YPSILON

Eine produktsprachliche Auseinandersetzung mit einer Mediated-Reality-Schnittstelle. Ein Konzept für ein Gerät, das die visuelle Wahrnehmung des/der Operateur*in im Operationssaal digital unterstützt, modifiziert und überträgt.

Das vorgestellte Konzept erforscht, wie die Erweiterung des Sehsinns in der Chirurgie produktsprachlich umgesetzt werden kann. Die markante, namensgebende Form des Headbands ergibt sich aus der menschlichen Anatomie, und die Bedienelemente sind auf optimale Benutzerführung und Ergonomie ausgelegt. Das Visor von Ypsilon ist bewusst produktsprachlich als undurchsichtig gekennzeichnet; der/die Träger*in schaut nicht nur durch das Gerät hindurch, sondern in einen digitalen Raum hinein.

Durch den/die Träger*in zu betätigende haptische Bedienelemente sind für den blinden, taktilen Gebrauch gestaltet, während die Funktionen, die von Assistent*innen bedient werden, durch klare Anzeichen kommuniziert sind.

Folded Sheets

Folded Sheets überträgt Prinzipien des Papierfaltens auf Stahlblech. Durch präzise Schnitte und Faltungen entstehen aus einem einzigen, rechteckigen Blech Möbel und Leuchten. Die Faltungen sorgen dafür, dass das flache Blech seine Steifigkeit und Tragfähigkeit erhält, sodass die Objekte ganz ohne zusätzliche Verstärkungen belastbar sind.
Die Oberfläche wird mit einem traditionellen Schwarzbrennverfahren behandelt, bei dem Leinöl eingebrannt wird. Das schützt den Stahl vor Korrosion und verleiht ihm eine warme, tiefdunkle Farbe mit dezenten Farbnuancen.
Das Projekt setzt auf ressourcenschonende Herstellung, arbeitet ohne Verschnitt und nutzt einfache Werkzeuge und Maschinen. Es zeigt, wie sich aus industriellem Flachmaterial im kleinen Maßstab dreidimensionale Objekte entwickeln lassen.

Bau(m)stamm

Baumstamm ist ein Verbindungselementesystem für Kinder, das das kreative Bauen mit natürlichen Materialien wie Stöcken und Ästen ermöglicht. Es besteht aus sechs Hauptmodulen und passenden Schrauben, die sich flexibel kombinieren lassen. Die unterschiedlichen Formen der Hauptmodule erlauben das Konstruieren vielfältiger Formen mit Ästen bis zu 3 cm Durchmesser. So können Äste beispielsweise aneinandergereiht, in einer Kreuzform oder im 90-Grad-Winkel angeordnet werden oder eine Art Tipi-Form bilden. Besonders prägend war für die Entwicklung der Besuch im Waldkindergarten. Der pädagogische Ansatz zielt darauf, mit möglichst wenig Vorgegebenem die Kreativität der Kinder anzuregen und fast ausschließlich natürliches Spielmaterial wie Stöcke, Steine, Äste, Blätter und Erde zu verwenden. Baumstamm soll Kinder ermutigen, wieder mehr mit natürlichen Materialien zu spielen, ihre Umwelt aktiv zu erkunden und dabei Kreativität, Feinmotorik und ein Bewusstsein für die Natur zu entwickeln.

Nachhaltiges Industriedesign

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit führte ich Interviews mit regionalen Industrieunternehmen, darunter Reiling Glasrecycling. Das Unternehmen gewährte mir Einblicke in die Herausforderungen der Glasverarbeitung, insbesondere in Bezug auf den Reststoff, der im Recyclingprozess anfällt und mit seiner Korngröße von 1–2 mm wie Sand wirkt. Glas kann nicht von der Natur abgebaut werden, daher muss es neu gedacht werden, um eine nachhaltige Nutzung zu ermöglichen und die Entsorgung auf Deponien zu vermeiden.

Ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit sind Experimente zur Umwandlung von Glasabfällen in wertvolle Ressourcen. Mein Ziel ist es, eine neue Ressource zu schaffen, die einen weiteren Lebenszyklus erhält und einen nachhaltigen Kreislauf etabliert. Das Konzept des Cradle-to-Cradle-Systems begleitete mich dabei.

Innerhalb der zehn Wochen meiner Bachelorarbeit konnte ich erste Platten aus recyceltem Glas herstellen. Daher wird die Forschung an diesem Material gezielt fortgesetzt.

Klassik?

Ausgangspunkt meiner Thesis war meine Liebe zur Klassik und der Wunsch, diese Musik in einem gestalterischen Rahmen zu erkunden und zu reflektieren. In einem zunächst ergebnisoffenen Prozess analysierte ich bestehende Bild- und Sprachwelten sowie institutionelle Strukturen der klassischen Musik. Im Spannungsfeld zwischen Gestaltung und Musik sowie zwischen Humor und Ernsthaftigkeit erkundete ich unterschiedliche Wege der Musikvisualisierung. Es entstand eine Sammlung assoziativer Bilder und Geschichten, die Klassik sowohl analytisch als auch spielerisch verarbeitet. Aus diesem Material entwickelte sich schließlich ein Kampagnenentwurf für das Anhaltische Theater Dessau (ohne konkrete Beauftragung), der klassische Musik für ein jüngeres Publikum visuell neu kontextualisiert und aktiv zum Diskurs im Konzerthaus einlädt. Mit dieser Arbeit versuche ich, eine Brücke zwischen Gestaltung und kultureller Vermittlung zu schlagen und neue Menschen für klassische Musik zu begeistern.

Teron° – Cooling Workwear

Teron° verbessert das Wohlbefinden von Handwerkern unter heißen Bedingungen, steigert ihre Effizienz und reduziert gesundheitliche Risiken.
Die überlappende Schnittführung der Hose verbessert die Luftzirkulation, während Kühlelemente am Oberschenkel gezielt kühlen, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Die Weste fokussiert sich auf die Kühlung des Oberkörpers durch integrierte Kühlelemente. Diese kühlen durch Verdunstung von Wasser, wobei kein direkter Wasserkontakt mit dem Träger besteht, sodass dieser trocken bleibt.
Ergänzt durch atmungsaktive Materialien und geschickten Einsatz von Stauraum erleichtert die Kleidung den immer wärmer werdenden Arbeitsalltag.
Das sportlich-dynamische Design vermittelt Stärke und Selbstbewusstsein, senkt Hemmschwellen und verbindet Funktionalität mit Ästhetik. So erfüllt Teron° praktische sowie emotionale Bedürfnisse.

Believing in Together

In Zeiten globaler Krisen wird es immer wichtiger, nach alternativen Arbeitsmodellen zu suchen, die nicht auf einem Gegen-, Unter- oder Übereinander basieren. Obwohl es Kollektive schon sehr lange und in allen Arbeits- und Lebensbereichen gibt, werden sie noch immer stark unterschätzt.

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich eine Reise nach Mexiko, Chile, Australien und Indonesien unternommen, um dort sechzehn Kollektive in unterschiedlichen Kontexten kennenzulernen und von ihnen zu lernen. Das Ergebnis dieses partizipativen Forschungsprojekts zielt nicht darauf ab, Theorien kreativer Zusammenarbeit zu erklären, sondern zeigt aus verschiedenen Perspektiven, was geschieht, wenn Menschen an das Miteinander glauben.

Es ist ein spielerisches Manifest dafür, mutig Türen ins Unbekannte zu öffnen – und die eigenen weit offen zu lassen, damit auch andere Menschen (und Katzen!) eintreten können.

Elementum

Elementum ist ein Entwurf, der exemplarisch eine Methode zur dreidimensionalen Verformung von Holz untersucht. Das Holz wird dabei ausschließlich durch Spannung verformt – ohne den Einsatz von Dampfbiegen oder Formverleimen. Der Fokus des Entwurfs liegt auf der Erprobung und Evaluierung dieser Methode, die am Beispiel einer Liege untersucht wird.

Ein aus Holz ausgeschnittenes „Stadionrund“ bildet den Rahmen für eine textile Sitz- und Liegefläche. Der Rahmen wird mithilfe von Spanngurten in Form gebracht, auf ein Metallgestell montiert und anschließend mit Textil bespannt. Nach der Montage halten Bespannung und Gestell das Holz in Form – die Gurte sind nicht mehr nötig. Die Kurven des Rahmens wölben sich auf und zeichnen die Spannung nach. So entsteht aus dem flachen Holzrahmen ein Volumen. Diese Konstruktion ermöglicht es, die Liege flach zu verpacken und zu transportieren. Die Liege bietet Platz für zwei Personen und durch ihre gewölbten Kurven eine komfortable Kopfstütze.

Edna’s Call – Triptychon

„Wann immer wir denken, dass wir Erinnerungen produzieren, sind wir in Wirklichkeit mit Formen des Werdens beschäftigt.“ — Deleuze & Guattari

Das experimentelle Filmprojekt Edna’s Call erforscht transgenerationale Verbundenheit und die Vater-Tochter-Beziehung zu Lebzeiten. Die deutsch-amerikanische Kathrin und ihr US-amerikanischer Vater Daniel (seit 1974 als Schreiner/Tänzer in Deutschland) erkunden das unheimliche Haus der verstorbenen (Groß-)Eltern in den USA. Die Reise ermöglicht durch Erinnerungsstücke und gemeinsame Erlebnisse eine tiefere Verbindung zum Ort, zueinander und zu (Groß-)Mutter Edna (*1919), die 1944 in New York Schauspielerin werden wollte.

Drei Videos zeigen verwebte Ebenen: Narrationen ergänzen sich, laufen an anderer Stelle auseinander, finden wieder zusammen. Verknüpft wird Archivierungsarbeit mit künstlerischer Inszenierung, um Familiengeschichte, Identität und die reintegrierende Kraft der Versöhnung zu erleben.

Personal Fit Socket

Personal Fit Socket ist ein neuartiges Schaftsystem für Oberarmprothesen, das erstmals Komfort, Funktion und Eigenständigkeit in einem anpassbaren Design vereint. Ein integriertes BOA-Drehverschlusssystem ermöglicht es Anwender:innen, den Schaft flexibel und in Echtzeit an Volumenschwankungen des Stumpfes anzupassen – einfach, selbstständig und ohne fremde Hilfe. Strategisch platzierte Auflageflächen und gezielte Freiräume verbessern die Luftzirkulation, reduzieren Schwitzen und fördern Hygiene. Durch generativ gestaltete Strukturen und modulare Bauweise entsteht ein funktionales, leichtes und ästhetisches Produkt. Additive Fertigungsverfahren ermöglichen eine präzise, individuell angepasste Herstellung für jede:n Nutzer:in. Das Projekt setzt neue Maßstäbe in der Prothetik – für mehr Lebensqualität, Selbstbestimmung und Akzeptanz im Alltag.