Inclusive Aesthetics: Ein Experimenteller Ansatz zur Balance von Ästhetik und Barrierefreiheit im UX/UI mit Entwicklung eines Gestaltungsleitfadens.

Die Arbeit untersucht, wie Barrierefreiheit in die ästhetische Gestaltung digitaler Benutzeroberflächen integriert werden kann. Bestehende Richtlinien wie die WCAG bieten Orientierung, sind jedoch oft schwer in konkrete Designentscheidungen zu übertragen. Ziel der Masterarbeit ist die Entwicklung eines gestalterischen Frameworks, das Designer bei der systematischen Berücksichtigung von Barrierefreiheit unterstützt.

Grundlage bilden theoretische Recherchen sowie qualitative Interviews mit Designern und Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Die Ergebnisse zeigen, dass Barrierefreiheit besonders erfolgreich umgesetzt wird, wenn sie frühzeitig in den Designprozess integriert, verständlich vermittelt und kontextbezogen angewendet wird.

Ergebnis der Arbeit ist eine Desktop-Anwendung mit Figma-Plugin, die Designer durch Wissensvermittlung, integrierte Tools, einen Chatbot und Quick-Checks bei der Umsetzung barrierefreier Gestaltung unterstützt.

Jungfrungatan 62I

„Unsere Flucht gestaltete sich vergleichsweise glücklich, es gab viel, viel schlimmere Schicksale. Und darüber waren wir sehr glücklich. Erwartet also keine Schauergeschichten.“

In meinem 15-minütigen Film sprechen Eva und Dieter, Geschwister meines Opas, über ihre Flucht im Winter 1945 aus Schlesien nach Würzburg. Eindrücklich schildern sie ihre Gedanken zu einer Zeit voller Brüche, Ziellosigkeit und neuer Zuversicht.

Bei – 21 Grad bricht die Familie mit sechs Kindern in Heydebreck auf, weil die Rote Armee näherrückt. Drei Monate in Atzbach sind geprägt von Hunger, Luftangriffen und provisorischen Unterkünften. Doch eines wird trotz allem Erlebten deutlich: Die zähe Kraft von Zusammenhalt und Gemeinschaft lässt auch an Gutes erinnern. Für mich wurde dieses Projekt zu Gesprächen über das Verlieren und Finden von Zugehörigkeit und die Frage, wer wir sind, wenn uns für immer unser Zuhause genommen wird. Mein Ansatz: Ruhige, nahe Bilder und Stimmen als Erinnerungsträger.

Zwischen Echo und Resonanz

„Zwischen Echo und Resonanz“ ist eine interaktive Multi-Screen-Installation, die die Transformation von Sprache in digitalen Echokammern typografisch sichtbar macht. Diese geschlossenen Meinungsräume tragen maßgeblich zur Polarisierung unserer Gesellschaft bei, bleiben dabei aber unsichtbar – genau hier setzt die Installation an.

Ein selbst entwickeltes typografisches Tool verwandelt Buchstaben in Ellipsen-Punktraster, deren Parameter wie Farbe, Form und Lesbarkeit an einen Echokammer-Score gekoppelt sind, berechnet aus über 37 Millionen Reddit-Beiträgen. Mit steigendem Score löst sich die Schrift zunehmend von bunt und lesbar hin zu abstrakt und schwarz-weiß auf.

Nur die Interaktion der Besuchenden kann diese Spiral unterbrechen und kurze Resonanzmomente erzeugen.

pforzheim.exe

Dieses Projekt beschäftigt sich mit dem negativen Image und der pessimistischen Selbstwahrnehmung der Stadt Pforzheim. Durch ein Videospiel sollen die Menschen zu einem Perspektivwechsel angeregt werden, indem sie die Stadt auf neue, interaktive Weise erleben. Dieser Perspektivwechsel rückt positive Aspekte in den Vordergrund und inszeniert bestehende Probleme in einem neuen Kontext.

Der digitale Klon der Stadt fungiert dabei als kondensierte Version Pforzheims: Räumliche Distanzen werden verkürzt, und stadtbildprägende Orte werden mit kulturellen Elementen verwoben. Diese virtuelle Welt bildet das Spielfeld für eine metaphorische Handlung, die den kollektiven Pessimismus der Stadt aufgreift und personifiziert.

Ziel des Spiels ist es, sich gegen die allgegenwärtige Negativität zu behaupten, die in der Figur des „Bruddlers“ ihren Ausdruck findet.

SEIT 19/02/20 HANAU

Die Website seit-hanau.de ist die Basis des Projekts SEIT 19/02/20 HANAU. Sie dient als lebendiges Archiv für Texte, die seit dem rechtsterroristischen Anschlag am 19. Februar 2020 in Hanau entstanden sind. Ziel ist es die Stimmen von Betroffenen sichtbar zu machen, gesellschaftlichen Austausch zu fördern und die kritische Auseinandersetzung mit Rassismus zu stärken.

Aus den auf der Webseite gesammelten Texten entstehen Plakate, die modular eine kollektive Plakatwand bilden. Jede Stimme wird so Teil eines gemeinsamen Diskurses. Zusätzlich können interaktiv eigene Plakate erstellt und im Stadtraum plakatiert werden.

SEIT 19/02/20 HANAU verbindet digitale Plattform, interaktives Tool und physische Plakate zu einem medienübergreifenden System, in dem Design als Werkzeug demokratischer und gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse dient. Dabei wird aus individuellen Beiträgen ein kollektives Erinnerungswerk, das digitale Inhalte in den öffentlichen Raum überträgt.

Path/waves: A web browsing and bookmarking environment for collecting references, exploring connections between them, and retracing browsing pathways

Das World Wide Web ist zu einer unverzichtbaren Ressource für die Suche nach und den Zugriff auf Informationen geworden. Hyperlinks ermöglichen es, in nicht-linearen Schritten von Seite zu Seite zu navigieren, wodurch Browsing-Pfade entstehen, die sich mit jedem neuen Klick weiterentwickeln und verzweigen. Folglich kann das Wiederauffinden zuvor angesehener Webseiten eine Herausforderung sein, und der Nutzen gängiger Webbrowser-Funktionen wie der Zurück-Schaltfläche, der Verlaufsliste und der Lesezeichensammlung greift in der Praxis oft zu kurz.

Diese Abschlussarbeit untersucht, wie Menschen im Web surfen und Informationen wiederholt aufrufen, mit welchen Problemen sie dabei konfrontiert sind und welche Ansätze bereits erforscht wurden, um ihr Erlebnis zu verbessern. Vor diesem Hintergrund wird vorgeschlagen, visuelle Darstellungen des Browsing-Verlaufs mit granularen Lesezeichen-Mechanismen zu kombinieren. Das Ergebnis ist „Path/waves“, eine experimentelle Browsing- und Lesezeichen-Umgebung, die das Sammeln von Seiten und Fragmenten, das Erkunden von Verbindungen zwischen ihnen und das Nachverfolgen der Pfade, in die sie eingebettet sind, ermöglicht.

Webfrei

Digitale Barrierefreiheit ist für viele Designer:innen und Web-Professionals ein komplexes Thema: Richtlinien sind umfangreich, Auswirkungen oft unsichtbar. Webfrei macht diese Zusammenhänge greifbar. Die interaktive Webanwendung, die in Webflow umgesetzt wurde, übersetzt die Anforderungen der WCAG 2.1 in verständliche Lernmodule, praxisnahe Übungen und Simulationen, die zeigen, wie Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen digitale Inhalte erleben.

Nutzer:innen bearbeiten Lektionen zu Themen wie Typografie, Farbkontrasten oder Alternativtexten, lösen interaktive Aufgaben und erhalten direktes Feedback zu ihren Entscheidungen. Durch spielerische Elemente wie Fortschrittsanzeigen, Punkte und Auszeichnungen werden abstrakte Standards in konkrete Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten verwandelt.

Webfrei ordnet komplexes Wissen, macht unsichtbare Barrieren sichtbar und schafft Verständnis für unterschiedliche Perspektiven, mit dem Ziel, das Web für alle zugänglicher zu gestalten.

UNSeen: Outlining Antifeminist Structures in the United Nations

Antifeminismus wächst weltweit, bleibt aber auf der Ebene der Global Governance oft unsichtbar. Das Meisterschülerinnenprojekt informiert über diese Strukturen in der UN auf Basis der Forschung von Jelena Cupać, Ph.D. (WZB). Das Webzine behandelt Meilensteine feministischer Interessenvertretung, die Rolle von NGOs sowie antifeministische Akteur*innen und Strategien.

Da Konflikte zwischen Pro- und Anti-Rights-Akteur*innen oft als Deutungskämpfe um Sprache und Formulierungen geführt werden, setzt die Gestaltung den Fokus auf Schriftzeichen. Inspiriert von Zine-Kultur nutzt das Projekt die Ästhetik der Schreibmaschine. Als Symbol von Bürokratie sowie weiblicher Arbeit wird sie hier zum Werkzeug feministischer Selbstermächtigung umgedeutet.

ASCII-Code führt diese Logik als digitale Typewriter-Art weiter. Die Zeichenraster werden zum Sinnbild antifeministischer Strukturen und werden durch Hover-Interaktionen aufgebrochen. So wird das Informieren zur feministischen Intervention.

midia

»midia« ist ein modulares Medienbildungskonzept ab der 7. Klasse, das eine strukturelle Lücke im Bereich der Medienbildung füllen soll und Jugendliche dabei unterstützt, einen selbstbestimmten und sicheren Umgang mit Social Media zu entwickeln.

Der Kern bildet dabei eine App, die von Lehrenden während des Unterrichts flexibel eingesetzt werden kann. Sie unterstützt dabei anwendbares, medienbezogenes Wissen thematisch und fächerübergreifend in den Unterricht zu intensivieren. Durch kurzweilige, didaktisch aufbereitete Inhalte entsteht ein interaktiver Lernraum auf Augenhöhe, der Themen wie Selbstdarstellung, Meinungsbildung und Aufmerksamkeitsökonomie direkt aus der Lebenswelt der Jugendlichen aufgreift und erfahrbar macht.

Didaktisches Begleitmaterial ermöglicht es den Lehrkräften zudem, sowohl Raum für eigenständiges Lernen als auch für den gemeinsamen Austausch im Klassenverband zu schaffen.

Birds and Boxes

Die Skinnerbox ist ein Experimentierkäfig aus der Verhaltenspsychologie, in welchem untersucht wird, wie Tiere durch das Drücken eines Knopfes und die darauffolgende Belohnung mit Futter gezielt zu bestimmten Verhaltensweisen konditioniert werden können. Die Mechanismen der Skinnerbox finden sich im Smartphone wieder, und wir werden zum Scrollen und Nutzen des Gerätes konditioniert. Statt mit Nahrung wird der Nutzer mit Verbindung belohnt. Durch Likes, Kommentare, News oder neue Posts wird ein tief verwurzeltes Bedürfnis nach Gemeinschaft, Interaktion und Anerkennung angesprochen.

Die App Birds and Boxes ermutigt den Nutzer, den radikalen Schritt zu gehen, das Smartphone auszuschalten und sich so aus der Skinnerbox des Smartphones zu befreien. Die Zeit, welche das Smartphone ausgeschaltet bleibt, trackt der Nutzer mit der App. Durch häufiges Ausschalten und damit zunehmender getrackter Gesamtzeit werden metaphorische Vögel aus der Skinnerbox befreit.