Realms of Play: The Gambit of Moves & Constraints

Ein Feld zu weit und der nächste Zug setzt matt. In meinem Bachelorprojekt „Realms of Play: The Gambit of Moves & Constraints“ wird das Schachfeld zu einem taktilen Spielraum erweitert. Auf modularen Interaktionsflächen, die das Schachbrett künstlerisch abstrahieren, lassen sich 3D-gedruckte Elemente ertasten, stecken und verschieben. Ihre Formen greifen skulpturales Spielplatzdesign auf: organische Topografien, Hügel und Geländeformen treffen auf die klare Ordnung des Schachbretts und die figurative Präsenz der Spielfiguren.

Mit jeder Verschiebung verändert sich das Spielfeld: neue Wege entstehen, andere Bewegungen werden blockiert. Das Projekt untersucht, wie Regeln und Einschränkungen spielerisches Verhalten formen und wie vorausschauendes Denken körperlich erfahrbar wird.

So entsteht eine räumlich-skulpturale Spielplatzlandschaft, in der Spiel durch Risiko, Orientierung und Entscheidung sichtbar wird.

Shifting Values

Das Projekt „Shifting Values“ ist ein experimenteller Reparaturansatz, der beschädigten und scheinbar wertlosen Möbelstücken neue Wertigkeit und Einzigartigkeit verleiht. Inspiriert von textilen Flicktechniken werden die Objekte durch eine Flechttechnik aus Rattan (Rattancane) neu verbunden, stabilisiert und erweitert.

Die besondere Eigenschaft des Materials, formstabile Strukturen zu bilden, ermöglicht es, fehlende oder defekte Bereiche nicht nur zu ersetzen, sondern gestalterisch aufzuwerten. So entstehen hybride Objekte, die Reparatur als sichtbaren und ästhetischen Prozess begreifen.

A Thousand Times Told

Wie entstanden weltweit ähnliche Mythen lange vor globaler Vernetzung? „A Thousand Times Told“ untersucht diese kulturübergreifenden Universalien anhand dreier Archetypen: Held, Trickster und Drache. Die Arbeit fragt, wie wir dieses kollektive Erbe heute gestalterisch aufarbeiten, erfahrbar machen und verstehen können.

Das Projekt verbindet Theorie und Praxis als Thesis, Website und Kartenspiel. Die Gestaltung basiert auf einem eigens entwickelten visuellen System: Aus der organischen Typografie wurden bedeutungstragende Ornamente und Icons entwickelt. Bildnisse aus diversen Quellen werden durch einen verzerrten Dither-Effekt visuell geeint und spiegeln das Vage, Assoziative von Mythen wider.

Während die Website (athousandtimestold.de) als digitales, exploratives Archiv fungiert, übersetzt das strategische Kartenspiel die Eigenschaften Macht, Trick und Geist in eine dynamische, erlebbare Welt, die die Archetypen und deren Attribute den Spielenden näher bringen.

Ecos de la 13 – Zwischen Tourismus und Trauma

Nach Jahrzehnten politischer, krimineller und vom Drogenhandel befeuerter Gewalt galt die Comuna 13 lange als einer der gefährlichsten Orte der Welt. Heute ziehen knallbunte Selfiespots, Murals und austauschbare Plastikfiguren Massen an – ein grelles, fast absurdes Tourismusspektakel.

In der Comuna 13 leben 160.000 Menschen „hinter den Kulissen“. Aber wie eigentlich? Die Ausstellung rückt die Stimmen der Bewohner:innen in den Fokus, die beide Leben in sich tragen: vor und nach dem Krieg. Photogrammetrische 3D-Scans und Fotografien verbinden ihre Erzählungen mit einer emotionalen, collageartigen Dokumentation. So entsteht eine Nähe, in der Stolz, Schmerz und Hoffnung spürbar werden.

Die Ausstellung führt durch touristische Bilderfluten in Räume, in denen großformatige 3D-Scan-Filme die Stimmen der Menschen tragen. Übergänge mit Wäscheleinen, auf denen mitgebrachte T-Shirts hängen, öffnen Momente des Reflektierens, bis lebensgroße Porträts eine direkte Begegnung ermöglichen.

Matter of Connectedness – An Embodied Design Research Through Collecting and Making

Diese Arbeit versteht Design als relationale Praxis – als Raum, in dem Verbundenheit zu uns selbst, zu anderen Menschen & zur Welt erfahrbar werden kann. Ausgangspunkt ist ein explorativer Designprozess mit gesammelten Materialien. Die Arbeit mit unbekannter Materie verlangsamt den Gestaltungsprozess & verschiebt den Fokus von Effizienz hin zu Beziehung. Aufbauend auf Hartmut Rosas Resonanztheorie wird Entschleunigung dabei als Voraussetzung für Verbundenheit verstanden.

Die Recherche mündet in ein Workshop-Format, in dem Teilnehmende Erdmaterialien von für sie bedeutsamen Orten mitbringen. Diese werden zu Engoben & Glasuren für Porzellandosen verarbeitet.

Das Gestalten öffnet Raum, um über Verbundenheit in Austausch zu treten & sich der Bedeutung der Materialien bewusst zu werden, die als Träger von Erinnerungen & Beziehungen dienen. Das Objekt ist nicht das Ziel, sondern ein Werkzeug.

Gestaltung als Weltbeziehung – Über Intuition als Erkenntnisform

Gestaltung beeinflusst, wie Menschen Welt wahrnehmen, deuten und erleben. Viele ihrer Wirkungen – etwa Atmosphäre, Zugehörigkeit oder Stimmigkeit – gelten jedoch als subjektiv oder schwer greifbar. Die Arbeit untersucht Intuition als jene Erkenntnisform, über die solche komplexen Bedeutungen erfahrbar werden.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass ästhetische und atmosphärische Qualitäten nicht objektiv messbar sind. Wahrnehmung entsteht vielmehr im Zusammenspiel situativer Bedingungen, individueller Zustände und der Weise, in der Bedeutung erscheint. Ziel der Arbeit ist es, diese impliziten Dynamiken sichtbar und beschreibbar zu machen.

Auf Grundlage des SCOP-Modells wurde dafür ein theoretisch fundiertes Modell entwickelt, das intuitive Wahrnehmung strukturiert und gestalterisch nutzbar macht. Das Ergebnis ist ein neuer Zugang zu Intuition als strukturierbarer Erkenntnisform und ein Verständnis von Gestaltung, das über reine Problemlösung hinausgeht: Gestaltung als Weltbeziehung.

Wandler

Wandler ist eine Neuinterpretation des „Stummen Dieners“: funktional, nachhaltig, ästhetisch. Holzrundstäbe in verschiedenen Längen werden an Wand oder frei im Raum montiert und bilden ein wandelbares Grundgerüst.

Herkzstück sind 3D-gedruckte Module, die werkzeuglos aufclipbares Zubehör wie Kleiderhaken, Ablagen für Brillen, Helme und Schlüssel ermöglichen. Kombinierbar und anpassbar wächst das System mit seinen Anforderungen und passt sich flexibel an Lebenssituationen an.

Gegen „Fast Furniture“ setzt Wandler auf langlebige, wiederverwendbare Möbel. In Deutschland fallen ca. 179 kg Haus- und Sperrmüll pro Person/Jahr an, ein großer Teil durch Möbel. Wandler fördert nachhaltigen Umgang mit Wohnraum.

Als Open Source ist Wandler frei zugänglich. Nutzer*innen entwickeln Module, passen Komponenten an oder erweitern das System. 3D-Druck ermöglicht Gestaltungsfreiheit und Einzelanfertigungen.

Wandler ist modular, nachhaltig und offen – ein System, das bleibt, weil es sich verändern kann.

Constructing Kitsch

„Constructing Kitsch“ untersucht Kitsch als kulturelles Phänomen, das Bedeutung, Emotion und Wert auf Material und Form projiziert. Das Projekt arbeitet mit funktionalen Konstruktionselementen wie Ziegelsteinen, Dämmstoffdübeln und Lochplatten. Materialien, die normalerweise in Kontexten vorkommen, in denen Ornament und emotionaler Ausdruck nicht zu finden sind.

Ausgehend von den vorhandenen Strukturen werden diese Materialien neu interpretiert und mit kitschig konnotierten Motiven verknüpft: Ziegelhohlräume werden zu symbolischen Formen, die Geometrie der Dübel wird in florale Ornamente übersetzt und Lochplatten greifen spitzenartige Muster auf. Die dekorativen Aspekte entstehen dabei direkt aus den technischen Eigenschaften der Materialien. Die Objekte bleiben funktional, ihre Wahrnehmung verändert sich jedoch.

Kitsch wird dabei nicht als Stil verstanden, sondern als Werkzeug, um zu hinterfragen, wie Wert, Symbolik und emotionale Bindung kulturell konstruiert werden.

Nothing to see here

„Nothing to see here“ widmet sich einem Element, das uns formt und zugleich im Zentrum der Dinge steht, die uns täglich umgeben: Wasser.

Hierbei werden als Fragmente des menschlichen Alltags Substanzen der Menstruationsindustrie vom Rohstoff bis zur Entsorgung begleitet und dabei untersucht, wann, wie und wo sie natürliche Gewässer berühren. An diesen Prozessen wird die Beziehung zwischen materieller Kultur und ökologischen Systemen exemplarisch sichtbar.

Design tritt in einen interdisziplinären Dialog zwischen Geschichte, Naturwissenschaft, Politik und Technologie. In Form eines Films, eines Buchs sowie von Objekten wird daran erinnert, dass Wasser und Land nie voneinander getrennte Zustände sein können.

Beat and Beads

Beat and Beads ist eine Performance-orientierte Kollektion. Inspiriert von und geschaffen für die Ballroom-Szene. Bewegung steht im Zentrum jedes Entwurfs. Bunte Perlen und Applikationen werden gezielt mit Techniken des Textildesigns eingesetzt und verleihen den Looks eine zusätzliche, fast lebendige Ebene. Sie reagieren auf jede Bewegung, verstärken Gesten, erzeugen Dynamik und lassen den Körper im Raum wirken. Die Kollektion spielt mit dem Selbstbewusstsein des Trägers und zelebriert dessen Ausdruck, Präsenz und Kraft – ein visuelles Statement, das Ästhetik, Ausdruckskraft und Identität der Ballroom-Szene gestalterisch und performativ widergespiegelt.

Die Arbeit appelliert an die Dringlichkeit von Akzeptanz und Unterstützung der LGBTQ+ Community und zeigt, wie frei Personen sein können, wenn sie in einem Umfeld sind, das sie so akzeptiert wie sie sind. Sie soll Hoffnung bringen, dass wir überall so sein können und akzeptiert werden. Hoffen, sich nicht mehr verstecken zu müssen.