Sicherheitshalber

Wie sieht ein produktives Verhältnis im Umgang mit den eigenen Unsicherheiten aus, und mit welchen Techniken und Strategien versucht der Mensch den Sorgen und Zweifeln entgegenzutreten, um der Sicherheit halber ins Handeln zu kommen?
Dieser Frage nachspürend, wirft das Projekt einen Blick auf die Subkultur des Preppens als eine spezifische Form der Krisenvorsorge und Perspektive zur Selbstermächtigung.
Die Konfrontation mit den im Prepping propagierten Bildern, Selbstverständnissen, Werten und Normen führt in ein Spannungsfeld von Sicherheit und Verletzlichkeit und regt zur Frage an, was Sicherheit in ihrer materiellen wie zeitlichen Dimension ausmacht, inwiefern dabei Erzählungen von Zukunft Realitäten schaffen und welche Ästhetik diese mit sich bringen.

In gestalterischer Auseinandersetzung diese Momente reflektierend, sind eine wärmende Powerstation, die Licht ins Dunkel bringt, ein tragendes Seil und ein portabler Wassersammler entstanden.

YPSILON

Eine produktsprachliche Auseinandersetzung mit einer Mediated-Reality-Schnittstelle. Ein Konzept für ein Gerät, das die visuelle Wahrnehmung des/der Operateur*in im Operationssaal digital unterstützt, modifiziert und überträgt.

Das vorgestellte Konzept erforscht, wie die Erweiterung des Sehsinns in der Chirurgie produktsprachlich umgesetzt werden kann. Die markante, namensgebende Form des Headbands ergibt sich aus der menschlichen Anatomie, und die Bedienelemente sind auf optimale Benutzerführung und Ergonomie ausgelegt. Das Visor von Ypsilon ist bewusst produktsprachlich als undurchsichtig gekennzeichnet; der/die Träger*in schaut nicht nur durch das Gerät hindurch, sondern in einen digitalen Raum hinein.

Durch den/die Träger*in zu betätigende haptische Bedienelemente sind für den blinden, taktilen Gebrauch gestaltet, während die Funktionen, die von Assistent*innen bedient werden, durch klare Anzeichen kommuniziert sind.

[ ]*

Ein spekulatives Design-Research-Projekt, das sich mit der aktuellen Debatte um Big Data und Künstliche Intelligenz auseinandersetzt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Verwendung und die Entstehung von Daten – deren Sichtbarkeit, vor allem aber auch deren Unsichtbarkeit.

Exemplarisch durch Gender Data Gap, Reproductive Rights und Künstliche Intelligenz wird der komplexe Begriff und die weitreichende Bedeutung von Daten gestalterisch untersucht.

Als Ergebnis dieser Untersuchung wird der vielschichtige Research-Prozess dargestellt und daraus abgeleitete physische Props gezeigt, die als Requisiten die Daten-Kapitel visuell unterstützen.

Zu diesen Props gehören unter anderem Thermo-Slips und Thermo-Ringe, die als alternative Verhütungsmethoden nach DIY-Anleitungen hergestellt wurden. Zudem werden weiter ausgestaltete Thermo-Slips gezeigt, die in einem experimentellen, gendersensiblen Entwurfsprozess unter Einbeziehung von Künstlicher Intelligenz entstanden sind.

PLASTIC HUMANS

Das Projekt Plastic Humans untersucht die Präsenz von Mikroplastik im menschlichen Körper und fragt nach den langfristigen Folgen dieser unsichtbaren Belastung. In einem spekulativen Zukunftsszenario wird Mikroplastik bei der natürlichen Zersetzung des Körpers nach dem Tod freigesetzt. Um eine weitere Kontamination zu verhindern, werden die Körper eingeäschert, die plastikbelasteten Überreste analysiert und zu neuartigen Urnen geformt. Der Plastic Human setzt sich aus den drei stärksten Mikroplastikkonzentrationen zusammen, die ein Mensch in sich trägt. Jeder Kunststoff hat seine eigene Form. Die Kombination aus Wissenschaft, Design und spekulativer Narration macht die unsichtbare Bedrohung durch Mikroplastik sichtbar und soll zum Nachdenken über die möglichen Auswirkungen unseres Konsumverhaltens anregen. Plastic Humans ist eine kritische Auseinandersetzung mit den Spuren, die wir hinterlassen – und mit einer Zukunft, in der Menschen selbst zu Plastikprodukten werden.

Panta Rhei

Bahnhöfe sind zentrale Knotenpunkte unseres Alltags und prägen unser Zusammenleben im urbanen Raum. Die Fülle an Reizen und Informationen führt bei vielen Reisenden zu Stress und Überforderung. Um dem zu begegnen, entwickeln wir individuelle Strategien, die jedoch zunehmend zur sozialen Abschottung führen.

Panta Rhei setzt hier an und bietet einen Maßnahmenkatalog zur Vereinfachung der visuellen, olfaktorischen und auditiven Wahrnehmung in Bahnhöfen – exemplarisch angewandt am U-Bahnhof Alexanderplatz in Berlin.

Das modulare System lässt sich flexibel an räumliche Gegebenheiten anpassen und kann sowohl bei Neubauten als auch im Bestand angewendet werden. Das Leitsystem basiert auf der Anzahl der Ein- und Ausgänge und unterstützt eine intuitive Orientierung. Ergänzend verbessern Deckenmodule mit funktionalen Inlays die visuelle und olfaktorische Raumwahrnehmung.

Panta Rhei schafft neue Qualitäten für den öffentlichen Raum und stärkt so das soziale Miteinander.

Decode Diversity

Decode Diversity
Das Spiel zur Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identität

In diesem interaktiven Gruppenspiel erkunden Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse spielerisch die Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten. Gemeinsam hören die Jugendlichen Audioaufnahmen, in denen Personen sich selbst beschreiben, und versuchen anhand von Hinweisen, die Identitäten der Personen in fünf Kategorien einzuschätzen: Zugewiesenes Geschlecht, Geschlechtsausdruck, Geschlechtsidentität, romantische und sexuelle Orientierung. Runde für Runde platzieren die Jugendlichen ihre Tipps auf dem Spielbrett, bis die Identität und das dazugehörige Profilbild enthüllt werden.
Ein Spiel, das Empathie, Kommunikation über Sexualität und Verständnis für Diversität fördert!

Rebound

Rebound ist eine kritische Reflexion über unsere schnelle, technisierte Welt und ihren Einfluss auf die wertvollste aller menschlichen Ressourcen: Lebenszeit. Der Begriff Reboundeffekt beschreibt den Umstand, dass die effizientere Nutzung einer Ressource paradoxerweise oft zu einem Mehrverbrauch führt. Digitale Werkzeuge sollen unser Leben erleichtern; sie versprechen Komfort und Zeitersparnis. Doch in Wirklichkeit fühlen wir uns zunehmend gestresst und erschöpft. Liegt das daran, dass Effizienz im Kapitalismus stets als Anlass gilt, mehr zu leisten? Dabei stoßen wir längst an menschliche Grenzen. Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen nehmen zu. Anstelle von Freiheit und Leben treten Selbstoptimierung und ständige Erreichbarkeit.
In sechs Arbeiten beschäftige ich mich mit verschiedenen Aspekten unserer kapitalisierten Existenz, in der unsere Zeit längst zur Ware geworden ist – nützlich, verwertbar, selten für uns selbst bestimmt.

Trotzdem machen

Bayern und Hessen führen im Mai 2024 das Genderverbot ein. Genderneutrale Sprache mittels Sonderzeichen wird in öffentlichen Institutionen untersagt. Damit wird ein Thema politisiert, das von vielen Entscheidungsträger*innen selbst als vermeintlich unbedeutend angesehen wird. „Trotzdem machen“ zeigt, wie und warum genderneutrale Sprache in Wort und Schrift weiterhin Bestandteil unserer Gesellschaft bleiben muss.

In Form eines Hardcovers ist eine Erörterung entstanden, die die Kontraseite als das vermeintliche Problem und das „Was jetzt“ aufgreift. Ergänzend dazu wurden ein Softcover, eine beiliegende Postkarte mit den Hard Facts sowie eine Animation entwickelt, um dem Thema auch in anderen Medien Kontext zu geben.

353

Die Videoinstallation 353 führt durch eine visuelle Dokumentation persönlicher Dinge zur Sensibilisierung und Reflexion des individuellen Konsumverhaltens. Die aus dem alltäglichen Gebrauch der Dinge abgeleiteten Inszenierungen offenbaren den skurrilen und ausufernden Konsum, der im Alltag oft ungesehen bleibt. Der Umgang mit den Dingen in ihrer Gesamtheit erlaubt eine humorvolle und zugleich ernsthafte Darstellung dieses Konsumverhaltens und dient als visuelle Zählung. Die Inszenierungen sind unerwartet und nicht belehrend, um die Auseinandersetzung mit dem Thema so zugänglich wie möglich zu machen. Die Kritik an unserem Konsum soll durch die Zurschaustellung der Dinge und der massenhaften Inszenierung deutlich werden und zu einer selbstständigen Einordnung durch die Betrachter:innen führen. Die Auswahl der dargestellten Dinge erfolgt mit der Intention, dass sich jede:r damit identifizieren, sich angesprochen fühlen, direkte Vergleiche ziehen und sich eine Meinung bilden kann.

Capturing Fluids

Capturing Fluids erforscht das Vergehen von Zeit durch fotografische Experimente mit schmelzendem Eis und sensorischen Verformungen. Die zentrale Frage lautet, ob und wie das Vergehen der Zeit sichtbar gemacht und in Form gebracht werden kann und wie es möglich ist, etwas so Ungreifbares wie die Zeit zu materialisieren. Durch analoge und digitale Übersetzungsprozesse entsteht eine Schmuckkollektion aus 925er Sterlingsilber, Acrylglas und Bergkristall, die eine Faszination für den ständigen Fluss und die Vielschichtigkeit der Zeit verkörpert. Inspiriert von den Formen schmelzenden Eises hält jedes Schmuckstück einen flüchtigen Moment fest.