KI positiv nutzen

Als dieses Projekt letzten Frühling startete, hatten wir kaum Wissen im Bereich künstlicher Intelligenz. Uns war unklar, wie wir als Designer KI sinnvoll einsetzen und suchten einen Ansatz, der uns hilft, durch dieses Feld zu navigieren.

Mit einem explorativen, gestalterischen Vorgehen näherten wir uns dem Thema. Wir beobachteten, wie KI-Programme den Designprozess vereinfachten. Doch uns stellte sich die Frage: Wie kann KI so eingesetzt werden, dass sie Gesellschaft und Umwelt zugutekommt?
Unsere Erfahrungen fassten wir in einer Designmethode zusammen, die den Umgang mit neuen Technologien beschreibt und uns hilft, realistische Potenziale zu erkennen. Zur Validierung haben wir die Methode angewandt und entwickelten Amber: ein KI-unterstütztes Monitoring-Device, das Förster beim frühzeitigen Erkennen von Borkenkäferbefall hilft. Am Baum befestigt, erkennt Amber mithilfe von Mikrofonen und einer Auswertung der KI Käfer noch bevor es äußerlich sichtbar wird und schützt so unsere Wälder.

Neue Form: Rinde

Dieses Projekt erforscht das Potenzial von Baumrinde als nachhaltigem Werkstoff. In Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut wird Rinde bindemittelfrei durch ein Heißpressverfahren verdichtet und anschließend mit CNC-Technik weiterbearbeitet. Computertomographische Scans helfen, die Materialstruktur zu analysieren und zu optimieren.

Ziel ist es, Rinde als wertvollen Rohstoff im Produktdesign zu etablieren und ihre ästhetischen sowie funktionalen Qualitäten zu demonstrieren. Ein Sitzmöbel dient als Demonstrator, um Stabilität, Modularität und Gestaltungsvielfalt aufzuzeigen. Durch den interdisziplinären Austausch zwischen Design und Wissenschaft entsteht ein innovativer, nachhaltiger Werkstoff, der alternative Nutzungskonzepte für das Restmaterial ermöglicht und einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leistet.

Microaggressions

Mikroaggressionen sind oft beiläufige, nicht böse gemeinte Kommentare – doch ihre Wirkung ist nicht harmlos. Sie verletzen, grenzen aus und verstärken unbewusst diskriminierende Strukturen. Viele Menschen glauben, bereits für Diversität und Diskriminierung sensibilisiert zu sein, ohne subtile Formen wie Mikroaggressionen zu erkennen. Ziel unserer Kampagne war es, genau hier anzusetzen: Wir wollten Unsichtbares sichtbar machen, aufklären und für sensible Sprache im Alltag sensibilisieren. Mit interaktiven Formaten wie Mikroaggressions-Bingo, Reels und Karussell-Posts auf Instagram und TikTok haben wir einen niedrigschwelligen Zugang geschaffen, Diskussionen angeregt und eine diverse Community erreicht. Wir setzen auf Empowerment, Aha-Momente und die Einladung zur Reflexion – für mehr Bewusstsein im digitalen Raum und darüber hinaus.

avio – touch and go

avio – touch and go ist ein User Interface Konzept für den Towerlotsenarbeitsplatz. Es führt zentrale Funktionen in einer einheitlichen Systemlösung zusammen, um die Planung und Koordination von Starts und Landungen effizienter und sicherer zu gestalten. Die bisher einzelnen Systeme – Sequenzierung, Lagedarstellung Luft, Lagedarstellung Boden, Wetter und Kameras – werden auf einem Touchscreen zusammengeführt. Ergänzt wird dieser durch einen Eingabestift mit taktilem Feedback, welches eine intuitive Steuerung und die direkte Verknüpfung mit dem mentalen Modell der Lotsen ermöglicht.

Das System stärkt das Situationsbewusstsein, verringert die kognitive Belastung und erleichtert Multitasking unter Zeitdruck. Durch die Reduktion redundanter Interaktionen sowie eine klare visuelle Struktur wird die Arbeitsbelastung spürbar reduziert. Ziel ist es, in einer sicherheitskritischen Umgebung eine gezielte Entlastung der Lotsen zu ermöglichen, ohne etablierte Abläufe zu unterbrechen.

YOM

YOM ist ein spekulatives Designprojekt, das sich kritisch mit dem Einfluss von Individualisierung auf die zukünftige Esskultur auseinandersetzt. Im Zentrum steht der personalisierende Automat „YOM“, der mithilfe gesammelter Daten individuelle Nährstoffkombinationen erstellt. Dabei hinterfragt das Projekt, ob die zunehmende Tendenz zur Personalisierung die soziale und kulturelle Bedeutung des gemeinsamen Essens verdrängt. Der Automat arbeitet nach dem Motto „Du isst, was du bist“ und veranschaulicht die Verschmelzung von Technologie und menschlichen Bedürfnissen. Visuell unterstützt wird dies durch ein Typo-Tool, das die Personalisierung durch individuell angepasste Schriftbilder verdeutlicht. Die Verpackungsgestaltung spiegelt die Vielfalt der Bedürfnisse wider. Durch das futuristische Food-Design hinterfragt YOM die Grenzen zwischen Natürlichkeit und Technologie und regt zur Reflexion über die gesellschaftlichen Auswirkungen von Individualisierung im Ernährungsalltag an.

Bürostuhl

Das Spiel „Bürostuhl“ greift den Generationenkonflikt am Arbeitsplatz auf und vereint Unterhaltung mit gesellschaftlicher Reflexion. Es will zu einem Dialog und Perspektivwechsel anregen, um zu zeigen, dass sich die Generationen ähnlicher sind, als Medien und Menschen glauben. Denn unsere Masterthesis untersuchte, wie virale Inhalte (Memes) stereotype Denkmuster und Erwartungshaltungen beeinflussen. Das Resultat: Sie verzerren die Wahrnehmung und fördern ideologische Konflikte. Ein Beispiel ist der Generationenkonflikt, dessen Existenz faktisch nicht belegt werden kann, jedoch von vielen empfunden wird. Eben jene Inhalte waren es, die den derben Humor und die im Spiel aufgegriffenen Klischees inspirierten.

Ziel ist es, die identischen Bedürfnisse der vier Spielcharaktere (Baby Boomer, Gen X, Y & Z) zu decken. Bürostuhls Besonderheit besteht darin, dass zwar jede:r für sich allein gewinnt, jedoch alle zusammen verlieren – ein Konflikt zwischen Eigeninteresse und Gemeinwohl.

Supa Sauna

Die Supa Sauna ist ein mobiler, öffentlicher Rückzugsort im urbanen Raum, der Erholung, Gemeinschaft und sozialen Austausch fördert. Sie entstand im Rahmen eines Wettbewerbs der Bundesstiftung Baukultur zur autofreien Stadt der Zukunft und stellt die Frage: Was tun mit Parkplätzen? An wechselnden Standorten in Berlin lädt die Supa Sauna dazu ein, öffentliche Räume neu zu denken. Öffentliche Bäder spielten historisch wie heute eine zentrale Rolle in Städten – als Orte der Hygiene, des sozialen Austauschs und der Teilhabe. An diese Tradition knüpft die Supa Sauna an und schafft eine niedrigschwellige, inklusive Plattform für verschiedene Bevölkerungsgruppen. Das Projekt verbindet Forschung zu öffentlichem Raum, Eigentum und sozialer Interaktion mit einem konkreten, sinnlichen Erlebnis von Gemeinschaft und Stadtraum.

DECAYED

DECAYED – „Was entsteht, wenn was zergeht?“ ist ein spekulatives, ganzheitliches Konzept für einen alternativen Gestaltungsweg. Aus einer postkapitalistischen Perspektive betrachten wir, wie zukünftig eine gemeinschaftlichere Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Spezies aussehen könnte.

Am beispielhaften Objekt Schuh wird ein biologischer Zersetzungsprozess durch Myzel angewendet, der nicht nur zum Kompostieren des verwendeten Materials dient, sondern auch die Gestaltung und Produktion aktiv mitbestimmt.
So wird in diesem Versuchsaufbau spekuliert, wie Mikroorganismen als Mitwirkende des Gestaltungsprozesses verstanden werden können.

In dem von uns gestalteten „Schuhgeschäft der Zukunft“ wird dieser gemeinschaftliche Prozess verortet, visualisiert und wertgeschätzt.
Dieses Zukunftsbild zeichnet die Schnittstelle zwischen Mensch und Mikroorganismus mit dem gemeinsamen Ziel einer postkapitalistischen Entwicklung.

Voice Select

Hörbeeinträchtigungen betreffen Millionen Menschen und schränken weit mehr ein als nur das Hören. Sie erschweren soziale Teilhabe, besonders in Gruppengesprächen mit vielen Stimmen und schnellen Sprecherwechseln. Bestehende Hörsysteme überfordern durch Verstärkung aller Stimmen oder setzen auf automatische Filterung, entziehen Nutzer:innen dabei aber die Kontrolle darüber, welche Stimmen sie hören – ein Verlust an Selbstbestimmung und Zugehörigkeit.
Voice Select geht einen anderen Weg. Die App erlaubt es Menschen mit Hörhilfen, gezielt auszuwählen, welche Stimmen sie hören möchten: individuell, unauffällig und ohne zusätzliche Hilfsmittel. Zwei zentrale Screens unterstützen die Nutzer:innen: ein Selection Screen für die Vorauswahl und ein Conversation Screen zur situativen Anpassung. So passt sich die Technik den Menschen an und nicht umgekehrt. Statt technische Defizite zu kaschieren, schafft der Entwurf Handlungsspielräume und zeigt, wie inklusive Kommunikation künftig aussehen kann.

BERGBÜNDL

Die Zahl der Bergunfälle steigt kontinuierlich. Häufige Ursachen sind eine mangelnde Bereitschaft zur Tourenvorbereitung und das fehlende Wissen über die speziellen Bedingungen in den Alpen.
Die Printmedien BERGBUCH, BERGBLATT und BERGBIERDECKL vermitteln Wander:innen kompaktes Wissen zu Eigenverantwortung und Sicherheit am Berg. Die Materialien sind an den Orten platziert, an denen sich Wander:innen ohnehin aufhalten.

Das BERGBUCH dient als kompaktes Nachschlagewerk und bietet fundiertes Hintergrundwissen zur alpinen Umgebung, erklärt wichtige Naturzeichen und liefert nützliche Tipps zur Tourenvorbereitung.

Das BERGBLATT ist der praktische Begleiter für unterwegs: Es fasst essentielle Handlungsschritte für kritische Situationen zusammen und zeigt, wie Gefahren frühzeitig erkannt und richtig darauf reagiert werden kann.

Die BERGBIERDECKL regen bei einem kühlen Getränk spielerisch zum Austausch über alpine Risiken an und fördern gleichzeitig verantwortungsbewusstes Handeln.