slow(the fuck)down

Trotz deutlich sichtbarer Folgen wie Umweltzerstörung, Ausbeutung und Textilbergen in postkolonialen Ländern beschleunigt sich die Modeindustrie weiter – auch für Gestalter*innen. In meiner Arbeit setze ich dieser Geschwindigkeit etwas entgegen:

Aus recycelten Polyester- Sporttrikots entstanden neue, malerische Flächen. In Anlehnung an Madame Grès wurden Kindheitszeichnungen drapiert, geformt und transformiert – als Reflexion der eigenen Biografie und als politische Positionierung.

Die Arbeit lädt dazu ein, innezuhalten und sich in den Falten auszuruhen.

Connecting Cubbyholes – Höhlenbauen als queere Raumpraxis

Kindheit als Narrativ wird weitestgehend aus der Perspektive Erwachsener erzählt, geprägt von Nostalgie, Idealisierung und normativen Vorstellungen des Aufwachsens. Die Arbeit verhandelt die Spannung zwischen diesem Sehnsuchtsort und der kritischen Auseinandersetzung damit, wie heteronormative Perspektiven den Blick auf Kindheit im Rückblick formen.

Die Arbeit nähert sich Kindheit als queerer Raum, in dem Aufwachsen nicht linear, sondern als seitwärts wachsend verstanden wird – ein prozesshaftes, offenes Werden jenseits normativer Zeitlogiken.

Der Begriff Cubbyhole verweist auf selbstgebaute Rückzugsorte der Kindheit. Höhlen, die zu queeren Gegenräumen werden, in denen Objekte bewusst gegen ihre vorgesehenen, normativen Verwendungsweisen benutzt werden. Höhlenbauen wird so zu einer Praxis, die normative Ordnungen nicht angreift, sondern durch ihren Gebrauch verschiebt. Wandelbare Elemente lassen Kontexte im Prozess des Bauens auftauchen und brechen mit dem statischen Ausstellungsraum.

FLESH AS CURRENCY

FLESH AS CURRENCY untersucht, wie Plattformökonomien, Hypersexualisierung und digitale Kategorien zeitgenössische Vorstellungen von Körper, Begehren und Sichtbarkeit formen. Ausgangspunkt ist die App Grindr, in der Menschen über Kategorien und Filter organisiert werden. Körper erscheinen dort nicht als komplexe Individuen, sondern als auf Attribute, Präferenzen und Projektionen reduzierte Körper.

Das Projekt übersetzt diese Mechanismen in materielle Formen. Anonyme Profile werden zu hybriden textilen Objekten, die nur aus Kategorien und Zuschreibungen entstehen. Elemente wie „Muscle“, „Tattoo“, „Bear“ oder „Unicorn“ verschmelzen zu überzeichneten Silhouetten und posthumanen Wesen zwischen Mode, Objekt und spekulativem Design.

Mit einem Hauch von Ironie macht FLESH AS CURRENCY sichtbar, wie digitale Systeme Körper nicht nur darstellen, sondern formen und fragt danach, was vom Menschlichen bleibt, wenn Körper zunehmend über Kategorien, Begehren und Sichtbarkeit organisiert werden.

SCHICHTWECHSEL

SCHICHTWECHSEL untersucht die sichtbaren und unsichtbaren Schichten, die unsere Identität im Alltag prägen. Ausgangspunkt sind berufliche Rollen und ihre kulturellen Codes – von Autorität und Verantwortung bis hin zu Mobilität, Fürsorge oder Dienstleistung. Statt Arbeitskleidung zu reproduzieren, übersetzt die Kollektion diese Beobachtungen in zeitgenössische Streetwear.

Durch die Analyse gesellschaftlicher Rollen, persönliche Gespräche und die Untersuchung urbaner Alltagsräume entstanden acht Looks, die zwischen Funktion, Zugehörigkeit und individueller Identität vermitteln. Materialschichtungen, Gebrauchsspuren, textile Manipulationen und fragmentierte Uniformcodes werden zu gestalterischen Werkzeugen, um soziale Übergänge sichtbar zu machen.

SCHICHTWECHSEL versteht Kleidung als kulturelles Dokument und richtet den Blick auf die Ebenen im Menschen, deren Beiträge den Alltag prägen, ohne immer sichtbar zu sein.

The Fabric of Things

Das Projekt erforscht das transformative Potenzial von Textilien im Zusammenspiel mit additiver Fertigung. Im Zentrum steht ein experimenteller Designprozess, bei dem Kunststoff gezielt auf vorgespannte Textilien aufgebracht wird. Nach dem Lösen der Spannung bilden diese eigenständig dreidimensionale Formen aus. Die daraus hervorgehenden Objekte bewegen sich zwischen Weichheit und Festigkeit und hinterfragen etablierte Vorstellungen von Materialität und Form.

Die entstandenen Objekte sind nicht das Ergebnis eines vorab festgelegten Entwurfs, sondern haben sich in einem offenen Prozess im direkten Dialog mit dem Material herausgebildet. Zwischen Materialexperiment und gestalteter Form entziehen sie sich eindeutigen Zuordnungen und existieren in einem Spannungsfeld zwischen Vertrautem und Unbekanntem. Sie laden dazu ein, gewohnte Wahrnehmungs- und Deutungsmuster zu hinterfragen.

nurVÉ – Bioactive knitwear that cares.

Was, wenn deine Kleidung deine Haut pflegt, während du sie trägst? nurVÉ ist eine bioaktive Strickkollektion, die Hautpflege und Mode zusammendenkt – vom funktionalisierten Garn bis zum fertigen Kleidungsstück. Das Cellulosegarn Cell Solution® SKIN CARE der Firma smartpolymer GmbH enthält dauerhaft in die Polymermatrix eingebettetes Vitamin E, das durch Körperwärme, Reibung und Feuchtigkeit direkt an die Haut abgegeben wird. Antioxidativ, waschbeständig, hautfreundlich.

Die Kollektion umfasst sechs Modelle mit skulpturalen Silhouetten, Drapierungen und Layering-Konzepten – entwickelt für Frauen ab 40, um den veränderten physiologischen, thermoregulatorischen und ästhetischen Bedürfnissen gerecht zu werden und eine moderne, elegante Formensprache zu entwickeln, die weder verjüngend noch konventionell wirkt. nurVÉ zeigt, dass funktionalisierte Textilien nicht trotz, sondern wegen ihrer Wirkung zu gutem Design werden.

Chromatic Narratives

„Chromatic Narratives“ erforscht die Tie-Dye-Färbetechnik als eine Fusion aus Farbpsychologie und künstlerischem Ausdruck. Jeder Farbton und jedes Muster erzählt eine Geschichte ohne Worte und fängt innere Emotionen ein: Warme Farben strahlen Energie aus, während kühle Töne Ruhe vermitteln.

Das Projekt schlägt eine Brücke zwischen Generationen und Kulturen, indem es traditionelle Techniken wie das japanische Shibori bewahrt und gleichzeitig moderne, umweltfreundliche Mode einbezieht. Durch die Untersuchung der Geschichte von Shibori und der psychologischen Wirkung von Farbe auf das Stoffdesign setzt sich diese Studie für umwelt- und sozialbewusste Stilalternativen ein.

Der Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Testen traditioneller Falt-, Dreh- und Bindemethoden auf natürlichen Stoffen wie Baumwolle, Leinen und Seide. Zudem werden Grenzen überschritten, indem mit synthetischen und gemischten Textilien experimentiert wird, um neue visuelle Möglichkeiten im nachhaltigen Design zu erschließen.

New Skin

„New Skin“ untersucht, wie nicht recycelbare Textilabfälle durch Materialrekombination ein neues Leben erhalten können. Ausgangspunkt sind Materialien wie ausgedienter Wollfilz und Denimfasern, die in bestehenden Recyclingsystemen häufig ausgeschlossen werden. Anstatt die Stoffe nur zu zerschneiden oder neu zusammenzusetzen, reaktiviert das Projekt sie auf Faserebene: Durch Nassfilzen verbinden sich Woll- und Denimfasern zu einer neuen, nahtlosen und taktilen Materialoberfläche.

Diese „neue Haut“ kann als flexible Oberfläche für Produkte wie Leuchten oder Möbel eingesetzt werden und verleiht ihnen eine neue sinnliche und materielle Identität.

Das Projekt versteht Kreislaufgestaltung nicht nur als Wiederverwertung, sondern als gestalterische Transformation: Abfall wird zu einem eigenständigen Material mit neuer Struktur, Ausdruckskraft und Wertigkeit.

NO_STRINGS_ATTACHED

Am 6. Juni 1942 sprang Adeline Gray aus 762m Höhe, um den ersten Fallschirm aus Nylon zu testen. Zuvor
waren nur Fallschirme aus Seide und Baumwolle verwendet worden. Gray wurde durch ihren Mut und
Enthusiasmus als Fallschirmspringerin bekannt. Die Ästethik des Fallschirms von den Schnüren bis hin zu den
voluminösen, veränderbaren Formen dienen als Inspirationsgrundlage meiner Arbeit.
Ein Schnürsystem wird eingesetzt, um den textilen Objekten eine bewegliche Eigenschaft zu verleihen.
Kantige, kastige Formen bekommen einen organischen Charakter. Raffungen bilden strukturierte Oberflächen.
Ein langer Rock kann zu einem kurzen verstellt werden. Die einzelnen Teile haben einen modularen Charakter.
Sie lassen sich miteinander verknüpfen.

Wrapping Waste

Dieses Projekt verwandelt Lederreste aus Polsterfabriken in Möbel mithilfe von Algorithmen. Digitale Tools scannen, analysieren und sortieren unregelmäßige Materialien, um jedes einzelne Lederstück effizient in das Design zu integrieren.

Dabei löst der zentrale Algorithmus komplexe Aufgaben, um flache digitalisierte Lederstücke optimal und gleichmäßig auf der Oberfläche eines Objekts zu verteilen. Ausgehend von einer ausgewählten Designvorgabe wird die Anordnung iterativ verfeinert und schrittweise verbessert. Aktuell können durchschnittlich 86 % jedes Lederstücks genutzt werden, manche Stücke, die nicht von anderen geschnitten werden, sogar bis zu 98 %.

Das Ergebnis ist eine Patchwork-Oberfläche mit minimalem Materialverlust – und Leder ist dabei nur ein Beispiel! Der Wechsel von standardisierten Ressourcen hin zu materialgesteuerten, generativen Prozessen macht die Wiederverwertung von Restmaterial nicht nur nachhaltig, sondern auch skalierbar.