Illusion

Freia Achenbach

Februar / February - 2019

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Was ist es?

Eine Serie aus drei alltäglichen Objekten.Die Leuchte Spotlight,dessen Lichtreflexion durch den Raum wandert und die unterschiedliche Formen und Oberflächen hervorhebt.Tanzende Besen, die durch ihre disfunktionale Form,den Nutzer zum Umdenken auffordern.Das Regal Zuschauer,das viele Gesichter hat,die man erst auf den zweiten Blick erkennt.Gemeinsam verwandeln sie ihre Umgebung in eine surreale Szenerie.

Was ist das Thema?

Das Thema ist die Illusion. Ausgehend von der psychologischen Definition, die Illusion sei eine Fehldeutung tatsächlicher Sinneswahrnehmungen, stellte sich für mich die Frage, wo illusionistische Potenziale liegen, die uns die haptische Welt neu erfahren und entdecken lassen. Aber auch, wie wir durch Fantasie und Bewusstsein, unsere Realität unmittelbar verändern können. Dabei geht es nicht um die reine Täuschung der Sinne, sondern vielmehr um das Vergnügen der Sinne.Mithilfe der gestalteten Objekte soll eine surreale Atmosphäre erzeugt werden, um die Imagination des Betrachters zu verstärken, ihn an seine Wahrnehmungsgrenzen zu bringen und so die Grenzen zwischen Illusion und Realität verschwimmen zu lassen.

Warum sieht es so aus?

Die Objekte sind angelehnt an das Theater.Der Ort an dem kunstvoll mit der Illusion gespielt wird.Die ‚tanzende Besen‘,beschreiben den Akteure auf der Bühne.Ihre geschwungenen Besenstiele erzeugen einen Sinnenreiz der mit den Bewegungen des Tanzes assoziiert werden kann. Spotlight symbolisiert das Scheinwerferlicht, dessen Licht über die Bühne wandert und das Schauspiel zum Leben erweckt.Die Leuchte ist minimalistisch und konzentriert sich auf die Lesbarkeit der funktionalen Komponenten.Die Leuchte selbst tritt in den Hintergrund,um den Fokus auf die Reflektion und die von ihr ausgeleuchtete Umgebung zu setzen.Der Zuschauer ist das Regal.Die amorphe Form erweckt den Eindruck,dass sich etwas Lebhaftes hinter dem Objekt verbirgt.

Was ist das Besondere?

Drei Alltagsobjekte wurden bearbeitet und jedem Objekt eine metaphorische Aufgabe gegeben,die über das eigentliche „praktische“ Funktionieren weit hinaus geht.Wie bei vielen Objekten nehmen wir die Interaktion kaum mehr bewusst wahr,da sich unser Auge und der Körper an ihre Handhabung schon längst gewöhnt haben.Aber gerade diese allzu vertrauten Dinge,prägen aufgrund ihrer Selbstverständlichkeit die kulturellen Wahrnehmungs-,Denk- und Handlungsschemen.Umso wichtiger ist es,sich in der Gestaltung mit der Wahrnehmung auseinanderzusetzen.Die Benutzung der tanzenden Besen ist ein Rätsel,was es ein Umdenken und eine andere Interaktion erfordert.Besonders ist das sie aufrecht stehen bleiben.Die meditative Tätigkeit des Fegens wird durch den Balanceakt im nichtangewandten Zustand fort geführt.Die Leuchte beleuchtet nur Ausschnitte des Raumes und grenzt die gewohnte Umgebung ein.Dies lässt Raum zur Imagination und schafft eine bewusstere Wahrnehmung der Umgebung.Die Form des Regals soll den Projektionsmechanismus anregen.Die Einzelteile des Regals greifen so ineinander, das sie sich gegenseitig stabilisieren und kein weiteres Verbindungsteil notwendig ist.

Was ist neu?

Die Arbeit ist assoziativ und spielerisch. Die Aufgabe der Objekte besteht vielmehr darin gedanklich zu stimulieren und den Benutzer dazu zu bringen, das was wir als „absolut“ begreifen zu hinterfragen. Die primären Zweckmäßigkeiten der Objekte wie Schmutz beseitigen, den Raum zu erhellen oder Stauraum zu bieten, sollen dadurch nicht verdrängt werden, jedoch liegt der Fokus vielmehr auf der Wahrnehmung und dem Infrage stellen dessen, was wir als Realität annehmen.Damit möchte ich die erzieherische Kraft der Gestaltung ansprechen und aufzeigen wie wichtig ein spielerischer Umgang mit alltäglichen Situationen sein kann.