Connecting Cubbyholes – Höhlenbauen als queere Raumpraxis

Kindheit als Narrativ wird weitestgehend aus der Perspektive Erwachsener erzählt, geprägt von Nostalgie, Idealisierung und normativen Vorstellungen des Aufwachsens. Die Arbeit verhandelt die Spannung zwischen diesem Sehnsuchtsort und der kritischen Auseinandersetzung damit, wie heteronormative Perspektiven den Blick auf Kindheit im Rückblick formen.

Die Arbeit nähert sich Kindheit als queerer Raum, in dem Aufwachsen nicht linear, sondern als seitwärts wachsend verstanden wird – ein prozesshaftes, offenes Werden jenseits normativer Zeitlogiken.

Der Begriff Cubbyhole verweist auf selbstgebaute Rückzugsorte der Kindheit. Höhlen, die zu queeren Gegenräumen werden, in denen Objekte bewusst gegen ihre vorgesehenen, normativen Verwendungsweisen benutzt werden. Höhlenbauen wird so zu einer Praxis, die normative Ordnungen nicht angreift, sondern durch ihren Gebrauch verschiebt. Wandelbare Elemente lassen Kontexte im Prozess des Bauens auftauchen und brechen mit dem statischen Ausstellungsraum.

Aus dem Vollen schöpfen* *oder: why collecting is also a motion of scooping is also making paper by hand

In „Aus dem Vollen schöpfen* *oder: why collecting is also a motion of scooping is also making paper by hand“ erforsche ich den Prozess der Papierherstellung mit den Händen. Ich habe die Spuren, die das Handeln in meinem Denken hinterlassen hat, dokumentiert. In den einzelnen Schritten der Fertigung ist eine Analogie zwischen der physischen Methode und meinem Arbeitsverständnis als Gestalterin und Autorin entstanden.

Die Publikation ist – als Ganzes – eine essayistische Arbeit über Arbeit, Prozessketten, analoges Handwerk und meine Hände. Über Quellen, und sich aus ihnen zu nehmen, was noch gebraucht werden kann. Und es ist eine Arbeit über das Schreiben, das Worte finden uns Bild werden.

Auf den Seiten verbinden sich meine eigenen Beobachtungen mit Zitaten aus den Arbeitsprozessen anderer Autor*innen und geborgte Worte aus meiner fortlaufenden Sammlung. Sie greifen im Lesen ineinander wie die Fasern der von mir neu geschöpften Bögen, aus denen die besiebdruckte Coverklammer ist.

Medea, anders

„Medea, anders“ ist eine Graphic Novel, die die Tragödie „Medea“ aus der griechischen Antike behandelt. In dem Werk aus dem Jahr 331 v. Chr. geht es um universelle, noch heute relevante Themen: menschliche Abgründe, Intrigen, Liebe, Rache, Verlust.

Mit dem Ansatz, eine Theaterinszenierung aufs Papier zu bringen, gilt es, die beiden Kunstformen Performance und Illustration zu vereinen. Das eine von flüchtiger Natur, das andere statisch, sind die beiden grundverschieden. Allerdings lassen sich auch Gemeinsamkeiten finden: unvorhersehbare Momente, die sich aus Improvisation ergeben. Dramatisch ausgeleuchtete Szenerien, das Gefühl, den Figuren auf der Bühne nah zu sein.

Sowohl die kritische Hinterfragen und Bearbeitung des Quelltextes, als auch die Suche nach einer eigenen Version der Geschichte mit alternativem Ende, waren zentraler Teil der Arbeit. Die Illustrationen sind analog in schwarzer Tusche gestaltet, zusätzlich dient ein leuchtendes Rot als Akzentfarbe.

About Stones

Wie viel kann ein Stein dir erzählen? Als Umraum ist die steinige Umwelt der Grundbaustein menschlicher Entwicklung, chemischer Reaktionen und heutiger Technologie. Und doch ist sie begrenzt – sie wächst nicht nach. Gestein ist weit mehr als ein bloßer Rohstoff. Es ist ein Speicher der Gegenwart und zugleich ein Archiv vergangener Zeiten. So wird aus einem Werkzeug menschlichen Fortschritts ein Geschichtenerzähler der niemals stumm bleibt.

Mithilfe eines interaktiven Raumdesigns werden drei Steine zu Erzählern ihrer jeweiligen Epochen. Ihre Geschichten spannen einen Bogen von der Karbonzeit bis in die Gegenwart.

Alles beginnt vor rund 100 Millionen Jahren: Unter dem Druck sumpfiger Oberflächen entstehen unterschiedliche Gesteinsarten. Vor ca. 150 Jahren werden sie vom Menschen zusammen mit der Kohle als sogenannte Nebenflöze an die Oberfläche gefördert. Weitere 100 Jahre später liegen sie, ihrer ursprünglichen Funktion beraubt, ungenutzt über der Erde und warten auf ihren Moment!

Navigating futures with data visualization

„Navigating futures with data visualization“ untersucht die Rolle von Unsicherheiten in der Datenvisualisierung. Während Daten oft als absolute Wahrheit wahrgenommen werden, sind sie in der Realität von Unwägbarkeiten geprägt. Die Arbeit identifiziert diese Faktoren und organisiert sie in einer visuellen Pipeline, um zu zeigen, wie Unsicherheiten auf jeder Stufe der Visualisierung eingewoben sind.

Es wird argumentiert, dass Gestalter diese Unsicherheit als produktives Element nutzen können, um über Zukünfte zu spekulieren und Visualisierungen in ein Medium für Diskussion und Interpretation zu verwandeln. Dies wurde beispielhaft in einer Designstudie für einen Waldbesitzer erprobt: Eine digitale Plattform kommuniziert mögliche Zukunftsszenarien des Waldes an die betroffene Gemeinschaft, um die kritische Daten- und Zukunftskompetenz in einer datengetriebenen Welt zu stärken.

Wo ich nie lebte (Kde som nikdy nežila)

„Wo ich nie lebte“ ist ein fotografisches Buchprojekt über Heimat, Zugehörigkeit und das Dazwischen. Ausgangspunkt ist meine Verbindung zur Slowakei, dem Heimatland meines Vaters und einem prägenden Ort meiner Kindheit.

Die Fotografien bewegen sich durch Landschaften, Begegnungen und Erinnerungen. Dabei entsteht weniger das Porträt eines Landes als die Annäherung an die Frage, wie sich Verbundenheit zu einem Ort anfühlt, an dem man nie wirklich gelebt hat.

Eine visuelle Spurensuche zwischen Vertrautheit und Entfremdung.

Not Fucking Sorry Manifesto

Das Projekt „Not Fucking Sorry Manifesto – Über das weibliche Schuldgefühl und die Freimachung davon“ beschäftigt sich im theoretischen Teil mit der Herkunft des weiblichen Schuldgefühls und dem einhergehenden übermäßigen Entschuldigen. Dabei betrachtet es kritisch patriarchale Glaubenssätze, die zur Einschränkung des weiblichen Handlungsraums führen.

Als praktische Arbeit gestaltete ich ein Manifest, das zur Selbstermächtigung der Frau dient. Dieses habe ich in Form einer (animierten) Posterserie umgesetzt.

Weiterhin habe ich ein Workshopkonzept entwickelt, welches die selbstständige Formulierung eines Manifests der Teilnehmerinnen als Ziel hat und außerdem Printmedien wie Flyer, Sticker und Anti-Sorry-Zines beinhaltet.

Die Gestaltung der Medien ist experimentell aus dem Analogen heraus entstanden und rückt die Distel als Metapher für einnehmenden Raum und Robustheit in den Fokus. Für die visuelle Auffälligkeit habe ich auf Neongrün gedruckt.

Designing Science. Gestaltung für Fortschritt

In meiner Abschlussarbeit untersuche ich, wie das wissenschaftliche Paper mithilfe gestalterischer Prinzipien – inspiriert durch Design, Narration und didaktische Strukturierung – in eine zugänglichere, nachvollziehbarere und anschlussfähigere Form überführt werden könnte. Ziel ist nicht der empirische Nachweis, dass ein neues Format messbar »besser« ist. Vielmehr geht es um einen experimentellen Impuls, wie das wissenschaftliche Paper der Bedeutung gerecht werden kann, die ihm im wissenschaftlichen Betrieb und der Gestaltung gesellschaftlicher Diskurse funktional zukommt. Die These ist hier: Wenn Forschung sich klarer artikuliert, wird auch gesellschaftlicher Fortschritt möglich.

Entstanden ist in diesem Zuge ein Prototyp, der zeigt, wie Forschung anders erzählt und visuell strukturiert werden kann.

Am See sagen wir Du. Narrative und partizipative Designmethoden für emotionale Rezeption und Empowerment in der Klimakommunikation am Beispiel von Wassermangel in Brandenburg

Wasser ist in Brandenburg ein selbstverständlicher Teil des Alltags. Doch seit Jahren sinken die Grundwasserstände und Seepegel. Die Auswirkungen der Klimakrise werden zunehmend regional spürbar und betreffen uns direkt vor unserer Haustür. Gleichzeitig befinden sich viele Gewässer in einem ökologisch schlechten Zustand und reagieren besonders sensibel auf den Klimawandel. Trotz wissenschaftlicher Warnungen bleiben politisches und persönliches Handeln oft unzureichend. Klimakommunikation scheitert häufig daran, emotionale Nähe und konkrete Handlungsbezüge herzustellen.

Diese Arbeit untersucht daher, wie visuelle, narrative und partizipative Designmethoden die emotionale Wahrnehmung der Wasser- und Klimakrise in Brandenburg stärken und intrinsisch motiviertes Handeln fördern können.

Entstanden ist „Am See sagen wir Du“ – das Konzept einer Workshop-Reihe, in der sich Brandenburger*innen mit ihrer Beziehung zum See auseinandersetzen und konkrete Handlungsmöglichkeiten kennenlernen.

MORPHO GENESIS

Warum sollte es etwas geben anstelle von nichts? Wieso tauchen in der Natur so viele Formen und Muster auf? Das Universum mag auf den ersten Blick chaotisch wirken, doch hinter diesem scheinbaren Chaos liegen zahlreiche Regelmäßigkeiten und Gesetze verborgen, die mathematisch beschreibbare Muster und Strukturen erzeugen. Sie sind der Prozess, wie Leben wächst und seine Form bekommt. Die Morphogenese-Theorie des britischen Mathematikers Alan Turing beschreibt diesen biologischen Prozess, durch den sich die physische Form eines Organismus im Laufe der Zeit entwickelt und verändert. MorphoGenesis beleuchtet die Erkenntnisse von Alan Turing und erforscht experimentell die organische Formbildung sowie die wiederkehrenden Muster der Natur. Dabei entsteht innerhalb einer digitalen Ursuppe eine neue Schöpfungsgeschichte, bei welcher sich Schritt für Schritt neue digitale Existenzen bilden.