Ease

Heutzutage stehen Eltern zunehmenden Herausforderungen gegenüber, die sich auf die Familienbande sowie auf die Entwicklung des Kindes auswirken können. Das abendliche Ritual des Vorlesens hat einen besonders hohen Stellenwert bei Familien. Es schafft Vertrauen, Sicherheit und gestaltet sich für Eltern oft als einzige bewusste Zeit, die sie nach der Arbeit mit ihrem Kind verbringen können. Daraus entstand ein Möbelstück, das sowohl die Kommunikation als auch die Interaktion innerhalb der Familie fördert.

„Ease“ ist ein modularer Schwinger, der nicht nur als Ort der Ruhe dient, sondern mithilfe des Stecksystems vielfältig und langjährig nutzbar sein kann und den kindlichen Bedürfnissen nach Bewegung, Spiel, Nähe, Fantasie und Interaktion entgegenkommt.

Offen—bach

Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Offenlegung des Hainbachs, eines Bachs, der vertunnelt unter Offenbach verläuft. Es zeigt dabei beispielhaft, wie vertunnelte Bäche in Städten wieder erlebbar gemacht werden können. Im Rahmen dieses Projekts wurde außerdem ein allgemeingültiger Gestaltungskatalog für urbane Bachoffenlegungen erarbeitet. Das Konzept steigert die Lebensqualität, fördert die Ökologie und reduziert die Hochwassergefahr.
Emotional berührt der Entwurf, weil er etwas Unsichtbares wieder sichtbar macht. Er erzählt von der Geschichte des Ortes und verbindet Menschen über das Wasser miteinander. Er schafft Freiräume, in denen Menschen sich begegnen, Natur erleben und sich mit ihrer Stadt identifizieren können.
Der Hainbach steht dabei exemplarisch für zahlreiche unsichtbare Stadtbäche, die noch heute unter unseren Füßen verlaufen — ein verborgenes Potenzial für lebenswertere Städte.

Colts & Catacombs

Colts & Catacombs ist das Abschlussprojekt meines Studiums und dokumentiert das fiktionale Spiel „Colts & Catacombs“.
Wir leben in einer Welt mit vielen Wahrheiten. Internet-Communities fördern das Entstehen von alternativen Narrativen und Erklärungen, einer Welt von eigenen Wahrheiten und Perspektiven, die innerhalb der abgekapselten Gruppen Gültigkeit besitzen.

Colts & Catacombs, das Spiel, welches ich in meiner Arbeit simuliere, lebt in dieser Grauzone. Im Moment des Erfahrens und Interagierens mit meinem Projekt erwacht es zum Leben.
Solange sich der/die Betrachter:In in dem „magischen Kreis“ befindet, sich also der Illusion des Gezeigten hingibt, existiert Colts & Catacombs, das bruchstückhafte Überbleibsel einer anderen Zeit.
Sobald man jedoch einen Schritt zurücknimmt, zerfällt die Fiktion und verwandelt sich, wie viele der selbstbestätigenden Wahrheiten und großen Geschichten, in Staub und leere Worte.

Schein Allein

Das Trompe-L’œil ist eine wichtige Stilrichtung der bildenden Kunst, die die menschliche Faszination mit Illusionen verbildlicht. Aus der Bedeutungsschwere, die die Darstellung von Materialien in dieser Technik erzeugt, können Möglichkeiten für die Anwendung in der Produktgestaltung entstehen. Diese Möglichkeiten soll Schein Allein untersuchen und in Gestalt bringen.

Second Hang

Second Hang ist ein Modul für halböffentliche Räume in urbanen Mietshäusern, das Nachbarschaften verbindet und alten Gegenständen eine zweite Chance gibt. Durch vielseitige Aufbewahrungsmöglichkeiten bietet Second Hang Raum für zu verschenkende Objekte. Der Akt des Verschenkens fördert zwischenmenschliche Beziehungen und das Gemeinschaftsgefühl. Mit seiner einfachen und vielseitigen Zusammensetzung ermöglicht Second Hang viele Modulvarianten und erleichtert den nachbarschaftlichen Dialog und die gegenseitige Unterstützung.
Second Hang besteht aus einer Gitterstruktur aus quadratischen Aluminiumrohren, die durch standardisierte Verbindungselemente zu verschiedenen Modulen arrangiert werden können. Um größere Gegenstände zu verstauen, gibt es Körbe, die an verstellbaren Haken befestigt werden. Textilien werden mithilfe von Kleiderbügeln an die Gitterstruktur gehängt. Durch den Einsatz von Schichtholzplatten werden Sitzmöglichkeiten oder zusätzlicher Stauraum kreiert.

Ornament und Massenproduktion

Das Ornament galt lange als Gegensatz zur industriellen Fertigung – als überflüssig, irrational, nicht normierbar. Doch diese Trennung ist ein Dogma. Ornament ist mehr als Zierde: Es strukturiert, gliedert, verweist, trägt. Diese Arbeit hinterfragt die Idee des Ornaments im industriellen Kontext und sucht nach einer gestalterischen Synthese: Wie kann Ornament nicht aufgesetzt, sondern integraler Bestandteil der Massenproduktion werden?
Das standardisierte Aluminiumprofil steht hier als Sinnbild funktionaler Reduktion. Durch den gezielten Eingriff wird es manipuliert, um eine zweite Ordnung sichtbar zu machen: eine ornamentale Struktur, die nicht gegen das Material arbeitet, sondern aus dessen industrieller Logik heraus entwickelt wird. Daraus entstehen drei Möbel: Hocker, Tisch und Leuchte mit Ornament. Sie untersuchen, wie Ornament in einfachen Alltagsobjekten wirkt.

unheimlich schön

In der digitalen Welt verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen dem Realen und dem Künstlichen. Mit der fortschreitenden Entwicklung von Deepfakes und KI-generierten Inhalten wird es immer schwieriger, zwischen authentischen und manipulierten Medien zu unterscheiden. Dies wirft tiefgreifende Fragen auf: In welchem Maße beeinflusst diese neue visuelle Kultur unser Verständnis von Wahrheit und Authentizität? Wie verändern Social Media und KI unseren Blick auf Mode, politischen Aktivismus und soziale Bewegungen?

Im Rahmen meiner Kollektion habe ich untersucht, wie sich politische-symbolische Kleidung im digitalen Zeitalter neu denken lässt. Wenn Mode ein Medium ist, das den kulturell-politischen Zeitgeist einfängt und Menschen in sozialen Bewegungen verbindet, stellt sich die Frage, wie sie politisch sein kann, ohne plakativ zu wirken. Im Zentrum meiner Auseinandersetzung steht, wie der digitale Konsum sozialer Medien die Modewahrnehmung verändert.

A Gift or a Theft

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den fortwährenden Nachklängen kolonialer Macht und untersucht, wie Museen weiterhin Narrative über Indien durch die Präsentation von Artefakten formen, die während der Zeit imperialer Eroberung erworben wurden. Sie hinterfragt, ob Museen „fortbestehende koloniale Vermächtnisse“ aufrechterhalten, und analysiert die komplexe Beziehung zwischen kultureller Repräsentation, historischer Interpretation und den anhaltenden Auswirkungen kolonialer Praktiken. Der Fokus liegt auf Objekten, die sowohl von Gewalt als auch von Aneignung geprägt sind und in solchen Räumen gezeigt werden. Dabei wird gefragt, ob die Narrative um diese Artefakte koloniale Vergangenheiten verherrlichen und vorurteilsbehaftete Sichtweisen auf Indien verstärken — und so letztlich „den Stift halten“, um die Geschichte zu kontrollieren.

you may also like

Textile Überproduktion und daraus resultierende Umweltschäden rücken zunehmend in den Fokus. Pre-consumer Waste ist in der industriellen Weberei alltäglich. Zu kurze Lauflängen oder Farbabweichungen führen zu Restgarnen, die weggeworfen werden. Selbst in kleineren Betrieben werden monatlich bis zu 400 kg Material entsorgt.
Design kann Anreize schaffen, die Situation zu verbessern. Das Projekt You may also like stellt Restgarn in den Mittelpunkt der Gestaltung und ermöglicht dessen Wiederverwertung. Durch Verknoten bzw. Verzwirnen der Reste können Lauflängen beliebig verlängert werden, um sie wieder industriell relevant zu machen.
Es entsteht ein funktionierendes Garn, das das Potenzial der begrenzten Reste zeigt: Die Länge der Farbreste beeinflusst das Stoffmuster, das Garn wird zur eigentlichen Gestalterin. Farbverläufe verleihen dem Stoff seine eigene Ästhetik. Die entwickelte Methode ermöglicht nicht nur die Wiederverwertung, sondern verleiht den Abfällen ihr Alleinstellungsmerkmal.

»Undurchsichtige Architektur«

Die Arbeit ist ein fotografischer Blick auf Industrieanlagen und wurde vollständig mit einer analogen Großformatkamera im Negativformat 4×5 Inch umgesetzt. Die entstandenen Architekturaufnahmen erfolgten auf Schwarzweiß-Filmmaterial zur stringenten Reduktion auf Formgebung, Textur und Oberfläche.
Für die Erzeugnisse wurde Farbfilm-Material gewählt, um die fein nuancierten Details der jeweiligen Produkte hervorheben zu können. Damit soll ein visueller Gegensatz zum archivierend en Blick auf die industriellen Fassaden hergestellt werden.
Eine klare Zuordnung zwischen Produkt und den fotografierten Industrieanlagen soll nicht geschehen. Die Arbeit verfolgt nicht den Zweck einer Produktionsdokumentation und konzentriert sich vollumfänglich auf die ästhetische Seite von industriellen Anlagen. Durch diesen fehlenden ›Fingerzeig‹ soll dem Betrachter das Spiel der Zuordnung freigestellt sein.