Eine Form, die sich bewegt, Ein individuell gestaltbares Kleidungssystem

Kleidung entsteht heute häufig aus einem System, das auf Überproduktion, Geschwindigkeit und Austauschbarkeit ausgerichtet ist. Das Projekt hinterfragt die Gestaltung und Nutzung von Kleidung grundlegend, jenseits von Konfektionsgrößen, Normformen und kurzlebigen Trends. Das Konzept bleibt bewusst offen und setzt auf Selbstbestimmung.

Das Textilset umfasst einen Stoff in drei Größen sowie ein Verbindungselement. Legen, Drapieren und Falten ermöglichen eine direkte Individualisierung der Kleidung am Körper.

Die Reduktion auf Material und Verbindung schärft das Bewusstsein für das Wesentliche, das Mögliche und das Potenzial, das entsteht, wenn Gestaltung Freiräume schafft. Dies fördert ressourcenschonende Ansätze und regt dazu an, Mode als Chance zur persönlichen Entfaltung und nachhaltigen Gestaltung zu verstehen.

Lose Enden – Vom An- und Verknüpfen

Wen ziehen wir an, wenn wir uns anziehen? Wie entscheiden wir, was wir tragen – und was kommunizieren wir damit?

Ausgehend von diesen Fragen widmet sich die Abschlussarbeit dem Sehen und Gesehen-Werden, dem Entschlüsseln kultureller Codes und dem Spannungsfeld zwischen Sagbarem und Unsagbarem. In einer multimedialen Installation resultiert eine materielle Recherche zwischen Text, Textur und Textil.

Lose Enden sammelt Fragmente und „Unfertiges” in verschiedenen Formaten: Bewegtbild, eine Publikation, eine textile Kollektion. Im Experimentieren mit alternativen Druckverfahren fließen typographische und textile Verfahren ineinander: maschinengestrickte Grafiken (knitprinting) und druckende Schuhsohlen (footprinting) entstehen durch die Methodik des Hackens (open–dissect–reassemble). Bestehende Strukturen werden untersucht, dekonstruiert und neu zusammengesetzt.

In Anlehnung an Roland Barthes’ Die Lust am Text versteht sich Lose Enden als offene Sammlung, die auf die Resonanz der Betrachtenden aufbaut.

Soft Shade

Der urbane Raum ist heute meist als reine Transitzone konzipiert – dominiert von Materialien wie Beton, Metall und Glas, die Aufenthaltsqualität vermissen lassen. Verstärkt wird dieses Defizit durch den Klimawandel, der Städte im Sommer so stark aufheizt, dass ein längeres Verweilen kaum noch möglich ist.

Soft Shade ist ein textiles Verschattungssystem, das vor Hitze schützt und zugleich aktiv kühlt. Inspiriert vom Aufbau eines Laubblattes nimmt es Wasser auf und gibt es als Verdunstungskühlung wieder ab.

So bringt Soft Shade nicht nur Schatten und Kühlung, sondern auch eine neue, taktile Materialität in den urbanen Raum.

Hedda

„Hedda – ein Sitzmöbel, in welchem ich meine Bedürfnisse für ein inspirierendes Gespräch ergründe“ befasst sich damit, wie Klassismus unseren Werdegang und unsere beruflichen Entscheidungen mitbestimmt. Ich suche nach geteilten Erfahrungen und Orten des Empowerment. Oft können uns Vorbilder, Netzwerke oder Mentor*innen weiterhelfen, neue Wege für uns in Betracht zu ziehen. Dabei sind besonders die Begegnungen über Klassen hinaus für alle Seiten bereichernd.

So entstand Hedda, ein modulares, schaukelndes Sitzmöbel für den Außen- oder Innenbereich. Ein besonderer Fokus liegt auf der sensiblen Farbgestaltung und der Knüpftechnik der textilen Sitzfläche aus Paracord.

Den Bedürfnissen der Nutzer*innen entsprechend, kann ein individuelles Gesprächserlebnis geschaffen werden, in welchem man gemeinsam, in dieselbe oder entgegengesetzte Richtung schauend, schaukeln kann. Das Stahlgerüst kann mithilfe eines einfachen Knotens in verschiedenen Ausrichtungen verbunden werden.

The Joy of Making

In einer Zeit, in der Entwurfsprozesse zunehmend optimiert und rationalisiert werden, untersucht The Joy of Making den Wert des offenen Machens. Aus einem freien Prozess entstanden drei faltbare Möbelstücke, deren Konstruktionen nicht vorab feststanden, sondern sich während des Entwerfens entwickelten. Begeisterung für Materialien, Bewegungen und konstruktive Details wurde dabei zum Kompass des Prozesses.

Anstatt Komplexität zu reduzieren, macht das Projekt sie sichtbar. Faltungen, Spannungen und Mechanismen bleiben nachvollziehbar und laden zur Interaktion ein. Die Möbel offenbaren ihre Funktionsweise durch Benutzung und zeigen, wie aus Experiment, Materialdialog und handwerklicher Neugier verständliche Lösungen entstehen können. The Joy of Making versteht Gestaltung als einen Prozess, in dem Sinn nicht ausschließlich geplant wird, sondern sich im Machen selbst entfaltet.

Umbra

„Form folgt Funktion – und Funktion dem Bedarf.“ Doch dieser wird oft als etwas Äußeres verstanden.

Nachhaltiges Design fragt: Können nicht auch innere Bedürfnisse Ausgangspunkt sein? Umbra ist eine textile Antwort auf emotionale Bedürfnisse und eine bewusste Auseinandersetzung mit Material und Herkunft. Die 5 cm dicke Schurwolldecke (210 × 180 cm) enthält eine flexible Drahtstruktur und lässt sich zum Sessel oder zur Sitzfläche formen, für Momente des Alleinseins oder des Zusammenseins mit anderen. Sie bietet individuelle Geborgenheit und gewohnte Formen, während sie zugleich soziale Begegnung ermöglicht.

Im experimentellen Designprozess wird erforscht, wie Rohwolle als nachhaltiges Material neu gedacht werden kann. Tradition und zeitgenössisches Design verbinden sich zu funktional-emotionalen Objekten. Die Nutzung von Rohwolle verhindert Verschwendung und bewahrt Handwerkskunst und Wollverarbeitung vor dem Vergessen.

Perspectives of the past, visions beyond the present. A journey within footwear.

Ein zerlegbarer Schuh aus einem einzigen gefalteten rechteckigen Stoffstück, in Kombination mit einer modularen, ineinandergreifenden 3D-gedruckten Sohle und Verbindungselementen, schlägt eine Brücke zwischen dem Erbe historischer Schuhmode und den kostengünstigen Technologien unserer Zeit.

Die Fertigungstechniken und die Konstruktionslogik der Espadrille dienen als Referenz und Ausgangspunkt für effizientere und vielseitigere zeitgenössische Schuhkonzepte. Durch den Einsatz zugänglicher Technologien wie 3D-Druck und die materialeffiziente Nutzung von Stoff werden Einfachheit, Materialreduktion und Modularität neu interpretiert. So entsteht ein konfigurierbares Konstruktionssystem aus abnehmbaren und austauschbaren Komponenten, das Materialverschwendung minimiert, Reparaturfähigkeit gefördert und die Lebensdauer des Produkts verlängert.

Das Projekt möchte zeigen, wie Design historische Perspektiven nutzen kann, um eine nachhaltigere und zukunftsorientiertere Gestaltung zu ermöglichen.

EPHEMERA:rbol

Angesichts der zunehmenden Hitze in Städten ist der Erhalt von Jungbäumen essenziell, doch bis zu 40 % der Neupflanzungen überleben die ersten fünf Jahre nicht. Konventionelle Methoden behandeln lediglich Symptome, hinterlassen schädliche Rückstände und konditionieren den Baum falsch, indem sie die Entwicklung eigener Stabilität unterbinden.

Diese Arbeit präsentiert ein textiles Pflanzsystem. Ein Textilkörper aus Hanf und Schafwolle umschließt den Wurzelballen. Diese Geometrie führt Gießwasser gezielt in die Tiefe. Dies animiert den Baum, den Wasserreserven nach unten zu folgen. Ein adaptiver Gießring legt sich anschließend flach als schützende Schicht über den Wurzelballen. So wird Verdunstung effektiv gestoppt.

Das Materialkonzept nutzt Schafwolle als Speicher: Die Fasern binden Feuchtigkeit und geben bei ihrer Zersetzung Stickstoff frei. Das Objekt ist auf die Anwachsphase ausgerichtet. Es stabilisiert und ernährt den Baum, um sich abschließend rückstandsfrei aufzulösen. Es fo

Vom Lumpen zum Möbel

Ausgangspunkt ist die wachsende Herausforderung textiler Abfälle und die Frage, wie vorhandene Ressourcen sinnvoll weitergenutzt werden können.

Durch meine Tätigkeit als Leitung der Textilwerkstatt, angegliedert an Secondhandläden, erlebe ich täglich große Mengen an Altkleidern, die keiner lokalen Wiederverwertung zugeführt werden können.. Statt Textilien erneut in Fasern zu zerlegen, nutze ich ihre bestehende Struktur und entwicklte daraus ein belastbares Polstermaterial.

Das entstandene Recyclingmaterial basiert auf grob zerkleinerten Altkleidern, die inspiriert von Nähwirkdecken, mit einer Mehrfachnadelmaschine zu einem dichten, stabilen Verbund vernäht werden. So entsteht ein robustes Material mit eigener ästhetischer Qualität für die Möbelpolsterung.

Das Projekt versteht sich als Beitrag zur Kreislaufwirtschaft: Es verbindet ökologische Verantwortung, industrielle Anschlussfähigkeit und gestalterische Qualität und macht textile Reststoffe sichtbar und nutzbar.

Entwurf eines Konzepts zur Weiterverwendung und Umnutzung textiler Schutzausrüstung unter Berücksichtung von Strategien der Kreislaufwirtschaft

Das Projekt untersucht, wie ausgediente textile Schutzausrüstung im Sinne der Kreislaufwirtschaft in neue Nutzungskontexte überführt werden kann. Ziel war es, Strategien zu entwickeln, die den Lebenszyklus technischer Textilien verlängern und den Ressourcenverbrauch reduzieren. Dazu wurden die Anwendungsbereiche Feuerwehr, Autobahnmeisterei und Motorrad hinsichtlich ihrer Materialien, ökologischen Auswirkungen und gestalterischen Potenziale analysiert.

Auf Basis dieser Erkenntnisse entstanden verschiedene Konzepte zur Weiterverwendung und Umnutzung gebrauchter Schutzkleidung. Das ausgewählte Konzept, ein Löschrucksack aus einer ausgemusterten Feuerwehrjacke, wurde exemplarisch ausgearbeitet und hinsichtlich seiner ökologischen Potenziale bewertet.

Das Projekt zeigt, wie durch die kreative Wiederverwendung bestehender Materialien Abfälle reduziert, Ressourcen geschont und neue Produktwerte geschaffen werden können.