Kein Holzstück mehr

»Kein Holzstück mehr« ist ein Designobjekt aus 318 Fotografien und ausgewählten Zitaten, das sich mit Prothesen und verwandten Formen der Körpererweiterung auseinandersetzt. Ausgangspunkt ist die technische Entwicklung künstlicher Körperteile und deren Weiterentwicklung bis hin zu heutigen, technisch komplexen Systemen. Die Arbeit zeigt die Vielfalt unterschiedlicher Prothesenmodelle und macht sichtbar, wie eng Körper, Technik und gesellschaftliche Vorstellungen miteinander verwoben sind.

Basis dieses Projektes waren Interviews mit Personen, die selbst Prothesen tragen. Der Titel »Kein Holzstück mehr« ist ein Zitat aus einem dieser Gespräche und plays auf den Entwicklungsprozess von Prothesen an.

canjou

Eine Marke für die nachhaltige Reparatur und Instandsetzung von Carbon-Bauteilen im Radsport. Inspiriert von Kintsugi, der japanischen Kunst des sichtbaren Fügens, verbindet das Projekt Reparatur mit Selbstermächtigung, Narration und bewusster Sichtbarmachung. Carbon ist ein ressourcenintensiver, kostspieliger Werkstoff mit großem ökologischem Fußabdruck – umso wichtiger sind Erhalt und Weiterverwendung. Das Fahrrad dient dabei als aktivistisches Objekt.

Kintsugi bietet technische und philosophische Ansätze, um Reparatur als bewusste Praxis zu verstehen und die Beziehung zwischen Mensch und Objekt zu stärken. Das Projekt übersetzt diese Werte in eine zeitgenössische Markenidentität, die sich sowohl im medialen Raum als auch im urbanen Kontext manifestiert.

Latrine – eine gestalterische Untersuchung öffentlicher Toilettenräume

Das Projekt untersucht Toiletten als Teil der öffentlichen Infrastruktur und Daseinsvorsorge. Ausgehend von der Frage, warum der Zugang zu Toiletten immer noch ungleich verteilt ist, werden geschlechtsspezifische Unterschiede in der Nutzung sowie aktuelle Konzepte für eine gerechtere Sanitärversorgung untersucht. Dabei stehen insbesondere die Themen Potty Parity und Unisex-Toiletten im Mittelpunkt.

Der Blick richtet sich im Folgenden auf die Hocktoilette als eine in vielen Teilen der Welt bis heute verbreitete Toilettenform. Anhand kultureller Praktiken und gesundheitlicher Aspekte wird untersucht, inwiefern sie als Alternative zu Urinalen in Betracht gezogen werden können.

Auf Grundlage von Untersuchungen entsteht ein gestalterischer Entwurf, der den Fokus von der Toilette selbst auf die gesamte Nutzungssituation verlagert. Das Ergebnis ist Humbi: ein Objekt, das Haltehilfen mit Hygiene- und Organisationsfunktionen zur einfacheren Benutzung von Hocktoiletten vereint.

Kaho – Tradition im Wandel

„Tradition im Wandel – Eine gestalterische Perspektive auf die Bestattungskultur“ untersucht, wie nachhaltige und individuelle Bestattungsformen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gestaltung kann dazu beitragen, neue Rituale und ressourcenschonende Artefakte zu entwickeln, die Würde und Erinnerung bewahren. Eine zukunftsfähige Bestattungskultur verbindet ökologische Verantwortung mit traditionellen Werten und den Bedürfnissen von Verstorbenen sowie Hinterbliebenen. Die vorgestellte Urne für die Waldbestattung greift diesen Ansatz auf. Am Rand befinden sich zwölf abtrennbare Zylinder, die während der Zeremonie an Trauergäste verteilt werden können. Als mobile Trauerartefakte schaffen diese persönliche Erinnerungsorte und lassen sich z.b. als Vase oder Kerzenhalter nutzen. So wird Erinnerung in den Alltag integriert. Das Material aus Kalk und Sägemehl unterstützt das Waldökosystem. Es fördert Mykorrhizapilze, verbessert die Nährstoffversorgung der Bäume und stärkt die langfristige Stabilität des Waldes.

Eggcellent

„Eggcellent“ ist ein neues Material, das aus Eierschalen und einem natürlichen Bindemittel hergestellt wird. Es ist widerstandsfähig, kompostierbar und biologisch abbaubar und zeigt das Potenzial von Eierschalen als „circular material“.

Um sein Potenzial zu verdeutlichen, bietet „Eggcellent“ verschiedene Varianten an: EggPlant (Blumentöpfe, die sich zersetzen und als Dünger dienen), EggFood (abbaubare, lebensmittelechte Produkte) und EggHome (langlebige Möbel, umweltfreundlich entsorgbar).

Repetition – Material in Motion

Repetition – Material in Motion untersucht das Spannungsfeld zwischen Körper, Material und Wiederholung. Latex wird zu einer performativen Oberfläche: Es dehnt sich, reagiert, leistet Widerstand. In der Reibung zwischen Bewegung und Rückstoß entsteht eine ganz eigene Choreografie. Der Körper aktiviert das Material – und das Material formt die Bewegung. Wiederholung erscheint hier nicht als die Wiederholung desselben, sondern als ein Prozess der Veränderung, Verschiebung und Intensivierung.

Im Kern steht eine Materialforschung zu Elastizität, Widerstand und Materialverhalten. Durch Experimente mit industriellem und selbstgegossenem Latex, Gießverfahren, Oberflächenentwicklung, Verstärkungstechniken und Bewegungsstudien wurde untersucht, wie Materialeigenschaften physische Spannung, Einschränkung und Interaktion erzeugen.

Die mit der Bestnote (1,0) bewertete Abschlussarbeit wurde für den PBSA Award nominiert und im Rahmen von New Design from Düsseldorf (2026) im NRW Forum Düsseldorf ausgestellt, begleitet von zwei Live-Performances und einer Publikation von Slanted.

Wenn Blicke sich kreuzen

Was, wenn wir Tiere nicht nur als Objekte betrachten, sondern als Wesen, die uns anblicken und deren Blick sich mit unserem kreuzt? Wenn sich die Grenzen zwischen Mensch und Tier auflösen würden? Was, wenn unser Zusammenleben auf dieser Welt ein Zusammenwachsen wäre, ein „miteinanderwerden“? Was, wenn unsere Beziehung auf gegenseitigen Respekt und Achtsamkeit beruht? Ich bin Hufschmiedin und sammle die Materialien Hufhorn und Fell bei meiner Arbeit.

Transformiert in körperbezogene Objekte stehen sie für ein „Miteinander“ und werden eine Verbindung von Mensch und Tier. Sie Fragen wer zugegen ist und wer aus dieser Beziehung entsteht. Ich kenne jedes Pferd von dem das Material stammt mit Namen. Sie sind meine Gefährt:innen, in miteinander verbundener Andersartigkeit.

SCHICHTWECHSEL

SCHICHTWECHSEL untersucht die sichtbaren und unsichtbaren Schichten, die unsere Identität im Alltag prägen. Ausgangspunkt sind berufliche Rollen und ihre kulturellen Codes – von Autorität und Verantwortung bis hin zu Mobilität, Fürsorge oder Dienstleistung. Statt Arbeitskleidung zu reproduzieren, übersetzt die Kollektion diese Beobachtungen in zeitgenössische Streetwear.

Durch die Analyse gesellschaftlicher Rollen, persönliche Gespräche und die Untersuchung urbaner Alltagsräume entstanden acht Looks, die zwischen Funktion, Zugehörigkeit und individueller Identität vermitteln. Materialschichtungen, Gebrauchsspuren, textile Manipulationen und fragmentierte Uniformcodes werden zu gestalterischen Werkzeugen, um soziale Übergänge sichtbar zu machen.

SCHICHTWECHSEL versteht Kleidung als kulturelles Dokument und richtet den Blick auf die Ebenen im Menschen, deren Beiträge den Alltag prägen, ohne immer sichtbar zu sein.

Revalio Color – Farbe im Wandel der Wärme

„Revalio Color“ untersucht das gestalterische Potenzial thermochromer Farben in der Tapetengestaltung. Ziel ist die Entwicklung von Oberflächen, die auf Wärme reagieren und dadurch eine aktive Interaktion zwischen Material, Raum und Mensch ermöglichen. Durch die Kombination thermochromer Pigmente mit Digitaldruck, Siebdruck und haptischen Effektmaterialien werden neue gestalterische und funktionale Anwendungsmöglichkeiten von Tapeten erforscht.

Daraus entstanden sind zwei Kollektionen interaktiver Tapetenmuster. Die Kindertapete „Peek a Bug“ macht verborgene Motive durch Berührung sichtbar und schafft spielerische Entdeckungsmomente. Die Designtapetenkollektion „Silent Motion“ setzt auf subtile Farbveränderungen innerhalb organischer Muster.

Beide Konzepte basieren auf Pigmenten, die ab einer definierten Temperaturschwelle aktiviert werden und ihre Farbigkeit verlieren oder verändern. So wird Farbe zu einem dynamischen Gestaltungselement, das auf seine Umgebung reagiert.

The Fabric of Things

Das Projekt erforscht das transformative Potenzial von Textilien im Zusammenspiel mit additiver Fertigung. Im Zentrum steht ein experimenteller Designprozess, bei dem Kunststoff gezielt auf vorgespannte Textilien aufgebracht wird. Nach dem Lösen der Spannung bilden diese eigenständig dreidimensionale Formen aus. Die daraus hervorgehenden Objekte bewegen sich zwischen Weichheit und Festigkeit und hinterfragen etablierte Vorstellungen von Materialität und Form.

Die entstandenen Objekte sind nicht das Ergebnis eines vorab festgelegten Entwurfs, sondern haben sich in einem offenen Prozess im direkten Dialog mit dem Material herausgebildet. Zwischen Materialexperiment und gestalteter Form entziehen sie sich eindeutigen Zuordnungen und existieren in einem Spannungsfeld zwischen Vertrautem und Unbekanntem. Sie laden dazu ein, gewohnte Wahrnehmungs- und Deutungsmuster zu hinterfragen.