Ein Hocker für nachbarschaftliche Begegnungen.
Städtische Räume sind zunehmend von Anonymität geprägt – Smal setzt dem ein Möbelstück entgegen, das zu spontanen Interaktionen unter Nachbar*innen einlädt.
Im Flur hängend, ist der klappbare Hocker stets griffbereit und kann leicht nach draußen getragen werden, um Schwellenräume zu beleben und Momente des Zusammenseins zu schaffen.
Dank seiner leichten Bauweise ist er vielseitig einsetzbar – als Sitzgelegenheit oder kleine Ablagefläche. Er ermutigt dazu, den öffentlichen Raum wieder als sozialen Treffpunkt zu entdecken.
Autor: Jean Claude Granval
Kiosk für das Werkhaus Münzviertel
Nahe dem Hamburger Hauptbahnhof liegt das Werkhaus Münzviertel: Es bietet einen Rückzugsort und Raum für künstlerische Prozesse in den Werkstätten Holz, Garten, Sound, Küche, Textil und Fahrrad – für junge Menschen, die wohnungslos oder in anderen prekären Lebenssituationen sind.
Der Kiosk wurde entworfen, um ihre Ideen und Anliegen mobil in den Stadtraum zu tragen. Wandelbar in seiner Funktion – als Infostand, Mikroausstellung, Verkaufsstand, Mini-Workshop oder Suppenküche – versteht er sich als Plattform für gemeinsam entwickelte Inhalte und Formate sowie für individuelle Ausdrucksformen.
In der ersten Projektphase wurden unter anderem Lollies mit Zutaten aus dem „Münzgarten“ gegossen, Siebdrucke verkauft, später ein Banner und Lebkuchen mit subversiven Aufschriften gestaltet, um auf Demos wie Weihnachtsmärkten die anhaltende Wohnungskrise zu problematisieren. Das sich stetig fortschreibende Projekt schafft mit dem Kiosk als Werkzeug Sichtbarkeiten und Begegnungen.
Building Teenage Resilience
Psychische Gesundheit von Jugendlichen verschlechtert sich zunehmend – allein 2021 zeigte fast ein Drittel der Kinder in Deutschland Auffälligkeiten, 2022 äußerte die Hälfte der Jugendlichen Zukunftsängste. Präventive Maßnahmen fehlen oft im Alltag. Genau hier setzt Building Teenage Resilience an: Die digitale Plattform vermittelt in interaktiven Schulformaten Kompetenzen wie Emotionsregulation, Kommunikation und Problemlösung. Ergänzt wird dies durch Achtsamkeitsübungen, Pausenroutinen und kontinuierliches Emotionstracking. So wird mentales Wissen im Alltag verankert. Ein persönliches Schülerprofil sowie der Chatbot Ehm bieten niederschwelligen Zugang zu individuell passenden Ressourcen. Intelligente Monitoringfragen helfen, Belastungen frühzeitig zu erkennen und passende Unterstützung bereitzustellen – datenbasiert, wirksam und alltagsnah.
Intermezzo
Stell dir eine Bushaltestelle vor, an der Menschen gerne Zeit verbringen — ein „dritter Ort“, an dem sich Menschen treffen und aufhalten. Genau das ist die Idee hinter Intermezzo. Intermezzo verwandelt den zentralen Busbahnhof einer Kleinstadt in einen Freizeitort, der die Lebensqualität verbessert und gleichzeitig Mobilitätsbedürfnisse erfüllt. Mobilitäts- und Umsteigebereiche ermöglichen einen einfachen Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln. Der parkähnliche Aufenthaltsbereich definiert die Wartezeit als freie Zeit, in der die Menschen selbst entscheiden können, wie sie diese verbringen. Dies wird vor allem durch das Mobiliar erreicht.
Das Intermezzo-Mobiliar wurde auf Grundlage von Beobachtungen des Warteverhaltens von Schüler:innen an einer Bushaltestelle entworfen. Die Möbelstücke spiegeln die kreisförmige Struktur von Gruppensituationen wider. Sie bestehen aus modularen Segmenten, die in verschiedenen Kombinationen aufgestellt werden können, um den Bedürfnissen sowohl großer interaktiver Gruppen als auch kleinerer Gruppen gerecht zu werden. Jedes Segment kann auf drei verschiedene Arten montiert werden — entweder als Bank, Stehsitz oder Tisch — und verfügt über Haken zum Aufhängen von Taschen.
Die Zypresse
Das Masterprojekt befasst sich mit der Zypresse – einem tief in der iranischen Kultur verankerten Symbol für Freiheit, Leben und Unsterblichkeit. Inspiriert von ihren vielfältigen Darstellungen in persischen Teppichen, verbindet das Projekt östliche Ornamentik mit westlichem Minimalismus.
Diese Verbindung zweier gestalterischer Welten schafft eine kulturelle Synthese, die durch Schmuck neue Perspektiven auf Herkunft, Identität und Wandel eröffnet. Doppelseitige Anhänger, Clips und Medaillons erzählen vom Dialog zwischen den Kulturen. Die Trägerin entscheidet selbst, welche Seite sie zeigt – was sichtbar wird oder verborgen bleibt.
In der Serie „Was geblieben ist“ erscheint die Zypresse nur noch in Fragmenten: als stille, aber präsente Erinnerung an die eigenen Wurzeln. Das Medaillon wird zum persönlichen Ort des Bewahrens. Das Projekt versteht sich als Anerkennung der Herkunft und als Ausdruck der Zugehörigkeit in einem neuen kulturellen Kontext.
Mimicrisis
Leben ist Anpassung.
Wir sind Künstler*innen darin, unsere Umgebung an uns anzugleichen.
Wie wir uns aneinander anpassen, ist dagegen schwerer zu durchschauen.
Nicht immer ergeben die Verbindungen, die wir eingehen, Sinn. Das interessiert uns aber gar nicht. Wir nehmen und wir geben, wir verbiegen uns in eine Gruppe hinein und legen einer anderen unsere Werte auf. Wir können entscheiden, zu wessen Wohl wir handeln, und sogar mit Absicht Dinge tun, die für das reine Überleben unvorteilhaft sind.
Mimicrisis beschäftigt sich mit den Verbindungen, die wir mit anderen Menschen eingehen. Durch ein System von variabel verknüpfbaren Kleidungsstücken entstehen aus mehreren Körpern Formen, die soziale Verbindungen und Verbiegungen visualisieren und durch Performance erlebbar machen.
Mut zur Ecke
Im Rahmen dieses Projekts entstand ein modulares Sideboard, das gezielt um ein innovatives Eckmodul erweitert wurde. Der Entwurf reagiert auf die Anforderungen moderner Wohnsituationen, in denen Raum oft knapp bemessen ist. Ziel war es, eine flexible und ästhetisch überzeugende Lösung für ungenutzte Ecken im Wohnbereich zu schaffen.
Das Systemmöbel passt sich dank seines modularen Aufbaus verschiedensten Raumsituationen an – sowohl in seiner Form als auch in der Fläche erweiterbar. Besonderes Augenmerk lag auf der effizienten Nutzung von Zimmerecken, die durch das integrierte Eckmodul funktional erschlossen und gestalterisch aufgewertet werden.
Klarheit in der Formensprache, zeitgemäßes Design und eine hohe Alltagstauglichkeit zeichnen das Möbel aus. Es verbindet Gestaltungsanspruch mit Funktionalität und ermöglicht eine individuelle Anpassung an sich wandelnde Lebensumstände – langlebig, wandelbar und raumoptimierend.
wichtige triviale Fragen
Stehen die Wassergläser im Schrank mit der Öffnung nach oben oder unten? Geht man lieber bowlen oder kegeln? Solche zunächst trivial wirkenden Fragen entfalten bei näherer Betrachtung erstaunliches Gesprächspotenzial. Genau hier setzt das Kennenlernspiel „wtf – wichtige triviale Fragen“ an. Es stellt scheinbar unsinnige Fragen, die schnell zu unterhaltsamen Diskussionen führen. Denn oft zeigt sich, dass vermeintlich Selbstverständliches unterschiedlich wahrgenommen wird. Diese Unterschiede bringt wtf ans Licht und rückt sie ins Zentrum des Gesprächs.
Das Spiel schafft Raum für humorvolle, manchmal hitzige Gespräche über Alltägliches. Dabei lernt man sein Gegenüber auf eine neue, persönliche Weise kennen. Trotz kontroverser Meinungen steht der Spaß im Vordergrund, und man erkennt, dass verschiedene Sichtweisen bereichern können. Indem man seine Meinung begründet, versteht man andere besser – und überdenkt vielleicht selbst seine eigene Sicht.
artgerächt
artgerächt ist eine satirische Aufklärungskampagne über die Problematik der Qualzucht bei Hunden. Während extreme Zuchtmerkmale bei bestimmten Rassen schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachen, gelten sie in der Gesellschaft weiterhin als „süß“ oder prestigeträchtig. Die Arbeit setzt genau hier an: Sie nutzt die Sprache des Luxusmarketings, um Menschen zu erreichen, die Hunde nach äußeren Merkmalen auswählen – und konfrontiert sie mit den Folgen.
Ein vermeintlich exklusiver Hundekonfigurator führt Nutzer:innen durch ihre Wunschvorstellungen, zeigt anschließend die gesundheitlichen Defekte dieser Hunde auf und verweist auf passende Tierschutzhunde. Ziel ist es, Statusdenken aufzubrechen, Empathie zu fördern und die Akzeptanz für Qualzuchten infrage zu stellen – mit Design, das zum Umdenken bewegt.
What the Flax
„What the Flax“ ist ein Materialforschungsprojekt, das das Potenzial untersucht, Flachsverbundstoffe mithilfe von nachhaltig produzierten Naturmaterialien und Bindemitteln in Form aufzublasen.
Traditionelle Verbundstoffe erfordern teure Formen und Werkzeuge sowie nicht recycelbare Duroplast-Bindemittel. Durch die Entwicklung eines biobasierten Verbundstoffs, der genäht, aufgehängt und aufgeblasen werden kann, werden maßgeschneiderte Lösungen möglich, die diese Probleme umgehen. Diese bieten Festigkeit und Stabilität, die von Form und Querschnitten abhängen, und nutzen die natürlichen Eigenschaften des Flachs.
Inspiriert durch die Erinnerung an einen älteren Bergbauern, der einst fast alles aus Flachs herstellte, hinterfragt das Projekt konventionelle textile Normen und strebt eine neue Ästhetik an, die von Irritation und Innovation geprägt ist.
Darüber hinaus soll das Projekt das Material wieder mit dem Boden und den Menschen verbinden, die es anbauen, und eine neue Möglichkeit für den Flachsanbau in der Alpenregion aufzeigen, wo die Pflanze seit vielen Jahren keine wirtschaftliche Rolle mehr spielt.