LUMENS

LUMENS ist ein experimentelles Fotobuch, das sich an der Schnittstelle von Mode, Theorie und visueller Erzählung bewegt. Es erzählt die Geschichte einer fiktiven Spezies, die in einer post-anthropozänen Welt existiert. Die Arbeit fragt danach, was es bedeutet, heute ein Mensch zu sein, inmitten ökologischer Krisen, sozialer Umbrüche und technologischer Transformationen. Dabei nutzt LUMENS die Ästhetik und Haltung der Punk-Subkulturen und Donna Haraways biologische Wissenschaftstheorien Unruhig Bleiben und A Cyborg Manifesto als theoretisches Fundament.

Der Blau_Kasten

Wie lässt sich ein bedrohtes Kunsthandwerk bewahren? Anstatt auf museale Konservierung zu setzen, beschäftigt sich die Arbeit mit der Überführung des immateriellen Kulturerbes Blaudruck in die Moderne und rückt dabei aktives Praktizieren in den Vordergrund. Da die traditionell verwendeten Druckstöcke (Model) kaum noch hergestellt oder repariert werden können, setzt die Arbeit dort an und dekonstruiert ihre starre Form, um das traditionelle Verfahren für die Gegenwart zu erschließen.

Der Blau_Kasten ist ein modulares Werkzeugsystem aus Druckmodulen, die mit unterschiedlichen Steckelementen versehen werden können. Zu immer neuen Motiven kombiniert, können so individuelle Textildrucke entstehen. Eingesetzt in Workshops macht das System Kulturerbe erlebbar.

Die intuitive Verwendung erfordert keine Vorkenntnisse und gibt den Teilnehmenden die Möglichkeit, kreativ zu werden und eigene Motive zu gestalten. So wird durch die aktive Partizipation ein Bewusstsein für das Kulturerbe geweckt.

A delicate matter

Die Arbeit a delicate matter beschäftigt sich mit Unsichtbarmachungen in und um die Zeit nach der Geburt, also mit einer Phase, die gesellschaftlich wenig verhandelt wird und tabuisiert ist, obwohl sie hohe politische Relevanz trägt. Es versteht sich als Gegenposition zu romantisierenden Narrativen rund um Geburt und Elternschaft.

Im Format eines Wochenbettes (140 auf 200 cm) zeigen die typografischen, großformatigen Quilts anonymisierte, leicht paraphrasierte Zitate von betroffenen Personen sowie eine Visualisierung von passenden Studien und Umfragen. Vier Quasi-Etiketten Beschreiben eine auflösende Legende und kontextualisieren die Erfahrungen der Betroffenen strukturell.

Eine Übersetzung der Quilts und Etiketten in Zines dient weiter als eine als mobile, niedrigschwellige Wissens- und Vermittlungsform. Das Projekt bewegt sich an der Schnittstelle von Grafikdesign, Textil, und Recherche mit Schwerpunkt auf Geschlechterforschung.

(No) Hard Feelings

(No) Hard Feelings blickt aus einer kritischen Fan-Perspektive auf die Metal-Szene und fokussiert sich auf Aspekte, die oft nicht die ersten Assoziationen Außenstehender mit Metal sind und die auch Fans über die eigene Subkultur reflektieren lassen können: Ausdrucksformen und Ausleben von Queerness durch metaltypische Ästhetiken, der szeneinterne Umgang mit vermeintlich „apolitischen“ Haltungen, sowie die Rolle, die Metal als emotionales Outlet für Fans spielt.

Auf fünf Kutten, die als Publikations- und Präsentationsfläche von Bildern und Texten dienen, sammeln sich auf diese Themenbereiche bezogene Patches. Die wichtige Rolle von Handarbeit und DIY-Techniken wird in der Fertigung sichtbar.

On the Edge: Revealing the Unseen

Ein Buchstabe kippt – je nach Blickwinkel noch lesbares Zeichen, oder bereits reine Form. „On the Edge: Revealing the Unseen” nutzt die Outline als Werkzeug, um Schrift zu untersuchen: ihre Kontur wird extrudiert, einzelne Segmente zu modularen, 3D-gedruckten Objekten die gestapelt werden – zwischen Funktion und Abstraktion.

Ausgangspunkt ist die These, dass Konturen verborgene Muster offenbaren in Gesellschaft, Natur und Kultur. Eine Outline ist im Kern nichts weiter als der Umriss, der die Gestalt eines Artefakts definiert. Angewendet auf Schrift macht sie sichtbar, wann ein Buchstabe noch als Zeichen funktioniert und wann er in eine abstrakte Form kippt.

Die 3D-Objekte sind Teil einer raumgreifenden Installation/Ausstellung, die diese These über mehrere Dimensionsstufen durchspielt: von 2D-Siebdruckplakat über Textil bis zur räumlichen Anordnung selbst, eine begehbare Versuchsanordnung an der Grenze zwischen Form und Leere, Sichtbarem und Unsichtbarem.

Von Kontrolle zu Kooperation – Eine gestalterische Praxis mit Mikroorganismen

Die Textilindustrie zählt zu den umweltschädlichsten Industriezweigen. Konventionelle Färbeprozesse verursachen hohe Wasser-, Energie- und Chemikalienverbräuche. Das Projekt erforscht pigmentproduzierende Bakterien als nachhaltige Alternative zur Textilfärbung und untersucht zugleich neue Formen gestalterischer Zusammenarbeit mit lebenden Organismen. Im Zentrum steht das Bakterium Janthinobacterium lividum, dessen Pigmente direkt auf Textilien kultiviert werden.

Durch experimentelle Laborarbeit an der Schnittstelle von Design und Wissenschaft entstehen von biologischen Wachstumsprozessen geprägte Färbungen. Die Arbeit versteht Mikroorganismen nicht nur als Material oder Werkzeug, sondern als aktive Mitgestalter. Dadurch verschiebt sich die Rolle der Designer*in von Kontrolle hin zu Beobachtung, Fürsorge und Kooperation.

Das Projekt verbindet Materialforschung mit einer mehr-als-menschlichen Designperspektive und eröffnet neue Ansätze für nachhaltige textile Gestaltungsprozesse.

I want to unzip myself and tuck you inside

Was passiert, wenn Niedlichkeit die Rollen tauscht? Das niedliche Objekt ist nicht mehr passiv, sondern handelt, blickt und begehrt. Es findet uns niedlich, will uns umarmen, drücken und in sich aufsaugen. Vergrößert und dominant spricht es zu uns, zieht uns in seinen Körper. Das Verschlungenwerden wird zu einer Hyper-Umarmung: Liebe und Kontrolle miteinander verschlungen. Grenzen lösen sich auf, während Zärtlichkeit invasiv wird. Das Niedliche verschlingt uns und inszeniert die gewaltsame Zuneigung, die wir normalerweise darauf projizieren.

„Du bist so süß, ich könnte dich einfach auffressen!“ als gewaltsame Zärtlichkeit. Eine Umarmung, die zu weit geht.

NEED A RIDE?

Der Fahrstil spiegelt Emotionen und das innere Selbst wider. NEED A RIDE? inszeniert ein fiktives Rennen gegen sich selbst und übersetzt sechs Facetten in unterschiedliche Fahrstile. Geprägt von Umständen und Emotionen werden wechselnde Persönlichkeiten zu Rennfahrer*innen, die persönliche Höhen und Tiefen widerspiegeln. Inspiriert wurde die Kollektion unter anderem von Michèle Mouton, einer der bekanntesten Frauen im Motorsport.

Die Silhouetten greifen Elemente der Motorsportbekleidung auf und übersetzen deren Dynamik durch Drapagen und Dekonstruktionen in die Kollektion. Das ikonische Hahnentrittmuster zieht sich als wiederkehrendes Element durch die Looks und erzählt mithilfe von verschiedenen Techniken, wie dem Rollendruck, Laserdetails oder Applikationen die unterschiedlichen Fahrstile.

Materialien wie schweres Leder, feine Wolle und eleganter Taft unterstreichen dabei die Verbindung von Sportlichkeit, Eleganz und emotionaler Spannung.

Gibt es ein Leben vor dem Tod?

Lucia Antonia Kempe reflektiert anhand eines eigens erstellten Archivs dokumentarischer Fragmente und biografischer Überlieferungen ihrer Eltern die Repräsentation und Relevanz linker Protestbewegungen der 1990er-Jahre im heutigen politischen Klima. Mit der Frage: “Gibt es ein Leben vor dem Tod?” formuliert sie den Schriftzug: “Es gibt ein Leben vor dem Tod”, der sich vielfach im Archiv findet. So tritt die Designerin mit ihren Eltern in Austausch und verhandelt zwischen Erinnerung und Gegenwart die Weitergabe von politischer Verantwortung im Angesicht des Rechtsrucks in Deutschland. Die Kollektion begreift Kleidung als Medium politischen Widerstands und Erinnerung.

Die Kollektion wird von drei Erzählsträngen geleitet. Das Archiv als Blick in die Vergangenheit. Das Mondschaf von Christian Morgenstern als Spiegel der Spannungsräume zwischen Hoffnung und Ohnmacht im Alltäglichen. Und der Protest als Vereinigung der Generation, der einen Appell zum Aufstehen und Handeln bildet.

I Can See

Diese Kollektion hinterfragt konventionelle Vorstellungen von Qualität und den Umgang mit Fehlern im kreativen Prozess. Im Zentrum steht das Spannungsfeld zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung.

Geleitet von meinem Grundsatz „Design folgt dem Machen“ verstehe ich Gestaltung als einen offenen, materialgeleiteten Prozess. Qualität entsteht dabei nicht durch Perfektion, sondern durch Ehrlichkeit, Transparenz und das Sichtbarwerden des Entstehungsprozesses. Fehler werden zu produktiven Impulsen, während handwerkliche Arbeit, Zeit und Materialität bewusst offengelegt und erfahrbar gemacht werden.