INSIDE OUT – Empowerment-Kampagne zu Neurodermitis

Neurodermitis ist die häufigste chronische Hauterkrankung in Deutschland. Aufgekratzte, gerötete und schuppige Hautstellen prägen das Hautbild von Menschen mit Neurodermitis. Sowohl das sichtbare Hautbild, als auch das unsichtbare schwer erträgliche Hautempfinden, wie der extreme Juckreiz, kann Betroffene mental massiv belasten und zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität führen.

INSIDE OUT kehrt die unsichtbaren Belastungen von Neurodermitis nach außen. Das Empfinden eines akuten Schubs, das Jucken, Brennen und Spannen der Haut, wird in Form von feinen Mustern sichtbar.

Die Shirts, als auch Plakate und Social Media, verweisen auf eine Website, welche Informationen zu Neurodermitis nahbar, übersichtlich und zielgerichtet für Betroffene und Nicht-Betroffene vermittelt.

Die Kampagne soll Betroffene im Umgang mit Neurodermitis empowern und öffentliches Bewusstsein schaffen.

FLUX FORM — Robotic Biogel Printing

Material speichert Information. Ausgehend von dieser These untersucht Flux Form, wie Biogel experimentell robotisch verarbeitet werden kann, um gezielt unterschiedliche Materialqualitäten zu erzeugen. Ein Setup aus Pumpe und Roboter ermöglicht serielle Probenentwicklung mit variablen Faktoren; gedruckt wurde auf Kunststoffträger, Textil und Garn.

Als Anwendungsfall entstand ein System für Orthesen: hautverträglich, biologisch abbaubar, individuell in der Form. Druckdichte reguliert Flexibilität, parametrisch definierte Freiflächen ermöglichen die Einbettung flexibler Elektronik oder Sensorik. Funktion ergibt sich durch den Materialauftrag selbst. Viskosität, Körper und Maschine bestimmen die Form.

LUMENS

LUMENS ist ein experimentelles Fotobuch, das sich an der Schnittstelle von Mode, Theorie und visueller Erzählung bewegt. Es erzählt die Geschichte einer fiktiven Spezies, die in einer post-anthropozänen Welt existiert. Die Arbeit fragt danach, was es bedeutet, heute ein Mensch zu sein, inmitten ökologischer Krisen, sozialer Umbrüche und technologischer Transformationen. Dabei nutzt LUMENS die Ästhetik und Haltung der Punk-Subkulturen und Donna Haraways biologische Wissenschaftstheorien Unruhig Bleiben und A Cyborg Manifesto als theoretisches Fundament.

Dialog als Tool – Fragen an die Ausstellung und das Museum der Zukunft

„Dialog als Tool“ ist ein Forschungs- und Ausstellungsprojekt zur Frage, wie Kunstmuseen und Ausstellungen zukünftig zugänglicher, relevanter und gesellschaftlich wirksamer gestaltet werden können. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Museen zu den wenigen öffentlichen Orten gehören, an denen Menschen unterschiedlichen Perspektiven, Lebensrealitäten und Sichtweisen begegnen.

Das Projekt versteht Ausstellungsgestaltung als Werkzeug, um Dialog, Empathie und Austausch zu fördern. Statt primär auf Wissensvermittlung zu setzen, untersucht es das Potenzial emotionaler Zugänge, gemeinsamer Erfahrungen und offener Prozesse, die Besucher*innen Anknüpfungspunkte zur eigenen Lebensrealität bieten.

Die Arbeit umfasst eine Buchpublikation mit Recherche, Interviews, interaktiven Fragen und einem Szenografie-Handbuch sowie eine raumgreifende Installation. Sie entwickelt neue Ansätze für Ausstellungen als Räume gesellschaftlicher Begegnung.

ALONG THE MARGIN TERRITORIES OF NATURE

Fernando de Noronha, eine abgelegene brasilianische Insel und UNESCO-Welterbestätte, steht aufgrund von Tourismus, begrenztem Raum und der Abhängigkeit von der Infrastruktur des Festlands vor großen Herausforderungen im Abfallmanagement. Dieses Projekt untersucht, wie Produktdesign die Beziehungen zwischen Konsum, Abfall, Gemeinschaftspraktiken und ökologischer Verantwortung auf Tourismusinseln sichtbar machen kann.

Unter Verwendung eines planeten-zentrierten und spekulativen Designansatzes kombiniert die Forschungsarbeit Workshops, Umfragen und die Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen, um Recyclingpraktiken zu kartieren, Barrieren zu identifizieren und Chancen für Veränderungen aufzudecken. Design erleichtert dabei den Dialog zwischen Bewohnern, Besuchern und Akteuren der Abfallwirtschaft.

Das Ergebnis ist ein modulares Recyclingsystem, das aus lokalem Plastikmüll entwickelt wurde, unterstützt durch einen partizipativen Designprozess, der Stoffströme und lokale Probleme greifbarer macht. Das System kann von der Nutzung im Haushalt bis hin zur Sammlung auf Gemeindeebene angepasst werden, was zirkuläre und lokal angepasste Zukünfte fördert.

Der Blau_Kasten

Wie lässt sich ein bedrohtes Kunsthandwerk bewahren? Anstatt auf museale Konservierung zu setzen, beschäftigt sich die Arbeit mit der Überführung des immateriellen Kulturerbes Blaudruck in die Moderne und rückt dabei aktives Praktizieren in den Vordergrund. Da die traditionell verwendeten Druckstöcke (Model) kaum noch hergestellt oder repariert werden können, setzt die Arbeit dort an und dekonstruiert ihre starre Form, um das traditionelle Verfahren für die Gegenwart zu erschließen.

Der Blau_Kasten ist ein modulares Werkzeugsystem aus Druckmodulen, die mit unterschiedlichen Steckelementen versehen werden können. Zu immer neuen Motiven kombiniert, können so individuelle Textildrucke entstehen. Eingesetzt in Workshops macht das System Kulturerbe erlebbar.

Die intuitive Verwendung erfordert keine Vorkenntnisse und gibt den Teilnehmenden die Möglichkeit, kreativ zu werden und eigene Motive zu gestalten. So wird durch die aktive Partizipation ein Bewusstsein für das Kulturerbe geweckt.

ZERO Design

ZERO ist eine der bedeutendsten Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts. Sie gründet auf die Düsseldorfer Künstlergruppe von Otto Piene, Heinz Mack und Günther Uecker, die von 1957 bis 1966 bestand.

Die kunstgeschichtliche Bedeutung von ZERO ist universell anerkannt und umfassend erforscht. Das reiche grafische und gestalterische ZERO-Werk wurde hingegen nie systematisch untersucht.

»ZERO Design« ist die erste designwissenschaftliche Aufarbeitung des ZERO-foundation-Archives. Mit einer eigens entwickelten Methode zur Quantifizierung der Merkmale gestalterischer Werke analysiert sie, wie die (typo)grafischen Arbeiten der Bewegung einem erfolgreichem Kunst-Marketing zugrunde liegen.

Die gewonnenen Einsichten inspirierten die Gestaltung der HUIS SANS, einer neuen Schriftsippe mit 36 Schnitten, die Charakteristika des ZERO Design aufgreift und auf diese Weise die designgeschichtliche Entwicklung in der ZERO-Zeit typografisch nachempfindet.

Knock Three Times

Knock Three Times untersucht, wie sich Aberglaube und alltägliche Rituale in eine visuelle Sprache übersetzen lassen. Ausgangspunkt des Projekts ist die Frage, wie immaterielle Vorstellungen sichtbar gemacht und gestaltet werden können. Daraus entstanden zwei komplementäre Bildwelten: schwarz-weiße fotografische Collagen, die als „Anleitungen“ die Logik und Regeln einzelner Bräuche vermitteln, sowie farbige atmosphärische Fotografien, die deren emotionale und magische Dimension erfahrbar machen.

Das Projekt umfasst neben der fotografischen Arbeit auch die Gestaltung eines Ausstellungsraums, eines Faltplakats als Katalog sowie eines Fragebogens zur aktiven Einbindung des Publikums. Die seriell gehängten Schwarz-Weiß-Arbeiten betonen den regelhaften Charakter der Rituale, während unterschiedlich formatierte Farbfotografien den Raum verdichten. So entsteht ein Gestaltungssystem, das kulturelle Praktiken, räumliche Inszenierung und Publikumsinteraktion miteinander verbindet.

A delicate matter

Die Arbeit a delicate matter beschäftigt sich mit Unsichtbarmachungen in und um die Zeit nach der Geburt, also mit einer Phase, die gesellschaftlich wenig verhandelt wird und tabuisiert ist, obwohl sie hohe politische Relevanz trägt. Es versteht sich als Gegenposition zu romantisierenden Narrativen rund um Geburt und Elternschaft.

Im Format eines Wochenbettes (140 auf 200 cm) zeigen die typografischen, großformatigen Quilts anonymisierte, leicht paraphrasierte Zitate von betroffenen Personen sowie eine Visualisierung von passenden Studien und Umfragen. Vier Quasi-Etiketten Beschreiben eine auflösende Legende und kontextualisieren die Erfahrungen der Betroffenen strukturell.

Eine Übersetzung der Quilts und Etiketten in Zines dient weiter als eine als mobile, niedrigschwellige Wissens- und Vermittlungsform. Das Projekt bewegt sich an der Schnittstelle von Grafikdesign, Textil, und Recherche mit Schwerpunkt auf Geschlechterforschung.

(No) Hard Feelings

(No) Hard Feelings blickt aus einer kritischen Fan-Perspektive auf die Metal-Szene und fokussiert sich auf Aspekte, die oft nicht die ersten Assoziationen Außenstehender mit Metal sind und die auch Fans über die eigene Subkultur reflektieren lassen können: Ausdrucksformen und Ausleben von Queerness durch metaltypische Ästhetiken, der szeneinterne Umgang mit vermeintlich „apolitischen“ Haltungen, sowie die Rolle, die Metal als emotionales Outlet für Fans spielt.

Auf fünf Kutten, die als Publikations- und Präsentationsfläche von Bildern und Texten dienen, sammeln sich auf diese Themenbereiche bezogene Patches. Die wichtige Rolle von Handarbeit und DIY-Techniken wird in der Fertigung sichtbar.