kulturkonfekt

Eileen Krüger

September / September - 2019

Bauhaus Universität Weimar

Bachelor of Arts

Kurzbeschreibung

„Kulturkonfekt“ ist eine – für den Laderaum eines Kombis konzipierte – Möbelserie bestehend aus einem Bettgestell (140x200cm), einem Tisch, einem Stuhl und einem anpassbaren Aufbewahrungssystem.

Was ist das Thema?

Die geplante Obsoleszenz und ein antrainiertes Massenkonsum-Verhalten waren Auslöser für die Entstehung der Wegwerfgesellschaft. Ein Einkauf von neuen Ressourcen erwies sich für die Produktion als effizienter, als ein aufwendiger Recyclingprozess der entsorgten Rohstoffe. Kleidung und Einrichtungsobjekte wurden zu Modeartikeln – der emotionale Wert an den Objekten erhielt dadurch ein Ablaufdatum. Unser Möbelkonsum steigt alle Jahre um 150% an! Allein in Deutschland entstehen im Jahr 7 Millionen Tonnen Altmöbel. Recycelbares landet oft im Sperrmüll, da es an effizienten Sammelsystemen fehlt. Möbel waren früher durch Produktion in Handarbeit mit ihren hohen Preisen und guter Qualität (meist Massivholz aus dem Umland) Investitionsgüter - man kaufte Einrichtungsgüter für seine gesamte Lebenszeit und drüber hinaus (Erbe). Moderne Wohntrends zeigen bereits, dass als Gegenbewegung zur Konsumgesellschaft immer mehr Menschen weniger besitzen wollen. Zum einen hat die Erkenntnis hinsichtlich der Folgen der Wegwerfgesellschaft einen Teil der Jugend nachhaltig zu einem bewussteren Umgang mit Besitzgütern geprägt, zum anderen waren moderne Arbeitsverhältnisse der Auslöser für eine flexible Wohnkultur, die durch zu erwartende Veränderungen, wie häufige Ortswechsel, eine umfangreiche Möblierung für die Betroffenen nicht handhabbar macht. Die Zahl der Umzüge innerhalb Deutschlands stieg in den letzten Jahren an. Besonders häufig ziehen im Durchschnitt 18-29-Jährige um. Gründe dafür sind höhere Studierendenzahlen - 80% der Studierenden wohnen nicht bei ihren Eltern - und besagter Wandel in der Arbeitswelt. Berufstätige bleiben heute durch vermehrt befristete Arbeitsverhältnisse nicht lange in einem Job. Für eine kurzfristige Einrichtung wird oft „Ikea“ aufgesucht – die Möbel sind günstig und leicht zu ersetzen, werden also teilweise bei einem Umzug zurückgelassen. Die Verwendung der Güter als „Einwegmöbel“ ist aber durch die künstlich verkürzte Lebensdauer, mit Hinsicht auf den Energie- und Rohstoffaufwand in der Produktion, ein Problem für die Umwelt. Im Rahmen des Projektes beziehe ich mich auf Jugendliche, Studierende, Berufseinsteiger*innen und Freelancer etc.. Also eine Gruppe junger Menschen von 18 bis ungefähr 30 Jahren, die noch einen längeren Entwicklungsweg vor sich hat und Ausbildungs- und Jobbedingt flexibel agieren muss. Zudem ist diese Zielgruppe offener für die Annahme zukunftsgerichteter Gestaltungsansätze, die für bereits sesshafte Menschen ein Verzicht bedeuten würden. Durch den hohen Nutzen und eine zeitlose Gestaltung der verstaubaren Grundeinrichtung soll den Nutzer*innen wieder eine emotionale Verbindung zum Objekt aufbauen und es als Investitionsgut mit langem Gebrauch ansehen, wodurch das Konsumverhalten meiner Zielgruppe nachhaltig beeinflusst werden würde. Mein Entwurf soll der jungen Zielgruppe temporären Wohnens eine langlebige, umweltfreundlichere Einrichtungs-Alternative bieten.

Warum sieht es so aus?

Um das Projektziel zu erreichen ist erforderlich, dass die Grundeinrichtung in den Laderaum eines Kombis passt. Die Mindestmaße des PKW Stauraums von 160x100x70H Zentimeter beeinflussen so Volumen und Maße der Möbelelemente. Die Gestaltung der Möbelserie orientiert sich nicht an Trends sondern setzt auf Zeitlosigkeit mit Wiedererkennungswert und möglichst wenig Herstellungsschritte. Dadurch wird versucht preislich eine Balance zwischen Bezahlbarkeit für die Zielgruppe (oder deren Eltern) und der Qualität eines hochwertigen Designproduktes zu finden. Durch die Steckverbindungen der Rohrelemente mit Federclips und das einfache Einlegen und Aufstecken der Holz- und Blechelemente bleiben die Materialien voneinander trennbar, sodass die Bestandteile recycelt werden können bzw. das „cradle-to-cradle“-Verfahren denkbar ist.

Was ist das Besondere?

In meinem Projekt gehe ich speziell auf die Menschen in temporären Wohnsituationen ein, um eine langlebigere Alternative ihrer Wohnraumgestaltung zu entwickeln. Die große Verbesserung an meinem Entwurf zu vergleichbaren Produkten auf dem Markt ist, dass in meinem Konzept die Transportfähigkeit mitgestaltet wurde und die Möbelstücke so optimaler auf den Lebensstil der Zielgruppe zugeschnitten sind. Es ist ebenso eine besondere Herangehensweise eine junge belehrbare Zielgruppe durch ein funktional optimiertes Produkt intervenieren zu wollen, um so ein bewussteres Konsumverhalten zu erzeugen.

Was ist neu?

Das Alleinstellungsmerkmal der Grundeinrichtung „kulturkonfekt“ besteht darin, dass die nötigsten Möbelstücke einer Grundeinrichtung eine Serie bilden, die zusammen in den Kofferraum eines Kombis (und weiterer Autos) passt und so das Umziehen mit nur einer Autofahrt (inklusive Fahrer und Beifahrer) ermöglicht.