Normierungen – für Reuse und Recycling

Konrad Schoch

Januar / January - 2019

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Was ist es?

Normierungen sind ein ausgezeichnetes Instrument, um unsere einzigartigen Ökosysteme vor den zunehmenden Umweltzerstörungen des zeitgenössisch linearen Wirtschaftssystems zu schützen. Gleichzeitig ist es ein entschlossenes Plädoyer an das Design, wichtige Regeln zu beachten und eine hoffnungsvolle Forderung an politische Entscheider, für die notwendigen Rahmenbedingungen zu sorgen, mit Hilfe von Normierungen.

Was ist das Thema?

Am Beispiel elektronischer Geräte thematisiert die Arbeit die Schattenseite der Digitalisierung: Elektroschrott. Wesentlich ansteigend durch den ungebremsten technologischen Fortschritt, der sich auf den Einsatz hochlegierter Metalle und seltenen Erden stützt. Zusätzlich erschweren komplexe Produktarchitekturen oder inkompatible Stoffgemische die Verwertungsprozesse, die nicht für sogenannte Innovationen ausgelegt sind, ein Ungleichgewicht. Es wird Müll produziert. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, richtet sich die Arbeit mit Regeln an das Produktdesign, das überhaupt erst den Weg für mehr Kreislaufführung ebnen könnte. Als Intervention malt das Konzept ein ideales System. Darin folgen alle beteiligten Akteure politisch initiierten Normierungen, als Grundvoraussetzung für ein regeneratives Zirkulieren von Rohstoffen.

Warum sieht es so aus?

Das Thema der Arbeit ist komplex. Deshalb blickt sie ganzheitlich auf eine abstrahiert dargestellte Welt. Darin agieren die von der Intervention wesentlich betroffenen Akteure. Die Welt zeigt einen Zustand vor und einen Zustand nach der Intervention. Damit versucht sie die Zusammenhänge zwischen den Akteuren aufzuzeigen und über die positiven Folgen aufzuklären, die die Einführung von Normierungen mit sich bringen würden.

Was ist das Besondere?

Vor dem Hintergrund anhaltender Ressourcenausbeutung durch die industrielle Zivilisation, versucht die Arbeit dogmatische Normierungen in eine freiheitsliebende Disziplin – in das Design – zu verpflanzen. Das ist nicht nur besonders, sondern eröffnet die Möglichkeit zur regen Diskussion und Mitgestaltung! Das Konzept fordert ein verantwortungsvolles Gestalten von Produkten. Versuche das Design zu reglementieren hat es in der Geschichte des Design mehrfach gegeben. Auch das Scheitern dieser Versuche ist bekannt. Hemmnisse auf Seiten der Hersteller oder des Designs gibt es ohne Zweifel: Wieso sollten Hersteller da überhaupt mitmachen? Wie groß ist die Schaffenskraft von Design noch, wenn es Regeln folgen muss? Die vorliegende Arbeit möchte Anstoß geben, um über diese Fragen zu diskutieren.

Was ist neu?

Neu bei dem Konzept der Normierungen ist jedoch die aktuelle politische Debatte und globale Dimension. Das Konzept will nicht die Designprozesse normieren. Es möchte, dass gestaltete Produkte bestimmte Anforderungen erfüllen müssen, bevor sie den Markt erreichen. Die Arbeit unterstreicht die Brisanz des Themas mit einem praktischen Beispiel: Indiumzinnoxid wird als transparenter Halbleiter in fast allen Displays unserer elektronischen Geräte verbaut. Der Rohstoffabbau geht mit unverantwortlichen Umweltzerstörungen einher, die Herstellung und Verwertungsprozesse sind energieintensiv und ineffizient. Deshalb der konkrete Vorschlag für normierte Displaymodule von Smartphones. Wertvolle Ressourcen würden länger zirkulieren.