Knoten. Eine Auseinandersetzung in Theorie, Experiment und Gestaltung.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Knoten als kulturhistorisches, technisches und gestalterisches Phänomen. Die multidisziplinäre Methodik der Arbeit macht es möglich, den Knoten nicht nur als technisches Hilfsmittel zu betrachten, sondern als universelles Strukturmodell, das funktionale, symbolische und soziale Dimensionen in sich vereint. Durch die Verbindung von Theorie, Experiment und Gestaltung gelingt ein transdisziplinärer Zugang, der den Knoten auf verschiedenen Ebenen als Prinzip erfahrbar macht.

Es entsteht eine Schmuckkollektion im Baukastensystem in 925er Silber, wobei alle Einzelteile miteinander kompatibel sind, und Wandhaken, nach dem Lasersinter-Verfahren 3D-gedruckt in Aluminium, mit austauschbaren Einhängern, jeweils inspiriert vom funktionalen und formalen Grundsatz des Kreuzknotens.

Der Körper des Verbrechens

Der weibliche Körper – insbesondere jener von indigenen, armen und rassifizierten Frauen – ist zu einem Schlachtfeld geworden, auf dem sich Patriarchat, Staat und Kapital einschreiben. In Gewaltkontexten wird dieser Körper paradoxerweise selten als Opfer anerkannt. Stattdessen wird er kriminalisiert, beschuldigt, verdächtigt – er wird zum „Körper des Verbrechens” gemacht. Nicht der Täter, sondern der Körper der Frau steht unter Verdacht.

Diese Arbeit macht sichtbar, wie bestimmte Körper allein durch ihre Existenz historisch als schuldig gelesen werden – durch koloniale und patriarchale Strukturen, die bis heute wirken.

Aus dieser Überzeugung heraus wurde mein eigener Körper zum Ausgangspunkt. Durch meine Silhouette habe ich zwei Objekte erschaffen: Das erste – “Ni Una Mas, Ni Una Menos”; spricht über Gewalt und die Narben, die bleiben. Das zweite – “Mucho Amor”; handelt von Widerstand – Schmerz in Kraft zu verwandeln, um nicht nur zu überleben, sondern neu zu existieren.

Repetition – Material in Motion

Repetition – Material in Motion untersucht das Spannungsfeld zwischen Körper, Material und Wiederholung. Latex wird zu einer performativen Oberfläche: Es dehnt sich, reagiert, leistet Widerstand. In der Reibung zwischen Bewegung und Rückstoß entsteht eine ganz eigene Choreografie. Der Körper aktiviert das Material – und das Material formt die Bewegung. Wiederholung erscheint hier nicht als die Wiederholung desselben, sondern als ein Prozess der Veränderung, Verschiebung und Intensivierung.

Im Kern steht eine Materialforschung zu Elastizität, Widerstand und Materialverhalten. Durch Experimente mit industriellem und selbstgegossenem Latex, Gießverfahren, Oberflächenentwicklung, Verstärkungstechniken und Bewegungsstudien wurde untersucht, wie Materialeigenschaften physische Spannung, Einschränkung und Interaktion erzeugen.

Die mit der Bestnote (1,0) bewertete Abschlussarbeit wurde für den PBSA Award nominiert und im Rahmen von New Design from Düsseldorf (2026) im NRW Forum Düsseldorf ausgestellt, begleitet von zwei Live-Performances und einer Publikation von Slanted.

Wenn Blicke sich kreuzen

Was, wenn wir Tiere nicht nur als Objekte betrachten, sondern als Wesen, die uns anblicken und deren Blick sich mit unserem kreuzt? Wenn sich die Grenzen zwischen Mensch und Tier auflösen würden? Was, wenn unser Zusammenleben auf dieser Welt ein Zusammenwachsen wäre, ein „miteinanderwerden“? Was, wenn unsere Beziehung auf gegenseitigen Respekt und Achtsamkeit beruht? Ich bin Hufschmiedin und sammle die Materialien Hufhorn und Fell bei meiner Arbeit.

Transformiert in körperbezogene Objekte stehen sie für ein „Miteinander“ und werden eine Verbindung von Mensch und Tier. Sie Fragen wer zugegen ist und wer aus dieser Beziehung entsteht. Ich kenne jedes Pferd von dem das Material stammt mit Namen. Sie sind meine Gefährt:innen, in miteinander verbundener Andersartigkeit.

Netalique

Netalique. Experimentelle Verschmelzungen sind Gefäße und daraus entwickelte Schmuckstücke aus Edelstahlgeweben, transparentem Email und Silber treten in einen Dialog mit Licht und Farbe: Die Arbeit untersucht Email als Zeitgenössisches Material zwischen Schmuck und Objekt.

Klassische Techniken werden durch industrielle Träger und nachhaltigen bleifreien Farben erweitert neu kontextualisiert. Transparentes Email verbindet sich mit Edelestahlgitter zu lichtdurchlässigen Farbräumen, deren Farbe Transparenz und Wahrnehmung sich mit Lichteinfall verändert.

Das Gefäß bildet den statischen Ursprung der Schmuck setzt diese Idee fort- bewegliche Objekte, die mit dem Menschen interagieren und Material als Wahrnehmung erfahrbar machen.

To Carry with You

Wie kann ich das stärkende Gefühl eines Ortes in einen tragbaren Gegenstand übertragen?

Wann immer ich an einen neuen Ort komme, suche ich mir als erstes einen Platz in der Natur. Solch einen Ort zu haben, an den ich gehen kann wann immer ich will, erzeugt ein Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit. Somit werden diese Orte zu stetigen Begleitern, welche mit den jeweiligen Erfahrungen und Emotionen des Momentes aufgeladen sind. Während meiner Bachelorarbeit habe ich mich sowohl mit eigenen, als auch mit Orten anderer Menschen beschäftigt. In der Serie „To Carry with You“ lasse ich mich durch Strukturen der jeweiligen Orte inspirieren, um diese im anschließenden Arbeitsprozess zu abstrahieren.

Der gesamte Arbeitsprozess ist dabei sowohl von Intuition, als auch dem Reagieren auf die inspirierenden Strukturen der jeweiligen Orte geleitet. Die entstandenen Broschen laden dazu ein, sich von ihnen auch an die eigenen stärkenden Orte zu erinnern, und diese bei sich zu tragen.

Woven Self

In meiner Arbeit wird persönlicher Bruch zu einer Quelle von Stärke, Schönheit und Transformation. Inspiriert von Carl Jungs Konzept des Schattens und dem Weg der Individuation wende ich mich den verborgenen, verletzten und oft abgelehnten Teilen des Selbst zu. Meine Arbeiten werden zu einem Medium für diese innere Reise. Zerbrochene Steine und verflochtene Haarsträhnen dienen als Metaphern für Resilienz, Erinnerung und Heilung. Haare sind, obwohl zart, unglaublich stark – ein Symbol für den Widerspruch zwischen Verletzlichkeit und Stärke. In gebrochene Materialien eingeflochten, werden sie zu einem Kontinuitätsfaden, ähnlich der DNA, der Geschichten, Traumata und Identitäten miteinander verbindet. Jeder Knoten und jede Verbindung erzählt eine Geschichte, nicht nur von Heilung, sondern von Werden. Mein Schmuck spricht von Momenten der Zerbrechlichkeit und der stillen Wandlung und lädt die Träger:innen ein, Brüche nicht als Ende, sondern als Anfang zu begreifen. Wenn wir uns wieder zusammensetzen, kehren wir nicht zu dem zurück, was wir waren. Wir tragen die Schönheit des Bruchs in uns und werden zu etwas völlig Neuem.

Volatil

„Volatil“ ist eine Schmuckkollektion verschiedener Elemente, gefertigt aus 925/°°° Silber. In den Objekten visualisiere ich den Impuls als Ursprung von Bewegung. Um den Impuls abzubilden, nutze ich die Schwingungslinien eines Doppelpendels. Auf Grundlage des mathematischen Phänomens der Chaostheorie ist in dem Versuch jede Kurve individuell und nicht reproduzierbar, lediglich ausgelöst durch eine geringfügige Veränderung des Initialimpulses. Daher ist es mir möglich, mit den Bewegungskurven den Impuls als ausschlaggebenden Kern einzufangen. Aus diesen Kurvenbewegungen sind die Objekte gefaltet. Jedes Schmuckstück ist dabei aus einem Stück gebogen, einschließlich der Ringschiene und Mechanik. In ihrer Formsprache verbinden sie durch die gespannten Oberflächen, durchbrochen mit den klaren Kanten, eine zarte Leichtigkeit und Dynamik.
Die Arbeit wurde in Kooperation mit der Niessing Manufaktur GmbH & Co KG gefertigt.

Die Zypresse

Das Masterprojekt befasst sich mit der Zypresse – einem tief in der iranischen Kultur verankerten Symbol für Freiheit, Leben und Unsterblichkeit. Inspiriert von ihren vielfältigen Darstellungen in persischen Teppichen, verbindet das Projekt östliche Ornamentik mit westlichem Minimalismus.
Diese Verbindung zweier gestalterischer Welten schafft eine kulturelle Synthese, die durch Schmuck neue Perspektiven auf Herkunft, Identität und Wandel eröffnet. Doppelseitige Anhänger, Clips und Medaillons erzählen vom Dialog zwischen den Kulturen. Die Trägerin entscheidet selbst, welche Seite sie zeigt – was sichtbar wird oder verborgen bleibt.
In der Serie „Was geblieben ist“ erscheint die Zypresse nur noch in Fragmenten: als stille, aber präsente Erinnerung an die eigenen Wurzeln. Das Medaillon wird zum persönlichen Ort des Bewahrens. Das Projekt versteht sich als Anerkennung der Herkunft und als Ausdruck der Zugehörigkeit in einem neuen kulturellen Kontext.

Normativität und Aberration archetypischer Schmucktypologien

Diese Arbeit widmet sich der Frage, wie das Abweichende – das Fehlerhafte, das Ungewohnte – als gestalterisches Prinzip genutzt werden kann. Phänomene aus verschiedenen (natur-)wissenschaftlichen Disziplinen werden analysiert und deren Essenz auf Schmuck übertragen. Ausgangspunkt der Gestaltung sind vertraute oder ikonische Schmuckklassiker, die durch gezielte Eingriffe verfremdet und neu interpretiert werden. Dabei reicht das Spektrum der gestalterischen Veränderungen von subtilen, kaum wahrnehmbaren Modifikationen bis hin zur vollständigen Loslösung vom ursprünglichen Vorbild.

Als Grundlage dienen unter anderem biologische Mutationen, soziale Divergenz, physikalische Anomalien sowie digitale Störungen (Glitches). Durch diese Irritationen wird der Blick auf vertraute Formen gebrochen, um Normen sichtbar zu machen, zu hinterfragen und neue Perspektiven im Umgang mit Design zu eröffnen.