Interface of Sound

David Knop bei Prof. Frank Jacob (Entwurf) und Prof. Dr. Annika Frye (Theorie)

März / March - 2019

Muthesius Kunsthochschule Kiel

Was ist es?

Als Ergebnis meiner Master-Thesis ist ein elektronisches Musikinstrument entstanden (genannt R62.5), das durch die Verschmelzung von Materialität und Digitalität dynamisch und performativ gespielt werden kann. Somit können sich Musiker elektronischer Genres individuell ausdrücken und die Zusammenhänge zwischen Spiel und Klang werden auch für Außenstehende verständlich gemacht.

Was ist das Thema?

Das übergreifende Thema meiner Thesis ist die Auseinandersetzung mit Interfacedesign elektronischer Musikinstrumente. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Vermittlung von Virtuosität – durch die starren und immer gleichen Benutzungsweisen von Synthesizern, die sich durch typische und kleine Eingabeelemente wie Drehregler, Schieberegler und Knopf ergeben, bleiben die Künste, die Zusammenhänge von Maschine und Sound und damit letztendlich auch die Virtuosität des Künstlers verborgen. Als Gegenentwurf wurde daher ein Instrument entworfen, das verschiedene Interfacestrategien impliziert, wie z.B. die digitale Datenerfassung materieller Bewegung, um jene Zusammenhänge nach Außen zu projizieren und die Authentizität zu stärken. Dabei wurden stets die besonderen Genreansprüche berücksichtigt.

Warum sieht es so aus?

Während meiner Auseinandersetzung mit Virtuosität in Hinblick auf elektronische Musik bin ich zu dem Ergebnis gekommen, das diese nicht zwangsläufig durch das Gestikulieren des Künstlers entstehen sollte, so wie es bei akustischen Instrumenten der Fall ist, sondern eher auf abstraktem Wege durch die "Maschine", sowie durch mediale Mittel. Der Hintergrund dabei ist der Wunsch nach Anonymität und die Freude an Technik und Abstraktion, die seit Beginn der Subkulturen wie 'Techno' hohen Wert pflegt. In meinem Entwurf wird die Virtuosität somit durch sichtbare und materielle Bewegung der Maschine und einen individuellen Aufbau dieser vermittelt.

Was ist das Besondere?

Das Besondere an meinem elektronischen Musikinstrument ist die Verschmelzung von Materialität und Digitalität. Der Entwurf, der zunächst vom Format vergleichbar mit handelsüblichen Geräten ist, enthält eine besondere Methode, um Lieder aufzubauen und zu sequenzieren. Dafür können links auf dem Gerät transparente Scheiben übereinander gelegt werden, die unterschiedlich aufgebaut und segmentiert sind. Unterhalb der Scheiben ist ein Abstandssensor und eine Kamera. Die Schieben rotieren je nach Einstellung in einem bestimmten Tempo. Durch die Überlagerung und die individuelle Aufteilung der Scheiben misst der Abstandssensor unterschiedliche Werte, die mit Ton-, Beat- oder Musikabfolgen über einen Touchscreen Display verknüpft werden können. Darüberhinaus können die Scheiben bunt bemalt werden, sodass unterschiedliche Farben, die durch die Kamera erkannt werden, ebenfalls zum arrangieren von Beats o.ä. genutzt werden können. Des Weiteren können so nicht nur Sounds abgespielt werden, sondern parallel dazu ebenso Video- oder Fotosequenzen, die über einen HDMI Ausgang direkt als visuelle Projektion genutzt werden können.

Was ist neu?

Neu ist der Umgang mit Virtuosität in elektronischer Musik. Aus meiner theoretischen Auseinandersetzung in meiner Thesis habe ich neue Formen von Virtuosität definiert, die zum elektronischen Genre passen. Als Endresultat ist diese auf drei unterschiedliche Weisen gegeben: Erstens, durch die materielle Bewegung auf dem Gerät und dem individuellen Aufbau – Die Bewegung zeigt den Ablauf der Musik, der Aufbau die Komplexität; Zweites, durch die direkte Verbindung von Bild und Klang – Bilder erscheinen parallel zum Takt, wodurch dieser abstrakt visualisiert wird; drittens, durch Gesten des Künstlers – Der Abstandssensor kann ebenfalls genutzt werden, um Musik mit Handbewegungen zu steuern.