Der Kork aus der Kiste

Als Werkstudentin im Bereich Nachhaltigkeit war ich bei der Schreinerei PINTER für die Entsorgung von Kork-Verschnittstücken zuständig. Das Restmaterial aus der seriellen Fertigung wurde bisher extern recycelt. Die Arbeit untersucht, wie diese Stücke nicht granuliert, sondern in ihrer Form als Plattenmaterial wiederverwendet werden können – und dabei recycelbar bleiben.

Entstanden sind eine Serie von vier Hockern sowie eine modulare Trennwand. Die vorhandenen Konturen, Kanten und Formate der Reststücke werden bewusst in die Gestaltung integriert. Durch Aufdoppeln, Verkleben, Fräsen und Schleifen werden die Verschnittstücke in tragfähige Materialstärken gebracht.

Ziel ist es, den Wert eines natürlichen Rohstoffs länger nutzbar zu machen, indem die Qualitäten der Reststücke erkannt und gestalterisch weiterentwickelt werden. Die Einrichtungselemente zeigen, wie industrieller Verschnitt eine neue Nutzung, eigene Formensprache und haptisch erfahrbare Qualität erhalten kann.

Masyl Mit-wachsende Möbel

Masyl ist ein „mitwachsendes Möbel“, das aus Holz und Myzel besteht. Es wurde auch als Hocker für Kinder konzipiert und wächst im Laufe der Zeit durch Myzel in der Zapfenverbindung zu einem Tisch heran.

Dabei wird das Möbel entsprechend dem Wachstum des Kindes verstärkt und vereinheitlicht. Die Struktur, bei der Holz als äußeres Gerüst Form und Anfangsstabilität trägt und das Myzel das Innere sukzessive ausfüllt, erhöht die Widerstandsfähigkeit gegen Druck und Biegung. Diese hybride Konstruktion schafft eine technische Symbiose, in der sich beide Materialien funktional und ästhetisch ergänzen.

Durch die Nachbildung der symbiotischen Beziehung zwischen Holz und Pilzen zeigt Masyl neue Formen des Zusammenspiels von Mensch und Natur, Material und Struktur.

KNUT -Tradition als Ressource: Wege zur Wiederbelebung vergessener Handwerkstechniken

Tradition als Ressource: Wege zur Wiederbelebung vergessener Handwerkstechniken Wie können traditionelle Handwerkstechniken Antworten auf aktuelle Herausforderungen nachhaltiger Mobilität liefern? Das Projekt überträgt die Skin-on-Frame-Bauweise des Inuit-Umiaks in ein zeitgenössisches Lastenradkonzept. Entstanden ist eine leichte Transportstruktur aus Holz und Metall, umspannt von einer textilen Haut. Inspiriert von historischen Konstruktionsprinzipien verbindet der Entwurf Materialeffizienz, Reparierbarkeit und eine klare Formensprache. Statt auf komplexe Systeme und immer neue Materialien zu setzen, nutzt das Konzept vorhandenes Wissen und übersetzt es in einen modernen Nutzungskontext. Das Projekt versteht Tradition nicht als Rückblick, sondern als Quelle für Innovation. Es zeigt, wie vergessene Handwerkstechniken neue Perspektiven für nachhaltiges Produktdesign eröffnen und einen Dialog zwischen kulturellem Erbe und zukünftiger Mobilität schaffen.

Timeline

Wieso führen die vielen Möglichkeiten unserer Zeit zu so viel Kurzlebigkeit? „Timeline“ untersucht den Zeitgeist im Spannungsfeld von Konsumkultur und Design und formuliert eine bewusste Gegenposition.

Ausgehend von einer von Beschleunigung, Überforderung und ständigem Konsum geprägten Gegenwart versteht das Projekt Gestaltung als Werkzeug, um Qualität, Langlebigkeit und bewusstere Entscheidungen zu fördern. Gleichzeitig begreift es Design als kulturelle Praxis, die Zukunftsvorstellungen sichtbar machen, diskutieren und aktiv mitgestalten kann.

Diese Haltung manifestiert sich in einem Sessel, der nicht nur als handwerklich gefertigtes Objekt, sondern als symbolischer Träger einer Vision verstanden wird. Um ein Umdenken in der Beziehung zwischen Mensch, Objekt und Natur anzuregen und Gestaltung als Mittel zu begreifen, Gegenwart und Zukunft aktiv und positiv mitzugestalten und Visionen zu Visualisieren die ein Beständigeres Zukunftsbild tragen.

Tilt

“Tilt” ist das Ergebnis einer zeitgemäßen, gestalterischen Auseinandersetzung mit Themen der Körpergesundheit, Lifestyle und Nachhaltigkeit. Während körperliche Langzeitschäden durch kontinuierliches Sitzen zunehmend in das Bewusstsein vieler Menschen rücken, bietet das modulare System “Tilt” einen Gegenentwurf zur bisherigen Beantwortung der sich daraus ergebenden Designfragen. Durch den bewusst gesetzten Fokus auf Materialität, Form und Funktion des Objektes und seiner Einzelteile passt sich “Tilt” modernen Lebensrealitäten an.

“Tilt” entstand als konsequentes Ergebnis eines iterativen Entwurfsprozesses, welcher sich durch eine Vielzahl von Materialexperimenten, sowie Funktions- und Proportionsmodellen auszeichnet.

Ich Holz, also bin ich. Materialästhetische Potenziale entlang der Holzkaskade

Die nachhaltige Nutzung von Holz gewinnt im Kontext der Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Die Kaskadennutzung verfolgt das Ziel, Holz über mehrere Nutzungsphasen hinweg möglichst lange stofflich zu verwenden, bevor es energetisch verwertet wird. Dabei entstehen entlang der Wertschöpfungskette zahlreiche Rest- und Nebenprodukte, deren Potenziale häufig ungenutzt bleiben.

Diese Arbeit untersucht die Holzkaskade aus gestalterischer Perspektive und fragt, welche Qualitäten in den Materialien der einzelnen Zwischenstufen verborgen liegen. Dazu wurden verschiedene Materialströme sowie deren Bearbeitungs- und Fertigungsverfahren analysiert.

Im Fokus steht die Verbindung von Material und Verfahren: Ausgehend von charakteristischen Reststoffen werden geeignete Verarbeitungsstrategien entwickelt, um neue Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die Ergebnisse werden in Form von fünf Hockern präsentiert. Jeder Hocker repräsentiert eine Zwischenstufe und macht die Transformation sichtbar.

soft seating

Es geht um Sitzmöbel, die ohne den Einsatz von Schaumstoffen auskommen. Es gilt alternative Materialien und Techniken zu erkunden, die sowohl ästhetischen Mehrwert haben als auch funktional und innovativ sind.

Es geht um den Verzicht auf herkömmliche, synthetische Polstermaterialien, um die Vermeidung von Materialmix, die Reduzierung von Umweltbelastung und Recycling.

Von fließenden Strukturen und reversiblen Verbindungen

Wie kann es sein, dass die Astgabel mit ihrer formoptimierten Geometrie die Konstruktion von Bauteilen inspiriert, selbst jedoch direkt nach dem Beschnitt gehäckselt wird?

Rohstoff dieser Arbeit sind Eichenäste von Berliner Straßenbäume, die bei der jährlichen Baumpflege anfallen. Verknüpft mit der Theorie der granularen Materie erlauben die Astgabeln eine Verarbeitungsmethode, die das materialeigene Potenzial der Äste aktiv nutzt: Durch ihre Y-Geometrie verschränken sich Astgabeln bei Verdichtung zu einer formbaren Masse. Die Verbindung bleibt dabei reversibel.

Eine interaktive Sitzinstallation macht die Tragfähigkeit der Astgabeln erfahrbar und vermittelt eine radikale Form von Kreislauffähigkeit: Die Äste, die sich an einer Stelle durch Nutzung nach und nach abtragen, können in der Verschalung erneut verdichtet und genutzt werden, um an anderer Stelle Neues entstehen zu lassen.

Proving Presence

Identität begleitet uns ein Leben lang und verändert sich mit jeder Erfahrung. Doch wie lässt sich etwas so fluides wirklich erfassen? Können Menschen durch feste Kategorien, wie Name und Geschlecht, definiert werden? Wie könnten Identitätssysteme in Zukunft Vielfalt und Wandel abbilden?

Gemeinsam mit der Bundesagentur für Sprunginnovationen haben wir uns diesen Fragen gestellt. SPRIND entwickelt derzeit Deutschlands EUDI Wallet – den digitalen Personalausweis, der den nächsten Schritt in der Entwicklung moderner Identifizierung darstellt.

Proving Presence erforscht die Zukunft unserer Identität und deren Feststellung anhand von zwei spekulativen Szenarien. Eine multimediale, interaktive Ausstellung regt zur Auseinandersetzung mit Fragen zu Datenschutz, Recht, Gemeinschaft, KI und Vertrauen an.

Haptische Diskursobjekte laden zur Reflexion ein und über Fragebögen haben BesucherInnen die Möglichkeit, ihre Perspektiven in die Entwicklung der EUDI Wallet einzubringen.

Forest Tales

Forest Tales untersucht dokumentarisch und objekthaft unterschiedliche Perspektiven auf den Wald. Im Fokus stehen alternative Formen der Waldnutzung, die über die herkömmliche, holzfokussierte Bewirtschaftung hinausgehen und das Potenzial einer diversifizierten Nutzung aufzeigen. Anhand von Nichtholzprodukten wie Wildbret und Zeidlerei erforscht das Projekt die sozialen, kulturellen und ökologischen Beziehungen, die den Wald prägen. Die daraus hervorgehenden Lebensmittel werden als Ausdruck kultureller Praxis und als Träger ökologischen Wissens verstanden.

Recherchereisen und Interviews mit Expert*innen bilden die Grundlage für die Entwicklung eines Räucherofens und einer Klotzbeute. Die Objekte übersetzen die gewonnenen Erkenntnisse in erfahrbare Situationen und machen Praktiken sichtbar, die häufig verborgen bleiben. Sichtbarmachung wird dabei zum gestalterischen Prinzip.