GEGEN-STAND

Christian Andrés Parra Sánchez

Januar / January - 2018

Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

Was ist es?

Das Projekt „GEGEN-STAND“ besteht aus vier Entfremdungsgegenständen, welche die Widersinnigkeit von Xenophobie und Rassismus verdeutlichen. Hierfür habe ich vier ironische Artefakte mit absurden Funktionen entworfen:
Xenophilophon (Akzentneutralisator und Entpersonalisator)
Videoveritas (Brille, die zwischen den Zeilen liest)
Rassistektor (Geigerzähler für Rassismus)
Egoreflektor (Neutralisator des politischen Ichs)

Was ist das Thema?

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage, wie man mithilfe von Design das Thema Xenophobie kritisch angehen kann. Das Projekt GEGEN-STAND konfrontiert Fremdenfeindlichkeit und Rassismus mit Satire, Sarkasmus, Ironie und Nonsense. Dabei inspirierte mich auch die Bewegung des Antidesigns, des Chindogu und des radikalen Designs. Über Humor hinausgehend jedoch entsteht meine Art der Entgegnung. So verweist der Titel der Arbeit GEGEN-STAND darauf, im ursprünglichen Sinne des Wortes entgegenzustehen, also Widerstand zu leisten.

Warum sieht es so aus?

Jedes Objekt sieht unterschiedlich aus, doch eines haben die vier Entfremdungsgegenstände gemeinsam: In jedem wird das Prinzip eines Spiegels angewandt und dient somit als Symbol der Selbstreflexion. Ich habe mich darüber hinaus für eine Ästhetik der klassischen Funktionalität entschieden, um den Eindruck von Ernsthaftigkeit zu generieren und die Absurdität der eigentlichen Funktion der Gegenstände zu konterkarieren. Je nach Kontext der Präsentation erscheinen die Objekte laborhaft oder performativ.

Was ist das Besondere?

GEGEN-STAND ermöglicht es, das Problem von Xenophobie und Rassismus mit besonderen Mitteln und genau so anzugehen, wie es ist: “absurd”. Die Entfremdungsgegenstände bieten Raum zum Nachdenken, zum Wahrnehmen, für Selbstevaluation, Kritik und Erkenntnis gegenüber dem Phänomen der Fremdenfeindlichkeit. Da es kein Kunstobjekt ist, das hinter einer Glasscheibe ausgestellt wird, animiert und provoziert es die Interaktion des Zuschauers, stiftet zunächst Verwirrung und vermag dadurch im Idealfall in Klarheit und Verständnis resultieren, sowie zu Gesprächen anregen. Außerdem bieten die Gegenstände die Möglichkeit, Performances mit ihnen durchzuführen, was zu verschiedenen Anlässen genutzt worden ist. Bisherige Reaktionen von Passanten auf die Objekte waren Sprachlosigkeit, Lachen, Angst, Irritation, Verwunderung, Nachfragen, Zuspruch und das Erzählen von eigenen erlebten Situationen. Besonderheiten liegen auch in der technischen Umsetzung, dem Einsatz eines Theremins und dem Verwenden eines Farbfilters.

Was ist neu?

Neu an dem Projekt GEGEN-STAND ist der Versuch, Sozialpathologien wie Xenophobie und Rassismus durch Produktdesign anzugehen. Die vier Entfremdungsgegenstände bieten irrationale, ironische und übertriebene Lösungen für absurde Probleme. Die Interaktion mit den Gegenständen gibt dem Nutzer die Möglichkeit, die Rolle des Opfers und des Täters selber zu erfahren. Ziel ist, dass die ausführende Person durch Selbsterkenntnis eine anschließende Bewertung und Kategorisierung unterlässt beziehungsweise Muster überdenkt.