HYPERUNIFORMITY

Wie lässt sich abstraktes wissenschaftliches Wissen vermitteln, sodass es Neugier weckt, verständlich wird und zum Austausch anregt? Diese Frage steht im Zentrum der Diplomarbeit, die das wenig bekannte mathematische Konzept der Hyperuniformität – ein Ordnungsprinzip mit Potenzial für Biologie, Physik und zukunftsweisende Stadtplanung – einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen will.

Ziel ist es, abstrakte Wissenschaft im öffentlichen Raum durch ein breit angelegtes interaktives Ausstellungskonzept erfahrbar zu machen. Drei aufeinander aufbauende Exponate wurden realisiert: mathematische Grundlagen, die per Gestensteuerung erfahrbar sind („Verstehen“); interaktiv erkundbare Anwendungsbeispiele („Entdecken“); sowie das Einbringen eigener Perspektiven als Ausgangspunkt für neue Forschung („Weiterdenken“).

Die abschließende Evaluation zeigte, dass Interaktivität, Attraktivität und narrative Gestaltung die Besuchenden motivieren, sich engagiert und offen mit komplexer Forschung auseinanderzusetzen.

MORPHO GENESIS

Warum sollte es etwas geben anstelle von nichts? Wieso tauchen in der Natur so viele Formen und Muster auf? Das Universum mag auf den ersten Blick chaotisch wirken, doch hinter diesem scheinbaren Chaos liegen zahlreiche Regelmäßigkeiten und Gesetze verborgen, die mathematisch beschreibbare Muster und Strukturen erzeugen. Sie sind der Prozess, wie Leben wächst und seine Form bekommt. Die Morphogenese-Theorie des britischen Mathematikers Alan Turing beschreibt diesen biologischen Prozess, durch den sich die physische Form eines Organismus im Laufe der Zeit entwickelt und verändert. MorphoGenesis beleuchtet die Erkenntnisse von Alan Turing und erforscht experimentell die organische Formbildung sowie die wiederkehrenden Muster der Natur. Dabei entsteht innerhalb einer digitalen Ursuppe eine neue Schöpfungsgeschichte, bei welcher sich Schritt für Schritt neue digitale Existenzen bilden.

Sei doch mal ein echter Mann!

In meiner Bachelorarbeit auf dem Bauhauscampus Dessau als Integrierte Designerin entwickelte ich die Ausstellung „Sei doch mal ein echter Mann!“, die gesellschaftlich geprägte Männlichkeitsbilder untersucht. Grundlage waren Interviews, eine Online-Umfrage sowie Gespräche mit Expert:innen. Die Ergebnisse wurden in eine begehbare Installation aus Scherenschnitten, Metallobjekten, Tonaufnahmen und Texten übersetzt. Besucher:innen begegneten konstruierten Rollenbildern und echten Stimmen über Gefühle, Vaterrollen und Selbstbilder.

Die Ausstellung versteht sich als Einladung zum Dialog – ohne Schuldzuweisungen, aber mit dem Wunsch nach Veränderung.
Sie zeigt, wie starre Männlichkeitsnormen nicht nur FLINTA-Personen, sondern auch Männer selbst einschränken – emotional, sozial und gesundheitlich. Gestaltung wird hier zum Werkzeug für geschlechtersensible Bildung und zur Stärkung demokratischer Werte durch Teilhabe, Reflexion und Zuhören.

Symbios

Die marine Biodiversität steht unter enormem Druck. Der Klimawandel und zunehmende menschliche Eingriffe bedrohen weltweit die marinen Ökosysteme. Mit dem Wachstum der Weltbevölkerung steigt auch der Druck, die Ozeane intensiver für die Landwirtschaft — insbesondere zur Nahrungsmittelproduktion — zu nutzen. Diese Arbeit stellt die Fragen: Wie können Mensch und Natur sich den Raum des Ozeans künftig teilen? Und wie lassen sich die Fehler der konventionellen Landwirtschaft im Ozean vermeiden?

Das Ergebnis ist Symbios – ein Bojensystem für den Seetang-Anbau in Nordeuropa. Das modulare System besteht aus einer zentralen Mutterboje, mehreren Tochterbojen und einem IoT-basierten Überwachungsgerät. Durch Teilernte und automatisierte Bewegung zwischen verschiedenen Wassertiefen ermöglicht Symbios den Landwirten eine ganzjährige Algenkultivierung und bietet gleichzeitig ein stabiles, dauerhaftes Habitat für marine Ökosysteme. Automatisierung und digitale Überwachung reduzieren kostspielige Fahrten zur Farm und minimieren Störungen des umliegenden Meereslebens.

BBQ Street

Die BBQ-Street ist eine 15 Meter lange Kochskulptur. Sie lädt zum gemeinsamen Kochen, Teilen und Begegnen ein. Die Skulptur besteht aus mehreren Stationen – an einem Ende steht ein Pizzaofen, daran anschließend ein 9 Meter langer Grill, gefolgt von einem Erdofen und einer großen Feuerstelle am anderen Ende. Die Stationen lassen sich einzeln oder gleichzeitig befeuern. Feuer, Essen und Bewegung im Raum schaffen dabei eine unmittelbare Verbindung. Kochen wird zum kollektiven Ritual, das Gemeinschaft stiftet und niedrigschwellige Begegnungen fördert. Die BBQ-Street steht fest installiert in dem Garten der Hochschule für bildende Künste und wurde das erste Mal gemeinsam mit der Kitchen Guerilla zur 250-Jahr-Feier der Hochschule performativ bespielt.

Objekte der Begierde. Fidgeting als Schnittstelle zwischen Funktion, Emotion und Ästhetik.

CHARMS versuchen, das negative Stigma von Fidget-Tools zu überwinden, indem sie durch ihre Materialität, Form und Haptik zu taktilen Alltagsbegleitern werden. Skilltools aus Holz, recyceltem Kunststoff, Silikon, Keramik und Edelstahl bieten durch taktile, thermische und olfaktorische Stimulation ein vielschichtiges sensorisches Erlebnis. Ihre organischen Formen kontrastieren mit der alltäglichen Umgebung und bieten eine erdende, beruhigende und konzentrationsfördernde Erfahrung. Durch recycelte Materialien, hohe Verarbeitungsqualität und außergewöhnliche Formen entstehen begehrliche Alltagsobjekte mit emotionalem Wert. Sie verbinden Funktion, Emotion und Ästhetik und fördern emotionale Selbstfürsorge und mentale Gesundheit. Als Alltagsbegleiter sollen sie Fidgeting sichtbar machen und zur Entstigmatisierung von emotionaler Instabilität, Konzentrationsschwierigkeiten oder Nervosität beitragen.

Turning the Lights On

Dark Patterns sind böswillige, absichtliche und strategische Designpraktiken, die von digitalen Plattformen eingesetzt werden, um Nutzer*innen zu Handlungen zu verleiten, die sie sonst möglicherweise nicht vorgenommen hätten – etwa den Abschluss unerwünschter Abonnements, das Teilen persönlicher Daten oder unbeabsichtigte Käufe. Diese täuschenden Interfaces sind kein Zufall; sie werden sorgfältig gestaltet, um Unternehmen zu nutzen – auf Kosten der Nutzerautonomie und informierten Einwilligung.

Laut der Europäischen Kommission setzen alarmierende 97 % der beliebtesten Online-Plattformen und 40 % aller E-Commerce-Seiten weiterhin Dark Patterns ein (Europäische Kommission, 2022). Dies wirft dringende Fragen zur ethischen Verantwortung von digitalen Designer*innen und zur Rolle von Design bei der Steuerung des Online-Verhaltens auf.

Dieses Projekt zielt darauf ab, ein durchsetzungsfähiges technisches Werkzeug zu entwickeln, das aktiv Dark Patterns in digitalen Produkten identifiziert und reduziert. Durch die Kombination von Expertinnenkonsens mit KI-gestützten Mechanismen soll das Tool Designerinnen und Regulierungsbehörden bei der Bekämpfung von Dark Patterns unterstützen.

Perfect World

Die Kollektion „Perfect World“ ist inspiriert von den Erfahrungen von Diskriminierung, Ungerechtigkeit und Gewalt, denen FLINTA-Personen in der patriarchalen Welt, in der wir leben, ausgesetzt sind. Ihre vielfältigen Emotionen – wie Wut, Traurigkeit, Verletzlichkeit, aber auch Stärke, Befreiung und Selbstbestimmung – spiegeln sich in den Materialien, Oberflächen, starken Kontrasten, Silhouetten, Mustern und bedeutungsvollen Symbolen wider.

Die Kollektion lädt die Betrachter*innen zum (Um-)Denken ein und hinterfragt vorgefasste Vorstellungen und Stereotype über Geschlecht und Kleidung sowie deren einschränkende Auswirkungen auf Individualität und Selbstausdruck. Elemente wie umgedrehte Hemden, überlange Ärmel, fehlende Stücke und unvollendete Kanten stellen gesellschaftliche Erwartungen infrage und öffnen den Raum für alternative Möglichkeiten.
So fördert „Perfect World“ ein tieferes Verständnis von Vielfalt und Individualität als bereichernde und stärkende Kräfte für alle.

Soft Filament Winding

Polstermöbel sind ein etablierter Bestandteil eines jeden Wohnzimmers sowie des öffentlichen
Raums. Doch gerade, weil sich traditionelle Polster so flächendeckend durchgesetzt haben, ist
auch das Problem ihrer großen ökologischen Belastung sowie ihrer geringen Recyclingfähigkeit
aktueller denn je. Nichtsdestotrotz gibt es kaum etablierte Alternativen auf dem Markt. Ziel dieser
Arbeit war es, das Potential der industriellen Fertigungs- und Verpackungsmethode “Wickeln“ für
die Herstellung von Polstermöbeln zu erforschen. Im Rahmen der Analyse unterschiedlicher
Wickelmethoden aus Industrie und Handwerk sowie der Kunst und Kultur wurden diese zu einer
Taxonomie zusammengefasst. Im Zuge der Arbeit entstand dafür eine Reihe an Artefakten, die
sich den unterschiedlichen Qualitäten traditioneller Polstermöbel über verschiedene Ansätze
nähern. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen als Grundlage für den Entwurf des Soft Bounce
Sofas, welcher die Möglichkeiten, exemplarisch veranschaulicht.

Mindful Movement

Angetrieben von der Motivation, Muskeln im Training intensiver zu spüren und gezielt anzusteuern, vereint diese Arbeit die Themen Sport, Funktion und Textil. Im Mittelpunkt steht die Mind-Muscle-Connection – die bewusste Verbindung zur Muskulatur, die die Körperwahrnehmung stärkt und das Muskelwachstum fördern kann. Der entwickelte Prototyp konzentriert sich auf die Wadenmuskulatur und kombiniert gezielte Druckpunkte mit einem komprimierenden Textil sowie druckverstärkenden Gummibändern. Ziel war es, die muskuläre Wahrnehmung während des Trainings zu verbessern. In einem Praxistest mit zehn Personen während einer Wadenübung wurde dieser Effekt bestätigt: Die Teilnehmer berichteten von intensiviertem Muskelgefühl, gesteigerter Stabilität und großem Interesse an dem Thema. Daraufhin wurde der Prototyp anhand des Feedbacks weiter optimiert. Das Ergebnis ist eine funktionale, körpernahe und neu gedachte Trainingsunterstützung – sowie ein Ansatz mit Potenzial für weitere Anwendungsbereiche.