Die Videoinstallation 353 führt durch eine visuelle Dokumentation persönlicher Dinge zur Sensibilisierung und Reflexion des individuellen Konsumverhaltens. Die aus dem alltäglichen Gebrauch der Dinge abgeleiteten Inszenierungen offenbaren den skurrilen und ausufernden Konsum, der im Alltag oft ungesehen bleibt. Der Umgang mit den Dingen in ihrer Gesamtheit erlaubt eine humorvolle und zugleich ernsthafte Darstellung dieses Konsumverhaltens und dient als visuelle Zählung. Die Inszenierungen sind unerwartet und nicht belehrend, um die Auseinandersetzung mit dem Thema so zugänglich wie möglich zu machen. Die Kritik an unserem Konsum soll durch die Zurschaustellung der Dinge und der massenhaften Inszenierung deutlich werden und zu einer selbstständigen Einordnung durch die Betrachter:innen führen. Die Auswahl der dargestellten Dinge erfolgt mit der Intention, dass sich jede:r damit identifizieren, sich angesprochen fühlen, direkte Vergleiche ziehen und sich eine Meinung bilden kann.
Autor: Jean Claude Granval
Greyline – Glossar der Nacht
Unsere Welt befindet sich in absoluter Wachheit. Pausenlos wird produziert, konsumiert und mitgeteilt. Und das auch bei Nacht. Städte werden von künstlichen Lichtern erhellt und überstrahlen den natürlichen Nachthimmel. Licht kriecht förmlich in unsere intimste, privateste Sphäre.
Die Publikation verfolgt die tiefwirkenden Spuren von Licht, die im Anthropozän seit Erfindung der Elektrizität gezogen werden. Der Mensch entsagt sich seinem natürlichen Biorhythmus und befeuert durch Lichtemission die ökologische Krise.
Das Glossar lässt in die tiefdunkle Nacht eintauchen, in der zu Sinnlichkeit, Naturerfahrung und einer neuen Wahrnehmung angeregt wird. Es bildet eine Sammlung aus literarischen Bezügen, Begriffen und Fotografien, die die Vielseitigkeit der Nacht aufzeigen.
Das Glossar der Nacht setzt den Impuls, den eigenen Status von Abrufbarkeit in unserer 24/7-Gesellschaft zu hinterfragen und sich mit den Wechselwirkungen von Mensch und Natur auseinanderzusetzen.
modi funis
I AM THE PRINTER
I PRINT
I PRINT LIKE A PRINTER
BUT NOT LIKE A PRINTER
I AM THE TEXTILE PRINTER
Die Kollektion „modi funis – I AM THE PRINTER“ revitalisiert textile Handwerkskunst durch digitale Ästhetik und Fertigungstechniken. Digitale Medien prägen unseren Alltag, treiben uns zur Perfektion und entfremden uns zugleich. Die Verschmelzung analoger und digitaler Welten birgt die Gefahr kulturellen Verlusts. modi funis erforscht, wie digitale Faszination das Kunsthandwerk bereichern kann. Inspiriert vom 3D-Druck entstehen neuartige textile Flächen, die Form und Schnitt neu definieren. Kordeln formen sich entlang traditioneller Nähte und überschreiten diese zu zusammenhängenden Flächen. Couture-Elemente inszenieren das Textil skulptural am Körper. Die Kollektion zeigt, wie Mode Handwerk ehrt und digitale Technologie integriert.
WUNA
Die Wechseljahre bringen viele Veränderungen mit sich. Neben hormonellen Schwankungen treten auch körperliche Veränderungen auf. Zu den bekanntesten Symptomen gehören Hitzewallungen und Schlafstörungen, doch auch Gelenksteifigkeit und Muskelbeschwerden sind häufige Begleiterscheinungen der hormonellen Umstellung. Im Laufe der Jahre können diese Beschwerden das Risiko für Erkrankungen wie Arthrose oder Osteoporose erhöhen. Sport kann dabei helfen, diese Symptome zu lindern und Krankheiten vorzubeugen.
Hier kommt WUNA ins Spiel. Der WUNA-Hocker bietet eine einfache Möglichkeit, zu Hause gezielte Übungen durchzuführen. WUNA fällt ins Auge, ohne störend zu sein. So motiviert er dazu, den Körper täglich zu stärken und die Veränderungen aktiv wahrzunehmen.
HIP
Während Küchen im frühen 20. Jahrhundert vor allem auf Funktionalität ausgerichtet waren, dominieren heute minimalistische Ästhetik und reduzierte Nutzung. Je nahtloser die Kochbereiche werden, desto weniger wird tatsächlich gekocht — ein Wandel mit ökologischen, finanziellen und gesundheitlichen Folgen.
Aus dieser Erkenntnis entstand HIP: ein Regalsystem, das zeitgenössisches Küchendesign infrage stellt. HIP nutzt bislang ungenutzte Fliesenflächen und schafft durch sieben spezialisierte Regaldesigns zusätzlichen Arbeitsraum, während die Arbeitsflächen zum Kochen frei bleiben. Für die Montage ist kein Bohren erforderlich: Jedes Regal wird an zwei dafür vorgesehenen Löchern am speziell entwickelten HIP-Haken eingehängt. Dieser nutzt einen schraubenbasierten Saugnapf für eine stabile, aber jederzeit versetzbare Befestigung, sodass die Regale je nach Bedarf einfach montiert, verschoben oder entfernt werden können.
Die Serie lässt sich von früheren Designansätzen inspirieren, die die Küche als werkstattähnlichen Raum verstanden, kombiniert diese jedoch mit moderner Flexibilität — und lädt dazu ein, unser Verhältnis zum Kochen und den Einfluss von Gestaltung darauf neu zu überdenken.
Trude
„Trude“ ist eine innovative Zyklustracking- und Kalender-App, die Menstruierenden die Alltagsplanung mit dem Zyklus erleichtert, indem sie detaillierte Analysen des individuellen Zyklus in Kombination mit tiefgehendem Wissen zur Menstruation und deren Begleit- und Einflussfaktoren bietet.
Menstruierende durchlaufen im Zyklus zahlreiche individuelle Veränderungen, die sich physisch und psychisch auf sie auswirken. Die Anpassung an diesen Rhythmus kann vielen Menstruierenden im Alltag helfen, wird in vielen Tracking-Apps jedoch nur oberflächlich behandelt. Genau hier setzt „Trude“ an. Alleinstellungsmerkmal der App ist ein voll funktionaler Kalender zur Planung des Alltags mit prognostizierten Zyklusphasen und den damit einhergehenden Symptomen – diese werden im Vergleich zu anderen Apps umfangreich analysiert und nutzer*innenfreundlich aufbereitet sowie von Tipps begleitet. „Trude“ hilft, den eigenen Zyklus zu verstehen und zu leben.
Design for a World We Want to Live in
Design ist von Natur aus ein soziales Thema. Das untrennbare Zusammenspiel von Materiellem und Sozialem zeigt den tiefgreifenden Einfluss von Design auf die Systeme unserer Welt und entbindet keine Designer*in von der Verantwortung für die Auswirkungen ihrer Gestaltungen. Dies gilt sowohl für die komplexesten denkbaren Probleme als auch für die scheinbar einfachsten.
Dieses Projekt beschäftigt sich mit der Komplexität unserer Welt und der Notwendigkeit, dass Design darin agiert.
Eine Möglichkeit, sich dieser Komplexität zu nähern, besteht darin, die Welt als ein weites, miteinander verbundenes System mit unzähligen Netzwerken und Abhängigkeiten zu betrachten. In dieser Sichtweise ist das Design und die Produktion jedes Produkts oder Konzepts Teil dieser Netzwerke und hat immer Auswirkungen auf sie – sei es materiell, sozial, natürlich, historisch oder politisch.
Durch die Untersuchung des scheinbar banalen Objekts Türgriff als symbolisches und charakteristisches Objekt werden diese Netzwerke offengelegt, analysiert, kritisch hinterfragt und in Kontext gesetzt, um neue Wege des Gestaltens für eine Welt zu finden, in der wir leben möchten.
Dear My Memories
Als multidisziplinäres Projekt besteht „Dear My Memories“ aus einer recherchebasierten Publikation sowie einer Reihe konzeptueller künstlerischer Arbeiten. Im thematischen Fokus des Projektes liegt die Untersuchung der unzuverlässigen Natur des menschlichen Gedächtnissystems im Kontext des post-digitalen Zeitalters, sowohl auf Grundlage der vielfältigen funktionalen Einschränkungen des Gehirns im Vergleich zu digitalen Datenspeichern als auch im Zusammenhang mit den Auswirkungen zeitgenössischer Einflüsse der virtuellen Welt auf unsere internen Erinnerungen.
Dieses grundlegende Motiv wurde hierbei nicht nur inhaltlich innerhalb der verschiedenen Arbeiten behandelt, sondern auch metaphorisch durch die stetige visuell-technische, auf dem konzeptuellen Ansatz der Transmedialität basierende Symbiose analoger und digitaler Materialien umgesetzt.
Systemreise
Das Leben im Kleinen wie im Großen hat Folgen. Die jüngsten Beobachtungen des menschlichen Wirkens auf diesem Planeten, vor allem westlicher Industrienationen, drängen zu einem Umdenken im Umgang mit den Dingen des alltäglichen Lebens. Verpackungen gelangen direkt oder über Umwege in die Natur, Produkte gehen kaputt, weil sie minderwertig hergestellt werden oder schon mit einer geplanten Obsoleszenz auf den Markt kommen. Modische Normen machen funktionstüchtige Produkte obsolet.
Ziel des Projekts war es, Zusammenhänge und den Weg von systemischen Paradigmen zu konkreten und wirkungsvollen Designlösungen zu untersuchen. Mögliche Hebel für umweltbewusstes Produktdesign wurden erarbeitet, das gegenwärtig sowohl ökologisch sinnvoll ist als auch Nutzerakzeptanz findet. Die Erkenntnisse finden dann in einem praktischen Entwurf eines Koffers Anwendung, um zu erproben, wie sich umweltbewusste Designprinzipien auf die Gestaltung eines Produktes auswirken, wenn man sie konsequent anwendet.
Wertigkeit des Stoffes
Bei meinem Projekt handelte es sich um eine Stoffkollektion, bei der ich den Schwerpunkt auf die Stickerei legte, mit der ich die Textur von einfachen Stoffen wie z. B. Polyester oder ungebleichter Baumwolle veränderte.
In der modernen Gesellschaft geht der Wert von Stoffen allmählich verloren. Dies geschah mit dem Aufkommen der Fast Fashion. Wir können Kleidung praktisch endlos kaufen und wegwerfen. Sie verschleißt schnell, die Menschen pflegen ihre Kleidung nicht immer gut, waschen und trocknen sie möglicherweise falsch.
Die Idee meiner Arbeit durch Stickerei ist es, den Stoff komplex und seine Textur reich zu machen. Mein Ziel ist es, durch Stickerei dem Stoff einen höheren Wert zu verleihen, nicht in Bezug auf seine Produktion, sondern durch das Gefühl, das der Mensch beim Betrachten und Berühren des Stoffes bekommt. Dadurch möchte ich zu einem sorgfältigeren Umgang mit den Dingen, die wir tragen, animieren.