder untersucht. Grundlage waren Interviews, eine Online-Umfrage sowie Gespräche mit Expert:innen. Die Ergebnisse wurden in eine begehbare Installation aus Scherenschnitten, Metallobjekten, Tonaufnahmen und Texten übersetzt. Besucher:innen begegneten konstruierten Rollenbildern und echten Stimmen über Gefühle, Vaterrollen und Selbstbilder.

Die Ausstellung versteht sich als Einladung zum Dialog – ohne Schuldzuweisungen, aber mit dem Wunsch nach Veränderung.
Sie zeigt, wie starre Männlichkeitsnormen nicht nur FLINTA-Personen, sondern auch Männer selbst einschränken – emotional, sozial und gesundheitlich. Gestaltung wird hier zum Werkzeug für geschlechtersensible Bildung und zur Stärkung demokratischer Werte durch Teilhabe, Reflexion und Zuhören.

Ideologien visualisieren

In meiner Bachelorarbeit stellte ich mir die Frage, ob und wie Ideologien unvoreingenommen visualisiert werden können. Ausgehend von sechs politischen Makroideologien – von Kommunismus bis Faschismus – entwickelte ich eine eigene visuelle Analysemethode basierend auf Michael Freedens Ideologiemorphologie und Clifford Geertz’ These zu Symbolen. Mit einer ChatGPT-API-Schnittstelle entstand ein Tool, das ideologische Konzepte strukturiert analysiert. Aus den Ergebnissen wuchsen gigantische Bildwelten mit fast 3000 Symbolbildern. Die Kernidee war, ideologische Perspektiven sichtbar zu machen: Erst durch die Veränderung des Standpunktes und Wechsel der Blickrichtung werden andere Perspektiven erfahrbar. Der Prototyp, ein immersiver Raum, erlaubt genau das. Das Ergebnis ist der Grundstein zu einem bildungspolitischen Werkzeug, das ideologische Komplexität visuell erfahrbar macht.

MycoPouf – Frida

MycoPouf: Frida – Möbelfüllung neu gedacht

Der MycoPouf Frida steht als charakteristischer Demonstrator für eine ressourcenschonende, niederkomplexe und skalierbare Nutzung von Pilzmaterial als Füllmaterial. Sitzsackfüllungen bestehen oft aus synthetischen Stoffen wie Polystyrol oder Polyester – ölbasiert, schwer recycelbar und Mikroplastik freisetzend. MycoPouf setzt dagegen auf Myzel, das als Reststoff in der Speisepilzproduktion anfällt. Dieses Material ist isolierend, schwer entflammbar und vollständig biologisch abbaubar.

Frida besteht aus einem waschbaren Bezug und einer Innenfüllung aus Baumwolle, die mit Alginat beschichtet ist. Diese Beschichtung verhindert das Austreten von Feinstaub durch Reibung und sorgt für eine antiallergene Gestaltung.

Der modulare Sitzsack zeigt spielerisch, wie Pilzmaterial als vielseitige Alternative erfahrbar wird und stellt Pilz als biologische Option für nachhaltige Füllungen vor.

Objekte der Begierde. Fidgeting als Schnittstelle zwischen Funktion, Emotion und Ästhetik.

CHARMS versuchen, das negative Stigma von Fidget-Tools zu überwinden, indem sie durch ihre Materialität, Form und Haptik zu taktilen Alltagsbegleitern werden. Skilltools aus Holz, recyceltem Kunststoff, Silikon, Keramik und Edelstahl bieten durch taktile, thermische und olfaktorische Stimulation ein vielschichtiges sensorisches Erlebnis. Ihre organischen Formen kontrastieren mit der alltäglichen Umgebung und bieten eine erdende, beruhigende und konzentrationsfördernde Erfahrung. Durch recycelte Materialien, hohe Verarbeitungsqualität und außergewöhnliche Formen entstehen begehrliche Alltagsobjekte mit emotionalem Wert. Sie verbinden Funktion, Emotion und Ästhetik und fördern emotionale Selbstfürsorge und mentale Gesundheit. Als Alltagsbegleiter sollen sie Fidgeting sichtbar machen und zur Entstigmatisierung von emotionaler Instabilität, Konzentrationsschwierigkeiten oder Nervosität beitragen.

Mindful Movement

Angetrieben von der Motivation, Muskeln im Training intensiver zu spüren und gezielt anzusteuern, vereint diese Arbeit die Themen Sport, Funktion und Textil. Im Mittelpunkt steht die Mind-Muscle-Connection – die bewusste Verbindung zur Muskulatur, die die Körperwahrnehmung stärkt und das Muskelwachstum fördern kann. Der entwickelte Prototyp konzentriert sich auf die Wadenmuskulatur und kombiniert gezielte Druckpunkte mit einem komprimierenden Textil sowie druckverstärkenden Gummibändern. Ziel war es, die muskuläre Wahrnehmung während des Trainings zu verbessern. In einem Praxistest mit zehn Personen während einer Wadenübung wurde dieser Effekt bestätigt: Die Teilnehmer berichteten von intensiviertem Muskelgefühl, gesteigerter Stabilität und großem Interesse an dem Thema. Daraufhin wurde der Prototyp anhand des Feedbacks weiter optimiert. Das Ergebnis ist eine funktionale, körpernahe und neu gedachte Trainingsunterstützung – sowie ein Ansatz mit Potenzial für weitere Anwendungsbereiche.

MORPHO GENESIS

Warum sollte es etwas geben anstelle von nichts? Wieso tauchen in der Natur so viele Formen und Muster auf? Das Universum mag auf den ersten Blick chaotisch wirken, doch hinter diesem scheinbaren Chaos liegen zahlreiche Regelmäßigkeiten und Gesetze verborgen, die mathematisch beschreibbare Muster und Strukturen erzeugen. Sie sind der Prozess, wie Leben wächst und seine Form bekommt. Die Morphogenese-Theorie des britischen Mathematikers Alan Turing beschreibt diesen biologischen Prozess, durch den sich die physische Form eines Organismus im Laufe der Zeit entwickelt und verändert. MorphoGenesis beleuchtet die Erkenntnisse von Alan Turing und erforscht experimentell die organische Formbildung sowie die wiederkehrenden Muster der Natur. Dabei entsteht innerhalb einer digitalen Ursuppe eine neue Schöpfungsgeschichte, bei welcher sich Schritt für Schritt neue digitale Existenzen bilden.

BITE THE HAND: Movement, Pleasure, Multiplicity

BITE THE HAND: Movement, Pleasure, Multiplicity ist eine interaktive Erfahrung über die Rückeroberung narrativer Autonomie und das Nachdenken über multiple Zukünfte. Inspiriert von Denker*innen wie Haraway, Lorde, Le Guin und Fisher sowie Filmen wie La Haine, Brokeback Mountain und The Color of Pomegranates, untersucht das Projekt, wie Geschichten Wahrnehmung formen und dominante Weltanschauungen und Strukturen aufrechterhalten.
Während du den Raum erkundest, triffst du auf entdeckbare Elemente – eine Mischung aus Fragen, Rahmenwerken und Manifest-Fragmenten –, die eine dynamische Umgebung schaffen und dich auf deinem Weg zur Autonomie unterstützen.
Verwurzelt in der Nostalgie des semi-frühen Internets, verbindet die Erfahrung poetische Bewegung, Widerspruch und eine rhizomatische Struktur, die binärer Logik widersteht.
Anstatt Antworten zu geben, eröffnet BITE THE HAND einen Raum für Reflexion und narrative Autonomie.

BROKEN=GOOD

In der Produktion von Gebrauchsporzellan entstehen keramische Abfälle als Bruchware (engl. broken goods), die meist unzureichend wiederverwendet werden. Häufig führt ein zu hoher Standard zu bis zu 20 % Bruchware, die rein aus ästhetischen Gründen aussortiert wird. Die Arbeit untersucht gestalterische Eingriffe in den Fertigungsprozess, die Sortierung und die Entsorgung, um Ressourcen zu sparen.

Das Ergebnis ist ein in Kleinserie gefertigtes Porzellan-Teeservice, das ästhetische Anforderungen hinterfragt und den Energieaufwand sowie das Material wertschätzt. Es soll für die Merkmale sensibilisieren, die durch Material und Fertigung entstehen können und sonst als Fehler deklariert werden. Anstatt sie zu verleugnen, werden die Merkmale in einem Café-Nutzungsszenario vermittelt. Die Grenzen zwischen den Güteklassen verschwimmen. Das Design hat hierbei keinesfalls den Anspruch einer allgemeingültigen Lösung, sondern soll eher einen Teil zu einem größeren Umdenken beitragen.

BBQ Street

Die BBQ-Street ist eine 15 Meter lange Kochskulptur. Sie lädt zum gemeinsamen Kochen, Teilen und Begegnen ein. Die Skulptur besteht aus mehreren Stationen – an einem Ende steht ein Pizzaofen, daran anschließend ein 9 Meter langer Grill, gefolgt von einem Erdofen und einer großen Feuerstelle am anderen Ende. Die Stationen lassen sich einzeln oder gleichzeitig befeuern. Feuer, Essen und Bewegung im Raum schaffen dabei eine unmittelbare Verbindung. Kochen wird zum kollektiven Ritual, das Gemeinschaft stiftet und niedrigschwellige Begegnungen fördert. Die BBQ-Street steht fest installiert in dem Garten der Hochschule für bildende Künste und wurde das erste Mal gemeinsam mit der Kitchen Guerilla zur 250-Jahr-Feier der Hochschule performativ bespielt.

redrawn

Geformte Bleche sind struktureller Bestandteil vieler Produkte. Während durch Recycling das Rohmaterial zurückgewonnen wird, geht die – mit erheblichem Energieaufwand erzeugte – Form verloren. Das unregelmäßige Aufkommen und die komplexen Geometrien der Blechteile erschweren jedoch eine industrielle Weiterverarbeitung oder Umnutzung.

In dieser Arbeit wurde ein System entwickelt, um aus lokal verfügbaren Blechteilen individuelle Produkte zu generieren. Geometrische Merkmale der digital erfassten Bleche werden extrahiert und in einer Inventar-Datenbank gespeichert. Gestaltende können mithilfe eines Design-Interfaces Zielgeometrien modellieren und so die algorithmische Aggregation steuern. Generierte Anleitungen ermöglichen die Zerlegung und Neuzusammensetzung der Blechteile mit einfachen Handwerkzeugen.

Anhand einer Inventar-Datenbank, eines Design-Interfaces und eines Beispielprodukts wird der Ansatz als skalierbar und auf andere Materialien übertragbar demonstriert.