Pastapack

Nathalie Indra

Februar / February - 2020

Kunsthochschule Kassel

Was ist es?

Pastapack ist ein Konzept, das ein Mehrwegsystem für Lebensmittelverpackungen im Einzelhandel am Beispiel von Nudeln erprobt. Der erste Entwurf für die Mehrweg-Behälter umfasst zwei Varianten (Spaghetti und Fusilli). Eine solche Pasta-Box spart bis zu 25 Einwegverpackungen ein und trägt damit zur Reduktion von Verpackungsabfällen bei. Das Konzept orientiert sich am Mehrwegsystem für Pfandflaschen: Leere Pasta-Boxen werden zurückgegeben, gereinigt und neu befüllt. Dem Handel wird der Einsatz von Pastapack erleichtert, indem dieselben Strukturen (u.a. vorhandene Leergutautomaten) zur Sammlung und Rückführung der Verpackungen genutzt werden. Zu den bisherigen Ergebnissen zählen auch grafische Vorschläge für die Etikettengestaltung sowie eine Skizze des Geschäftsmodells für den laufenden Betrieb.

Was ist das Thema?

Thema des Projekts ist die Reduktion und Vermeidung von Abfällen. Mehrwegsysteme werden als möglicher Ansatz untersucht und es wird eine Verbindung zu den Anforderungen an die umwelt- und nutzer*innenfreundliche System- und Verpackungsgestaltung hergestellt. Das Gesamtkonzept steht dabei im Vordergrund: Die Auswirkungen des Systems auf Transportemissionen und Ansprüche an die Reinigungs- und Abfüllanlagen von Nudelhersteller*innen werden ebenso berücksichtigt wie die Bedürfnisse der Endverbraucher*innen. Verpackungsmüll und die damit einhergehenden Umweltbelastungen sind ein drängendes Problem unserer Zeit. Viele Menschen sehen sich selbst nicht so sehr in der Verantwortung, dass sie ihre Einkaufsgewohnheiten drastisch ändern würden. Pastapack spricht diese Kund*innen durch die Positionierung im Supermarkt an. Die Mehrwegverpackung kann genutzt werden, ohne zusätzliche Läden zu besuchen bzw. zu jedem Einkauf ausreichend eigene Behältnisse mitzubringen. Pastapack hat das Potenzial, die Prozesse der Lebensmittelindustrie über das Flaschenleergut hinaus in einem ökologischen Sinne entscheidend zu verbessern und umweltschonendes Konsumverhalten massentauglich zu machen.

Warum sieht es so aus?

Die Darstellung des Mehrwegsystems erklärt den Kreislauf der Verpackungen deutlich und verständlich. Dazu kommen lizenzfreie Icons von iconmonstr.com zum Einsatz. Die Entwicklung eigener Icons wird in Zukunft angestrebt, um den erklärenden Darstellungen von Pastapack einen eigenen Charakter zu geben, der zur gewünschten Wirkung der Projekt-Kommunikation nach außen passt. Als Teil der Abschlussarbeit hätte die Erstellung neuer Icons jedoch den zeitlichen Rahmen gesprengt. In meinen Interviews mit potenziellen Nutzer*innen zeigte sich, dass sich die meisten eine zumindest teilweise transparente Verpackung wünschen. Dementsprechend wurde ein transparentes Material für die Pasta-Boxen gewählt. Eine Grundlage bei der Formfindung war die Fähigkeit zur optimalen Schichtung in handelsübliche Transportkisten. Dadurch wird der Transport sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Perspektive effizienter. Weitere Grundlagen sind die Handlichkeit der Verpackung, sichere Aufbewahrungsmöglichkeiten (z.B. weisen die Pasta-Boxen große Auflageflächen auf, sodass sie nicht aus dem Regal rollen können) sowie Maße, welche die Rückgabe durch die Eingabeöffnung des Leergutautomaten erlauben. Verschiedene Formen wurden getestet, wobei sich das Trapez-Prisma nicht nur als Spaghetti-Verpackung mit neuartigem, eigenem Charakter, sondern darüber hinaus als effizienteste Variante erwies. Die Fusilli-Box benötigt für die enthaltenen Nudeln eine andere Form mit größerem Volumen. Hier zeigten sich Quader als praktischste Varianten. Zwei Seiten sind angeschrägt und verleihen dem Behälter mehr die Anmutung einer modernen Snack-Box als einer Dose, wie sie von zahlreichen anderen Lebensmitteln bereits bekannt ist. Die flexiblen Deckel sitzen zwar sicher an der Verpackung, lassen sich jedoch leicht öffnen. Dazu wird kein Werkzeug (Schere, Messer, Dosenöffner o.ä.) benötigt. Eine Variante des Deckels für die Fusilli-Box verbessert die Stapelbarkeit der Behälter. Weil Verpackungen im Einzelhandel nicht ohne Produktgrafik auskommen, habe ich auch beispielhafte Etiketten entworfen. Mit ihnen ausgestattet können sich potenzielle Kund*innen die Pasta-Boxen leichter im Einsatz vorstellen. Die Grafik weist durch in rot hervorgehobene Markierungen (sogenannte Störer) auf die Neuartigkeit der Produktverpackung hin und generiert damit Aufmerksamkeit. Eine große Abbildung mit kurzem, erklärendem Text sichert die Erkenntnis der Kund*innen, dass sie die Verpackung im Leergutautomaten zurückgeben können und dafür ein Pfand erhalten. Das ist wichtig, weil Pfandverpackungen außerhalb des Getränkesektors eine ungewohnte Neuerung darstellen. Über den Deckel verlaufende Streifen der Etiketten fungieren als Frischesiegel. D.h. sie zeigen an, dass die Verpackung noch nicht geöffnet wurde und können bei der Fusilli-Box gleichzeitig als Tragegriff dienen.

Was ist das Besondere?

Gegenüber den gängigen Verpackungsvarianten der Einwegplastik- und Papiertüten sowie Kartons zeichnet sich Pastapack durch die Einsparung von Abfällen aus. Hier fallen nur die Etiketten an, deren Materialbedarf bewusst gering gehalten wird. In der Weiterentwicklung des Projekts werden sie möglichst durch eine abfallfreie Alternative ersetzt. Verglichen mit Unverpackt-Abteilungen bedingt Pastapack geringere Änderungen des Kaufverhaltens und erleichtert damit den umweltschonenden Einkauf. So kann ein größerer Wirkungsgrad erzielt werden, weil mehr Endkund*innen motiviert werden, Pastapack zu nutzen. Pastapack ist das einzige Mehrwegkonzept für Nudelverpackungen und perspektivisch erweiterbar auf Verpackungen anderer Lebensmittel. Erkenntnisse aus der Analyse der Vor- und Nachteile anderer Verpackungsformen fließen genauso in die Entwicklung ein wie die Beobachtung aktueller Verbesserungsansätze im Verpackungssektor. Das Konzept ist auch erweiterbar auf andere Einkaufssituationen. So können beispielsweise Behälter zum selbst-Befüllen für den Einkauf um Unverpacktladen hinzugefügt werden.

Was ist neu?

Neu ist der Einsatz von Mehrwegbehältern für Lebensmittel außerhalb des Getränke- und Milchproduktesektors. Darüber hinaus werden neue Boxen zu einem möglichst hohen Anteil aus Rezyklaten hergestellt. Diese Praxis ist noch nicht weit verbreitet, weil Rezyklate bisher relativ teuer sind und die Hygiene bei Verpackungen für Lebensmittel gewährleistet sein muss. Hier will das Projekt Pastapack eine Vorreiterrolle einnehmen, denn je mehr Rezyklate nachgefragt und eingesetzt werden, desto schneller wird deren Verarbeitung weiterentwickelt. Leider ist es heute auch noch keine Selbstverständlichkeit, dass Lebensmittelverpackungen in gewöhnlichen Recyclinganlagen zu 100% recycelt werden können. Oft bestehen sie aus Verbindungen mehrerer verschiedener Kunststoffe, die nicht leicht voneinander getrennt werden können. Damit wird die Sortenreinheit verringert, die für erfolgreiches Recycling ausschlaggebend ist. Demgegenüber orientiert sich Pastapack an gut recycelbaren Pfandflaschen und besteht aus reinem PET. Auch die Deckel werden nur aus einem einzigen Kunststoff hergestellt, sodass nach Erreichen der maximalen Durchlaufzahl durch das Mehrwegsystem ein vollständiges Recycling gewährleistet ist. Denkbar ist auch eine Pastapack-Variante aus Glas, deren Einsatz aufgrund ihres höheren Gewichts jedoch nur bei kurzen Transportwegen von der Nudelherstellung zum Verkaufsort sinnvoll ist. Neuartig sind auch die Formen der Behälter, insbesondere die der Spaghetti-Box. Sie heben sich von zahlreichen häufig vorkommenden Verpackungsvarianten aus dem Supermarktregal ab, beispielsweise von flexiblen Tütenformen, rechteckigen Schachteln und runden, abgerundet vier- oder sechseckigen Gläsern und Flaschen.