Drywall Construction

„Drywall Construction“ präsentiert eine Reihe experimenteller keramischer Objekte und eine zusätzliche Installation aus Schöpfpapier, das aus recyceltem Gipskartonpapier hergestellt wurde. Alle Gefäße entstanden aus einer Untersuchung von Trockenbauplatten im Rahmen eines Forschungsprojekts über die Recycelbarkeit von Gips und dessen Verwendung in industriellen und künstlerischen Kontexten. Ihre Dimensionen und Formen erinnern an architektonische und tektonische Ästhetik, greifen den Ursprung des Basismaterials auf und erweitern ihn hin zu dessen Verarbeitung in der industriellen Praxis.

Die Fragmente und Papierpulpebögen spielen auf den stark handwerklichen Prozess des Trockenbaus an, bei dem standardisierte Platten gebrochen und zu Wänden zusammengefügt werden – hier neu interpretiert als dekorative Objekte, die die Wahrnehmung des Betrachters herausfordern und zur Reflexion über verborgene Potenziale und Materialqualitäten einladen.

Brick Lamps

Die Leuchtenfamilie „Brick Lamps“ verbindet verschiedene Leuchtentypen mit dem industriellen Herstellungsverfahren des Tonpressformens. Diese ungewöhnliche Kombination aus Material und Objekt soll zeigen, dass durch den Einsatz produktionsspezifischen Designs die Effizienz der industriellen Fertigung in Verbindung mit der Verwendung von Materialien wie Ton dazu beitragen kann, die lokale Produktion wiederzubeleben und dabei moderne Nachhaltigkeitsstandards zu berücksichtigen.

Im Rahmen des Projekts arbeitete ich mit einer ehemaligen Ziegelei im ländlichen Brandenburg zusammen, um Rohmaterial zu beschaffen und mehr über die Geschichte sowie die umweltfreundliche Zukunft des Tonpressens und -brennens zu erfahren, während ich gleichzeitig mehr darüber lernte, welche Designs mit diesem Verfahren zuverlässig hergestellt werden können. Auf dieser Grundlage wurde ein Produktionsverfahren im kleinen Maßstab entwickelt, das die Herstellung der Lampen im Rahmen des Uni-Workshops ermöglichte.

Die begleitende Abschlussarbeit untersucht, wie sich die gezielte Gestaltung für lokale Produktionstechniken positiv auf das soziale Gefüge von Gemeinschaften auswirkt.

Interkultureller Kalender 2026

Der „Interkulturelle Kalender 2026“ umfasst die Feste der fünf Weltreligionen sowie Feier- und Gedenktage, die für Menschen und Communities unserer vielfältigen Gesellschaft bedeutsam sind. Die Gestaltung stellt kulturelle Gleichwertigkeit und inhaltliche Diversität an erster Stelle, anders als herkömmliche tabellarische Wandkalender.

Der Kalender wurde als Kreis konzipiert, der Form, die für Gleichheit steht und von Sonne und Mond vorgegeben ist. Seine Leporellofalz lässt sich beidseitig in diese zwei Ordnungssysteme auffächern. Die Faltstruktur folgt dem Tages- und Nachtrhythmus und ermöglicht die korrekte Darstellung der Feiertagsbeginne.

Er schafft täglich mehr Bewusstsein dafür, dass wir alle auf dem selben Planeten leben und gemeinsam Zeit teilen.

63,78cm Radius • ⌀ 127,56cm • 7,48m lang • 10cm hoch • 2cm breit • 606g • 374 Faltungen • 17 Offsetbögen

VERITUM

„VERITUM“ – aus dem Lateinischen für „fürchten“ oder „verehren“ – thematisiert gesellschaftliche Ungleichheit anhand zweier Gegensätze: den historisch ausgegrenzten Menschen mit Behinderungen und der verehrten Adelselite. Im Zentrum steht die Inklusion als Gegenentwurf zu bestehenden Machtstrukturen. Sie beschreibt das Recht aller Menschen auf gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe.

In der Edelsteinkunde bezeichnet „Inklusion“ den Einschluss von Fremdkörpern. Übertragen auf die Gesellschaft verweist dieser Begriff darauf, wie Menschen mit Behinderungen noch immer wahrgenommen werden. Die Formensprache von Kronjuwelen dient als gestalterische Grundlage des Projekts. Aus Porzellan gegossene Edelsteine in normierten und abweichenden Schliffen wurden gleich behandelt, gefasst und zu Schmuck verarbeitet.

Die unterschiedlichen Facetten symbolisieren die Vielfalt unserer Gesellschaft. Denn weder Normen noch äußere Merkmale bestimmen den Wert eines Menschen – wir alle sind Juwelen

Hyperculture – Cultural practices across East and West

Im Alltag wird immer deutlicher, dass sich kulturelle Grenzen auflösen und nicht mehr klar als „östlich“ oder „westlich“ einzuordnen sind. Hyperculture beschreibt dieses Verschwimmen kultureller Grenzen und ermöglicht das Nebeneinander unterschiedlicher Kulturen in einer globalisierten Welt. Das Thema “Hyperculture – Cultural practices across East and West” wird anhand von 3 Arbeiten umgesetzt:1. Publikation: Die Wendepublikation setzt sich mit kulturellen Praktiken im Osten und Westen auseinander und kann aus beiden jeweiligen Perspektiven gelesen werden. Verdeutlicht wird dies durch Interviews, Zitate, Artikel, Bilder und eigene visuelle Darstellungen.

2. Plakat: Das Lentikularplakat mit Morphing-Effekt basiert sich auf die zwei Cover der Wendepublikation.

3. Vase: Die Vase verkörpert eine hybride Identität in Objektform, da sie blaue Porzellanmalerei mit östlichen und westlichen Motiven verbindet.

Design by KI and Me

„Design by KI and Me“ untersucht, wie künstliche Intelligenz den Gestaltungsprozess im Produktdesign verändert. Im Fokus stehen die ästhetischen, kreativen und strukturellen Auswirkungen von KI auf die Designpraxis sowie die Frage, wie sich Rollen von Designerinnen, Ideenfindung und Autorschaft verschieben. Die Arbeit verbindet theoretische Analysen, Expertinneninterviews und eigene Entwürfe.

Das Ergebnis sind KI-generierte Pfeffermühlen – ein Verweis auf die digitale Kolonialität von KI – aus handgefertigtem Porzellan als Verbindung von digitaler und handwerklicher Welt.

Durch modulare Ober- und Unterteile sowie unterschiedliche farbliche Ausführungen entstehen zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten, aus denen Nutzer*innen ihre eigene Pfeffermühle kuratieren. Genau darin spiegelt sich die Arbeit mit KI wider: Gestaltung wird zum Prozess des Auswählens, Entscheidens und Kuratierens.

Manca

Manca ist ein Ofen, inspiriert von einer jahrhundertealten peruanischen Tradition namens „Pachamanca“. Dieses Gericht, das ursprünglich in einem Erdloch mit glühenden Steinen gegart wird, ist weit mehr als eine Zubereitungsmethode. Es ist ein Ritual der Gemeinschaft, ein Fest des Miteinanders und der Verbundenheit mit der Natur.

Mit Manca wird diese Tradition in einen neuen Kontext übersetzt. Der Ofen bietet eine klare und sichere Struktur für den komplexen Garprozess und macht ihn in urbanen Räumen erlebbar, ohne den kulturellen Ursprung aus den Augen zu verlieren. Er schafft einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, gemeinsam kochen und den Wert des kollektiven Handelns spüren können.

Manca ist ein Versuch eine Brücke zu schlagen, welche es ermöglicht eine alte Tradition im Wandel der Zeit, in einer modernen Urbanen Umgebung am leben zu halten.

Low Tech Cooling / Modulares Kühlsystem

Das modulare Verdunstungskühlsystem aus Keramik basiert auf einer Rohr-in-Rohr Technik als zentralem Funktionsprinzip. Die ringförmigen Module sind nicht nur eine formale Entscheidung, sondern ein technischer Ansatz. Die Geometrie schafft einen inneren Luftschacht, während die poröse Keramik im äußeren Bereich Wasser aufnehmen und über Verdunstung adiabate Kühlung erzeugen kann. Ohne Kompressor, ohne Kältemittel und mit minimaler Technik.

Die Ringe lassen sich stapeln und zu einer Kühlbatterie erweitern. Damit kann die Leistung einfach an die Raumgröße angepasst werden.

BROKEN=GOOD

In der Produktion von Gebrauchsporzellan entstehen keramische Abfälle als Bruchware (engl. broken goods), die meist unzureichend wiederverwendet werden. Häufig führt ein zu hoher Standard zu bis zu 20 % Bruchware, die rein aus ästhetischen Gründen aussortiert wird. Die Arbeit untersucht gestalterische Eingriffe in den Fertigungsprozess, die Sortierung und die Entsorgung, um Ressourcen zu sparen.

Das Ergebnis ist ein in Kleinserie gefertigtes Porzellan-Teeservice, das ästhetische Anforderungen hinterfragt und den Energieaufwand sowie das Material wertschätzt. Es soll für die Merkmale sensibilisieren, die durch Material und Fertigung entstehen können und sonst als Fehler deklariert werden. Anstatt sie zu verleugnen, werden die Merkmale in einem Café-Nutzungsszenario vermittelt. Die Grenzen zwischen den Güteklassen verschwimmen. Das Design hat hierbei keinesfalls den Anspruch einer allgemeingültigen Lösung, sondern soll eher einen Teil zu einem größeren Umdenken beitragen.

Badezimmermuschel

Das Badezimmer präsentiert sich uns als Raum der Körper und Peinlichkeiten. Es möchte glatt, rein und abgewischt sein. Gleichzeitig ist es für uns ein Ort für Ruhe und Privatheit. Das In-Sich-Gekehrte, Private, Abgeschottete, die inoffiziellen Zwecke eines Badezimmers, der Blick nach draußen und in die Wände haben mein Interesse geweckt.

Einem intensiven Rechercheprozess folgte die konzeptionelle Ausarbeitung einer neuartigen, spekulativen Sanitärkeramik. Digitale, generative Methoden replizieren Form, Struktur und Logik einer Schneckenmuschel — quasi gestalterische Biomimikry. Am Ende steht neben einer installativen Inszenierung ein vollendetes keramisches Objekt, das an Herstellbarkeit nach dem Vorbild einer industriellen Produktion angelehnt ist.

Die Badezimmermuschel macht ein Angebot für einen Aufbruch in der hochgradig standardisierten Sanitärkeramik. Sie hinterfragt unsere kulturellen und persönlichen Praktiken — ein alltägliches Artefakt aus einer anderen Welt.