HIP

Während Küchen im frühen 20. Jahrhundert vor allem auf Funktionalität ausgerichtet waren, dominieren heute minimalistische Ästhetik und reduzierte Nutzung. Je nahtloser die Kochbereiche werden, desto weniger wird tatsächlich gekocht — ein Wandel mit ökologischen, finanziellen und gesundheitlichen Folgen.
Aus dieser Erkenntnis entstand HIP: ein Regalsystem, das zeitgenössisches Küchendesign infrage stellt. HIP nutzt bislang ungenutzte Fliesenflächen und schafft durch sieben spezialisierte Regaldesigns zusätzlichen Arbeitsraum, während die Arbeitsflächen zum Kochen frei bleiben. Für die Montage ist kein Bohren erforderlich: Jedes Regal wird an zwei dafür vorgesehenen Löchern am speziell entwickelten HIP-Haken eingehängt. Dieser nutzt einen schraubenbasierten Saugnapf für eine stabile, aber jederzeit versetzbare Befestigung, sodass die Regale je nach Bedarf einfach montiert, verschoben oder entfernt werden können.
Die Serie lässt sich von früheren Designansätzen inspirieren, die die Küche als werkstattähnlichen Raum verstanden, kombiniert diese jedoch mit moderner Flexibilität — und lädt dazu ein, unser Verhältnis zum Kochen und den Einfluss von Gestaltung darauf neu zu überdenken.

Trude

„Trude“ ist eine innovative Zyklustracking- und Kalender-App, die Menstruierenden die Alltagsplanung mit dem Zyklus erleichtert, indem sie detaillierte Analysen des individuellen Zyklus in Kombination mit tiefgehendem Wissen zur Menstruation und deren Begleit- und Einflussfaktoren bietet.

Menstruierende durchlaufen im Zyklus zahlreiche individuelle Veränderungen, die sich physisch und psychisch auf sie auswirken. Die Anpassung an diesen Rhythmus kann vielen Menstruierenden im Alltag helfen, wird in vielen Tracking-Apps jedoch nur oberflächlich behandelt. Genau hier setzt „Trude“ an. Alleinstellungsmerkmal der App ist ein voll funktionaler Kalender zur Planung des Alltags mit prognostizierten Zyklusphasen und den damit einhergehenden Symptomen – diese werden im Vergleich zu anderen Apps umfangreich analysiert und nutzer*innenfreundlich aufbereitet sowie von Tipps begleitet. „Trude“ hilft, den eigenen Zyklus zu verstehen und zu leben.

Flamory

lamory erzählt die inspirierenden Geschichten mutiger Frauen, die oft im Schatten der Geschichte standen oder in Vergessenheit gerieten. Jede Kerze steht für eine dieser Frauen. Über ein Booklet und eine barrierefreie Hörversion erfahren die Betrachter mehr über ihre Geschichten. Die Kerzenform ist von der Schach-Dame inspiriert – einer oft unterschätzten Figur, die zum Schutz des Königs dient und dennoch die größte Bewegungsfreiheit im Spiel besitzt. Durch emotionale Gestaltung und provokante Sprüche regt das Projekt zum Hingucken, Erinnern und Handeln an.

Dear My Memories

Als multidisziplinäres Projekt besteht „Dear My Memories“ aus einer recherchebasierten Publikation sowie einer Reihe konzeptueller künstlerischer Arbeiten. Im thematischen Fokus des Projektes liegt die Untersuchung der unzuverlässigen Natur des menschlichen Gedächtnissystems im Kontext des post-digitalen Zeitalters, sowohl auf Grundlage der vielfältigen funktionalen Einschränkungen des Gehirns im Vergleich zu digitalen Datenspeichern als auch im Zusammenhang mit den Auswirkungen zeitgenössischer Einflüsse der virtuellen Welt auf unsere internen Erinnerungen.
Dieses grundlegende Motiv wurde hierbei nicht nur inhaltlich innerhalb der verschiedenen Arbeiten behandelt, sondern auch metaphorisch durch die stetige visuell-technische, auf dem konzeptuellen Ansatz der Transmedialität basierende Symbiose analoger und digitaler Materialien umgesetzt.

Auseinandersetzungen mit dem Absurden

„Auseinandersetzungen mit dem Absurden“ ist ein experimentelles Buchprojekt, das Albert Camus’ Philosophie des Absurden aus heutiger, persönlicher Perspektive neu verhandelt. In einer Welt zwischen politischem Chaos, digitaler Überreizung und ökologischer Krise wird die Sinnfrage zugleich unausweichlich und verdrängt. Das 178-seitige, vollständig in Risographie umgesetzte Werk vereint Zeichnungen, Fotografien, Notationen und Textfragmente zu einer visuellen Reflexion über Existenz, Widerspruch und Widerstand. Die Gestaltung und Narration sind assoziativ, direkt und bewusst nicht-linear, ein Medium, das nicht nur dokumentiert, sondern eigenständige Auseinandersetzung fordert. Das Projekt versteht sich als persönliche Auseinandersetzung, ästhetisches Experiment und philosophischer Selbstversuch.

dementia is a losing game

„Wenn du alt bist, bist du nichts mehr wert“, sagte meine Großmutter, als ich sie in ihrem Altenheim besuchte. Meine Großmutter leidet an Demenz, die es ihr unmöglich macht, das zu tun, was sie ihr ganzes Leben lang getan und geliebt hat – sich um die Familie zu kümmern. Die durch die Krankheit vergessenen Praktiken und Handlungen meiner Großmutter verwandeln sich langsam in Verwirrung. Zu vergessen, was man sein ganzes Leben getan hat, ist eine schreckliche Vorstellung, kann aber zu völlig neuen Erkenntnissen führen. In unserer kapitalistischen Gesellschaft wird eine Person, die nicht mehr voll funktionsfähig ist, oft als Last gesehen – meine Großmutter, die ihr ganzes Leben lang Werkzeuge benutzt hat, die heute wahrscheinlich nicht mehr viel wert sind, fühlt genauso.

„Demenz ist ein verlorenes Spiel“ ist ein Versuch, die durch Demenz verursachten Umstände als wertvolle Ereignisse darzustellen. Das Projekt betont den sentimentalen Wert dieser vergessenen Praktiken und Relikte und zielt darauf ab, die Verbindung zu meiner Großmutter aufrechtzuerhalten.

Supernaturalis

Warum ist magisches Denken trotz unserer scheinbar aufgeklärten Welt noch immer präsent?

Supernaturalis beleuchtet die faszinierende und oft irrationale Seite unseres Denkens, die uns alle prägt. Durch Rituale, Glücksbringer, Amulette aus verschiedenen Kulturen sowie ungewöhnlichen Archivfunden und Anekdoten wird diese menschliche Irrationalität inhaltlich als auch gestalterisch zum Ausdruck gebracht. Wie lassen sich diese irrationalen Denkweisen erklären? Ist magisches Denken sogar notwendig, und wie können wir es für uns nutzen?

Das kleine Kuriositätenbuch lädt dazu ein, sich von der Faszination des Unscheinbaren begeistern zu lassen. Begleitend zum Buch bietet das erweiterbare Archiv auf Instagram eine stetig wachsende Sammlung und Inszenierung von zeitgenössischen Glücksbringern, die es den Lesern ermöglicht, ihr eigenes magisches Denken zu hinterfragen und sich darüber auszutauschen.

BIN

Ein Mülleimer – alltäglich und bekannt – stellt sich den Fragen nach effizienter Produktion, Lagerung, Transport, individueller Konfiguration, autonomem Aufbau und Recyclingfähigkeit.

Aus transluzenter Polypropylenfolie wird in wenigen Handgriffen ein Volumenkörper – ein Mülleimer – in drei Größen, mit Varianten für Deckel und Anordnung.

Der Entwurf stellt ein System aus reißverschlussähnlichen Laschen in den Vordergrund, zur stabilen Verbindung der flexiblen Materialbögen. Alle Elemente werden im schnellen und skalierbaren Stanzverfahren hergestellt. Flach verpackt reduziert sich der Energie- und Platzverbrauch beim Transport.
Durch die bewusste und konsequente Reduzierung auf ein Material und die daraus hervorgebrachte Verbindung lässt sich der Mülleimer vollständig und „sauber“ recyceln.

waiting for the bus

„waiting for the bus“ verwandelt den Ort der Ersatzbushaltestelle, der durch Anonymität, provisorische Gestaltung und fehlende Aufenthaltsqualität geprägt ist, in ein charaktervolles Warteumfeld. Obwohl ständiges Warten ein fester Bestandteil unseres Alltags ist und das Umfeld unser Wohlbefinden stark beeinflusst, wird Warteorten im öffentlichen Raum kaum gestalterische Aufmerksamkeit geschenkt.

Die drei Stahlrohrelemente orientieren sich an Strukturen des öffentlichen Raums, an denen Menschen gerne verweilen, und funktionieren somit als Erweiterung der Haltestelle.
Je nach Platzbedarf lassen sich die Module flexibel anordnen. Die Stahlrohrstrukturen können einfach von den Bodenplatten getrennt werden, wodurch eine schnelle Montage und Demontage sowie ein platzsparender Transport ermöglicht werden. Die Arbeit verleiht dem temporär bestehenden Ort eine eigene Identität und schafft einen einladenden Raum, der zum Verweilen anregt.

SLALOM

Das Workshopkonzept SLALOM dient dazu, Kinder frühzeitig in die Welt der Gefühle einzuführen und sich damit auseinanderzusetzen. SLALOM ermöglicht Kindern einen Raum, in dem sie lernen, durch unterschiedliche spielerische und künstlerische Formen ihre Gefühle zu benennen, zum Ausdruck zu bringen, schwierige Situationen durchzustehen und Wege zu finden, mit ihnen umzugehen.
Das frühzeitige Aufklären hilft dabei, dass mögliche Symptome frühzeitig erkannt werden, sich diese nicht so fest verankern und dadurch die Entwicklung des Kindes nicht negativ prägen. Ziel ist ein gemeinsamer Austausch, das Reflektieren und Fantasieren sowie die Anregung von Vorstellungskraft und Kreativität der Kinder, während gleichzeitig ihr Selbstvertrauen gestärkt wird.