Daydreamer

Daydreamer: Luft als konstruktives Element

Kinderwagen sind ein zentrales Transportmittel vieler neuer Eltern. Trotz kontinuierlicher Weiterentwicklungen weisen bestehende Systeme hinsichtlich Transportierbarkeit Einschränkungen auf. Ursache sind die überwiegend verwendeten rahmenbasierten Unterbauten mit starren Rohrstrukturen, die ein großes Packmaß verursachen.

Inspiriert von aufblasbaren Strukturelementen aus dem Kitesport, wurden unterschiedliche Materialsysteme, Fertigungsverfahren und Konstruktionsprinzipien analysiert und hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf diesen Anwendungsbereits überprüft.

Im Entwicklungsprozesses entstanden diverse Funktions- und Versuchsmodelle, die zu neuen Erkenntnisse führten und Weiterentwicklungsmöglichkeiten boten. Das Ergebnis ist ein leichtes, kompaktes und schnell aufbaubares Mobilitätsprodukt, das die konstruktiven Eigenschaften von Luft gezielt nutzt und neue Perspektiven für Produktgestaltung aufzeigt.

Neupositionierung des Briefkastens als demokratisches Informationsmedium im gesellschaftlichen Raum

Der Briefkasten zählt über 100.000 Standorte und bildet damit eines der dichtesten Infrastrukturnetze Deutschlands. Im digitalen Alltag ist er jedoch zur stummen Blackbox geworden. Dieses Projekt gibt ihm eine neue Stimme: Ein energieautarkes E-Ink-Display mit Bewegungssensor verwandelt den passiven Logistikkasten in eine aktive demokratische Schnittstelle im Stadtraum.

Nähert sich eine Person, invertiert das Display und signalisiert Dialogbereitschaft. So rücken lokale Themen direkt in den Alltag. Basisinformationen sind in einfacher Sprache und ohne Smartphone lesbar, ein QR-Code öffnet vertiefende Inhalte.

Am Beispiel der Briefwahl zeigt der Entwurf, wie demokratische Prozesse adaptiv vermittelt werden. Die Datenübertragung läuft per NFC während der Leerung, sodass die bewährte Logistik erhalten bleibt.

So wird aus einem brachliegenden Relikt ein nachhaltiges, skalierbares Werkzeug für gesellschaftliche Teilhabe und Vertrauen in staatliche Institutionen.

Smart Public Transport

Im Fokus der Arbeit steht die Frage, wie Straßen wieder von Menschen statt von Autos geprägt werden können. Durch die Reduzierung des Individualverkehrs entstehen lebenswertere öffentliche Räume, welche die Aufenthaltsqualität steigern.

Um diese Transformation zu ermöglichen, ist dieses Bussystem flexibler, effizienter und nutzerorientierter ist als heutige Systeme. Der Bus wird als adaptive Plattform verstanden, deren Innenraum sich je nach Bedarf für Fahrgäste oder Güter anpassen kann. So kann öffentlicher Verkehr die Mobilität in autofreien Städten zuverlässig und variabel sichern und gleichzeitig den städtischen Raum vom Auto- und Lieferverkehr entlasten.

Ergänzt wird das Konzept durch intelligente Infrastruktur, digitale Vernetzung und nachhaltige sowie platzoptimierende Fahrzeugarchitektur. Ein Mobilitätssystem, das Menschen in den Mittelpunkt stellt, Straßen wieder belebt und einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen, lebenswerten Stadt der Zukunft leistet.

Vagakey

Therapie wird alltagstauglich, wenn sie sich zuverlässig wiederholen lässt. Adipositas ist chronisch und rezidivierend; Therapieadhärenz bleibt noch herausfordernd. VagaKey überführt die Vagusnervstimulation am Ohr (taVNS) in ein tragbares, nichtinvasives, kopfhörerähnliches System mit Monitoring fürs Gewichtsmanagement.

Wie beim Drehen eines Schlüssels wird es eingesetzt und gedreht, bis es in der Endposition einrastet. Diese ermöglicht klarere Ausrichtung und stabileren Kontakt: für präzise Positionierung und verlässlichen Stimulationskontakt.

Stützbereiche und gehörgangsfreies Tragekonzept wurden aus Ohrdaten, 1:1-3D-Scans, Prototypen und Interviews entwickelt und in Nutzertests sowie ärztlich evaluiert. Haptische Bedienung ohne Sichtkontrolle und austauschbare Eartips erhöhen den Komfort. So entsteht eine verlässliche, alltagstaugliche Therapieroutine: VagaKey setzt nicht auf mehr Willenskraft, sondern auf Gestaltung, die eine korrekte und regelmäßige Anwendung erleichtert.

MAN LINQ. Ansatz zur Bewältigung des Nutzfahrzeug-Fahrermangels im europäischen Raum durch remote-unterstützte Langstreckentransporte.

LINQ ist eine Kooperation mit der MAN Truck & Bus SE, in welcher die Arbeitsbedingungen von Fernfahrern durch teilautonome Fahrzeuge und Teleoperation adressiert werden. Fahrzeuge können zeitweise aus einem lokalen Büro gesteuert werden, wodurch Fahrer nicht mehr an Rastplätze oder Kabinen gebunden sind und Zugang zu besserer Infrastruktur sowie familienfreundlicheren Arbeitszeiten erhalten.

Gleichzeitig ermöglichen fahrerlose Abschnitte auf Autobahnen schnellere Lieferungen und entlasten Rastanlagen.

Das Fahrzeugdesign fokussiert sich auf Aerodynamik: Eine optimierte Luftführung zwischen Zugmaschine und Trailer sowie ein verkleideter Unterboden reduzieren den Energieverbrauch nachhaltig.

Man Made Landscape

Man Made Landscape untersucht die Formensprache und Gestaltungslogik künstlicher Miniaturwelten und überträgt vertraute infrastrukturelle Elemente zurück in den menschlichen Maßstab. Straßenlaternen, Mauern, Strommasten und Industrieschornsteine prägen unsere gebaute Umwelt normalerweise im Hintergrund; hier werden sie zu nutzbaren Objekten, die berührt, bewegt und aktiv verwendet werden können.

Das Projekt untersucht, wie Maßstabsverschiebungen unsere Wahrnehmung alltäglicher Strukturen verändern. Ausgehend von Beobachtungen von Modelllandschaften und urbaner Infrastruktur wurden die Objekte abstrahiert, skaliert und durch industrielle Fertigungs- und Veredelungsverfahren wie Vakuumformen, CNC-Fräsen, CNC-Biegen und Pulverbeschichten für die menschliche Nutzung neu gestaltet.

Die daraus entstandenen Objekte bewegen sich zwischen Modell und Realität: spielerisch in ihren Proportionen, zugleich jedoch mit der Ernsthaftigkeit funktionaler Industrieobjekte gestaltet und produziert. Sie laden zur Interaktion ein und eröffnen eine neue Perspektive auf Infrastruktur, die normalerweise feststehend, distanziert und unbeweglich erscheint.

KAMBIO – Nicht-invasive interne Baumdiagnostik

Kambio ist ein Konzept für ein tragbares Baumradar zur schnellen, zerstörungsfreien Untersuchung des inneren Zustands von Bäumen. Bestehende Verfahren sind entweder invasiv und liefern nur punktuelle Daten oder nicht-invasiv, aber zeitaufwendig und fehleranfällig. Gleichzeitig steigt der Bedarf an effizienten Lösungen für die Pflege urbaner Baumbestände. Ziel des Projekts ist eine präzise, praxisnahe Diagnostik, die von einer Person einfach im Arbeitsalltag durchgeführt werden kann.

Kambio nutzt Ground-Penetrating Radar (GPR) in einem kompakten, handgeführten Gerät. Eine Laserlinie unterstützt die Führung entlang des Stammes und ermöglicht reproduzierbare Messungen. Die erfassten Daten werden visualisiert und erlauben eine fundierte Bewertung des Baumzustands.

Kambio verbessert die Entscheidungsgrundlage in der Baumpflege, ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Schäden und unterstützt durch digitale Dokumentation eine langfristige Planung zum Erhalt urbaner Grünstrukturen.

Kalturm

Kalturm ist ein portables, aktives Kühlsystem für Getränkekisten, entwickelt für kleine bis mittelgroße Veranstaltungen. Egal ob Stadtläufe, Sportturniere, Studierendenpartys oder Open-Air-Events – überall dort, wo Kisten Getränke gekühlt werden müssen, aber keine passende Kühlinfrastruktur existiert, setzt Kalturm an. Das System nutzt die standardisierte deutsche Getränkekiste als tragende Struktur. Eine kompakte Kühleinheit mit Kompressor, Kondensator und Verdampfer sitzt oben auf dem Kistenstapel. Eine flexible, reflektierende Isolierhülle umschließt den Turm und passt sich der Höhe an, während leere Kisten von oben entfernt werden.

Kalturm läuft mit normalem 220V-Anschluss und kühlt aktiv über mehrere Stunden. Mehrere Einheiten lassen sich verbinden, um hochzuskalieren. Ein funktionsfähiger Prototyp wurde gebaut und getestet: Getränke kühlen von über 20°C auf stabile 9-10°C ab.

Die Konstruktion macht professionelle Kühlung für kleine Veranstalter erstmals zugänglich und bezahlbar.

IVIS – Intravenous infusion system

Herkömmliche Infusionsständer erschweren oft die Mobilität im Klinikalltag. Stolpergefahren durch Kabel, schwergängige Rollen und mangelnde Stabilität gefährden die Sicherheit. Gerade für ältere Patient*innen ist Bewegung jedoch essenziell für den Heilungsprozess.

IVIS ist ein Infusionsständer, der sichere und selbstbestimmte Mobilität ermöglicht. Zentrales Element nach den Prinzipien der Healing Architecture ist der Griff: ein ergonomisches Aluminiumprofil, das sicheren Halt und eine angenehme Haptik bietet. Das stabile Fahrgestell sorgt für einen niedrigen Schwerpunkt, während große Rollen das Manövrieren erleichtern. Ein mobiles Notruf-Display garantiert Sicherheit auch außerhalb des Zimmers. Zudem entlastet IVIS das Pflegepersonal, da Infusionsbeutel, Pumpen und Leitungen mithilfe eines geordneten Befestigungssystems mit Clips und Adaptern fixiert werden. Die offene Struktur des Aluminiumprofils erleichtert außerdem die Reinigung und Desinfektion.

Hedda

„Hedda – ein Sitzmöbel, in welchem ich meine Bedürfnisse für ein inspirierendes Gespräch ergründe“ befasst sich damit, wie Klassismus unseren Werdegang und unsere beruflichen Entscheidungen mitbestimmt. Ich suche nach geteilten Erfahrungen und Orten des Empowerment. Oft können uns Vorbilder, Netzwerke oder Mentor*innen weiterhelfen, neue Wege für uns in Betracht zu ziehen. Dabei sind besonders die Begegnungen über Klassen hinaus für alle Seiten bereichernd.

So entstand Hedda, ein modulares, schaukelndes Sitzmöbel für den Außen- oder Innenbereich. Ein besonderer Fokus liegt auf der sensiblen Farbgestaltung und der Knüpftechnik der textilen Sitzfläche aus Paracord.

Den Bedürfnissen der Nutzer*innen entsprechend, kann ein individuelles Gesprächserlebnis geschaffen werden, in welchem man gemeinsam, in dieselbe oder entgegengesetzte Richtung schauend, schaukeln kann. Das Stahlgerüst kann mithilfe eines einfachen Knotens in verschiedenen Ausrichtungen verbunden werden.