Der Kork aus der Kiste

Als Werkstudentin im Bereich Nachhaltigkeit war ich bei der Schreinerei PINTER für die Entsorgung von Kork-Verschnittstücken zuständig. Das Restmaterial aus der seriellen Fertigung wurde bisher extern recycelt. Die Arbeit untersucht, wie diese Stücke nicht granuliert, sondern in ihrer Form als Plattenmaterial wiederverwendet werden können – und dabei recycelbar bleiben.

Entstanden sind eine Serie von vier Hockern sowie eine modulare Trennwand. Die vorhandenen Konturen, Kanten und Formate der Reststücke werden bewusst in die Gestaltung integriert. Durch Aufdoppeln, Verkleben, Fräsen und Schleifen werden die Verschnittstücke in tragfähige Materialstärken gebracht.

Ziel ist es, den Wert eines natürlichen Rohstoffs länger nutzbar zu machen, indem die Qualitäten der Reststücke erkannt und gestalterisch weiterentwickelt werden. Die Einrichtungselemente zeigen, wie industrieller Verschnitt eine neue Nutzung, eigene Formensprache und haptisch erfahrbare Qualität erhalten kann.

Man Made Landscape

Man Made Landscape untersucht die Formensprache und Gestaltungslogik künstlicher Miniaturwelten und überträgt vertraute infrastrukturelle Elemente zurück in den menschlichen Maßstab. Straßenlaternen, Mauern, Strommasten und Industrieschornsteine prägen unsere gebaute Umwelt normalerweise im Hintergrund; hier werden sie zu nutzbaren Objekten, die berührt, bewegt und aktiv verwendet werden können.

Das Projekt untersucht, wie Maßstabsverschiebungen unsere Wahrnehmung alltäglicher Strukturen verändern. Ausgehend von Beobachtungen von Modelllandschaften und urbaner Infrastruktur wurden die Objekte abstrahiert, skaliert und durch industrielle Fertigungs- und Veredelungsverfahren wie Vakuumformen, CNC-Fräsen, CNC-Biegen und Pulverbeschichten für die menschliche Nutzung neu gestaltet.

Die daraus entstandenen Objekte bewegen sich zwischen Modell und Realität: spielerisch in ihren Proportionen, zugleich jedoch mit der Ernsthaftigkeit funktionaler Industrieobjekte gestaltet und produziert. Sie laden zur Interaktion ein und eröffnen eine neue Perspektive auf Infrastruktur, die normalerweise feststehend, distanziert und unbeweglich erscheint.

Vergänglichkeit im temporären Raum

Vergänglichkeit im temporären Raum wird durch ein begehbares Objekt aus zwei gespiegelten Elementen gezeugt. Durch unterschiedliche Anordnungen entstehen Räume zum Verweilen und Wahrnehmen. Das Objekt besteht aus einem biologisch abbaubaren, kreislauffähigen Material auf Basis regionaler Stärke. Bei Kontakt mit Wasser beginnt dessen Zerfall.

Nach zwei bis vier Tagen verbleiben kleine Materialelemente, die von Mikroorganismen zersetzt werden. Im Inneren befindet sich Saatgut der Pflanze, aus welcher das Material gewonnen wurde. Nach der Zersetzung liegt das Saatgut frei und kann anfangen zu keimen und der Rohstoffkreislauf erneut beginnen.

Eine Auseinandersetzung der Frage, wie Haltung gegenüber einer von Neuwertigkeit geprägten Gesellschaft genommen werden kann. Der Wunsch nach Zugehörigkeit, welcher oftmals mit Trends der Produktwelt erfüllt wird, lässt sich nicht sofort verändern. Es können jedoch verantwortungsvolle Alternativen geschaffen werden, die dieselben Bedürfnisse erfüllen.

Hedda

„Hedda – ein Sitzmöbel, in welchem ich meine Bedürfnisse für ein inspirierendes Gespräch ergründe“ befasst sich damit, wie Klassismus unseren Werdegang und unsere beruflichen Entscheidungen mitbestimmt. Ich suche nach geteilten Erfahrungen und Orten des Empowerment. Oft können uns Vorbilder, Netzwerke oder Mentor*innen weiterhelfen, neue Wege für uns in Betracht zu ziehen. Dabei sind besonders die Begegnungen über Klassen hinaus für alle Seiten bereichernd.

So entstand Hedda, ein modulares, schaukelndes Sitzmöbel für den Außen- oder Innenbereich. Ein besonderer Fokus liegt auf der sensiblen Farbgestaltung und der Knüpftechnik der textilen Sitzfläche aus Paracord.

Den Bedürfnissen der Nutzer*innen entsprechend, kann ein individuelles Gesprächserlebnis geschaffen werden, in welchem man gemeinsam, in dieselbe oder entgegengesetzte Richtung schauend, schaukeln kann. Das Stahlgerüst kann mithilfe eines einfachen Knotens in verschiedenen Ausrichtungen verbunden werden.

SALUTO – Die Notaufnahme neu gedacht

SALUTO ist eine Antwort auf prekäre Verhältnisse in Notaufnahmen. Basierend auf vielen Interviews mit Expert:innen ist SALUTO zweigeteilt in eine App und eine Möbelserie.

Die App ersetzt die bisherige digitale Infrastruktur und bezieht Patient:innen aktiv mit ein: Sie ermöglicht Selbst-Triage mit reduzierten Hürden – wie Sprachbarrieren, kommuniziert die Wartezeiten transparent und in Echtzeit, inkludiert die ePA und vermittelt medical literacy. Sie ermächtigt Patient:innen, ihre Zeit selber einzuteilen, reduziert Bias, um marginalisierten Gruppen eine gleiche Behandlung zu ermöglichen und spart den Behandelnden eine doppelte Buchführung und Arbeitszeit durch Automatisierung.

Die Möbelserie ist krankenhauskonform, modular und auf die variierenden Bedürfnisse der Wartenden ausgerichtet. Sie ermöglicht durch Zonierung mehr Privatsphäre, auch für wartende Angehörige, denkt verschiedenste körperliche Einschränkungen und Kontexte mit und kann an verschiedene Abteilungen angepasst werden.

SELF-EFFICACY WITHIN SAFETY Enabling Autonomy in Psychiatric Environments

Beobachtungszimmer in der Akutpsychiatrie sind stark auf Sicherheit ausgelegt und lassen wenig Raum für Selbstbestimmung. Gleichzeitig ist Autonomie zentral für die Stabilisierung. Dieses Projekt untersucht, wie Sicherheit und Selbstwirksamkeit verbunden werden können.

In einem co-partizipativen Prozess mit Patient:innen und Fachpersonal entstanden neue Handlungsspielräume innerhalb strenger Anforderungen.

Ergebnis sind drei Objekte: Das Licht, Der Haken und Die Sitzmöglichkeit, jeweils mit eigenen Einflussmöglichkeiten.

Kegel – Wo Luft zirkuliert

Ziel dieser Arbeit war es, das alte Handwerk Flechten neu zu interpretieren und wieder in den Innenraum zu bringen. Grundlage des Handwerks war es, Behälter zu schaffen, die für den Transport von Gegenständen genutzt werden konnten. Im Rahmen dieser Arbeit gelang die Re-Interpretation durch die Nutzung einer bekannten Form, dem Kegel.

Diese aus geflochtenem Material hergestellten Kegel wurden zu Behältern. Durch die Kombination mit anderen Materialien ergeben sich unterschiedliche Installationen. Die Kegel können zu kleinen Helfern für unterschiedliche Situationen im Innenraum werden. Die gesamte Installation bietet vielfältige Aufbewahrungsmöglichkeiten, teilt den Raum auf, schafft Privatsphäre und erfüllt eine akustische Funktion.

Das Gesamtdesign und die Flechtstruktur der Peddigrohr-Kegel soll ein Gefühl der Geborgenheit hervorrufen. Durch die Flechtung entsteht Struktur und durch die flexiblen Installationsmöglichkeiten kann wiederum der Raum strukturiert werden.

Timeline

Wieso führen die vielen Möglichkeiten unserer Zeit zu so viel Kurzlebigkeit? „Timeline“ untersucht den Zeitgeist im Spannungsfeld von Konsumkultur und Design und formuliert eine bewusste Gegenposition.

Ausgehend von einer von Beschleunigung, Überforderung und ständigem Konsum geprägten Gegenwart versteht das Projekt Gestaltung als Werkzeug, um Qualität, Langlebigkeit und bewusstere Entscheidungen zu fördern. Gleichzeitig begreift es Design als kulturelle Praxis, die Zukunftsvorstellungen sichtbar machen, diskutieren und aktiv mitgestalten kann.

Diese Haltung manifestiert sich in einem Sessel, der nicht nur als handwerklich gefertigtes Objekt, sondern als symbolischer Träger einer Vision verstanden wird. Um ein Umdenken in der Beziehung zwischen Mensch, Objekt und Natur anzuregen und Gestaltung als Mittel zu begreifen, Gegenwart und Zukunft aktiv und positiv mitzugestalten und Visionen zu Visualisieren die ein Beständigeres Zukunftsbild tragen.

The Joy of Making

In einer Zeit, in der Entwurfsprozesse zunehmend optimiert und rationalisiert werden, untersucht The Joy of Making den Wert des offenen Machens. Aus einem freien Prozess entstanden drei faltbare Möbelstücke, deren Konstruktionen nicht vorab feststanden, sondern sich während des Entwerfens entwickelten. Begeisterung für Materialien, Bewegungen und konstruktive Details wurde dabei zum Kompass des Prozesses.

Anstatt Komplexität zu reduzieren, macht das Projekt sie sichtbar. Faltungen, Spannungen und Mechanismen bleiben nachvollziehbar und laden zur Interaktion ein. Die Möbel offenbaren ihre Funktionsweise durch Benutzung und zeigen, wie aus Experiment, Materialdialog und handwerklicher Neugier verständliche Lösungen entstehen können. The Joy of Making versteht Gestaltung als einen Prozess, in dem Sinn nicht ausschließlich geplant wird, sondern sich im Machen selbst entfaltet.

Schtûbat – The New Face of Stammtisch

SCHTÛBAT setzt sich mit der Tradition des Stammtischs auseinander: einer Kultur, die eng mit dem Gasthaus verbunden ist. Über Generationen waren Gasthäuser Orte für Gemeinschaft, Austausch und Politik, die zunehmend verschwinden, und mit ihnen der Stammtisch als sozialer Treffpunkt. Die Arbeit nähert sich der Welt des Wirtshauses dabei historisch und interdisziplinär, wobei es dessen kulturelle und soziale Bedeutung untersucht.

SCHTÛBAT umfasst Objekte des Wirtshauses: eine Hängeleuchte, Bierdeckel, Bank, Tisch, Hocker und eine Uhr, die die Zeit vergessen lässt. Bank, Tisch und Hocker sind flexibel kombinierbar und greifen die Idee des gemeinsamen Zusammensitzens auf. Damit vermittelt Rechfelden seine Vorstellung der „Dazuhock-Botschaft“: die Objekte schaffen Platz für alle und ermöglichen es jederzeit Teil zu haben.

Die Umsetzung verbindet traditionelle, handwerkliche und moderne Herstellungsmethoden. SCHTÛBAT bietet ein analoges Gegenmodell zur digitalen Filterblase.