The swelling of MDF

Das Projekt untersucht MDF als Werkstoff, dessen hygroskopisches Quellverhalten gezielt als gestalterisches Werkzeug genutzt wird. Während die Volumenzunahme bei Feuchtigkeit industriell als Defizit gilt, erschließt eine kontrollierte Veränderung der Maßhaltigkeit neues formales Potenzial. Basierend auf systematischen Versuchen wurde ein Verfahren entwickelt, das die Deformation über präzise Parameter wie Wassertemperatur, Einwirkdauer und lokale Feuchtigkeitsaufnahme steuert.

„Halbwerkzeuge“ wie Aluminiumprofile und Kabelbinder fungieren als restriktive Führung, die das quellende Material in Form dirigiert.

Die Entwurfsobjekte – Bank, Hocker und Stuhl – machen die Interaktion von Material, Zeit und Wasser sichtbar. Ihre reduzierte Formensprache tritt in Dialog mit den organischen Verformungen. Gestaltung entsteht hier nicht durch vollständige Beherrschung des Werkstoffs, sondern durch das Setzen von Bedingungen, unter denen MDF selbst Form annimmt.

Klipp – Verbindungsprinzipien aus dem Handwerk als formgebende Elemente von Alltagsgegenständen

Das Verbindungselement wird als zentrales Gestaltungsprinzip eines flexiblen Regalsystems untersucht. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie konstruktive Verbindungen nicht nur funktionale Aufgaben erfüllen, sondern die Form und Identität eines Produkts prägen können.

Ausgehend von handwerklichen Verbindungsprinzipien wurde ein Regalsystem entwickelt, bei dem die Verbindung bewusst sichtbar bleibt und zum bestimmenden Gestaltungselement wird. Der entworfene Verbinder übernimmt dabei sowohl konstruktive als auch formgebende Funktionen und bildet die Grundlage für unterschiedliche Konfigurationen und Varianten.

Die Form des Regals entsteht direkt aus der Logik der Verbindung und macht den Aufbau sowie die Funktionsweise des Systems nachvollziehbar. So wird aus einer technischen Notwendigkeit ein prägnantes Gestaltungselement mit eigener formaler Ausdruckskraft.

Wandler

Wandler ist eine Neuinterpretation des „Stummen Dieners“: funktional, nachhaltig, ästhetisch. Holzrundstäbe in verschiedenen Längen werden an Wand oder frei im Raum montiert und bilden ein wandelbares Grundgerüst.

Herkzstück sind 3D-gedruckte Module, die werkzeuglos aufclipbares Zubehör wie Kleiderhaken, Ablagen für Brillen, Helme und Schlüssel ermöglichen. Kombinierbar und anpassbar wächst das System mit seinen Anforderungen und passt sich flexibel an Lebenssituationen an.

Gegen „Fast Furniture“ setzt Wandler auf langlebige, wiederverwendbare Möbel. In Deutschland fallen ca. 179 kg Haus- und Sperrmüll pro Person/Jahr an, ein großer Teil durch Möbel. Wandler fördert nachhaltigen Umgang mit Wohnraum.

Als Open Source ist Wandler frei zugänglich. Nutzer*innen entwickeln Module, passen Komponenten an oder erweitern das System. 3D-Druck ermöglicht Gestaltungsfreiheit und Einzelanfertigungen.

Wandler ist modular, nachhaltig und offen – ein System, das bleibt, weil es sich verändern kann.

The Bund

The Bund hinterfragt unsere Faszination für das »Neue« und die Tendenz, den Wert dessen zu übersehen, was bereits existiert. Während sich soziale Strukturen, Wohnformen und alltägliche Bedürfnisse kontinuierlich verändern, wird Wohnraum noch immer weitgehend von überholten Modellen geprägt, die heutige Lebensrealitäten nicht mehr widerspiegeln.

Inspiriert vom Leben in Shanghais Longtang greift das Projekt informelle Nachbarschaftsstrukturen, die gemeinschaftliche Nutzung von Raum und die Fähigkeit der Bewohner*innen auf, ihre Umgebung an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Anstatt eine neue Wohntypologie vorzuschlagen, untersucht es, wie häuslicher Raum flexibler, verhandelbarer und partizipativer werden kann.

Durch ein System aus beweglichen Begrenzungen, Beleuchtung und Möbeln kann sich privater Raum temporär in gemeinschaftlich genutzten Raum erweitern und bei Bedarf wieder zurückziehen. Das Projekt schlägt einen Bottom-up-Ansatz für das Wohnen im Wandel vor, der auf bestehenden Orten, Objekten und Beziehungen basiert, statt auf ständigem Ersatz und Wachstum.

Design Beyond Intention

„Design Beyond Intention“ untersucht, wie die Bedingungen und Parameter der Gestaltung für die Serienproduktion in der Praxis angewendet werden können. Anstatt einen vollständigen Designansatz zu formulieren, konzentriert sich das Projekt auf die Validierung der Machbarkeit anhand des Aluminiumstrangpressens als Herstellungsverfahren und des daraus resultierenden Entwurfs der Sori Bench als Fallstudie. Das Projekt untersucht, wie frühe Designentscheidungen Konstruktion, Fertigung und Serienproduktion beeinflussen können.

„Design Beyond Intention“ ist als experimenteller Rahmen zur Bewertung und Anwendung produktionsbezogener Anforderungen, Material- und Fertigungsentscheidungen sowie von Fragen der Optimierung, des Transports, der Montage, Skalierung und Reproduzierbarkeit zu verstehen.

Die Sori Bench bildet das zentrale Ergebnis des Projekts, ein Sitzkonzept, das aus einem einzigen, maßgeschneiderten Aluminium-Strangpressprofil entwickelt wurde. Die Profilgeometrie, die integrierten T-Nut-Schienen und die demontierbare Konstruktion vereinen formale, strukturelle und produktionstechnische Überlegungen in einem Objekt.

clic

Wir sitzen zu viel, meist erhöht und statisch. clic setzt genau hier an: nicht als Trainingsgerät, sondern als stiller Begleiter im Alltag. Als bodennahes Sitzmöbel lädt es dazu ein, sich wieder näher am Boden zu bewegen. Die reduzierte Sitzhöhe fordert den Körper sanft heraus, aktiviert oft vernachlässigte Muskeln und regt zu ständigen Haltungswechseln an. Bewegung entsteht so beiläufig durch die reine Nutzung im Alltag und fördert dabei langfristig die Mobilität.

Die modulare Gestaltung eröffnet flexible Möglichkeiten zum Arbeiten, Entspannen und Zusammenkommen. Einzelne Polsterelemente lassen sich über Magnetverbindungen frei anordnen, kombinieren und erweitern. Eine bewegliche Rückenlehne unterstützt verschiedene Sitz- und Liegepositionen. Mit klaren Formen und wohnlichen Materialien fügt sich clic ästhetisch in moderne Räume ein und nimmt dem bodennahen Sitzen die Fremdheit. clic hinterfragt Gewohnheiten und macht Bewegung zu einem selbstverständlichen Teil des Wohnens.

Nulo – mobile Leuchte für den nächtlichen urbanen Raum

Wem gehört das Licht? Wem gehört die Stadt? Der urbane Raum ist sehr komplex. Besonders nachts zeigt sich diese Vielschichtigkeit von Stadtleben und künstlicher Beleuchtung. Auffällig ist dabei die räumliche Trennung von beleuchteten Flächen und sozialen Begegnungsorten. Diese Diskrepanz eröffnet Möglichkeiten: Untersucht wurde der Park als exemplarischer Ort, an dem Öffentlichkeit und individuelle Bedürfnisse aufeinandertreffen.

Hier setzt Nulo an: eine Leuchte, die Licht gezielt in soziale Räume bringt. Ihre Gestaltung lädt zur Interaktion ein, ermöglicht flexible Platzierung und schafft mit warmem Licht eine angenehme Atmosphäre bei minimaler Lichtemission.

Die Leuchte ist autonom, nicht im Boden verankert und vandalismussicher konzipiert. Nulo versteht sich als Stadtmobiliar, das soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt und sich deutlich von konventioneller Straßenbeleuchtung abhebt. Durch ihre Autonomie und Lichtqualität schafft sie neue Ankerpunkte im nächtlichen Stadtraum.

Slit shelving system

Das Slit Shelving System ist ein modulares Regalsystem, das um den Zwischenraum zwischen zwei Paneelen herum aufgebaut ist. Ein durchgehender zentraler Schlitz wird zu einer aktiven strukturellen Nut, in die Zusatzmodule von oben oder unten eingesetzt werden können. Kleine Plättchen verriegeln die Module im Schlitz ohne sichtbare Schrauben oder Beschläge.

Anstatt das Regal und sein Zubehör separat zu betrachten, wurde das System von Anfang an als eine integrierte Struktur konzipiert. Module wie ein Minitisch, eine Leuchte, ein magnetischer Display-Clip, ein Poster-Clip, eine Steckdosenhalterung und eine Buchstütze unterstützen Präsentation, Arbeit, Beleuchtung, Aufbewahrung und Kabelorganisation.

Vertikale Elemente aus Metall sorgen für Stabilität, während horizontale Holzoberflächen eine wärmere Kontaktfläche für Gegenstände und den täglichen Gebrauch bieten. Durch einheitliche Materialien, Radien und Verbindungsdetails schafft das System flexible Funktionen bei gleichzeitig ruhiger und einheitlicher visueller Ordnung.

MOVEA – Ein modularer Rollator für mehr Selbstständigkeit und Würde im Alter

Viele ältere Menschen nutzen ihren Rollator in einer unergonomischen Haltung. Fehlende Einweisung, falsche Einstellungen und unzureichende Anpassung führen oft zu Fehlhaltungen im Alltag. Gleichzeitig wird der Rollator häufig als rein medizinisches Hilfsmittel wahrgenommen.

MOVEA ersetzt das Prinzip der nachträglichen Höhenverstellung durch ein modulares System aus unterschiedlich dimensionierten Komponenten. Nutzer werden im Sanitätshaus vermessen und erhalten einen Rollator, dessen Bauteile passend zu ihren Körperproportionen kombiniert werden. Dadurch entsteht eine ergonomisch abgestimmte Lösung für eine aufrechte und sichere Nutzung.

Ergänzt wird das Konzept durch einen zirkulären Ansatz: Komponenten können ausgetauscht, geprüft und wiederverwendet werden. Das verlängert Nutzungszyklen und fördert eine nachhaltigere Versorgung. Eine klare Formensprache löst den Rollator aus seinem medizinischen Kontext und macht ihn zu einem selbstverständlichen Begleiter im Alltag.

ZOYA – Kindersicherheit durch Innovation neu gedacht

ZOYA ist ein Konzept für Kindersicherheitssysteme der nächsten Generation mit Blickrichtung nach vorne, das herkömmliche Ansätze zur Kindersicherheit in Frage stellt. Trotz ständiger Fortschritte haben sich Kindersicherheitssysteme seit ihrer Erfindung weitgehend unverändert gehalten. Im Einklang mit dem UN-Ziel für nachhaltige Entwicklung Nr. 3 zielt ZOYA darauf ab, Verletzungen und Todesfälle durch Verkehrsunfälle durch sichereren und intelligenteren Kindentransport zu reduzieren.

Die Nutzung anthropometrischer Daten zur Ermittlung der wichtigsten zu schützenden Körperbereiche ermöglichte eine strategische Reduzierung der Materialmenge der herkömmlichen Kindersitzschale: Material wurde dort entfernt, wo es kaum einen Nutzen hatte, und dort konzentriert, wo es am meisten zur Sicherheit beiträgt.

Das daraus resultierende offene und leichte System ermöglicht es Kindern, ihre Umgebung besser wahrzunehmen, und stellt gleichzeitig die herkömmliche Annahme in Frage, dass mehr Material gleichbedeutend mit mehr Sicherheit ist. Stattdessen zeigt ZOYA, wie intelligente Strukturen, intelligentere Materialien und gutes Design sicherere und effizientere Systeme schaffen können.