Spike Bench

Die Spike Bench ist eine modulare Sitzbank, die sich konzeptionell mit defensivem Design im öffentlichen Raum auseinandersetzt. Die Beschäftigung mit Spikes ist interessant, da sie als eines der brutalsten Elemente der Exklusion gelten. In ihrer Ästhetik identisch, erfüllen sie in anderen Bereichen jedoch ganz unterschiedliche Funktionen.

Die Sitzbank deutet den ausgrenzenden Zweck um und orientiert sich dabei an der Funktion von Spikes in anderen Kontexten. Sie hinterfragt konventionelle Vorstellungen von Zugänglichkeit und regt zur Reflexion über die Dynamik des öffentlichen Raums an – insbesondere im Hinblick auf den Mangel an nicht-kommerziellen Sitzmöglichkeiten und die Marginalisierung bestimmter Gruppen. Spikes werden als konstruktives Element integriert, wodurch die erwartete Funktion gebrochen und Irritation erzeugt wird. Der Kontextwechsel lädt zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den Prinzipien des defensiven Designs ein.

Path Tiles

Unsere Bewegungen können wie eine Performance begriffen werden, wie etwas Flüchtiges, das nur im Moment existiert und nach der Vollendung weder sichtbar noch fassbar ist. Nur die Erinnerungen an das Erlebte bleiben als Spuren der Bewegung in unserem Geist erhalten. „Path Tiles“ nutzt GPS-Daten, um diese besonderen Momente individueller Erfahrung einzufangen und in Form von Mustern in die physische Welt des sicht- und tastbaren Textils zu übertragen. Es entsteht eine tiefe Bindung zwischen Mensch und Objekt.

Die Path Tiles Website ist ein Werkzeug, das Reisen in Form von GPS-Daten in strickbare Muster verwandelt. Die Ästhetik des Musters kann durch zusätzliche Verschiebung, Verzerrung und Spiegelung individualisiert werden. Das entstandene Muster wird dann in Form eines gestrickten Objekts zum Leben erweckt und wird zur materialisierten persönlichen Erfahrung.

Leuchtfliese

Seit Jahrhunderten prägen Fliesen als schützende und schmückende Elemente unsere Wohnräume.
In meinem Projekt wird dieses traditionsreiche Objekt in einen zeitgenössischen Kontext überführt und um eine neue Funktion erweitert. Die Leuchtfliese vereint Oberfläche und Licht in einem interaktiven, raumbezogenen Gestaltungselement aus Porzellan. Ein Ultraschallsensor erfasst die Distanz von Personen und steuert die Reaktion der Fliese. Sie dimmt sich sanft auf, fährt leicht aus ihrer Fassung, dimmt sich bei Entfernung ab und fährt zurück. So entsteht eine physisch erfahrbare Beziehung zwischen Mensch und Raum.
Die Leuchtwirkung bricht mit dem statischen Strahlen herkömmlicher Lichtquellen und formt eine lebendige Atmosphäre.
Im Zusammenspiel von Handwerk und Technologie entstand eine spezielle Porzellanmasse, die Transluzenz und Robustheit vereint. Die Fliese wird so zu einem Ausdruck gelebter Materialkultur und verbindet technologische Innovation mit gestalterischer Kontinuität.

Colts & Catacombs

Colts & Catacombs ist das Abschlussprojekt meines Studiums und dokumentiert das fiktionale Spiel „Colts & Catacombs“.
Wir leben in einer Welt mit vielen Wahrheiten. Internet-Communities fördern das Entstehen von alternativen Narrativen und Erklärungen, einer Welt von eigenen Wahrheiten und Perspektiven, die innerhalb der abgekapselten Gruppen Gültigkeit besitzen.

Colts & Catacombs, das Spiel, welches ich in meiner Arbeit simuliere, lebt in dieser Grauzone. Im Moment des Erfahrens und Interagierens mit meinem Projekt erwacht es zum Leben.
Solange sich der/die Betrachter:In in dem „magischen Kreis“ befindet, sich also der Illusion des Gezeigten hingibt, existiert Colts & Catacombs, das bruchstückhafte Überbleibsel einer anderen Zeit.
Sobald man jedoch einen Schritt zurücknimmt, zerfällt die Fiktion und verwandelt sich, wie viele der selbstbestätigenden Wahrheiten und großen Geschichten, in Staub und leere Worte.

Schein Allein

Das Trompe-L’œil ist eine wichtige Stilrichtung der bildenden Kunst, die die menschliche Faszination mit Illusionen verbildlicht. Aus der Bedeutungsschwere, die die Darstellung von Materialien in dieser Technik erzeugt, können Möglichkeiten für die Anwendung in der Produktgestaltung entstehen. Diese Möglichkeiten soll Schein Allein untersuchen und in Gestalt bringen.

Second Hang

Second Hang ist ein Modul für halböffentliche Räume in urbanen Mietshäusern, das Nachbarschaften verbindet und alten Gegenständen eine zweite Chance gibt. Durch vielseitige Aufbewahrungsmöglichkeiten bietet Second Hang Raum für zu verschenkende Objekte. Der Akt des Verschenkens fördert zwischenmenschliche Beziehungen und das Gemeinschaftsgefühl. Mit seiner einfachen und vielseitigen Zusammensetzung ermöglicht Second Hang viele Modulvarianten und erleichtert den nachbarschaftlichen Dialog und die gegenseitige Unterstützung.
Second Hang besteht aus einer Gitterstruktur aus quadratischen Aluminiumrohren, die durch standardisierte Verbindungselemente zu verschiedenen Modulen arrangiert werden können. Um größere Gegenstände zu verstauen, gibt es Körbe, die an verstellbaren Haken befestigt werden. Textilien werden mithilfe von Kleiderbügeln an die Gitterstruktur gehängt. Durch den Einsatz von Schichtholzplatten werden Sitzmöglichkeiten oder zusätzlicher Stauraum kreiert.

Ornament und Massenproduktion

Das Ornament galt lange als Gegensatz zur industriellen Fertigung – als überflüssig, irrational, nicht normierbar. Doch diese Trennung ist ein Dogma. Ornament ist mehr als Zierde: Es strukturiert, gliedert, verweist, trägt. Diese Arbeit hinterfragt die Idee des Ornaments im industriellen Kontext und sucht nach einer gestalterischen Synthese: Wie kann Ornament nicht aufgesetzt, sondern integraler Bestandteil der Massenproduktion werden?
Das standardisierte Aluminiumprofil steht hier als Sinnbild funktionaler Reduktion. Durch den gezielten Eingriff wird es manipuliert, um eine zweite Ordnung sichtbar zu machen: eine ornamentale Struktur, die nicht gegen das Material arbeitet, sondern aus dessen industrieller Logik heraus entwickelt wird. Daraus entstehen drei Möbel: Hocker, Tisch und Leuchte mit Ornament. Sie untersuchen, wie Ornament in einfachen Alltagsobjekten wirkt.

Felt the Future – walking with wool

Durch die Entwicklung von Prototypen für Schuhe aus 100 % Wolle zeige ich einen praktikablen Monomaterial-Ansatz, der die regionale Schafzucht stärken, den Erhalt von Heidelandschaften unterstützen und traditionelle Schuhmacherhandwerkskunst neu beleben kann.
Anstatt auf globale Lieferketten zu setzen, untersuche ich dezentralisierte Produktionsmodelle wie lokale Werkstätten oder CNC-Fräsen, um Abfall zu minimieren und lokale Gemeinschaften zu stärken.
Meine Arbeit legt zudem den Grundstein für zukünftige Forschung zur biologischen Abbaubarkeit von Wollsohlen und zum luftreinigenden Potenzial abgeriebener Wollfasern.
Auch wenn noch nicht alle Konzepte vollständig umgesetzt sind, zeigen diese Erkenntnisse, wie zirkuläres Design mit erneuerbaren Materialien die Schuhindustrie neu denken und umfassende sozial-ökologische Veränderungen anstoßen kann.

companion

Stell dir vor, du hast Möbel, die wachsen und sich verändern können.
Das Projekt experimentiert mit unterschiedlichen Ansätzen, um das Leben von Möbeln zu verlängern.

Multifunktionalität: Dein „companion“ wird das, was du gerade brauchst – Regal, Sitzbank, Rollwagen o. Ä.

Individualisierung: Tausche Farben, montiere neue Teile, erweitere und gestalte deinen „companion“.

Persönliche Bindung: Die „companions“ werden in einer Geschichte zum Leben erweckt, in der ihre Träume erzählt werden. Sie soll inspirieren, diese umzubauen und zu verändern, anstatt sie zu ersetzen.

Jeder „companion“ kommt mit einer Box (Möbelrucksack) mit Produkten,
die dein „companion“ für dich bereithält – u. a. einer Anleitung, Erste-Hilfe-Set, Erweiterungen, …

Löcher im Korpus geben Halt für Add-ons wie Rollen, Griffe, Haken oder Dekoelemente.
Alle Umbauarbeiten funktionieren intuitiv und werkzeuglos.
Ein „companion“ ist mehr als ein Möbelstück – er ist ein treuer Begleiter, der sich an Veränderungen anpasst.

Luk Kreung

Die zunehmende soziale Spaltung und die Zunahme rechtsextremistischer Gewalt führen zu einer verstärkten Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund. Besonders bei Menschen mit gemischter Herkunft wächst die Unsicherheit über Identität und Zugehörigkeit. Die Videoinstallation Luk Kreung nutzt ein Wimmelbild, um Alltagsrassismus in kleinen Szenen erfahrbar zu machen. Es zeigt die Auseinandersetzung der Künstlerin mit ihrer Identität und die Konfrontation mit Stereotypen in beiden Kulturen. Die Videoinstallation lädt ein, genauer hinzuschauen, Details zu entdecken und eigene Vorurteile zu hinterfragen. Die Kombination aus visueller Naivität und inhaltlicher Tiefe ermöglicht es, die Komplexität des Themas auf eine symbolische und abstrakte Weise darzustellen, die über die reine Illustration hinausgeht und die emotionalen und psychologischen Dimensionen von Identitätskonflikten tiefer vermittelt. Zusätzliche Tonaufnahmen und ein Begleitheft sorgen für ein besseres Verständnis.