„To Mark is to Mean“ untersucht, wie typografische Hervorhebungen nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern auch Bedeutung, Tonalität und Interpretation der Texte mit gestalten. Die Publikation bringt historische Beispiele mit kontemporären Arbeiten von 35 internationalen Designer*innen, Foundries und Studios zusammen, auch jenseits des lateinischen Schriftsystems, und formt so ein Archiv, das die Bandbreite und das noch nicht ausgeschöpfte Potenzial typografischer Hervorhebung aufzeigt.
Kategorie: printed
Design Klasse – Ein praktischer Einblick in Erfahrungen, Herausforderungen und Ausdrucksformen von Erstakdemiker*innen im Design
Wer als erste Person in der Familie studiert, betritt Neuland. Entscheidungen, die für andere selbstverständlich wirken – welcher Studiengang passt, wie eine Bewerbung funktioniert oder was eine „gute Mappe” bedeutet – können für Erstakademiker*innen im Designstudium zu Hürden werden. Denn auch Designstudiengänge setzen implizites Wissen, Selbstvertrauen und Zugang zu Ressourcen voraus.
Design Klasse möchte diese Erfahrungen sichtbar machen. Neben Gesprächen mit Erstakademiker*innen, die Design studieren oder studiert haben, umfasst es Initiativen für mehr Gerechtigkeit im Designberuf, Gestalterische Beiträge von Erstakademiker*innen sowie Ressourcen wie Stipendien und Netzwerke und ein Glossar.
Ziel ist es, Bewusstsein dafür zu schaffen, wie stark soziale Herkunft den Weg ins Designstudium prägt, und vor allem Mut zu machen. Niemand sollte allein durch ein Designstudium navigieren müssen, das für manche selbstverständlich und für Erstakademiker*innen Neuland ist.
Zwischen Leere und Bedeutung – Eine Interpretation japanischer Ästhetikprinzipien
„Zwischen Leere und Bedeutung – Eine Interpretation japanischer Ästhetikprinzipien“ untersucht, wie Ästhetik Wahrnehmung beeinflusst und Gestaltung über das Sichtbare hinaus wirken kann. Im Mittelpunkt steht das japanische Prinzip Ma, das den bewussten Zwischenraum beschreibt. Leere wird dabei nicht als Abwesenheit, sondern als aktiver Bestandteil von Bedeutung verstanden.
Auf Basis dieser theoretischen Auseinandersetzung entstand ein Workshop für Gestaltungsstudierende, der japanische Ästhetik erfahrbar macht. Durch Beobachtung, Kompositionsübungen und Reflexion lernen die Teilnehmenden, Leere als Gestaltungsmittel einzusetzen.
Die Umsetzung erfolgt über ein modulares Workshop-Toolkit mit Boxensystem und Anwendungsheft. Hochwertiges Gmund-Papier und durchgängige Gravuren betonen Materialität, Haptik und Reduktion. Das Projekt verbindet Theorie, Gestaltung und Didaktik und macht Ästhetik unmittelbar erlebbar.
Water from Air
Wassermangel ist eine der drängendsten globalen Herausforderungen. Das Bachelorprojekt „Water from Air“ setzt genau hier an: mit einem mobilen, dezentralen Wassererzeuger und -speicher. Das Ziel ist es, eine nachhaltige und alltagstaugliche Lösung zur lokalen Selbstversorgung mit Trinkwasser zu schaffen, unabhängig von geographischen und sozialen Gegebenheiten.
Inspiriert von der Permakultur nutzt das System die Luftfeuchtigkeit als Ressource. Mithilfe von Metal-Organic-Frameworks (MOFs) nimmt das Material in einem autarken, geschlossenen Kreislauf Feuchtigkeit auf und gibt sie durch Erwärmung und Kondensation als Trinkwasser ab – aktuell bis zu 6 Liter pro Tag.
Die Gestaltung überzeugt durch klare Funktionalität und Konsequenz. Durch den modularen Aufbau aus sortenreinem, recycelbarem Kunststofffilament ist das System langlebig, reparierbar und schont wertvolle Ressourcen entlang des gesamten Lebenszyklus.
Lose Enden – Vom An- und Verknüpfen
Wen ziehen wir an, wenn wir uns anziehen? Wie entscheiden wir, was wir tragen – und was kommunizieren wir damit?
Ausgehend von diesen Fragen widmet sich die Abschlussarbeit dem Sehen und Gesehen-Werden, dem Entschlüsseln kultureller Codes und dem Spannungsfeld zwischen Sagbarem und Unsagbarem. In einer multimedialen Installation resultiert eine materielle Recherche zwischen Text, Textur und Textil.
Lose Enden sammelt Fragmente und „Unfertiges” in verschiedenen Formaten: Bewegtbild, eine Publikation, eine textile Kollektion. Im Experimentieren mit alternativen Druckverfahren fließen typographische und textile Verfahren ineinander: maschinengestrickte Grafiken (knitprinting) und druckende Schuhsohlen (footprinting) entstehen durch die Methodik des Hackens (open–dissect–reassemble). Bestehende Strukturen werden untersucht, dekonstruiert und neu zusammengesetzt.
In Anlehnung an Roland Barthes’ Die Lust am Text versteht sich Lose Enden als offene Sammlung, die auf die Resonanz der Betrachtenden aufbaut.
heimatglyphen
In der freien Bachelorarbeit wurde sich auf typografischer Ebene dem Themenkomplex „Dialekt“ angenähert. Da Dialekte besonders in jüngeren Generationen an Bedeutung verlieren, sollte durch die Visualisierung der Klangvielfalt meines Heimat-Dialektes aus dem Ostallgäu der kulturelle und identitätsstiftende Wert von Mundart sichtbar gemacht werden.
Ausgehend von der Frage, wie sich Dialekt schriftlich darstellen lässt, wurden neue Glyphen aus charakteristischen Merkmalen entwickelt. Grundlage bildeten hierfür Analysen von Dialektliteratur sowie experimentelle Abstrahierungen lateinischer Glyphen durch Scanprozesse.
Das Ergebnis ist eine interaktive Webanwendung mit animierten Glyphen, Wörterbuch, Hörbeispielen und Interviews. Ergänzend entstand ein RISO-gedrucktes, handgebundenes Booklet als Type Specimen. Testings zeigten: Die Texte erzeugen bewusste Lesepausen und fördern das Hörverhalten, wodurch Dialekt digital wie analog erlebbar wird.
100 Jahre Surrealismus und das, was vergessen wurde: Erscheinungsbild und Printpublikation für ein Ausstellungskonzept
2024 feiert der Surrealismus sein 100-jähriges Jubiläum. Dennoch wird die Bewegung bis heute vor allem mit männlichen Künstlern verbunden. Das Erscheinungsbild für die Ausstellung „100 Jahre Surrealismus und das, was vergessen wurde“ macht die oft übersehenen Künstlerinnen sichtbar und zeigt sie als aktiven Teil der Bewegung.
Da die Ausstellung als Wanderausstellung konzipiert ist, funktioniert das Erscheinungsbild mehrsprachig und flexibel. Je nach Standort verändert sich der Schwerpunkt, was sich auch im Logosystem zeigt: Unterschiedliche Teile der „100“ werden hervorgehoben.
Im Mittelpunkt steht die Printpublikation. Sie verbindet einen historischen Text von Maurice Nadeau mit Whitney Chadwicks Forschungen zu surrealistischen Künstlerinnen. Die Schrift „Oneira“, entwickelt aus deren Handschriften, gibt ihnen durch Randnotizen eine eigene Stimme. Das dreigeteilte Buch greift surrealistische Techniken wie Collage und Cadavre Exquis auf.
Be Water
Ein physisch-digitales Desktop-Gerät für mentale Fitness, emotionale Regulierung und Produktivität. Viele Menschen erleben Angstzustände, Prokrastination und Konzentrationsverlust durch ständige Informationsüberlastung und selbstgemachten Druck.
„Be water“ ist sowohl eine Lebensphilosophie als auch ein Gestaltungsansatz, der zu Flexibilität und Anpassung in verschiedenen Situationen anregt. Verschiedene Aggregatzustände von Wasser werden in physische Formen übersetzt, um emotionale und verhaltensbezogene Übergänge während des Arbeitstages zu unterstützen.
KRITERIUM
In meinem Mater Projekt entwickelte ich einen individuell angepassten Fahrradsattel, der Komfort, Gesundheit und digitale Fertigung vereint. Kern der Innovation ist ein von mir entwickeltes Scanverfahren: Auf einem Dummysattel wird ein spezielles Material eingesetzt, das sich durch Körperwärme verfärbt. Beim Probesitzen entsteht so ein thermisch erzeugter Abdruck der individuellen Belastungszonen. Dieser Abdruck wird optisch erfasst und digital ausgewertet, wodurch die tatsächliche Sitzposition und Druckverteilung direkt auf dem Fahrrad sichtbar werden.
Auf Basis dieser Daten wird die Satteloberfläche kundenspezifisch erzeugt. Das Endprodukt ist ein mittels Lineardruckverfahren hergestellter 3D-gedruckter Fahrradsattel, der sich kostengünstig und direkt vor Ort fertigen lässt.
Das Verfahren ersetzt die bisher übliche Suche nach dem passenden Sattel durch eine datenbasierte, individuelle Anpassung und bietet insbesondere bei gesundheitlichen Einschränkungen eine neue Lösung.
Perspectives of the past, visions beyond the present. A journey within footwear.
Ein zerlegbarer Schuh aus einem einzigen gefalteten rechteckigen Stoffstück, in Kombination mit einer modularen, ineinandergreifenden 3D-gedruckten Sohle und Verbindungselementen, schlägt eine Brücke zwischen dem Erbe historischer Schuhmode und den kostengünstigen Technologien unserer Zeit.
Die Fertigungstechniken und die Konstruktionslogik der Espadrille dienen als Referenz und Ausgangspunkt für effizientere und vielseitigere zeitgenössische Schuhkonzepte. Durch den Einsatz zugänglicher Technologien wie 3D-Druck und die materialeffiziente Nutzung von Stoff werden Einfachheit, Materialreduktion und Modularität neu interpretiert. So entsteht ein konfigurierbares Konstruktionssystem aus abnehmbaren und austauschbaren Komponenten, das Materialverschwendung minimiert, Reparaturfähigkeit gefördert und die Lebensdauer des Produkts verlängert.
Das Projekt möchte zeigen, wie Design historische Perspektiven nutzen kann, um eine nachhaltigere und zukunftsorientiertere Gestaltung zu ermöglichen.