Water from Air

Wassermangel ist eine der drängendsten globalen Herausforderungen. Das Bachelorprojekt „Water from Air“ setzt genau hier an: mit einem mobilen, dezentralen Wassererzeuger und -speicher. Das Ziel ist es, eine nachhaltige und alltagstaugliche Lösung zur lokalen Selbstversorgung mit Trinkwasser zu schaffen, unabhängig von geographischen und sozialen Gegebenheiten.

Inspiriert von der Permakultur nutzt das System die Luftfeuchtigkeit als Ressource. Mithilfe von Metal-Organic-Frameworks (MOFs) nimmt das Material in einem autarken, geschlossenen Kreislauf Feuchtigkeit auf und gibt sie durch Erwärmung und Kondensation als Trinkwasser ab – aktuell bis zu 6 Liter pro Tag.

Die Gestaltung überzeugt durch klare Funktionalität und Konsequenz. Durch den modularen Aufbau aus sortenreinem, recycelbarem Kunststofffilament ist das System langlebig, reparierbar und schont wertvolle Ressourcen entlang des gesamten Lebenszyklus.

Vergänglichkeit im temporären Raum

Vergänglichkeit im temporären Raum wird durch ein begehbares Objekt aus zwei gespiegelten Elementen gezeugt. Durch unterschiedliche Anordnungen entstehen Räume zum Verweilen und Wahrnehmen. Das Objekt besteht aus einem biologisch abbaubaren, kreislauffähigen Material auf Basis regionaler Stärke. Bei Kontakt mit Wasser beginnt dessen Zerfall.

Nach zwei bis vier Tagen verbleiben kleine Materialelemente, die von Mikroorganismen zersetzt werden. Im Inneren befindet sich Saatgut der Pflanze, aus welcher das Material gewonnen wurde. Nach der Zersetzung liegt das Saatgut frei und kann anfangen zu keimen und der Rohstoffkreislauf erneut beginnen.

Eine Auseinandersetzung der Frage, wie Haltung gegenüber einer von Neuwertigkeit geprägten Gesellschaft genommen werden kann. Der Wunsch nach Zugehörigkeit, welcher oftmals mit Trends der Produktwelt erfüllt wird, lässt sich nicht sofort verändern. Es können jedoch verantwortungsvolle Alternativen geschaffen werden, die dieselben Bedürfnisse erfüllen.

Cyanocaptor_Blaualgenernte in Seen

Massiver Nährstoffeintrag und klimabedingte Erwärmung führen im Sommer zur Eutrophierung und zu toxischen Blaualgenblüten, die Binnengewässer ökologisch kollabieren lassen und Erholungsräume entfallen lassen. Vor diesem Hintergrund entstand der Cyanocaptor: ein spezialisiertes System zur Gewässersanierung, das die Entlastung aquatischer Ökosysteme mit der Rückgewinnung wertvoller Ressourcen verbindet.

Der Cyanocaptor basiert auf einem modularen System, dessen Segmente über eine Bajonettkupplung flexibel zu jeder gewünschten Gesamtlänge verbunden werden können. Der Kern ist ein flexibler Dreirohr-Verbund (Ballast- und Auftriebskammern) mit einer Außenspirale, die sowohl Wellen ausgleicht als auch Treibgut abhält. Über eine am Barriereende angeschlossene Wasserpumpe werden die Algenmatten über die gesamte Länge abgesaugt.

Der Entwurf schließt den Kreislauf konsequent: Das Produkt besteht aus genau den algenbasierten Biokunststoffen, deren Rohstoff es erntet.

Reclaiming Matter – Potenziale industrieller Nebenprodukte

Reclaiming Matter stellt einen alternativen Ansatz für den Umgang mit industriellen Reststoffen vor. Carbokalk aus der Zuckerindustrie und Gesteinsmehle aus dem Natursteinabbau werden als eigenständige Ressourcen neu interpretiert und in einen lokal produzierbaren Baustoff überführt. Die Arbeit begreift diese Nebenprodukte nicht nur als Material, sondern als Ausgangspunkt für eine neue Form regionaler Wertschöpfung.

Ein zentrales Element ist dabei das Prinzip der industriellen Symbiose: Die gezielte Kooperation benachbarter Unternehmen ermöglicht es, Materialströme und vorhandene Infrastruktur miteinander zu verknüpfen und bislang weitgehend ungenutzte Nebenprodukte sinnvoll weiterzuverwenden. Durch die räumliche Nähe von Rohstoffquelle, Verarbeitung und Nutzung entstehen Synergien, die ökologische Belastungen reduzieren, lokale Wirtschaftskreisläufe stärken und neue soziale sowie kulturelle Spielräume eröffnen.

INTERTWINED

INTERTWINED betrachtet Design als Verantwortung zur Gestaltung ganzheitlicher Prozesse, interdisziplinärer Perspektiven und nachhaltiger Produkte. Die Arbeit untersucht das Potenzial gewachsener Materialien aus Pflanzenwurzeln und Pilzmyzel als Alternative zu Kompositwerkstoffen. Dabei entstehen neue Materialien durch Interaktion von Gestaltung und lebenden Organismen. Diese Organismen dienen als Materialquelle, Strukturgeber und sind aktiver Teil des Herstellungsprozesses. Das Zusammenspiel von kontrollierten Wachstumsbedingungen und natürlich entstehenden Strukturen, im Spannungsfeld zwischen Design, Biologie und Materialwissenschaft, bestimmt dabei die Form.

Die Objekte, Wohntextilien aus Pflanzenwurzel-Komposit und ein Tisch aus Myzel-Komposit, verbinden Funktionalität und Ästhetik. Sie zeigen das Potenzial einer ganzheitlichen, ressourcenschonenden Materialkultur im Design und machen die Vielschichtigkeit des Prozesses intuitiv erfahrbar und durch Material-Authentizität sichtbar.

Trigon Matter

Flächen bestimmen unseren öffentlichen Raum, verbleiben in ihrer Funktion jedoch meist passiv im Hintergrund. “Trigon Matter” ist ein adaptives Fassadensystem, bei dem Flächen als aktive Umwelt- und Energieträger nutzbar gemacht werden.

Die einzelnen Module basieren auf triangulärer Geometrie, die der dreidimensionalen Form maximale Stabilität verleiht. Die vergrößerte Oberfläche wird in Reaktion mit Licht und Luft optimiert und ermöglicht zugleich einen stabilen und skalierbaren Aufbau. Ein Mehrschichtsystem aus nanostrukturierten, photokatalytischen Beschichtungen und integrierter Photovoltaik dient der Reduktion von Schadstoffen sowie der Energiegewinnung.

Das System ist für die Montage auf bestehenden Flächen und Infrastrukturen wie Fassaden oder Lärmschutzwänden ausgelegt. Auf diese Weise werden urbane Flächen reaktiviert und zu ökologischen Nutzflächen transformiert.

Growing Matter

„Growing Matter“ macht verborgene Naturkreisläufe greifbar und fungiert als didaktisches Werkzeug, das das materielle Potenzial von Pilzen aufzeigt. Das Kit bietet einen praktischen Ansatz für Myzel: Aus gesammeltem Alltagsabfall wie Getränkekartons und Toilettenpapierrollen werden Zuchtformen gebaut. Die Verpackung entfaltet sich dabei zu einem Arbeitsbereich mit Anleitung.

Durch das Züchten von drei verschiedenen Objekten – einem Vogelhaus (Isolation), Bausteinen (Struktur und Leichtigkeit) und Untersetzern (Hitzebeständigkeit) – werden die Materialeigenschaften physisch erlebbar.

Das gemeinsame Sammeln von Abfällen fördert zudem den sozialen Austausch und regt Dialoge über Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Produktion an.

Vom Lumpen zum Möbel

Ausgangspunkt ist die wachsende Herausforderung textiler Abfälle und die Frage, wie vorhandene Ressourcen sinnvoll weitergenutzt werden können.

Durch meine Tätigkeit als Leitung der Textilwerkstatt, angegliedert an Secondhandläden, erlebe ich täglich große Mengen an Altkleidern, die keiner lokalen Wiederverwertung zugeführt werden können.. Statt Textilien erneut in Fasern zu zerlegen, nutze ich ihre bestehende Struktur und entwicklte daraus ein belastbares Polstermaterial.

Das entstandene Recyclingmaterial basiert auf grob zerkleinerten Altkleidern, die inspiriert von Nähwirkdecken, mit einer Mehrfachnadelmaschine zu einem dichten, stabilen Verbund vernäht werden. So entsteht ein robustes Material mit eigener ästhetischer Qualität für die Möbelpolsterung.

Das Projekt versteht sich als Beitrag zur Kreislaufwirtschaft: Es verbindet ökologische Verantwortung, industrielle Anschlussfähigkeit und gestalterische Qualität und macht textile Reststoffe sichtbar und nutzbar.

Metamorphose: von Zellulosefasern zu Biomaterial. Neue Ansätze im Sitzdesign.

ReForm ist ein Produkt, das für die radikale Reparatur und Umgestaltung von Sitzmöbeln entwickelt wurde. Es handelt sich um ein Band aus biologisch abbaubarem Material, das aus gebrauchten Servietten hergestellt wird, die nicht recycelt werden können.

Mit diesem Projekt möchte ich die Kluft zwischen Biomaterialien und dem Vertrauen der Nutzer überbrücken, indem ich eine Neubewertung von Alltagsabfällen anstoße und der vorzeitigen Entsorgung von Möbeln entgegenwirke.

Die Hauptvorteile des Produkts liegen in der Möglichkeit einer authentischen Reparatur nach dem Prinzip „hier und jetzt“, bei der das Band um Sitzmöbel gewickelt wird, um neue Oberflächen zu schaffen. Neben der Lösung einer funktionalen Aufgabe bietet diese Reparaturmethode die Möglichkeit, den Nutzer durch mutige Farbentscheidungen in den Prozess der Neugestaltung des Objekts einzubeziehen, unabhängig von seinen gestalterischen Fähigkeiten und seiner Erfahrung im Bereich Design.

Design Reach Impact

In drei Design-Sprints entstehen drei Hocker, jeweils mit einem Partnerbetrieb aus dem Recyclingbereich, aus Glas, Kunststoff und Leder. Es sind Demonstrationsobjekte, deren Form und Prozess eine Erzählung tragen, von Beginn an videografisch festgehalten, um Wissen, Technik und Arbeit hinter der Produktion zu zeigen.

Dahinter steht eine Beobachtung. Der Wert eines Produkts entscheidet sich heute nicht mehr allein an Funktion oder Qualität, sondern daran, ob und wie es gesehen wird. Da Sichtbarkeit in der Aufmerksamkeitsökonomie ein fester Wert ist, sollte sie ihren Platz darin finden, wie wir gestalten. Vieles bleibt unsichtbar, woher ein Material kommt, welche Arbeit darin steckt, was es besonders macht. Verantwortungsvolle Gestaltung bringt oft Mehraufwand, der sich erst durch die Geschichte dahinter rechtfertigt. Wird diese transportiert, wird Sichtbarkeit zur Notwendigkeit. Die Arbeit fragt, was passiert, wenn sie zum Gestaltungskriterium wird, das von Beginn an mitentworfen wird.