spiel formen

Robin Kuhnle

Oktober / October - 2018

Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Was ist es?

Eine Serie aus zwei grundsätzlich unterschiedlichen Objekten und Konzepten, die sich auf Basis einer fundierten theoretischen Arbeit mit dem Thema Spiel auseinandersetzen und die Einflüsse der Digitalisierung darauf betrachtet. Ein Konzept beschäftig sich mit einem grundlegenden Verständnis für Digitalität, das zweite mit unseren Erwartungen daran.

Was ist das Thema?

Die theoretische Arbeit widmet sich im ersten Schritt grundliegend dem Spiel. Im zweiten Schritt wird die Digitalisierung beleuchtet und welche Auswirkungen sie auf das Spiel hat. Im dritten Schritt werden diese Erkenntnisse aufgearbeitet und in zwei Konzepten zusammengefasst. Coding Coach ist ein analoges Coding Spiel, bei dem man über Rätsel, welche sich im Spielverlauf in ihrer Komplexität steigern, einen Einstieg in die Systematik der digitalen Welt erarbeitet. Sphere VR ist eine kritische Auseinandersetzung mit VR-Brillen und unseren Erwartungen an die Digitalität. Es ist ein Spiel mit einem alternativen Ansatz für die Darstellung digitaler Inhalte.

Warum sieht es so aus?

Die zwei Konzepte basieren auf der Spieltheorie von Roger Caillois, welche neu interpretiert wurde. Er unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Spielweisen, das geregelte Spiel „ludus“ und das triebhafte Spiel „paidia“. Die Konzepte bewegen sich in diesem komplementären Spannungsfeld. Coding Coach hat eine ludische Ausprägung. Das Coding folgt Regeln, welche frei eingesetzt werden können. Deshalb sind die Codingkarten des Spiels Puzzleteile (ludisch) und die Aufgaben frei (paidia). Sphere VR hat eine paidische Ausprägung. Die VR Brille wird als überzeichneter Kopf zu einer kompletten Maske. Es überspitzt unsere Erwartungen an die digitale Welt und führt den Spieler in ein triebhaftes Verhalten beim Spiel.

Was ist das Besondere?

Coding Coach: Im Fokus steht die Verbindung von analog und digital in der Lösung von Rätseln, dem Einsatz des Codes und des Codingprozesses selbst. Dabei wird der systematische Aufbau von Codes (digitalem Inhalt) über Level mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden erlernt. Der Lernprozess wird über analoges auslegen der Codingkarten (Puzzleteile) taktil unterstützt. Zudem sind die Aufgaben sehr frei gestellt und behandeln immer ein analoges Thema. Daraus entsteht ein Verständnis für die Untrennbarkeit von analog und digital. Sphere VR: Sphere VR ist eine Überzeichnung der maskierenden Wirkung einer VR Brille. Anstelle der Brille wird jedoch der Träger/Spieler mit seinem eigenen Verhalten und Bewegungen in den Mittelpunkt gestellt. Die Vorstellungskraft des Spielers ist der Hauptbestandteil des Spiels. Der Betrachter wird unwissend Bestandteil des Spiels, indem er auf den Spieler reagiert. Daraus entsteht beim Betrachter unweigerlich ein Bild, wie das Spiel in der Maske aussehen wird. Wird der Betrachter zum Spieler, ist er dadurch beeinflusst.

Was ist neu?

CodingCoach: Der analoge/taktile Codingprozess kombiniert mit analogen Rätseln sind als Gesamtkonzept neu. Über eine Levelsteigerung werden Befehle im Code in kleinen Teilen erklärt. Das Spiel geht auf verschiedene Lernarten ein und Coding wird nicht nur benutzt, sondern verstanden. SphereVR: In der Brille trifft der Spieler nicht auf ein digitales Spiel, sondern auf eine Aufforderung sich sein eigenes Spiel auszudenken. Der Spieler kann in der Brille sich selbst und die Reaktionen der Beobachter sehen, wodurch sie miteinandern interagieren. Das Spiel entwickelt sich aus der Kreativität der Spieler und der Wechselwirkung mit dem Beobachter. Das Konzept ist für den musealen Kontext ausgelegt.